Monatsarchiv: Dezember 2015

It’s the Tempo, stupid!

Ein Gag, ein Joke, ein Witz, mit Sicherheit eine Ente – so deutete ich die Gerüchte um den nun fix verpflichtetetn Szabolcs Huszti. Eintracht Frankfurt hat es aber tatsächlich fertiggebracht, aus einem Spaß, einem ulkigen Falschfährtenlegen, Ernst werden zu lassen. Der Klub verpflichtet einen 32-jährigen Mittelfeldspieler, der auf dem Altenteil in China lag. Einen Mann, der zwischen seinen Bundesligastationen immer mal eine Weile in verschwenderischere Fußballländer zum Geldverdienen geht. Vor allem aber jemanden, der – bei allen Stärken die er hat(te), worauf ich unten noch zu sprechen komme – das große, grundsätzliche Problem dieser Mannschaft nicht beheben wird. Im Gegenteil: Huszti kopiert Wesensmerkmale dessen, wieso die Eintracht tief drin steckt im Abstiegskampf.

Denn die Funktionäre von Eintracht Frankfurt lesen offenbar keine Zeitung, oder sie verstehen schlicht nicht, was dort – sogar in Diletanten-Blogs wie diesem hier – richtigerweise und (wiederkehrend) seit Monaten geschrieben, analysiert steht: Das Hauptproblem und gleichsam Grund für die Abstiegsgefahr ist das mangelhafte, nicht ausreichende Tempo der Spieler in diesem Kader. Die Spieler rennen den Gegnern meist hinterher, sind ihnen tempotechnisch unterlegen – neben optischen Eindrücken ist das belegt durch die Flut an Gelben Karten (die meisten aller Bundesliga-Teams), die die SGE in der Hinrunde kassierte. Wieso? Weil man zu oft einen Schritt zu spät ist; in allen Mannschaftsteilen. Mit diesem Wissen ausgestattet, kommt man in diesem Klub aber zu dem Schluss, einen 32-jährigen Ausrangierten zu verpflichten, der sich in der Bundesliga vor allem als guter Standardschütze einen Namen gemacht hat? Jemanden, der als erster Mensch mit fortschreitendem Alter ebenfalls nicht schneller werden wird. Davor kauft man einen Mexikaner, der jedenfalls körperlich ein wenig an das Fehleinkauf-Fiasko Caio erinnert und von dem man so gar nicht weiß, ob er den Karren anzuschieben in der Lage ist. In puncto Geschwindigkeit schon gar nicht. Und anstatt einen fähigen Rechtsverteidiger einzukaufen, setzt man nun ganz offen ausgesprochen auf Timothy Chandler – einen Spieler, der schon im Vorjahr, als er ebenso gesund wie gesetzt war, nicht wirklich überzeugen konnte. Eieieieiei …
Selbstverständlich muss die Verpflichtung von Szalbots Huszti nicht schiefgehen. Es kommt auch auf dessen Rolle, die von Außenstehenden (noch) keiner kennt, an. Persönlich war ich ein großer Fan von ihm, schon in seinen ersten Hannover-Jahren. Ein Wirbler, ein Dampfmacher. Als er Jahre später via Rückholaktion wieder nach Niedersachen ging, war ich überrascht von seiner an- und erhaltenen Qualität. Er war in seinem ersten Jahr (2012/2013) ein, wenn nicht der entscheidende Faktor in Hannovers Offensive (er absolvierte wegen Verletzung nur 21 Spiele, musste ab Februar 2013 pausieren, und kam auf 18 Scorerpunkte; davon allerdings ein Drittel in zwei Spielen). Im Folgejahr toppte er die Ausbeute sogar, kam auf 19 Scorerpunkte in 30 Spielen. Das ist stark, sehr stark, angesichts solcher Offensivkraft und Effizienz kann bei der Eintracht nur Alexander Meier konkurrieren.
Huszti ist Linksfuß, also zuhause auf dem linken offensiven Flügel. Die Position, für die man zuletzt Fabian gesetzt sah. Die Position, auf der man einen gewissen Mijat Gacinovic aufbauen wollte – der Serbe hat nun mal non chalant zwei Konkurrenten vor die Nase gesetzt bekommen. Husztis (verbliebenes) Leistungsvermögen ist kaum einzuschätzen. Er provozierte 2014 seinen Abgang nach China – ganz offenkundig um leicht viel Geld zu verdienen – indem er zu spät aus dem Urlaub nach Hannover kam. Charakterlich ist diese Verhaltensweise … nun gut. Scheint ja ein Trend bei der SGE zu sein, jetzt im Winter auf Mini-Bad-Boys zu setzen.

