Schummelei

Geschummelt habe ich. Vom Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Bayern München nahm ich zwar tatsächlich erst in der 49. Minute, dann nochmal in der 83. Minute Notiz. Via Ticker auf dem Handy. Nebenbei gab es bei einem verkappten Italinier Pizza mit Freunden. Dann, um 22:27 Uhr der Blick auf das Smartphone: das 0:0 ist Realität, Fakt geworden. Da schepperte es auf dem leeren Teller, die Gabel flog in hohem Bogen auf eben jenen und ein „Yeeeessss!“ durchfuhr den Laden.

Aber wieso geschummelt? Ich kündigte im Blog an, das Spiel nicht im Fernsehen zu schauen, nicht ins Stadion zu fahren – es zu ignorieren, der quasi verbrieften Klatsche, nunja, der sicheren Niederlage wegen. Die vergangenen fünf Halbzeiten ließen keinen anderen Schluss zu, so absonderlich der Fußballsport auch zu sein vermag. Trotzdem nutze ich die nicht mehr ganz so neue Möglichkeit der Festplatten-Aufnahme; es geht einfach nicht ohne Eintracht-Schauen, in irgendeiner Form zumindest. Und so kam es, dass ich nach Pizza und Weizenbier, nach Cocktail und Snack heim kam und entspannt eine aufgezeichnete Abwehrschlacht verfolgen konnte, die ich mit diesem Ausgang nicht erwartet hätte.

Natürlich hätte Bayern das Spiel gewinnen müssen. Mit einem Tor wäre der einträchtliche Ofen aus gewesen. Aber speziell Lukas Hradecky und Carlos Zambrano waren in ihrem Element, die fußballerische Grundtugend wurde an diesem Freitagabend hochgehalten. Chapeau. Das ganze Team zeigte einen Biss, der gegen jeden der zuletzt gespielten Konkurrenten locker für Erfolge gereicht hätte. Ach, die Hälfte von diesem Einsatz, diesem Willen und Kämpferherz, der Leidenschaft, hätte zumindest für Aue im Pokal gereicht. Es war ein Spiel, Friedhelm Funkel reloaded – mit dem Unterschied, dass der alte Coach für taktische Maßgaben wie am Freitag gegen Bayern von vielen gerne an die Wand genagelt wurde. Zweckmäßig ist, was Punkte bringt – war immer so, wird immer so sein. Mit Ästhetik gewinnt man keinen Blumentopf.

Doch wieder mal – und das ist die bittersüße Lehre – zeigt sich, dass Eintracht Frankfurt sich nur mit dem Rücken zur Wand aufzurappeln vermag. Das ist zwar eine teils beruhigende Eigenschaft. Jedoch belegt sie den Vorwurf, dass dieses Team ein Motivationsproblem hat: Es geht nur dann etwas zusammen, wenn es wirklich sein muss. So, wie nach dem 1:0 von Hannover, wirkte auch das Ausscheiden im Erzgebirgte als Initialzündung für eine deutliche Leistungssteigerung, eine erfolgsgekrönte.

Wie kurzzeitig wird der Nachbrenner diesmal halten? Der ohne Zweifel überraschende und gleichsam für Punktekonto wie Kopf wichtige PunktGEWINN gegen die Übermannschaft aus München, ist super. Folgt darauf allerdings ein Rückschlag in und gegen Hoppenheim, war, ist das alles nichts wert, kaum mehr mal als eine trotzig schöne Momentaufnahme.

Enttäuscht worden ist der SGE-Fan in seiner Leidenszeit oft, sehr oft. Alleine in dieser Saison ist das auf kurzer Strecke schon mindestens zwei, drei Mal der Fall gewesen. Seien wir also gesund skeptisch, bewerten wir die Energieleistung im Waldstadion nicht über. Freuen wir uns über das „den Millionarios in die Suppe spucken“, aber reden wir uns jetzt nicht schön, was zuletzt alles sichtbar schlecht war.
Das schreibe ich in Kenntnis der Sätze, die Trainer Armin Veh nach Abpfiff an das „Umfeld“ richtete, wonach man in Frankfurt überkritisch sei, auf die Mannschaft zu sehr eindresche. Man müsse wohl 6. / 7. werden, um Ruhe zu haben … Ja, Herr Veh, das ist richtig, das müsste man in der Tat werden. Und zwar deshalb, weil dazu die Chance bestand, besteht. Im Schneckenrennen muss Eintracht Frankfurt doch nicht wie gottgegeben immerzu hinterherschauen. Es ist möglich, sollte das Ziel sein mehr zu erreichen als Überlebenskampf, Jahr für Jahr aufs Neue. Das Team hat bislang allen Anlass für Kritik, für Unzufriedenheit, für Spott gegeben. Jeder kleinste Chance wurde kaputtgemacht, und zwar allzu oft aus Unlust, Pomadigkeit, spielerischen Mängeln grundlegenster Art. Nein, den Schuh der Überkritik muss sich das ominöse „Umfeld“ nicht anziehen, nicht dieses Mal, seit Jahren nicht, Herr Veh.

