Verlieren mit Ansage

Eine Pleite, deren Entstehung 24 Stunden vorher vom Mainzer Trainer angekündigt worden ist. Eintracht Frankfurt wurde vom Gegner überrannt; überrannt insofern, als dass die SGE-Defensive bei fast allen Angriffen überlaufen wurde.

Speziell das 2:0 hat von Entstehung bis Vollendung die gesamte Fehlerhaftigkeit und die Mängel in der Frankfurter Saison zur Schau gestellt: Ein Spieler (Ignjovski) erobert via Tackling (fast) den Ball, die Kugel springt an das Bein des Gegenspielers, den nächsten Frankfurter Spieler (Hasebe) interessiert das alles recht wenig und der Mainzer Angreifer marschiert diagonal und ungestört ins Zentrum, ein Frankfurter (Gacinovic) grätscht waghalsig dazwischen, der Ball springt von dieser unkontrollierten Aktion zum ebenso gedanklich wie physisch schnellen Mainzer, wo wiederum kein Frankfurter (reaktions-)schnell genug ist – und das Spiel ist entschieden.

Die SGE-Slapstick-Show nimmt also kein Ende. Die Gegentore an sich sind zum Schreien amüsant gewesen, ebenso der Platzverweis und die Schlussphasen-Einwechslung von Lustlos-Vaclav-Kadlec, der dann ein Pünktchen retten sollte. Die Gelb-Rote-Karte für Alexander Meier kurz vor dem 0:2 setzt dem ganzen, eigentlich der ganzen Hinrunde ohnhein die Krone auf. Erst mit dem Mute der Verzweiflung, als man dann eben 0:2 hinten lag und irgendwann und aus dem Nichts dem Gegner einen Treffer rein-zufallte, gestaltete Frankfurt kurzzeitig noch so etwas wie ein Bundesligaspiel. Bezeichnend.
Ganz unabhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz (Hannover ringt das total unschlagbare Ingolstadt mit einem Kraftakt gerade noch so nieder!), beobachten wir seit Wochen einen ganz heißen Abstiegskandidaten dabei, wie er sich unbeirrt seinen Weg ins Unterhaus stolpert.

Denn das Schlimmste ist ja, dass es am Willen, am Einsatz nicht hapert. Die wollen. Sie können nur nicht mehr als das, was man da sieht. Eintracht Frankfurt fehlt jedewege Quirligkeit, nach vorne hat man nur eine gewisse physische Wucht, jedoch keinerlei Tempo. Kombiniert wird zwischen den Spielern sowieso nicht, wer, mit wem auch? Eine Horde Arbeiter (Ignjovsi, Medojevic, Hasebe, Seferovic) versucht, den Rasen zu malträtieren. Spielerische Mittel, Handhaben gibt es in diesem Team nicht. Das mutet momentan genauso unbeholfen an, wie unter Thomas Schaaf – mit dem Unterschied, dass vergangene Saison gar nicht Fußball gespielt werden sollte und deshalb kaum etwas außer Zufallskick zusammenging. Dieses Jahr soll Fußball gespielt werden, aber weil das nicht geht, weil die Mannschaft es offenbar nicht kann, sind alle ebenso verzweifelt wie frustriert und ratlos. Das Resultat ist das Resultat.

Hat jemand eigentlich mal darauf geachtet, wie der Mainzer Trainer den Seinen von der Seitenlinie im ersten Durchgang Dampf gemacht hat, in den fünf Minuten, wo die Eintracht mal … nunja … nicht unterlegen war? In Frankfurter Reihen, auf der Bank, wird stoisch ungläubig auf das Treiben hinabgeschaut. So lebt man Ratlosigkeit aus.

Verstehen muss man das nicht. Wieso Trainer Armin Veh, wenn er schon wie vor Wochen (zurecht) den Abstiegskampf ausgerufen hat, dann nicht konsequent auf „hinten dicht“ geht. Die Defensive stand lange weitgehend in Ordnung; jetzt scheint auch diese zitterig zu sein. Mit diesem Konstrukt, das nach vorne keine zwingende Torchance mehr bringt, die eine, die es pro Spiel mit Mühe und Not gibt, vergeigt, dafür aber defensiv wackelt – damit kannst du tabellarisch nur in einer Region landen; und zwar in der unterhalb von Rang 15. Descendre, wie der in diesen Tagen omnipräsente Franzose sagt.

Aber hey, was schreibe ich? Neues sowieso nicht. Es ist ja auch schon klar, wie es weitergeht. Die Verletzten! Die Erkrankten! Der unmenschliche Druck! Die Erwartungshaltung! Der bärenstarke Gegner! Mündend in dem Gelöbnis, jetzt so richtig hart zu arbeiten. Die volle Konzentration gilt dem Darmstadtspiel. Durchhalteparolen und Ausreden, gepaart mit dem Starkreden einzelner Spieler – und dem Verweis auf das Nicht-Aufgeben, man hat den überrangenden Mainzern ja immerhin das 1:2 rein-ge-zufallt. Haben die Macher von EintrachtTV, dem Twitter-Account und Strahle-Sportdirektor Bruno Hübner wieder was zutun; ist ja auch alles gar nicht wild, hat ja keiner Fehler gemacht, geschweigedenn das jemand für diese zur Rechenschaft gezogen würde – bald gibt es dann Pizza. Ob auch bald wieder irgendjemand bei einer Pressekonferenz ´nen Schrieb vorliest, wie sehr man sich gegen Kritik verwahrt?