Aber es ist trotzdem schwer vorstellbar, dass der Ungar über die Verbreiterung, die Variabilität des Kaders – der Verstärkung der Bank – hinaus, sozusagen qualitativ sehr viel beitragen kann. Anders: Qualitativ schon, aber nicht mit einer Qualität, die dieser Mannschaft bislang und weiterhin fehlt. Abermals sei das böse, offenbar den Verantwortlichen verborgene Wort genannt: Geschwindigkeit.
Mit Marco Fabian und nun Huszti, man beachte die jeweiligen Körpergrößen, hat man sich, den Kader erstmal nur um einen Teilaspekt im Tempo-Paket ergänzt: Die Mannschaft wird durch diese Spieler wendiger. Es wirkt, als wolle man sich ein paar Marc Stenderas klonen: Technisch saubere, feine Fußballer, aber eben nicht schnell.
Spöttisch könnte man in Richtung sportlicher Leitung – Armin Veh und Bruno Hübner – fragen, wann der Verein denn mit den Transfers, mit der Problem-, mit der Ursachenbekämpfung anzufangen gedenkt.

Zugegeben, als vor mehr als einem Jahr in der Scoutingabteilung das leidige Treiben von angestaubten Ikonen wie Bernd Hölzenbein ein Ende hatte, als die ersten Lobeshymnen auf den neuen Chef Bernd Legien gesungen wurden, keimte Hoffnung auf. Besserung war in Sicht, das Kicker-Sonderheft sollte doch ausgedient haben. Schien zuächst auch so, obgleich sich qualitativ weiter auf eher unterdurchschnittlichem Neuzugangs-Niveau bewegt wurde (Lukas Hradecky vs. Luc Castaignos), jetzt promt ein Rückfall ins gewohnt unkreative Muster. Nicht, dass Kreativität ein Selbstzweck wäre, das Erfolg garantieren würde, aber Huszti? Kategorie á la Sejad Salihovic? Wieso nicht noch Lucas Barrios, Mamé Diouf, Manuel Friedrich, Thomas Broich oder wenigstens weiterbaggen an Niklas Bendtner? Es ist zum Haare raufen, mit wem sich die Frankfurter Funktionäre ganz offenkundig so beschäftigen.

Für die Eintracht, für uns als ihre Fans ist nur zu hoffen, dass Huszti sein Leistungsmaximum nicht zu sehr überschritten hat, dass er wenigstens ähnlich überzeugend in die Bundesliga wiedereinsteigt, wie er das in Hannover 2012 tat. Muss ja nicht gleich so überragend sein, wie im genannten Fall, aber wenn er die linke Seite (mit) reanimiert, wenn er als zehnter Feldspieler sichtbar und mindestens halbwegs aktiv ist, als Anspielstation, als Pass- und Ideengeber, er also die Außenbahn zu einem Faktor macht, diese nicht mehr wie gelähmt von anderen Mannschaftsteilen mitgeschleppt, ausgebügelt werden muss, ist viel erreicht. Somit sind fast dieselben Worte gesprochen wie in Bezug auf Marco Fabian, als (jedenfalls ich) davon ausging, dass dieser den linken offensiven Flügel beanspruchen solle.

Immerhin gehen die Neuverpflichtungen offensichtlich schnell über die Bühne, so dass man tatsächlich am Anfang Januar zum Trainingsstart alle, mindestens einige Wesentliche zum Üben dabei hat. Das ist wichtig.

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Interessant und interessiert

Interessantes lässt sich bei dieser Daten-Auswertung erfahren. Vor allem in Bezug auf das Läuferische der Mannschaft – was letzte Saison unter Thomas Schaaf sogar noch schwächer gewesen ist, wie in der laufenden Spielzeit. Lest selbst, gebt eure Meinungen ab. Interessiert mich ebenso wie die Nachricht als solche.

