Die letzte der letzten Partonen

Jan Kirchhoff. Ja, das wäre genau so ein Spieler, den ich Eintracht Frankfurt bzw. den Funktionären zutrauen würde. Der nächste großgewachsene, langsame Spielertyp für einen Kader, den es am genauen Gegenteil mangelt: Geschwindigkeit, Wendigkeit, Quirligkeit. Von Verletzungsanfälligkeit, Spielpraxis und solchen sekundären Faktoren ganz abgesehen.

Verpflichten sie bei der SGE in der Winterpausen so einen, wie der Hessische Rundfunk spekuliert, ist das nicht nur die endgültige Bestätigung der Funktionärs-Unfähigkeit, sondern vor allem sportlich fatal.
Was soll einer wie Kirchhoff denn bringen? Im defensiven Mittelfeld könnte man problemlos ein Duo Marc Stendera / Makoto Hasebe aufbieten. Als Ersatzleute wären Aleksandr Ignjovski und Slobodan Medojevic sowie Stefan Reinartz verfügbar. Hasebe durfte diese Saison ja kaum auf der 6 spielen, auf der er vergangene Saison zeitweise überragend gut war. Stendera ist selbst in den finsteren Hinrundenzeiten noch einer der wenigen mit passablen Darbietungen. In der Innenverteidigung, der Zweitposition von Kirchhoff, ist schlicht kein Handlungsbedarf. Die Duos, die dort spielten, hielten lange als einziger Mannschaftsteil Stabilität. Irgendwann wurde eben auch dort der Druck zu groß, will man das wirklich Zambrano/Abraham/Russ/Kinsombi vorwerfen?!

Es bleibt bei den Baustellen, die schon im Vorjahr unter Thomas Schaaf existierten und die sich Sportdirektor Bruno Hübner vor der laufenden Saison weigerte zu schließen: Linkes offensives Mittelfeld, Rechtsverteidigung und Sturm. Die drei Positionen müssen qualitativ hochwertig besetzt werden, über einen Dampfmacher für Stefan Aigner – dessen Qualität und Können man aber prinzipiell vertrauen kann und sollte – ist nachzudenken, und sollte man für kleinstes Geld noch einen Verteidiger – am besten für links – bekommen können, schadet die Investition dort auch nicht.

Weil die Ausgangslage ist, wie sie ist, wird natürlich Sidney Sam der Wunschkandidat sein. Eben weil der rechts, links und vorne drin spielen könnte. Theoretisch. Man bräuchte ihn vor allem für Außen, das ist klar. Weiß eben auch der abgebende Verein, der sich die Not – siehe EuropaLeague-Einsatz des Aussortierten – vergüten lassen wird.

Sie werden im Stadtwald jedenfalls wieder eifrig im Kicker-Sonderheft blättern, um mögliche Neuzugänge ausfindig zu machen. Im Winter ist das sogar tatsächlich die einzig sinnvolle Idee. Für weitere Experimente ist angesichts der eigenen Schwäche kein Platz. Hat ja schon bei der Integration der sichtbar noch weit hinten dran stehenden Nachwuchsleute wie Waldschmidt und vor allem Gerezghier nicht funktioniert. Was übrigens klar war #TotderU23.

Nun also wird sich eine Traningswoche lang total abgeschottet in Frankfurt. Bitteschön. Es gibt eben immernoch eine letzte letzte Patrone. Wenn es am Samstag um 17.20 Uhr dann auch wieder nur „Klick“ im Revolver macht, ist die Konsequenz klar: Trainer Armin Veh muss entlassen werden. Nicht, dass diese Personalie – meiner Ansicht nach – der Hauptgrund für den abermaligen sportlichen Niedergang dieses Klubs wäre. Aber leider wirkt sich eine drigenst nötige Entlassung von Bruno Hübner und Heribert Bruchhagen – was sich in einem halben Jahr klassenunabhänig von selbst erledigt – nicht unmittelbar auf die Spieler aus. Anmerkung: Ich persönlich glaube, dass eine Veh-Demission diesem Team, dem Kollektiv sogar schaden würde, weil die meisten mit dem Trainer können und wollen. Ob das wegen langer Leine / Wohlfühloase oder anderen Gründen ist, lässt sich schwer beantworten. Verbal und rhetorisch hat Veh den Ernst der Lage ja schon vor langem erkannt – jedoch sind die handwerklichen Umsetzungen entscheidend, und da darf man angesichts des Gesehenen größte Zweifel haben, ob er der richtige für den schon seit Wochen laufenden Abnutzungskampf ist. Denn: Was soll er denn noch machen, wenn nach allen bereits gescheiterten Umsetllungen und Aktionen, nun noch die Quarantäne-Verordnung für die Spieler ins Nichts greift?

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Die letzte der letzten Partonen

  1. Olli

    Eigentlich wollte ich mich absolut nicht mit der SGE und der aktuellen Situation befassen, lohnt sich doch eh nicht und ändern würden es schon gar nichts …. der Post hier drunter sollte das auch belegen. Aber kaum machste direkt danach FB auf, da ploppt dir als erstes dieser Artikel vor die Fresse:
    sge4ever.de/bruno-huebner-sucht-innenverteidiger/
    Und meine Kinnlade renkte sich schon bei der Überschrift aus.

    Ich machs kurz – am Ende wird es neben dem Abstieg noch zwei Titel geben: „Randalemeister“ und „effektivste Geldvernichtungsmaschine“!

