Den Ansprüchen hinterher

Die Wettanbieter sahen einen Hoppenheim-Sieg als wahrscheinlichsten Fall an, für ein – wie hier vor Tagen schon orakeltes – Unentschieden hätte es bei einem Einsatz am meisten Geld zurückgegeben. Ein Eintrachtsieg … hihihi. Und wieder ist die Möglichkeit eines Mini-Aufbruchs, wie schon in den Tagen nach Hannover, vergeben. Punkte liegengelassen. Schneckenrennen. Schulterzucken.

Mehr Torschüsse, Überlegenheit, miese (Groß-)Chancenverwertung, Hauptsache nicht verloren: Dabei fände ich es viel spannender, über manchen Mangel zu reden. Über Haris Seferovic etwa, der nur den Modus wild kennt – und zum zweiten Mal binnen zwei Wochen aus vier Metern den Torwart ankullert. Über die Maßgabe „Kopf-nach-unten-und-ab-in-des-Gegners-Beine“, die als Angriffsoption speziell auf den Außen permanent gewählt wird. Darüber, dass das defensive Mittelfeld keine Bälle aktiv erobert.

Hannover mal ausgeklammert gibt es derzeit tatsächlich kein Team, gegen das ein Sieg so einfach möglich, so zwingend nötig war und ist, wie gegen Hoppenheim. Die können nichts, gar nichts. Nicht mal einem diletantisch Chancen vergeigenden Gegner zur Strafe ein Flippertor reindrücken.
Seferovic versuchte sich wie gesagt erfolgreich in Slapstick, Marc Stendera kopiert bei Schüssen und Standards Takashi Inui und gelingt Alexander Meier nicht eine durchgewurstelte Einzelaktion, gibt es so gut wie keine zwingenden Aktionen im 16er. Dass dann Aleksandr Ignovski, der bezeichnenderweise trotz so vieler Mängel ein positiv auffallender Stammspieler ist, aus drei Metern die Pille auf den Oberrang juchtet, fällt da kaum noch auf. 45 Minuten war da spielerisch vieles gut. Aber bitte auch bedenken, gegen welchen Gegner. Taugt das tatsächlich als der nun herbeigeredete Fingerzeig, Aufwärtstrend etc.? Immerhin gab es mal Abschlüsse ( mit wenig ist der SGE-Fan ja zufrieden). Dann -nach der Ignovski-Chance – kam jedoch nicht mehr viel. Sicherheitsbremse reingehauen, Maßgabe: Hauptsache nicht verlieren. Nach 50 Minuten.

Zu allem Überfluss ist Trainer Armin Veh nun offenbar so ängstlich, beim Mannschafs-Mikado via Wechsel etwas zu berühren, so dass das ganze Gebilde einstürzt, dass es nicht mal mehr zum 0:0 gegen den Vorletzten reicht. Luc Castaignos kam in der 88. Minute. David Kinsombi (!) in der 93. Minute. Wie schlecht muss es um die Form, die Verfassung, das Können von Spieler Nummer 12 bis 24 bestellt sein, dass bei Kurs Pflicht-Sieg nicht personell im Sinne des Gewinnenwollens nachgelegt, sondern eher Risiko vermieden wird?

Die Antwort folgt auf dem Fuße: das (neue) „Ziel“ ist der Klassenerhalt. Also geht man lieber auf Abstandswahrung zum 17. als auf Tuchfühlung zum 7.
Dazu mag jeder seine Haltung haben, mag sie dann wahlweise pragmatisch oder naiv nennen, aber mit Siegermentalität hat dieser Kram da nichts zutun. Eintracht Frankfurt ist offenbar entweder nicht mal mehr willens oder in der Lage im Kampf „Best of the rest“ mitzumischen. Es erschöpft sich in der Worst-case-Vermeidung. Das ist ein bisschen so, als ob man heute bei einem Autohersteller die Maßgabe verfolgt, ein Fahrzeug zu konstruieren, mit dem im Straßenverkehr wenigstens niemand stirbt – im Glauben, schon das würde solide Absatzzahlen herbeiführen. Letztere Rechnung geht aber offensichtlich voll auf, der totalen Anspruchslosigkeit des „Umfelds“ sei Dank. Ob die in Arabien, Asien und den anderen marketingtechnisch angeblich so lukrativen Weltregionen auch so denken? Es wirkt jedenfalls unglaubwürdig, vom Umfeld- und Vereinsseite gegenüber den Spielern Hunger und Siegeswillen einzufordern, wenn man klubintern und auch außerhalb mit einem 0:0 gegen so eine Truppe eigentlich zufrieden ist.

Nach Symbolen, wieso es in Frankfurt läuft wie es läuft, muss man jedenfalls nicht lange suchen. Nach 92 Minuten und 28 Sekunden, der Abpfiff drang gerade aus des Super-Schiedsrichters Pfeife, klatschten die mitgereisten Tausendschaften, die es mit der SGE halten, sie skandierten “ Eintracht, Eintracht“. Bei einem 0:0 gegen den Tabellen-17., der exakt so spielte, wie ein Team mit bis dato 7 (!) Punkten eben spielt. Man ist zufrieden, dabei zu sein. Zwei Mal gegen Bayern, zwei Mal gegen Dortmund, hin und wieder ein Hochlichtlein – die Teilnahme an der ersten Bundesliga als Selbstzweck. Beamtenfußball. Das Gedankengut des Heribert Bruchhagen hat sich nach vielen Jahren des Widerstands in die Blutbahn, in die DNA der Fanszene übertragen. Schon ist man zufrieden mit einem 0:0 gegen 17. – weil ja auswärts und mehr Torschüsse als in den letzten vier Partien zusammen.

Es ist offenbar tatsächlich völlig vermessen, illusorisch, hochgegriffen, ein Auswuchs unangemessen hoher Erwartungshaltung, zu fordern, einen furchtbar verunsicherten, passiven Tabellenvorletzten zu bezwingen. Gegen den 18. holte man einen Punkt, gegen den 17. auch. Könnte man als arg dünn, als schlecht bezeichnen, diese Ausbeute. Gemessen an den Ansprüchen, die vor der Saison zurecht geäußert worden (Mittelfeld in Richtung Rang 7 / Rang 6), wohlgemerkt, sollte die Ausbeute eigentlich anders, höher sein. Aber wen interessiert schon das Geschwätz von gestern, richtig?

So ein Punkt gegen Bayern München, schon davor ein dreckiger Sieg gegen Angstgegner Hannover … Wie viele Knotenlöser wird es noch brauchen? Jetzt ist ja erstmal wieder wochenlang Langeweile-Pause. Mit Kevin Trapp, wenn das interessiert. Dann geht es für die SGE gegen Dortmund. Wie da wohl die Wettquoten aussehen? 😉

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