Auch, was ihr zu dem Ex-Hannoveraner und China-Geldveridener Szabolcs Huszti denkt, beschäftigt mich. Dessen Verpflichtung soll nun doch wahrscheinlicher sein, als in den vergagenen ein, zwei Tagen angenommen … #altenteil #kickersonderheft

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Richtige Schlüsse, falsche Schlüsse

Reingefallen. Da haben sie mich doch tatsächlich für einen kurzen Moment drangekriegt, die mal mehr, mal weniger qualifizierten Kollegen der Medienbranche. Für den Bruchteil einer Sekunde ging ich davon aus, dass an Namen wie Sejad Salihovic und Szabolts Huszti als mögliche Neuzugänge für Eintracht Frankfurt etwas dran sein könnte. Doch dann besann ich mich, vergegenwärtigte mir die Gewissheit, dass das Zeitalter des Kicker-Sonderheft-Scoutings doch sicher vorüber ist. Und in der Sonderedition der Abegehalfterten würde selbst die SGE nicht wühlen … oder?

Dennoch, in diesen Tagen dämmert dem ahnungslosen Blog-Autor, dass in diesem Klub erneut ein (folgenschwerer) Trugschluss gezogen wurde und der sich Transfers zeigen wird. Diesem Kader, daran ändert die Verpflichtung des Marco Fabian nichts, mangelt es an Tempo, an Geschwindigkeit auf beinahe allen Positionen. Woran es ihm nicht fehlt, sind Erfahrung und Spielstärke. Erstere lässt sich anhand des Alters und der Spielanzahl der Akteure ablesen. Letzteres ist verschütt gegangen, aber ebenso zu Saisonbeginn gezeigt worden wie auch ab und wann, situativ mal aufgeblitzt. Im Gegensatz zum Tempo, an dem es spätestens seit Saisonbeginn mangelt.
Was wäre also die Konsequenz? Logisch: Schnelle Spieler verpflichten. Renner, Flitzer, Sprinter. Um a) in der Defensive hinterherzukommen (Stichwort: meiste Karten in der Bundesliga kassiert) und b) in der Offensive fortzukommen. Vielleicht unter dieser Gattung Spieler auch einen, der mehr Flipper als Fußball spielt á la Sebastian Rode (ohne ihn konkret zu meinen). Wenn jetzt jedoch tatsächlich intern in Richtung Salihovic/Huszti gedacht wird, sollten alle Fans alarmiert sein.
Etwas hoffnungsfroher kann einen hingegen die Tendenz stimmen, dass wohl doch eher noch 3 anstatt 2 weitere Neuzugänge an Land gezogen werden sollen. Nötig ist das nämlich allemal; ganz unabhängig davon, welche Eintracht-Spieler dann ab Mai 2016 Verträge anderswo unterschreiben werden.

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Knut

Der Besinnung ist Genüge getan, der Turbokapitalismus hat uns wieder. Ab heute werden wieder Gerüchte gekocht und das Profifußballer-Karussell angeworfen, so, wie es seit fast 20 Jahren immer ist. Heute trägt Spieler A dieses Trikot, morgen jenes, dann dieses Jersey, um schnurstracks wieder in ein anderes zu schlüpfen. Vertragsverlängerungen? Nichts als ein Zweck der Ablösensicherung. Fußball ein Sport? Iwo! Ökonomie ist das einzige, das zählt. Optimiert man sich, die Ergebnisse schon nicht auf dem Platz, so wenigstens die Zahlen in den Bilanzen. Viel Form, wenig Inhalt.