    Was für Idioten da im Büro sitzen … Koffein ist für den Eintrach-Fan heutzutage doch schon ein Beruhigungsmittel geworden …

  2. Olli

    Ich stelle mal die aus meiner Sicht aktuell wichtigste Frage: wie gehts dem Knie und ist ein Skiurlaub diesen „Winter“ möglich?

  3. Jermaine Jones Junior

    Das Gerücht um Jan Kirchhoff muss eine Ente sein. Das glaube ich nicht. Der ist mir ein wenig zu hüftsteif / unbeweglich.

    Der Gedanke Lucien Favre als neuen Trainer zu verpflichten löst in mir hingegen eine große Erleichterung aus – aber eine viel größere als bei Winnie Schäfer 😉

    Wie wäre es – rein hypothetisch – mit Metzelder als Nachfolger von Hübner und Heldt von Bruchhagen?

    • Eben weil Kirchhoff diese von dir genannten Charakteristika erfüllt – plus das Attribut der falschen (Bedarfs)Position – bin ich mir ob des Interesses der Eintracht an ihm sicher. Was die Führungseben angeht: Die Diskussion über mögliche beste Wege/beste Personen wird uns abgenommen, sobald dieser Klub – wieder mal – in Liga 2 geladet ist. Nur um es aber mal angeschnitten zu haben: Heldt wäre ziemlich katastrophal, persönlich wie inhaltlich. Und Metzelder? Ganz ehrlich, was wollen wir auf so einer strategischen Position mit einem Praktikanten? Mir wäre es lieb, wenn mal jemand außerhalb der Box kommt, einer, der einen Drauf-Blick einnimmt und vielleicht mal ganz anders an das Geschäft herangeht. Mich würde etwa ein Weg reizen, wie dieses Midtjylland, wo sie – ich habe mich da mal eingelesen – konsequent auf ein Statistik-Scouting setzen. Leute verpflichten, die XYZ geleistet haben, von denen man XYZ erwartet/erwarten kann. Nicht als Kopie dieses Wegs, sondern einfach als so ein Beispiel von einer Marke, einem Image, einer Idee, einer Herangehensweise. Etwas anderes als „laufen lassen“ oder „in Liga 1 überleben“.

      • Jermaine Jones Junior

        „Und Metzelder? Ganz ehrlich, was wollen wir auf so einer strategischen Position mit einem Praktikanten?“ Na weil er so erfrischend anders ist. Er ist nicht so sehr mit dem alltäglichen Bundesligastress (vor-)belastet. Er spricht perfektes Englisch und Spanisch und ist darüber hinaus international in der Fußballwelt bekannt. Das alles macht ihn wirklich sehr charismatisch und glaubwürdig. Welcher Ex-Profi hat schon ein Abi von 1,8 und -außer Oliver Bierhoff- ein abgeschlossenes Studium der Betriebswirtschaftslehre. Also wenn du mich fragst, warum eigentlich nicht?

  4. Und egal wie es ausgeht am WE, es wird doof. Selbst ein Sieg, weil sich dann die Funktionärspfeifen wieder besinnlich auf die Schultern klopfen und die Schatulle wieder zumachen. Herri hat es dann immer gewusst, Bruno kriecht mal wieder aus seinem Versteck (Münzmallorca?) hervor, und alle haben sich lieb. (die drei anderen traurigen Gestalten sind ja gar nicht der Rede wert)
    Vielleicht besser doch noch mal verlieren und dann nach dem Winter neu aufgestellt angreifen,

    • Einen Sieg sehe ich überhaupt nicht als möglich. Nominell beste Mannschaft, nominell Gerippe: DIE Lehre der Saison ist doch, dass es völlig egal ist, wer spielt. Verloren, jedenfalls Nicht-Gewonnen wird egal wie. Zu allen spielerischen Mängeln und der furchtbaren Form von 95% der Spieler, kommt nun – wie gegen Darmstadt – noch die totale Verkrampfung hinzu.

      Und da besagte Personalwechsel auf Funktionärsebene nichts als ein frommer Wunsch ist (es gibt ja gar keinen Sehenden, der die Blinden entlassen würde können), nehme ich einen Sieg tausend Mal lieber als das Hochgefühl einer etwaigen Kahlrasur der Führungsebene.

      • Da hast du natürlich auch Recht. Es passiert ja doch nichts. Hoffentlich wird wenigstens im Falle eines wundersamen Sieges nicht die Notwendigkeit abgestritten, was zu unternehmen. Dann halt beim spielenden Personal.

  5. Knoppy

    ..um auf Deine letzte Frage zu antworten: Endlich mal seine Hausaufgaben! Armin Veh ist es zum x-Male nicht gelungen ein System zu finden/spielen was die/eine Mannschaft spielen kann..vielleicht kommen Ihm ja im sympathischen Abu Dhabi die leuchtende Idee. Ich persönlich bezweifle es.

    • Ich glaube, er hat diese Hausaufgaben schon gemacht. Mehrmals und immer wieder. Das meine ich ja damit, wenn ich sage, dass es die letzte der letzten Patronen ist. Ich glaube nicht, dass er jetzt „plötzlich“ den Schlüssel findet. Denn neben allen ebenso richtigen wie markigen Worten, kommt es auf den Inhalt, auf das Handwerk an.

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