Stillstands Gemeinschaft Eintracht

Das große Missverständnis gleich mal zu Beginn benennen: Am mangelnden Kampf(eswillen) liegt die Tristesse von Eintracht Frankfurt nicht. 57:43 Prozent Zweikampfquote weist die Statistik der Partie (war ein Heimspiel, das 5. von 6 sieglosen, wer es nicht bemerkt hat) gegen Leverkusen aus.

Mit welchem Resulat? Dass man, neben dem Ergebnis, völlig unterlegen war. Zweikämpfe, in die muss man eben auch erstmal kommen. Stichwort Geschwindigkeit. Leverkusen lies den Ball laufen, meist diese 2,3 Meter nach vorne pro Pass – und Frankfurt verschob zum Ball; auf den Fehler des Gegners passiv wartend, keinerlei Aktivität vorlebend. Das Defensive Mittelfeld ist praktisch nicht auf dem Feld, Offensive, gar Abschlüsse gibt es sowieso nicht mehr.
Da ist an spielerischen Mitteln so gut wie gar nichts (mehr) vorhanden in Frankfurt. Und da ist Leverkusen, allen Aufwärtstrend-Pflänzchen zum Trotz, nur ein weiteres Beispiel im dunkelgrauen Jahr 2015. Ein Gegner übrigens, der natürlich nominell besser besetzt ist, auf allen Positionen. Aber musste man vor einem bis dato 17 Punkte besitzenden Team (die SGE hat, man glaubt es ja kaum, 14) derart kuschen? Sich so ergeben, die Waffen – wieder mal – mit dem Anpfiff strecken? Spätestens mit der Castaignos-Auswechslung alles aufgeben? Bayer, lieber Armin Veh, nicht BayerN war der Gegner.

Schicksalsergeben präsentiert man sich in dieser Saison, als Eintracht Frankfurt. Es ist die sportgewordene Umsetzung der Bruchhagenschen Zement-Doktrin. Niederlagen gegen finanzkräftige Teams á la Bayern, Wolfsburg, Schalke, Leverkusen, in Kürze Dortmund? Normalfall, klar, aber als solcher wird er auch noch hingenommen. Schulterzucken. Man hat nicht mehr vor, etwas zu holen, also probiert man es gar nicht erst. Gegen Über-Teams wie Bayern und Dortmund ist das in Ordnung, sinnvoll, kann offenbar sogar zu Zählbarem führen. Aber Durchwursteln, irgendwie auf Rang 15 landen – das war Maßgabe auch vor diesem Heimspiel – erfordert selbst bei größtem Konkurrenz-Diletantismus bisweilen Siege. Das Spiel gegen Bayer beginnt bei 0:0, das 0:1 schießt man sich selbst rein; Slapstick pur (eigentlich mal aufgefallen, dass solche Absurd-Tore irgendwie nur gegen Frankfurt fallen?). Aber anstatt danach einen Hauch von jetzt-erst-recht oder irgendeiner Form von (fruchtbarer) emotionaler Reaktion, plätschert alles gewohnt langsam, träge, müde und lustlos dahin. Frustration ist die einzige erkennbare Regung – siehe Marc Stendera und Makoto Hasebe, die zwischen (Schiri) anmeckern und kindshaftem Aufstampfen wechseln. Lethargie und spaßbefreite Pflichtbewältigung erlebt man anno 2015/2016 von einem Verein, einer Mannschaft, der/die wieder mal underperformed.

Sobald Stuttgart diese Zorniger-Nummer beendet hat, wird es für Frankfurt richtig eng dort unten. Das wird nun, noch vor der Winterpause passieren. Hannover wird Frontzeck ebenfalls entlassen; vor allem aber im Winter massiv transfertechnisch aktiv werden. Derzeit ist die SGE jedenfalls nur weniger mies als Hoppenheim, Stuttgart, Bremen und Hannover sowie Augsburg. In Mainz am nächsten Wochenende wird das Eintracht-Grauen weitergehen, der obligatorische Punkt wird vielleicht irgendwie ergaunert. Dann wieder mit Schrotflinten-Seferovic statt Luc Castaignos. Als ob das einen Unterschied macht. Es ist völlig wumpe, wer bei Eintracht Frankfurt spielt. Das ist alles ähnlich fahrig und vor allem formlos, limitiert, langsam.

Die Kaderzusammenstellung, schon zig Mal geschrieben, ist eine Katastrophe. Der Sportdirektor Bruno Hübner müsste entlassen werden (hö hö hö). Die Vorbereitung samt Formfindung, das ist spätestens im November klar, eine wohlfühlatmosphärisch verkorkste. Trainer Armin Veh müsste jedenfalls mal in Frage gestellt werden (hö hö hö). Ändert aber (leider) alles nichts am Zustand, an den qualitativen Mängeln der Mannschaft. Völlig klar also, dass sich bis zur Winterpause einfach an den Glauben geklammert wird, man werde gegen Mainz, Darmstadt und Bremen schon irgendwie die noch nötigen 5,6 Punkte für eine Verbannung der akuten Abstiegsangst holen. Das auf-Abstand-Halten der direkten Konkurrenz ist das letzte verbliebene Saisonziel von Eintracht Frankfurt. opportun ist das, logisch. Muss man sich das im Stadion, am Fernseher, im Radio noch geben? Nein. Ergebnis checken, zur Kenntnis nehmen, weitermachen. Ist ja in etwa das, was die Mannschaft auch macht – mit dem Unterschied, dass sie 90 + 15 Minuten in kurzen Hosen auf einem Rasenplatz herumläuft und lediglich das Schlimmste zu vermeiden versucht. Einem Gutteil der Stadionbesucher, wohl auch der Fernseh-Fans ist es aber offenbar völlig wumpe, wie schlecht das Dargebotene ist.