Und so wird Carlos Zambrano, der nach monatelangem Hickhack samt dubioser Konraktskonstrukte seinen Vertrag bis 2019 verlängerte, eine Halbserie später zu einem anderen Verein gerüchtet. Mitunter wäre Kaan Ayhan, samt Kaufoption, dann sein Nachfolger. Ein planvolles Vorgehen, ziemlich ungewohnt für Eintracht Frankfurt. Für Stefan Aigner, ebenfalls vor kurzem mit neuem Arbeitspapier ausgestattet, ruft die Eintracht indes wohl mehr als fünf Millionen Euro auf; signalisiert somit verhandlungsbereitschaft in Bezug auf einen a) Leistungsträger und b) Charakterkopf des Teams. Wenn nicht jetzt, weil sportlich brisante Situation und so, dann eben im Mai. Aufgeschoben, keinesfalls aufgehoben.
Hauptsache, man schleppt über Jahre so manchen Spieler mit, der nun wirklich eher am äußeren Kreis des Leistungsgebildes herumturnt. Nennen wir sie Kadlec, Inui, Medojevic, durchaus auch Oczipka, Djakpa oder Kinsombi. Ein ganzes Rudel Rollenspieler, sozusagen.

Jedenfalls geht das Bäumchen wechsel dich noch vor – dem durch einen Möbelhaus-Werbesport einst auch den gleichgültigen deutschen Hirnen bekannten Termin – „Knut“ so richtig los. Schauen wir es uns also mal an. Bleibt dem verliebten Narren ja sowieso nichts anderes übrig.

Ein kleines „Kuriosum“ zum Schluss: Die Hälfte all ihrer 17 Hinrundenpunkte holte die SGE in den ersten fünf Saisonspielen (das war von Mitte August bis Mitte September).

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Der Wunschzettel

Mehr als alles andere sollte für den modernen Menschen Weihnachten die Zeit sein, in der er bedenkenlos die Bremse ziehen kann. Den Alltag hinter sich zu lassen, innezuhalten und zu reflektieren. Über das eigene Leben, über Vergangenes, weniger über Zukünftiges. Letzteres passiert sowieso, allen Plänen und Zielen, die man haben und verfolgen mag, zum Trotz. Die Vermeidung großer Pläne, das haben Kinder uns voraus. Sie machen einfach. Und sie wünschen sich Dinge. Mein Wunschzettel, bezogen auf Eintracht Frankfurt liest sich so:

Liebes Christkind,

ich wünsche mir, dass es sportlich, spierlerisch, vor allem tabellarisch für diese Mannschaft, für diesen Klub aufwärts geht. Nicht nur von Woche zu Woche, nicht nur in (Teilen) der bevorstehenden Rückrunde, sondern mittelfristig, dauerhaft, saisonübergreifend. Dass irgendwann die Bräsigkeit, die devot-blasse Ambitionslosigkeit, der dahergeredete bleierne Zement aus Köpfen und Vereinsstruktur verschwinden. Dass man sich ein gesundes Maß an Demut behält, geerdet ist, dass aber ein Euphorie-Funken entsteht, entstehen darf und kann, den dieser Klub für einen Sprung ins aufstrebende Mittelfeld der Bundesliga nutzt. Ein Verein, der sich an best-practice-Beispielen orientiert, nicht daran, dass es anderen noch schlechter geht. Einen Klub, bei dem Funktionäre an den Schalthebeln sitzen hat, die den sportlichen Kurs, die spielerische Ausrichtung weitaus mehr prägen als das bei der SGE je der Fall war. Ein Sportdirektor, Vorstandsleute, die Trainer und Team Vorgaben machen, sie sich nicht machen lassen, die verbissen an höheren Zielen arbeiten, anstatt auf glimpfliche Saisonverläufe/Saisonausgänge zu hoffen. Dass Realisten am Werk sind, die trotzdem mutig und kreativ sind, klammheimlich sogar eine Vision verfolgen.

