Furcht vor der Erruption

Hessenderby. Das hätte so „schön“ werden können. Einmaligkeit. Atmosphäre. Sport. Finanzielles David vs. Goliath. Würde es um die Eintracht sportlich nicht so düster stehen, hätte man sogar die Hoffnung auf einen friedlichen Verlauf hegen dürfen. Aber so? Lass‘ die Kiste am Sonntag mal in einer Pleite für Eintracht Frankfurt, einen nicht ausgeschlossenen Erfolg von David gegen Goliath enden, dann wird das richtig ruppig. Vermutlich erschöpft sich das Ganze dann nicht nur in Pfiffgen, Buhrufen und einem Sturm der Entrüstung von den Rängen. Nein, auch außerhalb des Stadions dürfte es dann zu hässlichen Szenen kommen, jenen Szenen, die man speziell von einigen Hundert Frankfurt-Fans kennt; vor allem dann, wenn sportlich kaum was zusammengeht und das (oft, aber nicht mal immer alkoholangereicherte) Testosteron sich Bahn brechen will.

Es ist schon soweit gekommen, dass man vor einem Spiel gegen Darmstadt 98 Angst haben muss. Und das nicht auf die Sicherheit, sondern auf den Sport bezogen.
Man fürchtet sich vor (hoch motivierten) Leichtgewichten, etwa einem Leichtathleten wie Marcel Heller und einem Robocop wie Sandro Wagner! Himmel, die Limitation dieser Spielers hat man biseweilen in Frankfurt jahrelang erlebt, aber nun wird der Heller sich in Laufduellen gegen notorische träge Eintracht-Flügelspieler, der Wagner sich über Robustheit gegen SGE-Gummi-Verteidiger durchsetzen. Standardsituationen der Lilien werden für höchst brenzlige Situationen im Eintracht-Strafaum sorgen, weil Hinz und Kunz am Ball vorbeifliegen, der Gegner diese Szenen aber trainiert und kann. Die wollen eben, und das, was sie trainieren, können sie auch.

Es gibt wirklich keinen Grund dafür, kein Indiz, wieso die SGE dieses Heimspiel gewinnen sollte. Woher den Optimismus, den Glauben nehmen? Seit Monaten gab es keinen Sieg mehr, egal, welche Rumpeltruppe bespielt wurde, egal welche Eintracht-Spieler auf dem Platz standen. Torabschlüsse werden personalunabhängig kaum mehr kreiert, das Tempo kann mangels Können nicht variiert werden, die Abwehr hat die Stabilität verloren. Das ist der Ist-Zustand, einer, der sich nicht mit der Steigerung des kollektiven Willens, des Kampfes ändern lässt. Sie wollen (auch). Sie können aber nicht. Auf einem wenigstens nicht versagenden, bis zur „Personalnot“ in Mainz noch als untauglich beschriebenen Mijat Gacinovic ruhen mittlerweile Hoffnungen, das muss man sich mal reinziehen! Haris Seferovic wird schon wieder als positiver Faktor herausgearbeitet. Die Rückkehr von Marc Stendera gilt als Schlüssel für eine Siegchance. Der Strohhalm wird immer dünner, so, wie die Bundesligaluft.

Geschrumpft, das trifft auf die 35+ Millionen Euro-Etat-Eintracht zu. So, wie Mainz-Manager Christian Heidel das kürzlich formuliert. Die SGE kann nicht mal mehr selbstbewusst in ein Spiel gegen Darmstadt 98 gehen. Wie auch? Gegen Mainz verloren, gegen Aue, auch gegen viele andere mindestens schlagbare Truppen. Jetzt also Darmstadt 98, das mindestens mal auf Augenhöhe, im Prinzip sogar darüber steht. Denn die wissen immerhin um ihre Position, die waren auch von Beginn an darauf eingestellt. Im Gegensatz zu Frankfurt, wo man nicht mit dieser Tristesse rechnete – und dementsprechend nicht die Mittel zum Umlenken hat, allen Bekenntnissen zum Trotz.

Am Sonntag steht jedenfalls eine Partie an, die das Klima bis in die Rückrunde hinein beeinflußen wird. Sportlich sowieso, das ist angesichts der Tabellensituation eine Binse. Atmosphärisch wird das Spiel aber ebenfalls massiv nachwirken; im Falle einer Pleite – und schon ein Unentschieden ist eine solche – könnte Unruhe in Aggression kippen. Das ist ja das Prekäre an der bevorstehenden Partie: Selbst ein Sieg der Eintracht würde an der sportlichen Ausgangslage wenig ändern; allenfalls würde, speziell klimatisch, etwas Druck aus dem Kessel genommen werden. Gelingt der SGE nicht mal das, nicht mal ein Erfolg gegen zuletzt immerhin gestutzte Darmstädter, dann … geht es inhaltlich trotzdem so weiter wie bisher, wie immer. Nur wäre man im Verein um eine Ausrede reicher, sobald irgendwelche Hohlroller über Gewaltausbrüche ein weiteres Alibi, eine neue Ausrede liefern.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Furcht vor der Erruption

  1. Jermaine Jones Junior

    Nach den Ergebnissen des heutigen Spieltags ist ein Sieg Morgen nunmehr ein absolutes MUSS-MUSS.

  2. Olli

    Die evtl. Ausrede nach dem Spiel steht doch jetzt schon fest: der fehlende Fußballgott!

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