Sicherheitstest in Aue

Das gegen Hannover war dann so einer der viel zitierten dreckigen Siege. Eintracht Frankfurt hat mit den drei Punkten in Niedersachsen zum letztmöglichen Zeitpunkt dafür gesorgt, tabellarisch aus dem Gröbsten herauszubleiben. Mit nun 12 Punkten ist es zumindest nicht mehr illusorisch, beim Hinrundenschluss in die Nähe der 20-Punkte-Marke zu kommen. 18, 19 müssten es sowieso werden, um wenigstens den derzeitigen status quo zu halten.

Das es für mehr nicht reichen wird, dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein, da ändert das Hannoverspiel nichts dran. Im Gegenteil, der 2:1-Sieg ist eher eine erneute Bestätigung der groben fussballerischen Mängel, auch des Tempodefizits gewesen. Aber eben weil in den vergangenen Partien nicht mal eine Torchance (!) herauskam, ist der Auftritt im 4-2-3-1 schonmal eine Verbesserung gewesen. Gegen das, wie vorhergesagt, wohl wirklich mieseste Team der Liga. Diesen letzten Aspekt sollte sich jeder vergegenwärtigen: Hannover war und ist richtig richtig schlecht, die Eintracht war – nach dem 0:1 – die etwas weniger schlechte Mannschaft. Mehr nicht.
Den guten Fußball, den viele nach dem Rückstand gesehen haben wollen, habe ich auch nach dem zweiten Anschauen des Spiels nicht entdeckt. Natürlich, als sie dann etwas machen mussten und machten, sah das wesentlich griffiger aus als in der vorangegangenen Stunde. Schwer ist das angesichts des Langholz-Marathons auch nicht gewesen. Fakt und das einzig wichtige ist, drei Punkte auf das stagnierende Konto gepackt zu haben. Angesichts der Ausgangslage verbietet sich die allzu überkritische Bewertung.

Welche Schlüsse zieht man also aus der Partie? Hat die linke Seite Djakpa/Oczipka funktioniert? Hat Reinartz – nicht nur aufgrund des Fehlers vor dem 0:1 – seinen Stammplatz verloren, etwa an den starken Medojevic? Bewährt sich die Umstellung auf 4-2-3-1, zumal mit Seferovic als vorderster Offensiver?

Die Schwäche des Gegners außer Acht gelassen, findet man auf die aufgeworfenen Fragen wohl verschiedene, differenzierte Antworten. Die linke Seite etwa lag im Aufbauspiel komplett brach, das änderte sich – fast symbolisch – erst mit dem Ausgleichstor. Während Djakpa vorher, sicher auch der mangelnden Praxis bedingt, bisweilen fahrig verteidigte, zwei, drei Schnitzer drin hatte, spielte Oczipka gar nicht mit. Wenn, zog er immer wieder in die Mitte, mit dem Ball am Fuß gelang ihm lange gar nichts. Fazit: Auf links kann sich eine passable Variante entwickeln. Die Sechserposition neben Stendera dürfte nun in der Tat anders besetzt werden, dafür war die Leistungssteigerung nach der Reinartz‘ Aus- und Medojevic Einwechslung zu deutlich. Die Frage wird sein, ob nun Hasebe neben Stendera rückt und Ignjovski/Chandler als Rechtsverteidiger auflaufen, oder nicht. Übrigens gilt auch für Johannes Flum, dass er einen besseren Eindruck hinterließ und hinterlässt als Reinartz.
Die Systemumstellung wird jedenfalls fruchten. Im Mittelfeld ist da im Spielaufbau nun eine Anspielstation mehr vorhanden, defensiv steht die Mannschaft somit dichter. Entscheidend für das langfristige Gelingen des 4-2-3-1 wird – neben den Fragen des zweiten 6ers und dem Experiment auf links – sein, ob Haris Seferovic in die Spur kommt. Nicht nur seiner fahrlässig vergebenen Großchance kurz vor Schluss wegen, machte er einen unglücklichen Eindruck, selbst in der letzten halben Stunde, als die Eintracht besser, aktiver, offensiver wurde. Er blieb blass, im Gegensatz zu Meier, der nicht nur den Ausgleich vorbereitete, sondern auch die Aigner-Chance mit Zuckerpass initiierte. Ansonsten war auch er freilich unsichtbar in der Vor-0:1-Phase.

Nach dem DFB-Pokalspiel in Aue, bei dem sich diese Mannschaft in dieser Formation einspielen und Sicherheit er-kombinieren muss, kann man entspannt am Ende der Woche gegen Bayern München verlieren. Die Partie gegen den FCB, die dann wie immer irgendwas wie 0:4, 0:5 enden wird, kann man zum Üben von defensiver Kompaktheit, von Zweikampfführung nutzen. Trainingseinheit im Vorfeld der wesentlich wichtigeren Spiele, wo sich das Erlernte auszahlen würde. Also vielleicht dann nicht die A-Jugend aufstellen, aber vielleicht Alexander Meier und Marc Stendera schonen.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Sicherheitstest in Aue

  1. Jermaine Jones Junior

    Das darf doch wohl nicht wahr sein. Unser übernächster Gegner, bei dem wir voraussichtlich punkten müssen, verpflichtet einen Super-Trainer. Na toll. Immer müssen kommende/mögliche Punktelieferanten den Trainer wechseln!

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