Für uns Fans wünsche ich mir, dass Eintracht Frankfurt bald wieder Stoff zum Träumen gibt, in Form von der Europa-League-Qualifikation in homöopathischen Dose (also alle paar Saisons). Dass uns die vergangenen Jahre – die in der Wahrnehmung auch maßgeblich von Buchhaltungs-Logiken geprägt waren – nicht zu sehr in den Duktus der Betriebswirtschaft, des kaufmännischen Denkens hineingezogen haben werden. Dass wir den Fokus auf Sport und Spielern behalten, uns nicht so sehr für Transferüberschüsse, Bilanzen, (Nicht-)Verschuldung, Stadionmiete und Sponsorenverträge interessieren bzw. diese Dinge in den Mittelpunkt der Entwicklung, der Zukunft stellen – aller notwendiger Erlöserzielung zum Trotz. Am Ende singen wir im Stadion nicht das Amtsgerichts-Aktenzeichen der SGE, lassen Trikots nicht mit dem Jahresabschluss beflocken. Das Wesentliche spielt sich auf dem Fußballrasen ab, und da sollte uns Fans daran gelegen sein, die Spieler nicht als austauschbare Ware wahrzunehmen, sondern (weiterhin) dafür zu sorgen, dass Leistung anerkannt und für dauerhaften Verbleib der Besten, der Typen und Charaktere, der Team-Repräsentanten gesorgt wird. Austauschbar sein können andere; es gibt stets alternative Markenkerne.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen Lesern, speziell bei den Kommentatoren von meinem Blog „Eintrachtinside“ für die anhaltende Aufmerksamkeit und den fruchtbaren Austausch. Ich wünsche euch allen möglichst wenig Aufregung für und über die Weihnachtstage, alles Gute, ein frohes Fest, wie auch immer ihr es zu begehen gedenkt!

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Die Bilanz eines Murmeltiers

Im eigenen Blog-Archiv zu lesen, wie die eigene Gefühlslage in den vergangenen Winterpausen so war, liefert zwar keine Erkenntnisgewinne. Wie sehr Eintracht Frankfurt stagniert, wie deckungsgleich die Verläufe doch sind, obwohl sich Mannschafts-Zusammensetzungen, sportliche Akteure ändern, lässt sich aber anhand so einer Schmökerei ganz launig feststellen. Versteht es als Weihnachts-Lektüre und lest selbst:

2011

2012

2013

2014

Und aktuell, 2015? Da ähnelt die Gemütslage, bezeichnenderweise auch die sportliche doch sehr genau jener aus 2013 und, mit Ausnahme jenes Endspurts, der von 2014. Die entscheidende Parallele ist die des hier im Blog schon mehrfach genannten Underperformings. Nicht nur die Fans, das gebetsmühlenartig und fälschlicherweise als erwartungsschwanger bezeichnete Umfeld und die ach-so-bösen Medien gingen in jenen Fällen von mehr sportlicher Qualität, von einem besseren tabellarisch-punktetechnischen Abschneiden aus. Angesichts des eingesetzten Geldes, des Kaders als solchem, konnte in beiden Fällen der Abstiegskampf – auch bei einem glücklichen Ausgang – nicht ernstlich in Betracht gezogen werden. Da war doch, illusionierte man, ein Fundament vorhanden, Selbstvertrauen, eine Ausgangsposition für „mehr“ geschaffen. Ein bisschen mehr wenigstens, mindestens aber eine Festigung der Position im Mittelfeld. In der Realität gab es aber immer nur Knäckebrot. Ohne Belag. Solidität als Sensation.

Wie also ordnen wir 2015/2016 bis hierher ein, ohne das zu wiederholen, was in den Blogbeiträgen des vergangenen Vierteljahrs fast täglich zu lesen war? Am besten wohl gar nicht. Zum spielerischen Auftreten wie sportlichen Abschneiden ist alles gesagt, gehandelt wurde zum letztmöglichen Zeitpunkt – um ein Minimalstziel zu erreichen.

Deshalb ist das Entscheidende, dass die Erleichterung im Zuge des Heimsiegs gegen Werder Bremen nicht all die Mängel und Missstände aus mehr als einem Dutzend Pflichtspielen übermalt. Da war vieles schlicht grausig, über schiere Verunsicherung hinaus. Den Worten der Funktionäre, der Verantwortlichen zufolge, wird ein Übertünchen der Probleme nicht passieren. Dennoch kennt man die schnell wieder aufkommende Grundzufriedenheit, diesen tabellarischen Minimalismus und auch eine Rhetorik von „verletzte Spieler = Quasi-Neuzugänge“ aus der Vergangenheit. Das alles kehrt ebenso immer wieder, wie die sportlich-spielerischen Minderleistungen.

