Pfeiff ab

Wie es um das Zutrauen in Eintracht Frankfurt bestellt ist, zeigen die Reaktionen auf die Trainerentlassung eines Abstiegs-Konkurrenten. Der VfB Stuttgart hat sich vom größten Blender seit Michael Skibbe getrennt, das sorgt in der SGE-Anhängerschaft für Unmut. Jeder hoffte darauf, dass Alexander Zorniger wenigstens bis zur Winterpause weitermachen dürfe. So hätte man als Eintracht-Fan die Gewissheit gehabt, jedenfalls nicht schlechter zu stehen als auf diesem immer und immer wieder angepeilten 15. Tabellenplatz.

Zu spät, Zorniger darf Stuttgart nicht weiter totreiten. Das ist schade. Denn nun ist es eine Frage von 2,3 Spieltagen, bis der VfB an Frankfurt vorbeizieht. Der Kader der Stuttgarter ist ansich nämlich (mal wieder) kein schlechter, und wenn sie mal nicht mit 10 Mann am gegnerischen Strafraum zu stehen haben, verlieren sie auch nicht ständig. Das wird sich tabellarisch zu ihren Gunsten auswirken – zum Leidwesen der Eintracht, die derzeit neben Hoppenheim das schlechteste Team der Bundesliga ist. Uninspiriert, mutlos, vor allem aber spielerisch auf einem unterirdisch verzagten Niveau. Frustration aller Orten.

Wie soll man diesem Kollektik auch irgendetwas zutrauen? Die Spieler sind derart außer Form, der Trainer derart desillusioniert, die Funktionärsriege derart diletantisch, dass für einen guten Ausgang der Hinrunde wirklich viel (Gutes) zusammenkommen müsste. 7 Punkte gegen Mainz, Darmstadt und Bremen, dann wäre man zwar nicht mal im Soll (Ziel war oberes Mittelfeld), aber aus dem Gröbsten raus. Dass es diese 7 Punkte gibt, ist aber höchst unwahrscheinlich. Mit 4 wäre vermutlich jeder, der es mit der SGE hält, zufrieden. Wahrscheinlich wären sie selbst im Team, im Klub damit zufrieden, was – wie so oft – viel über die Haltung in diesem Kollektiv aussagt. Die Hinrunde sollte man abpfeiffen, jetzt, wo es tabellarisch noch für die Erstligazugehörigkeit der SGE reichen würde.

Das einzig Positive ist – wieder mal – die Tatsache, dass die sportliche, spielersiche, tabellarische Misere sehr früh eingereten und wenigstens verbal realisiert worden ist. Dass das in Handlungen mündet, sprich Transfers, wird niemand bezweifeln. Doch wen die Funktionärsriege um Bruno Hübner im Winter, wo es traditionell die ganz Guten zu holen gibt, verpflichten will, verpflichten wird, kann man schon erahnen.
Vermutlich ruhen deren Hoffnungen tatsächlich auf Sebastian Jung, der nach 1,5 Jahren ohne Spielpraxis die Eisen aus dem Feuer holen soll. Würde nicht mal wundern, wenn die darüber hinaus noch Niklas Bendtner, sozusagen als VW-Duo, bis Saisonende ausleihen. Und den maladen Sidney Sam lotsen sie auch an den Main, jede Wette. Das werden sie dann sein, die drei von der Tankstelle, die die Punktlandung auf 36 Zählern hinbekommen sollen.

Dabei scheint es völlig egal zu sein, wer für Eintracht Frankfurt spielt. Es ist misserfolgsgeleiteter Einheitsbrei, der breite Akzeptanz in Klub wie Umfeld findet. Bis auf Dauernörgler, Schwarzmaler, Pechmarien, Quertreiber, Anti-Fans und Hetzer wie mich, regt sich ja offenbar niemand mehr dauerhaft über das ganze Treiben auf. Niederlagen wie gegen das 17 Punkte zählende Leverkusen werden wie gottgewollt, biblisch vorbestimmt hingenommen, mit dem Verweis auf unkompnesierbare taktische Umbrüche nach der Luc-Castaignos-Auswechslung erklärt. Widerspruchslos wird es hingenommen, dass die Verweigerungs-Haltung an der Verletzung eines Mannes, der in den vergangenen 3 Spielen 1 Minute (!) spielte, gelegen haben soll.
Dann darf Trainer Armin Veh auch noch den etwaig zu dünnen Kader anprangern. Einen Kader, den er vor einem Vierteljahr noch als den besten bezeichnete, den er in Frankfurt bislang hatte. Tja. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

Ich verliere mich. Groteskerweise emotionalisiert mich das alles weitaus weniger, als aus Zeilen wie diesen hervorgehen mag. Gegen Leverkusen etwa fühlte ich mich vom 0:1 bestens unterhalten, das war immerhin eine Regung, in den Vorwochen gab es überhaupt keine mehr bei mir. 0:2, 0:3 – ja mei, das zieht alles an mir vorbei, wie Kinowerbung.

Bislang wurde den Eintracht-Sympathisanten wenigstens das andauernde Gelöbnis von Besserung erspart. Es ist Dienstagabend, und noch kam niemand auf die „Mund abputzen, weiter gehts“- oder die ebenfalls beliebte „wir müssen nach vorne schauen“-Rhetorik.
Am Freitag muss aber, das ist so sicher wie die Steintafeln des Moses, erstmal vor der Mainzer Stärke gewarnt werden. Und die wird man tags drauf ergebnistechnisch auch spüren, wenn sich zum Remis gebibbert oder in die nächste Pleite ergeben wird. Wäre der Herbst nicht so kalt, wäre es ein heißer Herbst. Zum Glück ist ja bald Winter, vielleicht gibt es da ja mal wieder irgendetwas Positives von Eintracht Frankfurt.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

2 Antworten zu “Pfeiff ab

  1. Olli

    Es gibt Tage und Situationen, da fällt es einem wirklich noch schwerer, Anhänger von Eintracht Frankfurt zu sein:

    spiegel.de/sport/fussball/frankfurt-gegen-darmstadt-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-plakaten-a-1064577.html

    Zumal ich eher Angst habe, wer hier wen „vernichtet“ geht das einfach weit über das raus, was an Rivalität – auch im Derby – vorhanden sein sollte. Ist das die Methode der Ultras, von der absoluten Nutzlosigkeit der aktuellen Spielweise der SGE abzulenken und sich auf die netten Nebenbeschäftigungen „Kravall und Provozieren“ zu konzentrieren?

    • Solange die notorischen sich-selber-Feierer von Tausenden im Stadion gefeiert werden, anstatt sie auszubuhen oder wenigstens nicht mitzumachen, solange organisierte Fanklubs solche Sachen nicht mal mit Gegenplakaten anprangern, geht das immer weiter und weiter. Die Enthemmung ist gewollt,die Verrohung innerhalb der Szene der status quo; mit allen Konsequenzen (für andere).

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s