Ho-Ho-Ho

Frage: Traut man Eintracht Frankfurt – und das ganz unabhängig von der Tristesse der Gegenwart – ein Spiel wie Mainz in Hamburg zu? Mal ungefährdet eine Partie nach Hause bringen? Mit mehreren Toren Abstand, ohne das große Zittern? Oder eine Partie, Partien wie Hertha BSC Berlin sie spielt – jene Bieder-Berliner, die nun gegen das für Frankfurt schier unbezwingbare Leverkusen gewannen? Sind solche abgebrühten, stringenten Auftritte denkbar? Zweifelhaft. Das Ding gegen Köln, dieses vielzitierte Spiel, hätte wahrlich jede Kreisligatruppe an dem Tag gewonnen, so viel ist seit langem klar (und auch von mir damals völlig falsch eingeschätzt worden). Stuttgart, da muss man bei diesem Zorniger-Diletiere auch nichts mehr zu sagen, um die Leistung der SGE einzuordnen.

Mainz 05 ist also eine Nummer zu groß, Leverkusen beweist sich als nachhaltig unschlagbar, Hoppenheim verlässt man ohne Torerfolg und gegen Darmstadt 98 geht man heute keineswegs als Favorit in die Partie: Klein, ganz klein ist Eintracht Frankfurt in sportlicher Hinsicht geworden. Die Dauer-Underperformer vom Main müssen weit mehr auf die Ergebnisse der Konkurrenz schauen, auf Pleiten/Punktverluste wie etwa Hannover in Schalke oder Hoppenheim in Ingolstadt hoffen, als dass sie die tabellarische wie spielerische Verbesserung in der eigenen Hand hätten. Umso bezeichnender, dass selbst ein Sieg gegen Darmstadt (ho-ho-ho!) angesichts der Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen nicht mehr wäre als die schnöde Aufrechterhaltung des tabellarischen status quo.

Es liegt derart viel im Argen, dass ein dreifacher Punkterfolg gegen die Lilien fast nur noch ein Zufallsprodukt sein kann. Irgendein reingewürgter Angriffsversuch, eine Standardsituation vielleicht – doof nur, dass es eher der Gegner ist, der Letztere behrrscht.

Was macht der SGE, ihren Anhängern am Nikolaustag Hoffnung? Die Strohalmklammerer nennen Mijat Gacinovic, den einzigen und monatelang versteckten, für zu leicht befundenen Linksoffensiven. Marc Stendera, selbst Slobodan Medojevic gilt mittlerweile als Größe im Team (das war schon am Bangen ob seiner Einsatzfähigkeit nach dem Zusammenprall mit dem Schwerverletzten Johannes Flum zu erkennen).

Wahrscheinlich reicht die Aufzählung dieser drei Namen aus, um den Zustand von Eintracht Frankfurt in der Saison 2015/2016 zu beschreiben. Die Wackelkandidaten sollen es also richten. Und zwar, weil keiner der Gestanden(eren) überhaupt auch nur in Form, geschweige denn in der Lage ist, andere Schwächelnde mitzuziehen, besser zu machen, den Erfolg, wenigstens die spielerische Trendwende „alleine“ herbeizuholen. Alexander Meier, Haris Seferovic, Stefan Aigner, Makoto Hasebe, Bastian Oczipka – sie alle sind mit sich selbst beschäftigt, hängen derart weit ihrem Leistungsoptimum, ach, ihrem Normalmaß hinterher, das es beängstigend und folgenreich ist. Das wäre übrigens an sich noch kein Problem, hätte Eintracht Frankfurt so etwas wie Konkurrenzkampf, gebe es eine Nummer 12,13,14, die die Formschwachsen ersetzen könnt(en). Leistungskultur muss man eben wollen; in Frankfurt entscheidet man sich seit Jahren dagegen.

Für Eintracht Frankfurt sind es jetzt 10 (!) Punkte bis zum 6., 9 Zähler bis zum 7. Platz. Also bis zu jenen Regionen, die man nicht nur qua eigener Aussage, sondern auch qua Etat erreichen können muss. Es liegen Welten zwischen diesen Plätzen und jenen, auf denen die SGE herumkrebst. Da können sie im Stadtwald noch so oft den Abstiegskampf beschwören, den man erkannt haben mag: Das alles ist schlicht ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit, Untätigkeit, des eigenen Scheiterns. Wieso bleibt das personell folgenlos? Man muss dazu nicht zum abertausendsten Mal die Trainerwechsel-Logik rauf- und runterdebattieren – aktuell Positivbeispiel André Schubert gegen „Negativ“beispiel Huub Stevens stellen. Es wäre, es ist egal, wer bei Eintracht Frankfurt Trainer ist. Der Fisch stinkt vom Kopf, und solange dieser – die in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder hier genannten Gesichter – am Rumpf sitzt, wird sich in Frankfurt allen Beteuerungen zum Trotz nichts ändern.

