Die Regentschaft der Unfähigen

Die Worte, die nun kommen, mögen verletztend sein. Persönlich beleidigend eventuell sogar. Von daher bitte ich, an dieser Stelle aus dem Text auszusteigen, wenn das für jemanden moralisch problematisch sein sollte.

Was für einer ist dieser Axel Hellmann eigentlich, wo greift manch solche Typen ab? Da stellt sich dieser Funktionär, geprägt vom Vereinsmeiertum Eintracht Frankfurts hin und äußert Kritik am Verhalten der Fans in Mainz. Weil die Zuschauer irgendwann, nachdem sie die x-te Vorführung der Mannschsft erleben mussten, still(er) waren. „Eintrachtuntypisch“, „der Zeitpunkt war nicht in Ordnung“, „die Unterstützung von den Rängen hätte man gebraucht, um Wind in die Segel zu kriegen“, „der Block muss stehen wie eine Wand.“ (alles Zitate aus der Frankfurter Rundschau)

Endlich! Seit Wochen war die Stille, das Abwenden, die zur Schau gestellte Kritik überfällig. Diese gleichsam verblendete wie devote Haltung der meisten Anhänger, dieser ebenso elende wie infantile Dauer-Singsang – dass es überhaupt so lange gedauert hat, bis das ein Ende hat, ist bemerkenswert und sagt viel über die Engelsgeduld, die Un-Ambitoniertheit dieses Umfelds aus.

Das sei der falsche Zeitpunkt, solle man nicht machen sowas. Pfui, sagt Hellmann also. Was glaubt ein Typ wie Hellmann eigentlich? Wann , wenn nicht jetzt, wenn nicht schon seit Wochen? Glaubt der, man müsse den Spielern, dem Klub irgendwie dankbar sein? Dankbar dafür, jährlich Hunderte bis Tausende Euro, von Zeit und Nerven ganz zu schweigen, in diesen Diletantenstadl tragen zu dürfen? Hat der sie noch alle?

Aber zum Glück ist an allen Pleiten ja die Presse schuld. Natürlich.

Seit Jahren, und eben nicht erst 2,3,4,5 davon, ist das Treiben der SGE eine Verarsche. Es ist akzeptierte, personalpolitsch folgenlose Underperformance. Und zwar auf allen Ebenen.
Spieler dürfen zufrieden sein, Rang 15 bedeutet schließlich Erstklassen-Zugehörigkeit. Die Fans sollen gefälligst mit der reinen Existenz dieseskluns zufrieden sein. Als reiner Selbstzweck. Trainer können machen, was sie wollen – ohne Order, Befehl, Vorgabe, Vision von oben. Es ist doch ganz offenkundig kein Problem mit Armin Veh. Unter Thomas Schaaf war das so, unter Michael Skibbe ebenfalls. Dem armen Christoph Daum mag man da gar nicht nennen, der hatte nie eine Chance.

Jahrelang wurde den Eintracht-Fans das Gift der Ambitionslosigkeit eingeimpft. Und nicht nur ihnen. Die verordnete Leistungsgedanken-Lähmung, die unter Todesstrafe stehende Formulierung einer Erwartungshaltung, die über das Überlebenwollen hinausgeht. All das zeigt sich in Umfeld wie Mannschaft.
Wenn jemand weiß, dass es in Ordnung ist, gegen bspw Leverkusen zu verlieren, wenn Misserfolg folgenlos bleibt, wie leistungsbereit ist der dann? Selbst die größte Eigenmotivation erlischt, wenn jemand nur lange genug so einer (Wohlfühl)Atmosphäre ausgesetzt ist. Es wird Gründe haben, wieso so gut wie kein Eintrachtspieler der vergangenen 10 Jahren anderswo in der Liga einen Stich machte. Jermaine Jones und Sebastian Rode, ja, weil die eine Einstellung, Mentalität mitbringen. Die wollen nicht (immer) verlieren. Man erinnere sich an das Rode-Interview zum Bayern-Training, in Abgrenzung zum Treiben im Stadtwald.

102 Punkte gibt es pro Saison zu holen. In Frankfurt gelten 36 bis 40 als in Ordnung. Das ist weit weniger als die Hälfte. Wie war das in der Schule, womit bekam man noch eine 4?