Mit dem Mittelfeldspieler Marco Fabian hat die SGE, hat Sportdirektor Bruno Hübner jedenfalls einen ersten (nötigen) Fakt zur (nötigen) Verbesserung geschaffen. Er korrigiert damit seine Einschätzung des Kaders und dessen Zusammenstellung. Mit einem Transfer, der zumindest auf dem Papier der spielerischen Ausrichtung entspricht, die dieser Kader von Beginn an und seit Jahren hergibt.
Dass Trainer Armin Veh prinzipiell lieber flügelkonzentriert und kurzpasslastig spielen lässt, ist kein Geheimnis, es ist Kern seiner Trainerkarriere. Dass er inhaltlich anders nicht (trainieren) kann, dass ihm die Umformung des Teams zu einer Arbeitertruppe nicht gelingt, ist nicht das erste Mal sichtbar geworden. Ihm fehlen, wie schon 2013 für so eine Umstellung die Spieler(typen). Damals änderte das die erst auf Kurzzeit angelegte Verpflichtung des schnörkelosen Alexander Madlung als zusätzliche Defensiv-Variante, diesmal schlägt man mit Marco Fabian die entgegengesetzte Richtung ein. Nun ist die Maxime die des Herrausspielens, nicht die des Herausrackerns. Das ist richtig. In puncto Arbeiten, Grassfressen, Kratzen sind dieser Eintracht andere Teams überlegen, da kann sie nie so gut sein wie etwa Darmstadt 98. Es wäre bemüht, ohne erfolgreich zu sein. Die SGE muss ihre Stärke ausspielen; eine, die sie hat. Und diese befindet sich im Spielerischen. Es ist ja nicht so, dass das in der Hinrunde nie zu sehen gewesen wäre. Das Spiel gegen Köln hätte zwar tatsächlich jeder Bezirksligist an diesem Tag gewonnen, Stuttgart war damals ebenfalls Fallobst, für den Thesen-Beweis der Spielstärke taugen viel mehr die Spiele etwa gegen Wolfsburg, Schalke und Hoppenheim. Da klappte viel Konzeptionelles, nur fehlte jeweils das Tor, das Punkte eingebracht hätte.

Zur Spielweise, Selbstvertrauen und Form in diesen Partien muss der Weg der Eintracht (zurück)führen. Gelingt das, sind die für den Klassenerhalt noch nötigen 19, 20 Zähler drin. Nicht locker, aber auch nicht auf den letzten Drücker. Stürzt die Mannschaft abermals in ein Leistungs-Loch, das ihr durch eine gewisse Dauerhaftigkeit eine Modifikation der Spielweise aufzwingt, wird das Team absteigen. So simpel ist das.

Eine Einschätzung der individuellen Hinrunden-Leistungen zwischen August und Dezember 2015 lest ihr hier. Und wie attraktiv der Verein unseres Herzens tatsächlich ist, nunja, lässt sich auch nachlesen. Das dann dort extern erfahrbar.

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Gerüchte statt Gänsebraten

Der FC Schalke 04 will Stefan Aigner verpflichten, als Ablösesumme steht irgendetwas zwischen fünf und sechs Millionen Euro im Raum. Demgegenüber will Außenbahnspieler Sidney Sam – sozusagen der konservativere Marco Fabian – nicht mehr zu Eintracht Frankfurt, das ihn im Sommer zugegebenermaßen alles andere als professionell ablehnte. Stattdessen holt die Eintracht Innenverteidiger Kaan Ayhan aus Gelsenkirchen an den Main (Bericht der „Morgenpost“) – was wiederum einen Blick nach England erfordert, wo Interessenten an Carlos Zambrano baggern sollen; zu den dann wohl typisch britischen Mondpreisen, die man als abgebener Verein bedenkenlos aufrufen kann.

Sollte man gar nicht meinen, dass Spieler eines abstiegsbedrohten Klubs solch ein Interesse hervorrufen. Aigner abzugeben, wäre natürlich Quatsch. Aus sportlicher Sicht, aller Hinrunden-Krise zum Trotz. Aber auch charakterlich, der Bayer ist einer der wenigen (verbliebenen) Spieler mit einem gewissen Charakter, jemand, der etwas ausstrahlt, ein Typ. Mit seiner Spielweise, dem nimmermüden Einsatz- und Behauptungswillen, kann er die Fans im Stadion mitreißen, antreiben. Er ist ein Zugpferd, ein Kopf der Mannschaft, zunehmend ein Gesicht des Vereins. Aigner ist ein Spieler, den man lieber als künftigen Kapitän „aufbauen“, niemals aber abgeben sollte.

