Keine Probleme

„Das Einzige, was wir definitiv nicht haben, ist ein Trainerproblem.“

Das ist der Satz, der aus den Hälsen der Eintracht-Funktionäre kommt (Peter Fischer). Natürlich; die Krähen schließen die Reihen. Denn eigentlich müssten sie alle, diese ganze Versager-Bande, zurückgetreten, rausgeworfen werden. Hätten diese Funktionäre auch nur einen Hauch Ehre am Leib, gebe es in diesem Klub auch nur einen einzigen Fähigen, wäre spätestens jetzt Schluss. Für alle. Für Trainer, Sportdirektor, Vorstandsboss. Einmal tabula rasa. Und sei es als Selbstzweck. Das amtierende Personal konnte ja jahrelang seine Untauglichkeit beweisen. Doch im Aufsichtsrat sitzen vermutlich Flaschen deselben Kalibers. Blinde führen Blinde. Bruno Hübner darf weitermachen, Heribert Bruchhagen ebenso, Axel Hellmann, diese ganze Schar von Nichtskönnern. Und natürlich Trainer Armin Veh, der in einem personifizierten Verzweiflungsakt sogar noch den verkauften Vaclav Kadlec ins da schon seit 80 Minuten verlorene Hessenderby schmiss. Wolfang Steubing, der Vielgelobte, wo ist er? Wo ist die Faust, die dazwischenschlägt, die Fakten schafft, die einen Verantwortlichen opfert? Nichts wird passieren. Ein bisschen ist es, man entschuldige diesen krummen, moralisch verwerflichen Vergleich, wie in der Nachkriegszeit: Weil weit und breit kein Personal, schon gar nicht in der Masse verfügbar ist, macht man eben mit den alten Garden aus den finsteren Vorjahren weiter.

So früh ins Unterhaus gedriftet, so regungs-, rat- und punktlos ist Eintracht Frankfurt jedenfalls nicht mal im qualvollen Skibbe-Jahr gewesen. „Abstieg der Schande“? Was bitte ist das, was aktuell passiert dann? Die SGE ist eine tote Mannschaft. Da ist nichts, gar nichts mehr vorhanden. Kein Können, kein Plan, kein Willen, kein Personal, nur noch Frustration. Der böse Tritt von Haris Seferovic, der – wie bei all seinen Karrierestationen – eine Entagsfliege ist, das ewige Gestikulieren von Marc Stendera, die Zweikampflogik von Carlos Zambrano (gegen Wagner) und das notorische zu-langsam-Sein auf allen Positionen sind Symptome dieses Zerfalls. Stefan Reinartz wirkt wie ein Altherren-Fußballer, Bastian Oczipka scheitert an Grundlagen, Stefan Aigners Stöpsel war nach 30 Minuten gezogen und Slobodan Medojevics Fußballspeilversuche erinnern an das all-sonntägliche Gewürge, das auf Kreisligaplätzen Land auf, Land ab zu sehen ist.

Peter Fischer, der Präsident, erzählt angesichts dessen lieber davon, dass der „Kopf wichtiger ist als die Beine“. Ein Satz, für den Christoph Daum seinerzeit mit Hohn und Spott überschüttet worden ist! Und dieses Fischer-Glanzlicht entsprang seinem Mund nur 45 Minuten nach dem entlarvenden Satz, dass es in der zweiten Halbzeit besser würde, weil man auf die eigene Fankurve spielen würde. Wahnsinn. Geht ein Strohalm noch kleiner?

Der Druck sei eben zu groß, damit könne das Team – ein Sammelsurium von professionellen Millionen-Euro-Verdienern – nicht umgehen. Diese bankenturmhohen Erwartungen! Ein Sieg gegen Darmstadt! Wenigstens nicht heilos unterlegen zu sein! Unmenschlich, brutal, das kann niemand von einem Menschen verlangen. Schuld sind sowieso die Medien. Frankfurter Rundschau, Bild, Blogger – diese ganzen Lügenbarone, die ja schließlich wollen, und dann dafür sorgen, dass diese Truppe so mies, dieser Klub ein Hühnerzüchterverein ist.

Ein Satz nur zu diesem elenden Spiel, dessen Dramaturgie ja hier bereits vorab in etwa nachzulesen war: Darmstadt hat das gespielt, was sie a) können und mit dem b) zu rechnen war. Kein Hexenwerk, schon gar nichts Überraschendes. Hat aber gereicht gegen ein Eintracht Frankfurt, dass sich eine, ja, eine (!) Torchance in 90 Minuten erspielte.

Wie gehts weiter? Mit drei Gelbsperren gegen Dortmund. Spielt das eine Rolle? Iwo! Ist doch völlig egal, wer in rot-schwarzen Trikots aufläuft, verloren wird sowieso. Gegen die Borussia dann eben irgendwas 0:3, 0:4 rum. Schulterzucken. Wir haben keine Probleme. Dafür haben wir die besten Fans der Welt, denen es ein Fest ist, des Gegners Fahnen zu verbrennen und monatelang die Augen vor dem Grauen auf dem Feld zu verschließen – um was zutun? In einem Moment zu explodieren, anstatt das Gesehene über Wochen mit der angemessenen Kritik zu begleiten. Hühnerzüchter, auch die.

Advertisements

10 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

10 Antworten zu “Keine Probleme

  1. Bernd müller

    Bei so Fans und so Kommentaren, hätte ich auch keine Lust mir meinen Arsch aufzureißen.

    • Glaube ich gerne. Das ist ja genau die Mentalität, die diesen Klub, dieses Umfeld auszeichnet: Hauptsache in der ruhigen Wohlfühloase weiterwursteln dürfen, kritiklos und ewigtreu.