Übrigens spielt die Zweite (!) Mannschaft von Mainz 05 in der 3. Liga ganz oben mit. Die Profis stehen in Liga 1 vor Eintracht Frankfurt. Letzterer Klub meldete seinen Unterbau ab. Um 800 000 Euro pro Jahr zu sparen. Das alles nur mal für das Gesamtbild. Für ein Bild, für das ja auch Leute verantwortlich sein könnten. Aber nicht in Frankfurt, dort geschehen solche Sachen einfach. Oder man ist sich in den Fehlentscheidungen aufgrund von gegenseitigem Unvermögen so einig, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, aushacken kann. Die im Funktionärsreigen glauben nämlich vermutlich sogar an das, was sie da tun. Egal, wie oft ihnen der Schädel gegen die Wand gehauen wird.

Hübner raus, neuer Sportdirektor rein – und dieser installiert dann wiederum sowohl einen neuen Trainer, als dass er auch auf dem Transfermarkt zulangt und diesem ganzen bräsigen Mist, der seit Jahren veranstaltet wird, ein Ende setzt. Ich Phantast! Bei Eintracht Frankfurt geht alles beutlich diletantisch weiter. Immer.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Verlieren mit Ansage

  1. Ein paar gute Ansätze waren dennoch da. Klar waren bei Gacinovic Licht und Schatten, aber er hat sich gar nicht so schlecht geschlagen. warum hat man ihn nicht schon mal früher reingeworfen, sondern stattdessen sich jeden mal auf links ausprobieren lassen? Man wird sich ja irgendwas bei der Verpflichtung gedacht haben. (nur ein Scherz… natürlich hat man das nicht)

    Meine Chefin sagt gerne „Great things never came from comfort zones.“ Fasst Eintracht Frankfurt seit Jahren ziemlich gut zusammen.

    • Gute Chefin, das mal vorab.

      Nur eine Anmerkung: Wie wenig Leistungsgedanke in und um diesen Klub vorhanden sind, zeigt doch die Tatsache, dass man Gacinovic jetzt schon für das da lobt, man ist mit derat wenig zufrieden … Das ist, als ob man dich, mich, einen anderen Leser dafür lobt, morgens zur Arbeit zu gehen. Das ist schon absurd, oder?

      • ja, auch wenn die (Selbst-)Erkenntnis nicht immer einfach ist. Komfortzonen heißen ja aus Gründen so. Lasse ich aber für Führungskräfte eines Erstligavereins nur bedingt gelten. 😉

        Ich finde, Gacinovic kann man auch mal loben. Nicht überschwänglich, und auch eher unter dem Aspekt „könnte ja was werden“ – aber es hätte bei ihm ernüchternder sein können. Klar zeigt das die Anspruchslosigkeit ein wenig auf, aber so ein Bundesligadebüt würde auch bei manch ambitionierteren Bundesligisten auf eine gewisses Wohlwollen stoßen.

  2. Olli

    Über Hübner mecker ich mit kurzen Ausnahmen schon seit mindestens 2-3 Jahren. Und wie hier in den Kommentaren nachzulesen sein wird, ist „meckern“ teilweise wirklich sehr vorsichtig ausgedrückt.

    Er wird daran nicht schuldlos sein. Aber er kauft doch nur die Spieler, die (hauptsächlich) der Trainer will. Wie sehr ist er in den Spielersuche integriert, außer das er sagen wird, machbar oder finaziell utopisch? Daher eher meine Frage: warum hat vorrangig Veh exakt diesen Kader genau so zusammen gesetzt? Warum wurde für Inui kein Ersatz geholt? Warum wurde Kadlec gehalten? Hat man wirklich probiert, Jung zu holen?

    Zugegeben, auf den ersten Blick hat der Kader im Juli / August eigentlich gut ausgesehen (Björn, auch deine Aussage 😉 ). Unglaublich wie sehr der sich das gedreht hat. Eigentlich brauchts im Winter einen neue Trainer und 3-4 neue Spieler. Vorher muss eigentlich schon Hübner getauscht werden und ich weiß auch nicht, ob mit Bruchhagen sowas zu machen sein wird.

    Geduld darf man der (neuen) Mannschaft im neuen Jahr vermutlich nicht allzuviel geben. Da muss von Anfang an deutlich mehr und dauerhaft zusammen laufen! Denn man wird evtl. das Feld von unterhalb einer der unteren beiden Striche in der Tabelle aufrollen müssen.

    • Jermaine Jones Junior

      Sowas Ähnliches wollte ich auch schreiben. Ich halte Bruno Hübner für keinen schlechten Sportdirektor, insofern, weil er oft genau die Spieler holt, die der Trainer erwünscht. D.h. die (Fehler-)kette beginnt bei Armin Veh. Bruno Hübner kann innerhalb dieser Kette höchstens beratend auf Armin Veh wirken. Das ist allerdings bei einem so erfahrenen Trainer wie Veh sehr schwierig. Dass der Erfolg kurzfristig wieder zurückkommt, gilt in meinen Augen als wenig wahrscheinlich, solange „die drei Herren von der Tankstelle“ (Steubing, Bruchhagen, Veh) den Verein steuern.
      Es stimmt schon was Axel Hellmann nach dem Abstieg 2011 suggerieren wollte: “ Ein ‚immer weiter so‘ kann es nicht geben!“. Es ist das erste Mal seit „Octagon“, dass ich sage: Wir müssen im Winter neue Schulden machen, damit wir diese Saison NICHT absteigen. Die SGE ist nun mal nicht der BVB, der es letzte Saison zur Rückrunde aus eigener Kraft geschafft hat, die Abstiegsregion weit fern zu halten.

      • Jermaine Jones Junior

        )*: insofern, weil es ihm oft gelingt diejenigen Spieler zu holen, die der Trainer erwünscht.

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