Für Zambrano, der im letzten Hinrundenspiel nach einer Blessur passenderweise geschont wurde, gilt Ähnliches. Mit der Ausnahme, dass man für den Peruaner tatsächlich eine Summe einstreichen könnte, die einen sportlich unterdurchschnittlich, fianziell mittelmäßig agierenden Klub schwach werden lassen muss. Gibt es aus der Investoren-Liga zweistellige Ablösesummen, müsste man Zambrano ziehen lassen. Sportlich wäre das ungut, auch als Typ, als Respekteinflößer, als loyaler Kettenhund ein Verlust.

Kaan Ayhan als Ersatz für die Innenverteidigung? Herkunftsmäßig wäre es quasi eine Wiederholung des Zambrano-Transfers. Dieser stammte ja auch aus der Schalker Jugend. Bezeichnenderweise bedient sich die Eintracht dort, weil der eigene Nachwuchs offenbar doch nicht so tauglich, so weit ist, wie man es im Zuge der jährlich 800 000 Euro sparenden U23-Abmeldung so forsch propagierte.
Ayhan gilt jedenfalls als eines der größten Innenverteidiger-Talente in Deutschland. Ob die SGE in der Position für Heranführungen ist, darf man indes stark bezweifeln – was ja schon an der Position von Luca Waldschmidt und Joel Gerezghier zu erkennen ist. Noch weniger leisten kann sich die Eintracht allerdings einen Ausbildungs-Luxus, den eine etwaige Leihe (von dieser ist die Rede) bis Saisonende mit sich bringen würde. Kurzum: Kauf ja, Leihe ist Unsinn.

Und sonst so? Falls sich das mit Ayhan zerschlägt, ist für die Innenverteidigung neben Jan Kirchhoff auch der Name Robin Knoche (VfL Wolfsburg) mal aufgekommen. Nach längerer Verletzungspause spielte der zuletzt Zweite Mannschaft, das Unzufriedenheits-Konstrukt der Radkappen ist zudem wohl an Süle von Hoppenheim dran. Jedoch wird Knoche auch mit Mönchengladbach, die in der Innenverteidigung jüngere Spieler suchen und brauchen, in Verbindung gebracht. Da wäre die SGE dann natürlich im Sekundenbruchteil raus.

In der Offensive soll einer kommen, als a) Kadlec-Ersatz und b) Castaignos-Verletzungs-Überbrücker. Wer könnte das sein?

In der Top-Kateogrie – also für die SGE außerhalb jeder Wahrscheinlichkeit – sind Stefan Kießling, an dem Stuttgart und Augsburg schwerst interessiert sein sollen.
Josip Drmic von Mönchengladbach wird ebenfalls als Wechselkandidat zu verschiedenen Klubs gerüchtet.

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren werbe ich Unwissender ja für den Schweden Branimir Hrgota in Teilzeitdiensten von Mönchengladbach. Niklas Bendtner, den man nun seines Zeichens seit eineinhalb Jahren in der Bundesliga under-performen sieht, dürfte nach aller Vernunft nicht nochmal auf dem Frankfurter Schirm auftauchen. Spieler á la Sascha Mölders wären indes wohl keine wirkliche Verstärkung.

Für den SGE-Sturm könnte derzeit eigentlich nur ein erfahrener Spieler, der eine Rolle hinter Haris Seferovic und Alexander Meier einzunehmen bereit ist, verpflichtet werden. Von den Genannten wäre das, auf die Bundesliga bezogen, wohl nur jemand (wie) Mölders, wobei dieser im Speziellen auch mehr Interesse an dauerhaften Einsätzen als an vermeintlich „prestigeträchtigen“ Großstadt-Klub-Gastspielen haben dürfte.

In der Winterpause geht es nicht nur angesichts des spärtlichen tauglichen Spielerangebots erstmal um das Kader-Flicken, das Schließen der größten Baustellen. Das hat Frankfurt mit Marco Fabian und der Linksaußen-Position jedenfalls nominell getan; in der Hoffnung, dass kein zweiter Caio antanzt.

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