      Erfolreich. Fragt sich nur, für wen.

    • Olli

      Was? Wieviele Fans sind Woche für Woche ins Waldstadion und durch die gesamte Republik gereist um diese Idioten Fußball „spielen“ zu sehen (mein persönliche Höchst-Tiefpunkt war Aue)? Immer die volle Unterstützung! Es hat lange gebraucht, bis die erste Kritik aufgekommen ist! Diese Mannschaft hat sämtliche Kredit verspielt und steht tiefst im Dispo. Seit Wochen. Monaten.
      Endlich kriegen sie mal die Quittung. Auch wenn die Rechnung, die die „Fans“ am Sonntag zum Teil aufgemacht habe, die absolut falsche war.

  2. Pingback: #Link11: Auf dem Wege der Besserung? | Fokus Fussball

  3. Herr Schnitzelmann

    Eine Abstieg würde in so einem Fall normalerweise eine gewisse reinigende Wirkung haben. Man würde sich so von eingen Leuten trennen. Nur leider sehe ich das in Frankfurt nicht. Man wird mit dem gleichen Personal weitereiern wie man dass schon lange genug gemacht hat.
    Alles nach dem Motto „Irgendjemand ist Schuld, nur nicht wir!.
    Und was mich am meisten erstaunt ist die Tatsache, das mir ein Abstieg echt egal ist. Was daran liegt, dass man vom Umfeld keine Zeichen auf Besserung empfängt.
    Die Worte Selbstkritik oder Ursachenforschung scheinen in Frankfurt nicht bekannt.
    Eins weiß ich aber, wenn wir absteigen, dann wird es länger dauern, bis wir die Eintracht wieder in Liga 1 sehen.

    • Die wievielte „Reinigung“ wäre das? Die fünfte, der fünfte Abstieg. Und nie hat sich dauerhaft etwas zum Besseren entwickelt. Es ist ja schon grotesk, dass sich die längste Erstliga-Zugehörigkeit als jene unter den vergleichsweise schlechtesten Bedingungen – in der Funkel-Zeit – erweist!

      Mainz 05 stand seit Wiederaufstieg nicht einmal auf einem Abstiegsplatz, habe ich neulich gelesen. Das hat Gründe.

      Genauso, wie der Diletantismus in Frankfurt (personelle) Gründe hat.
      Das Problem ist, dass alle Funktionäre Nieten sind, und dass keine Niete willens oder in der Lage wäre, die Kollegen abzusetzen. Wahrscheinlich erkennt da nicht mal jemand die Untauglichkeit. Stallgeruch eben.
      Kämen da mal Leute von Außen rein … da bliebe kein Stein auf dem anderen.

  4. Der Norddeutsche

    Mann,mann,mann!
    Da ringe ich mich endlich für ein Abo bei Sky durch, und dann das.
    Letztes Jahr war wircklich jammern auf „hohem“ Niveau!!

  5. Olli

    Und wenn du denkst, du bist GANZ unten angekommen … gerade gefunden:

    kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/640735/artikel_fischers-fehltritt_eintracht-praesident-verteidigt-chaoten.html

  6. Olli

    Ich weiß gar nicht was desolater ist: der spielerische Zustand der Mannschaft, die Einstellung der Führungsebene oder das Verhalten der „Fans“. Als ich das gestern Abend gelesen habe, wollte ich zustimmen. Wir haben kein Trainer-Problem. Wir haben ein Trainer-, ein Vorstandschef- und ein Präsidenten-Problem!

    Und die drei Gelbsperren kommen doch nicht von ungefähr. Hatten wir doch schon mal so ähnlich vor zwei Jahren. Spieler schonen in München weil 3 jeweils 4 Gelbe hatten. Dieses mal hat er es nur absolut richtig gemacht. Gesperrt gegen die Borussia. Die meisten wegen meckern. Fällt nicht mal auf. Danach wieder 5 einfangen können! Macht vermutlich den Unterschied zwischen einem 6:0 und 8:0. Kennen wir doch auch irgendwo her, Mitte der Neunziger.

    Ernstgemeinte Frage: Wird Aubameyang die Lewandowski-Rekorde gegen Wolfsburg knacken?

    • Anonymous

      Hallo zusammen. Ich bin stolzer Dauerkartenbesitzer von meiner SGE. Ich liebe diesen Verein seit dem ich denken kann. Aber seit dem gestrigen Abend schäme ich mich in Grund und Boden, nicht etwa wegen dem verhalten einiger Fans. Nein es sind vielmehr die Aussagen der sogenannten Verantwortlichen, die diese Situation schön reden. Trainer Vorstand und der Rest der IDIOTEN. Wir die Fans von EINTRACHT FRANKFURT wollen für den Aufwand den wir Woche für Woche auf uns nehmen mit einer kämpferischen Leistung UNSERE MANNSCHAFT belohnt werden. Man kann spiele verlieren aber nicht auf solch eine Art und Weise. Wie oben schon erwähnt Darmstadt war und ist leicht auszurechnen. Die Taktik und dir Einstellung für dieses Spiel hätte mein vier jähriger Sohn hinbekommen. Seit Wochen bekommen wir schlechte Leistungen und eine nicht kompakt stehende Manschaft zu sehen. Liegt es etwa an den von Herr Bruchhagen kritisierten Fans? Wohl eher nicht. Vielmehr sollte man sich lieber fragen, warum man einen Trainer wie Thomas Schaaf gegen einen Verräter der keine Perspektive mehr in Frankfurt sah tauscht. Kompetenz vom Vorstand? in diesem Fall FEHLANZEIGE

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s