Die letzte Patrone

Da stellt Trainer Armin Veh, nach Wochen des Würgens mit Raute, gegen Hannover ein 4-2-3-1 mit Djakpa/Oczipka auf dem linken Flügel auf. Um dann in Aue was zutun? Das Duo wieder zu sprengen und abermals das System insofern zu (ver-)wechseln, als dass er Marc Stendera als Linksaußen – wo er seine Untauglichkeit schon mehrfach unter Beweis stellen konnte – aufstellte. Bei allen Fehlern, die man auch Veh zurecht zuschreiben und ankreiden mag, vermochte er in der Analyse und Lehre daraus eigentlich stets das strukturell Richtige zu tun. Nun, gegen Aue, tat er das Gegenteil. Er wählte in einer Phase der tiefsitzenden Verunsicherung eine Formation, die noch unsicherer sein musste als das ohnehin fragile Gebilde. Das darf einem mehr Sorge bereiten als so manches andere.

Denn zumindest ich weiß nicht, was Veh spielen lassen will. Nach dem Aufstieg waren es in einem 4-2-3-1 vor allem zwei hochstehende Außenverteidiger mit einem eher defensiv orientierten, strukturierenden (Schwegler) sowie einem schnellen, das Team nach vorne ziehenden Sechser (Rode). Somit schuf das Team neben Überzahl im Mittelfeld recht viele Offensivaktionen, bei gleichsam problematischer Rückwärtsarbeit. Später war es eine wesentlich defensiver gedachte Formation, die auf Ballbesitz aus war und die Angriffe trotzdem sehr konsequent über die schnellen Außen Aigner und Inui vortrug.

Aktuell ist das – und zwar sei Saisonbeginn – nichts als strukturelles Wirrwarr. Das beginnt, endet aber nicht bei der Entscheidung für eine Rautenformation. Das Aufbauspiel ist Unsinn, es gibt offenkundig keine Gesamt-Idee von dem, was man und wie man es zutun gedenkt. Es gleicht einer Maxime, wonach jeder einzelne Spieler seine individuelle Stärke einbringen und der Zufall das große Ganze schmieden, zu einem guten Ausgang führen soll. Das erinnert sehr an die Amtszeit, die Fortsetzung des Treibens von Thomas Schaaf. Es ist Zufalls-Gewurschtel, in puncto Formation, Auf- und Einstellung, um die eklatanten Fehler in der Kaderplanung zu kaschieren. Irgendwie ins Zwischenziel Winterpause retten. Aber das ganze eben planlos, auf Sicht fahrend, mal so, mal so, dann wieder anders.

Das Beispiel ist oben genannt: Erst setzt der Trainer aus der Not auf das Duo Djapka/Oczipka, dann sprengt er es nach nur einem Spiel wieder und stellt Stendera als Linksaußen, der sich dort bereits mehrfach als untauglich erwiesen hat. Wieso? Die Zeit der Experimente ist die Vorbereitung, und wenn man mitten im Schlamassel steckt – was die SGE unstrittig tut – darf man einen Weg, der zumindest halbwegs funktioniert, in die richtige Richtung gewiesen hat, nicht verlassen. Schon gar nicht, wenn man jedes Spiel gebrauchen kann, um sich das Minimum an Sicherheit zu erspielen.

Es ist, und hier kommt abermals die Funktionärs-Verantwortung zum Tragen, absolut sinnbefreit auf einen auf die Außenbahnen fixitierten Kurzpassspiel-Verfechter (Veh) einen zentralspielmacher-orientierten oder Langholz-Anhänger (Schaaf) zu verpflichten und dann eine Saison später wieder den Kurzpass-Verfechter zum Trainer zu machen.

Unabhängig von der üblen Einstellung, die diese Mannschaft immer wieder (aber auch das über die Jahre nicht zum ersten Mal) zeigt, wundert es nicht, dass die Spieler verwirrt sind und sich spielerisch auch so verhalten.
Die Vorstände bei Eintracht Frankfurt haben schlicht keinen Dunst von Trainerverpflichtungen. Man kann sich so eine Runde trefflich vorstellen. Da sitzt dann nämlich kein Kenner des Spiels im Gremium, der eine, der seine Vorstellung von der Ausrichtung des Kaders, der Spielweise, des mittelfristigen Weges hat und den Trainer danach aussucht, ob dieser eben jene Forderungen umsetzen kann. Nein, bei der SGE wird es sicher so laufen, dass Trainer sich und ihre Vorstellungen vorstellen dürfen und á la „Höhle des Löwen“ auf dem Fernsehsender Vox die „Jury“ entscheidet, mit wem man in die Kiste zu steigen gedenkt, weil Person XYZ sich so gut verkauft hat.

Ich bin gespannt, ob in der folgenden Diskussion die Personalie Bruno Hübner mal auf den Prüfstand kommt. Das Kernproblem ist immerhin – ich sprach es an – eines der Vereins“identität“ bzw. der (mangelnden) Fachkompetenz. Und da Heribert Bruchhagen spätestens seit Ende der vergangenen Saison eine lame duck ist, trägt die Verantwortung für die (abermalige) Misere meines Erachtens in erster Linie der Sportdirektor. Die Entscheidung gegen einen LM bei gleichzeitigem Verkauf des einzigen LM, die Entscheidung gegen einen RV und auch einen flinken DM ist vereins-/ teamschädigend. Für sich genommen war etwa der Transfers von Stefan Reinartz durchaus in Ordnung. Angesichts der vorhandenen Spielertypen auf dessen Position allerdings nicht. Und genau an dieser bzw. solchen planerischen Stelle(n) liegt der Hase im Pfeffer: Hübner bzw. die Funktionärs-Riege in Gänze hat offenbar nicht ausreichend Ahnung von Stärken/Schwächen von Spielern, keinen Sinn dafür, einen Kader als quasi organischess Gebilde zu sehen, das verschiedenste Impulse zum Überleben benötigt. Nach welchen Maßstäben werden a) Trainer, b) Spieler verpflichtet? Logisch erschließen kann sich das niemandem. Wildwuchs, that is the rule. Oder: Man nimmt die, die man günstig kriegen kann.

Bald, liebe Leser, kommt das letzte Aufgebot auf den Platz, die letzte Patrone im Lauf des Trainers. Das Vorspiel dazu ist die nun beschlossene Abschottung von der bösen, achso gemeinen Öffentlichkeit. Nur die individuelle Klasse, mit Sicherheit mal wieder die von Alexander Meier, kann dieses Konstrukt „retten“, auf dem in den vergangenen zwei Tagen skizzierten (bescheidennm) Kurs halten. Bis Ende November müssen allermindestens 16 Punkte auf dem Konto von Eintracht Frankfurt stehen. Andernfalls kann man schonmal den Lichtschalter suchen gehen. Egal, ob der aktuelle oder ein neuer Trainer den dann anzuknipsen versuchen wird.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Die letzte Patrone

  1. Herr Schnitzelmann

    Wenn dir Bayern-Fans Mitleid spenden, dann weißt du wie weit es mit deinem Verein gekommen ist!

  2. Jermaine Jones Junior

    Kevin Trapp wird sein Glück kaum fassen können, denn er muss in Paris sich so einen Scheiß nicht (mehr) geben.

  3. Olli

    Wenn du denkst, der Eintracht geht es gerade mies – es geht noch schlimmer. Gerae auf SPON gelesen, dass der Skibbe neuer Trainer der Griechen wird 😀

  4. Jermaine Jones Junior

    Dass dem Trainer und sein Team der „Hunger“ fehlt, sieht man an den dicken Bäuchen von Veh, Russ und Stendera.

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