Und jetzt weiter zur Punktefeier.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Schummelei

  1. Teil 2: bin aus versehen auf den Sende Button gekommen…
    Bei einer Mannschaft wie den Bayern, die sie als „…Millionarios…“ betitelt haben, finden ich das schwäbische Sprichwort „Nix gsagt is gnug Globt!“ vollkommen richtig. Die haben genug Selbstbewusstsein.
    Bei unserer Eintracht allerdings sei Vorsicht geboten. Selbstvertrauen erzeugt die Mannschaft durch Siege oder Kollektiv Arbeitskampf Ergebnisse (0:0 gegen FCB) und da gehört das zweite Sprichwort besser hin: „Lob schmeckt besser als Tadel! “ und des Motiviert. Bekanntlich kann der Wille Berge versetzen, es liegt an der Presse, diesen Willen, der wie eine Zarte Blume im sandigen Boden wächst zu gießen oder verdorren zu lassen. -noch schlimmer, im eigenen Frust, heraus zureißen.
    Kritik bitte da wo sie hingehört, am besten Konstruktiv. Und Kritik kann auch positiv ausfallen.
    PS. Wieviel Kinder haben Sie? Ne Fußball Mannschaft -egal ob Profi oder Nachwuchs- hat mit Kindern viel gemein…

  2. Adlerschnabel

    Für Stendera und die Eintracht sind die Vorwürfe der Bayern, die das Spiel der Eintracht „keinen Fussball“ nannten, „kein Problem“.
    Kein Problem ? In der vergangenen Dekade hat sich das Umfeld der Eintracht die Macht erkämpft, über den von der Mannschaft zu spielenden Fussball zu entscheiden. In einer für die Bundesliga einmaligen Kampagne gegen Friedhelm Funkel, der über 5 Jahre mit seinem Defensivfussball die Eintracht auch trotz einer beispiellosen Verletztenseuche in der Bundesliga halten konnte und sogar für internationale Auftritte sorgte, wurde er vom Frankfurter Publikum während und ausserhalb der Spiele beschimpft und rausgeekelt. Daraufhin erklärte der Vorstand von Eintracht Frankfurt den von den Funkel-raus-Krakeelern geforderten „schönen Offensivfussball“ zur Vereinsräson. Vier Trainer haben bei der Eintracht seither vergeblich versucht, den Durchschnittskickern ballbesitzorientierten Offensivfussball beizubringen. Bereits unter dem Nachfolger Funkels endeten diese Versuche mit dem Abstieg. Nunmehr wurde unter MT Veh ebenfalls der Abstiegskampf ausgerufen, weil „die Mannschaft ihr Spiel nicht durchbringt“. Dieses Ergebnis der Bemühungen der Eintracht, den zweifelhaften Bedürfnissen ihres Umfelds nachzukommen, gipfelte in der Blamage von Aue. Wieder probte das Umfeld den Aufstand und verlangten viele den Rauswurf des Trainers. Dieselben, die damals FF und seine Spieler im Stadion während des Spiels auspfiffen, waren gestern von einem zerstörerischen, lediglich von nur vereinzelten gescheiterten Versuchen vor dem Tor von Neuer unterbrochenen Mauerfussball-Auftritt der Mannschaft, der selbst unter FF so kaum zu sehen war, begeistert und voll des Applauses, weil es damit gelang, den Bayern einen Punkt abzuringen und ihnen den Allzeitrekord zu versalzen. Mal sehen, ob Veh sich traut, nochmals die Spieler das spielen zu lassen, was sie eigentlich und offensichtlich am besten können, weil es ihrem spielerischen Vermögen entspricht, oder ob es mit diesem FF-Gedächtnis-Spiel damit sein Bewenden hat und die Spieler sich wieder einer sie überfordernden Offensiv-Taktik, die bisher nur ausnahmsweise einigermaßen ansehnlich ausfiel, zur Freude des alles andere als unproblematischen Umfelds beugen müssen und der „schöne Fussball“, der verlangt wird, zum nächsten Abstieg führen wird. Zweite Liga gefällig ? Kein Problem..

  3. Sebastian Weber

    Ich habe mir das gestern doch auch tatsächlich wider jeglicher Vernunft das Spiel angeschaut und war wirklich Positiv überrascht. Jedoch je länger das Spiel gedauert hat war ich immer mehr angefressen. Klar die Leistung war stark, und ich finde es genial Fan der Mannschaft zu sein, die als erste gegen Bayern punkten konnte. Aber wie du oben schon schreibst hätten wir mit dieser Einstellung zwei Punkte gegen Hertha und drei gegen Ingolstadt mehr holen können. dann wäre jetzt gegen Bayern auch ne Niederlage nicht so schlimm. Wir hätten 17 Punkte auf dem Konto und ständen auf Platz 5 oder 6. Und im Pokal wären wir auch ne Runde weiter. Nur für solch eine tolle Saison fehlt es halt an Ehrgeiz und Motivation im Team. Ich bin gespannt wie es weiter geht. Gegen Bayern kann sich jedes Team Motivieren und Defensiv was das ne Meisterleistung der Eintracht nur wird man so destruktiv gegen Hoppenheim, Darmstadt, Mainz und Bremen nix holen da muss auch bisschen Fussball gespielt werden. Wenn ich das jetzt so schreibe nervt es mich gerade schon wieder was wäre diese Saison drin mit dem Willen der Darmstädter oder Bayern? 12 Punkte aus den letzten Spielen wären wirklich realistisch zu holen dann reden wir über die beste Hinrunde aller Zeiten.

    Und der Kommentar von Veh ist ja wohl mal der Oberknaller. Ruft vor der Saison noch selber aus, dass Europa drin ist und die halbe Mannschaft schwadroniert davon, und jetzt regt er sich wegen dieser Erwartungshaltung auf? Also da fällt einem nichts mehr ein. In Frankfurt ist es doch seit 1997 oder so ähnlich nun wirklich so, dass wenn man der Mannschaft ansieht das sie will und macht es aber nicht besser kann ist jeder ruhig dann ist es halt leider so. Aber wenn der Kampf und Einsatz nicht da ist dann darf man doch bitte auch mal meckern und Unzufrieden sein.

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