Zufriedenheit. Und wenn es schon um einen selbst so furchtbar steht, zieht man sich am Leid anderer hoch. Häme für Stuttgart und Bremen, für Hopps Heim – weil die sind ja alle noch schlechter. Ätschi Bätsch. Ja, toll. Bringt das Eintracht Frankfurt einen Punkt mehr aufs Konto? Ändert das irgendetwas an der eigenen Untauglichkeit?

Beim (ja ja) Derby 40 Kilometer westlich am Samstag wird … ach, was soll schon werden? Frust pur oder angstmilderndes Aufatmen; am wahrscheinlichsten jedoch Stillstand. Passend zur Stillstands Gemeinschaft Eintracht Frankfurt.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Stillstands Gemeinschaft Eintracht

  1. Jermaine Jones Junior

    Zorniger wurde soeben entlassen. Scheiße. Falls Favre jetzt nach Stuttgart gehen sollte, dann … . Wir müssen unbedingt die Derbys gewinnen, sonst wird es richtig düster!

    • … womit klar ist, dass die Eintracht im Dezember noch mindestens einen Platz abrutschen wird.

    • Olli

      Zornigers Abgang (+ gesamtes Trainerteam!) wird Stuttgart richtig (!) Geld kosten (was sie nicht haben) und Favre wird auch nicht billig sein. Wenn die schon Geld raushauen, dann werden sie Stevens in Hoffenheim freikaufen 😉
      Ich denke, dass da ganz unten (SVW, H96, wir) recht zeitnah noch weitere Stühle frei werden und die Trainer evtl. einfach nur munter weiter rotieren.

  2. Olli

    Wie schaffst du es eigentlich Woche für Woche den gleichen Senf in eine neue Verpackung zu quetschen? Was da abgeht kannste doch eigentlich nicht mehr ernst nehmen. Ich für meinen Teil habe am Samstag Gebrauchtwagen angeschaut. Ich fands nicht mal nötig, ein paar kB von meinem Datenvolumen für die kicker-App zu verjubeln. Irgendwann gegen 18 Uhr Abends habe ich dann das Ergebnis schulterzuckend zur Kenntnis genommen.
    Vielleicht reift in mir (unbemerkt) mit meinem inzwischen 36 Lenzen doch mal die Erkenntnis „lebbe geht weider“ – egal was die Eintracht so zustande bringt. Es ist zwar, seit 23 Jahren, der Verein meines Herzens, aber so langsam schaut man doch mal auf andere, wichtigere Dinge. Es ist eine Freizeitbeschäftigung geworden. Wenn ich mal Zeit und Lust habe, dann beschäftige ich micht mit ihr. Aber Freizeitbeschäftigungen müssen auch einfach Spaß machen. Und das tut es gerade nicht mehr. Vielleicht färbt auch einfach nur meine aktuell unmittelbare geopraphische Lage zum Bundeland Bayern (<15 km) etwas ab und mutiere zum Erfolgsfan.

    Was soll man schon sagen. Irgendwie in den Winter retten. Noch eins-zwei Balastspieler los werden …. und dann mal wieder in die falschen Spieler auf der falschen Position investieren. Als nicht völlig geistig verkrüppelter Anhänger der Eintracht, kannste das aktuell doch nur noch mit Alkohol, Sarkasmus und Anti-Depresiva überleben – auch Kombinationen daraus.

    Ich persönlich halte es wie du und ignoriere es immer mehr. Nur mir scheint es auch wirklich ein bisschen zu gelingen 😉

    • „Steter Tropfen“, wollte ich zuerst antworten. Aber nach kurzem Nachdenken, ist der wirkliche Grund ein anderer: Mich beschäftigt das Phänomen, das sich nichts, aber auch so gar nichts in und um diesen Klub ändert, schon ziemlich.

      Wie kann es sein, dass man theoretisch wirklich jede Woche, jeden Tag denselben Text veröffentlichen könnte?! Ich finde in meinem Archiv Dutzende Texte, die ich zumindest als Baustein wieder und wieder und wieder verwenden könnte. Und zwar nicht nur in Bezug auf Spiel(verläufe), sondern vor allem was Transfers, Ausrichtung, Perspektiven angeht. Das ist doch erschütternd! Für mich als Autoren, klar, aber wie vernichtend muss sich das erste für die Verantwortlichen lesen? Falsch: müsste, wie vernichtend müsste es sich für die Verantwortlichen lesen?

      Das, was ich gelernt habe, ist: In Frankfurt erkennen sie die Misere, die Fehler erst gar nicht. Sie bemerken nicht, wie schlecht es wirklich um sie bestellt ist. Und zwar auf vielen Ebenen; da ist das sportlich-spielerische Auftreten fast nur noch Symptom, jedenfalls nicht Ursache.

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