Und in diesem Setting kommt ein Typ wie Hellmann um die Ecke und fordert – dass da sich einer überhaupt noch was zu fordern, zu sagen traut! – die ebenso verhängnisvolle wie unnütze, weil blinde Unterstützung. Etwas, das bis dato ja ganz offensichtlich nichts gebracht hat. Nein, es geht um die Wohlfühl-Atmosphäre, an der möchte man unter den Bossen nicht gekratzt wissen. EintrachtTV, Twitter-Account, Facebook und Co. werden das ihren Lemmingen schon einbimsen. Es könnte ja sein, dass von Journalisten zunehmend Fragen gestellt werden, Dinge weniger gutgläubig eingeordnet werden, Grundsätzliches in Frage gestellt wird – sowas würde das Bild der Strahlkraft-Eintracht, des mondän-leidenschaftlichen Genuss(schein)-Klubs endgültig als Zerrbild, Illusion, eben als Schein entlarven. Eintracht Frankfurt ist ein maroder, löcheriger Kahn, der links und rechts von Schlauchbooten überholt worden ist. Schadensminimierung als Klib-Maxime, als Vision einer – bestenfalls noch – grauen Maus.

Rausgeworfen werden müssten da fast alle in den SGE-Führungspositionen. Der Eine babbelt so ein bleedes Zeug, der andere ist eine lahme und veraltete Ente, der nächste verpflichtet eine Griepe nach der nächsten … Doch wo freundschaftliche Bande alleine nicht hält, verhindert noch die strukturelle Inkompetenz ein Durchgreifen. Wer würde den großen Schnitt denn durchsetzen wollen? Aufsichtsrats-Chef Steubing müsste das tun – doch dessen Verhältnis zu Trainer Armin Veh und Sportdirektor Bruno Hübner ist ja bekannt. Hellmann ist offenbar nicht bei Sinnen oder es fehlt im Oberstübchen Elementares, und der andere Vorstand, Präsident Peter „Pseudo-Fanseelenstreichler“ Fischer … lassen wir das, es ist eben alles weitaus näher dran an einem Hasenzucht- als an einem professionellen Sportverein. Die Summen mögen andere sein, das Treiben ist es offensichtlich kaum.

Leute, unsere Emotion zur Eintracht zwingt uns, einem Rudel Unfähiger nachzulaufen. Tut das nicht mehr, werdet mündig, stimmt mit den Füßen und (leisen) Stimmen, mit Transparenten und Pfiffen ab. Vielleicht kommen wir dann ja irgendwann mal in den Genuss davon, dass Fachleute in Frankfurt ihr Werk verrichten. Es gibt sie ja da draußen, man muss sich nur im Umkreis von 50 Kilometern, geschweige denn darüber hinaus umschauen. Will man aber nicht, kann man aber nicht.

Der Baum steht jedenfalls schon total in Flammen, es verbrennt sich derjenige nicht, der sich (emotional) vom Brand entfernt. Ihr seht ja, wie ihr, wir wir erst sportlich, dann verbal abgewatscht werdet/werden.

Ein Nicht-Sieg gegen Darmstadt, was meint ihr, was dann abgeht rundum den teuersten Eintracht-Kader aller Zeiten?! Liegt aber alles nur an der toal übersteigerten Erwartungshaltung und der bösen bösen Öffentlichkeit, den Medien und Internet-Kommentatoren. Die Umkehrung des Verursacher-Prinzips, es ist hip geworden.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Die Regentschaft der Unfähigen

  1. Anonymous

    kann man so sehen. kann man so sagen. trotzdem keine ahnung, warum das sich selbst erhaltende mittelmaß in frankfurt derart gut funktioniert und wie man funktionären und spielern die saturiertheit austreiben kann.

    du hast noch hoffnung?
    aber hinter
    diesem herbst…
    da lauert
    winter.

  2. Der Norddeutsche

    So sieht es der Vorstandsvorsitzende😊:
    BRUCHHAGEN SETZT AUF HEIMSPIELE

    Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen
    will die derzeitige Negativserie der
    Frankfurter nicht überbewertet wissen.
    „Mit 14 Punkten muss man sich schon ein
    bisschen Gedanken machen. Aber das hat-
    ten wir in den letzten Jahren auch oft,
    dass wir tabellarisch auf der Hut sein
    mussten“, sagte Bruchhagen im Gespräch
    mit dem hr-sport am Sonntag.

    Der Vorstandsvorsitzende baut darauf,
    dass die Eintracht in den Heimspielen
    vor der Winterpause (Darmstadt, Bremen)
    noch einige Punkte sammelt. „Es muss
    unser Anspruch sein, dass wir das Spiel
    erfolgreich gestalten“, sagte Bruchha-
    gen mit Blick auf das Darmstadt-Spiel.

    Und täglich grüßt das Murmeltier!

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