Weg von der Meta-Ebene hin zum heute anstehenden, ja, Schicksalsspiel: Wären die Problem in einer Einstellungsfrage begründet, könnte ja der Faktor „Wir reißen uns für den schwerverletzten Johannes Flum den Allerwertesten auf“ nun eine Rolle spielen. Das Drama als Ruck, die Auferstehung des Gemeinschaftsgedankens, der etwa bei den Lilien als Selbstverständnis und Erfolgskonzept gelebt wird. Eintracht Frankfurt wird dieses Spiel nicht über Willen, nicht über Kampf, nicht über das Kollektiv gewinnen (können). Das ist die Stärke, die man Darmstadt nicht abringen wird können. Eintracht Frankfurt kann gegen diesen Gegner nur erfolgreich sein, wenn sie spielerisch etwas auf die Beine stellt, wenn sie Darmstadt hintenrein drückt, Chancen herausspielt, vor allem auch mindestens zwei Mal trifft. Dafür braucht es eine hoch stehende Eintracht, eine druckvoll spielende, pressende und, ja, leider auch schnelle Eintracht.
Doch wie ich hier in den vergangenen Wochen jedes Mal aufs Neue analaysiert habe, erkenne ich kein Mentalitätsproblem. Der Wille ist da, die Motivation ist vorhanden, Indizien für bröckelnden Teamgeist lassen sich nicht ausmachen – das wird auch im Hessenderby so sein, und sei es über eine Dussel-Verwarnung in den Anfangsminuten. Vielmehr ist das Können, die Qualität, die Form, liebe Leute, einfach nicht vorhanden. Das ist es, was Angst machen muss. Heute noch mehr als in den vergangenen Monaten, als kein noch so symbolisches Ereignis (Bayern, Hannover) für eine Stabilisierung ausreichte, ohnehin schon. Und da sind die drohende Häme, die faktische Verlagerung der Kräfteverhältnisse in Südhessen das geringste Problem.

Das Positivste zum Schluss: Gegen Darmstadt wird vermutlich selbst Eintracht Frankfurt zumindest wieder versuchen, ein Fußballspiel zu gewinnen. Das soll ja möglich sein, in Zeiten, wo Mannschaften selbst die Bayern aus München besiegen. Ein Erfolg ist, wie vor Kurzem gegen Hoppenheim, zumindest möglich.

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Ho-Ho-Ho

  1. Piotr Mueller

    Im Grunde genommen egal; aber wer soll eigentlich gegen Dortmund verteidigen?

  2. Jermaine Jones Junior

    Noch ein Edit zu Marcel Heller: Was erlaubt sich diese Person für ein unsportliches Verhalten gegen seine ehemaligen Kollegen ?? Jetzt mal im Ernst. Und nicht nur Heller, sondern auch Wagner und Co.
    Das ist ein äußerst seltsames Verhalten im Jahre 2015. Ich kann das Verhalten noch aus den Jahren 1990 bis 1999.

    Da war außerdem etwas, ich glaube der Minute 76, da gucken etwa fünf Darmstädter BEWUSST zum Schiri, als Waldschmidt den Ball nach einem – für 1. Bundesliga – angemessenen Zweikampf zurückerobert hat. Der arme Waldschmidt war für einen kurzen Moment irritiert und konnte seinen Laufweg nicht optimal koordinieren. Jetzt werden sicher einige: Ja, das war aber naiv vom jungen Waldschmidt, aber in der 1. Bundesliga darf ruhig sportliches und faires Verhalten erwartet werden.

    Wäre ich ein neutraler Zuschauer gewesen, hätte ich mich in diesem Spielmoment für Darmstadt ernsthaft fremdgeschämt.

  3. Piotr Mueller

    der letzte macht das Licht aus….

  4. Olli

    Wenn ich jetzt schreibe, was ich denke, dann kriege ich und/oder Björn vermutlich juristische Schwierigkeiten. Bin mal gespannt, in welchen (beanstandungsfreien) Wörtern er sich ausdrücken wird.

  5. ich würde mich ja aufregen, aber wozu? Das war jetzt eigentlich das Zeichen dafür, dass mit der Truppe nix zu reißen ist.

    Immerhin haben es die Selbstdarsteller noch ins Fernsehen geschafft und können sich wieder selbst abfeiern. Spielt alles keine Rolle mehr.

    Jetzt könnte man sich bei Sky90 noch vom Friedhelm anhören, dass früher ja alles besser war.

  6. Jermaine Jones Junior

    Ok, vorbei. Armin Veh muss entlassen werden. Jetzt. Sofort. Jetzt und sofort.
    Die Anhäufung der Niederlagen gegen Gegner auf Augenhöhe ist zu hoch.
    Mir reicht es echt.

  7. Jermaine Jones Junior

    Hahahahaha, jetzt spricht der Präsident Herr Fischer in der Halbzeitpause bei Sky. Erinnerungen werden wach: „Dann gewinnen wir halt gegen den scheiß BVB“. Wer ist unser nächster Gegner?

  8. Jermaine Jones Junior

    18:19 Uhr. Es steht 0:1. Gegen Darmstadt. Diesen widerlichen Studentenverein.
    Was hat sich Armin Veh im Sommer gedacht, als er zurückgeholt wurde? „Wenn die wüssten, wie doof ich eigentlich bin! Aber hey, die Nachfragen und die Bemühungen schmeicheln mir sehr. Find ich irgendwie geil !!“.

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