Zeugnis: akut versetzungsgefährdet

Es folgt eine subjektive Leistungsbewertung samt Erläuterung aller in der Hinrunde 2015/2016 eingesetzter Spieler von Eintracht Frankfurt.

Lukas Hradecky: Guter, sicherer Rückhalt. Brachte ein bis dato unbekanntes Element ins Eintracht-Aufbauspiel – den schnellen Abwurf. Da sich irgendwann niemand mehr bewegte, den Ball haben wollte/konnte, gab es dieses Stilmittel nicht mehr; bis zum letzten Hinrundenspiel gegen Bremen, da machte er es das eine oder andere mal. Nur ein böser, spielentscheidender Patzer gegen Leverkusen. Sonst tadelos. Ein Top-Transfer, der Kevin Trapp – ja auch nicht Mr. Irgendwer – schnell vergessen gemacht hat.

Carlos Zambrano: Passabel, verstrickt sich nicht mehr in Mätzchen und Theatralik, das machte ihn vorübergehend stärker, weil solider und verlässlicher. Ein Einbruch folgte wenige Wochen nachdem alle seine Mitspieler schon eingebrochen waren. Sichtbar in einigen Szenen gegen Mainz und Darmstadt. Trotzdem noch einer der Besseren. Verletzungen rissen ihm oft aus dem Takt, wenn er wieder einen Rhythmus bekommt, wird er wieder (noch) besser.

Marco Russ: Okay. Als kämpferischer, wuchtiger, williger Spieler rettete er schon am 2. Spieltag einen Dusel-Punkt. Und dass er durchaus fehlte, merkte man bei seinem verletzungsbedingtem Ausfall und dem danach fehlenden Rhythmus in einem toten Team (Darmstadt-Einwechslung). Ist aber – mit 1,90 Meter logischerweise – nicht der (flinke) Sechser, den es dringend braucht. Er ist Innenverteidiger, und da eine Hilfe.

David Abraham: In Ordnung. Ist der einzige Defensivspieler mit einem ausreichend guten Tempo, sorgte auch in den schon üblen Eintracht-Phasen für ein Mindestmaß an Stabilität in der Viererkette. Ein Treffer nach einem Standard wäre mal schön, da schon Zambrano, der aber auch stets am Mittelkreis bleiben muss, nie trifft. Als Transfer jedenfalls ein Treffer.

David Kinsombi: ohne Wertung.

Bastian Oczipka: Schwach. Nach zweieinhalb dürftigen Jahren, schien er sich ab Ende der Vorsaison bis in die ersten Spielzeitwochen hinein gefangen, verbessert zu haben. Dann plötzlich spielte er wie abgerissen. Defensiv wieder mit Problemen bei Tempo und vor allem Stellungsspiel, offensiv ohne Akzente, ohne Ballsicherheit. Tief im Leistungsloch.

Constant Djakpa: Fast ohne Wertung. Bekam vorübergehend eine Chance, nutzte diese eigentlich nicht schlecht. Dann passierte ihm dasselbe, wie Joahnes Flum (siehe unten): er war fluchs wieder raus.

Timothy Chandler: Schwach. Setzt seine unbefriedigende Heimatverein-Zeit fort. Kann sich als einzig gelernter Rechtsverteidiger im Kader nicht durchsetzen, wird von Notlösungen verdrängt. Rundum verkorkste Halbserie, was wohl auch an der Teilnahme an diesem Kirmes-Cup mit den USA und der dadurch verpassten Vorbereitung liegt. Einen Konkurrenten bekommt er offenbar nicht vorgesetzt; wenn er diese Chance nicht nutzt, dann …

Aleksandr Ignjovski: In Ordnung. Er bringt seine Möglichkeiten, seine Spielauffassung ein. Ziemlich limitiert im Aufbauspiel zu sein, kann man ihm angesichts seiner Rolle und seiner Stärke nicht vorwerfen; man wusste bei Einkauf vor 1,5 Jahren, wen man da verpflichtet. Passt als Rackerer nämlich eigentlich nicht so recht ins Veh-System der feinen Klinge. Dass er nun doch zum Stamm zählt, sagt viel über die sportliche Situation und die gescheiterte System-/Taktikfrage aus.

Makoto Hasebe: Schwach. Der vergangene Saison bärenstarke Japaner wird auf dem Spiefeld hin- und hergeschoben, muss den Lückenbüßer mimen. Dass er die Außenverteidigerposition den Beteuerungen der Offiziellen zum Trotz nicht beherrscht, große Probleme in Aufbau- wie Seitenlinienstellungsspiel hat, war schon im Vorbereitungsspiel gegen Landesligist Eintracht Stadtallendorf zu sehen. Muss auf die Sechs, da kann und wird er mittelfristig helfen – das war schon gegen Bremen sichtbar.

Stefan Reinartz: Sehr schwach. Statt Ballsicherheit und Verteiler-Qualitäten reiht er Fehlpässe an Ballverluste. Wackelt stets bedenklich, steckt mit seiner Unsicherheit die Nebenleute regelrecht an. Hatte bis in den September hinein wenige, aber immerhin doch ein paar sehr starke, weil aktiv ball-erobernde Szenen. Nur das bisschen ließ seine Nationalspieler-Qualität erkennen. Insgesamt die reinste Enttäuschung.

Sloboda Medojevic: Eher schwach. Zwischenzeitlich wirkte der Serbe belebend, schien sich mit seiner Robustheit ins Team gearbeitet und für ein gewisses Maß an Stabilität gesorgt zu haben. Das verpuffte ebenso schnell wie sein Mini-Höhenflug. Fällt aber im Vergleich zu seiner Positonskonkurrenz auch nicht wirklich ab.

Johannes Flum: Fast ohne Wertung. Setzte sich wider Erwarten nicht mal in den schwächsten Phasen durch, nur bei der hohen Niederlage gegen Mönchengladbach bekam er eine echte Chance. Dort fiel er als einziger eigentlich halbwegs positiv auf – in den Augen des Trainers aber offensichtlich nicht, war fortab so außen vor wie in all den Monaten zuvor. Mittlerweile schwer verletzt, er wird für Eintracht Frankfurt ziemlich sicher nicht mehr spielen.

Stefan Aigner: Schwach. Willig wie immer, aber durch zunehmenden Frust selbst darin, im Einsatz gebremst. Dem in Vergangenheit stets torgefährlichen Außen gelingt nichts, es ist sein erstes Durchhänger-Jahr. Er bringt kaum noch einen Pass an, keine Flanke, vor dem Tor findet er entweder nicht statt oder hat jeden Mut verloren (siehe die symptomatischen Szenen im Darmstadtspiel, wo er zwei Mal aussichtsreich aus 14,15,16 Metern schießen kann, dann aber querlegt/fehlpasst und einmal gar im Abseits parkt). Dürfte nach Tor, Sieg und verbesserter Leistung gegen Bremen erleichtert sein.

Mijat Gacinonvic: Fast ohne Wertung. Als Inui-Ersatz für die linke offensive Außenbahn verpflichtet, dann monatelang für zu leicht befunden und kurz zum Hoffnungsträger gereift. Fiel vor allem deshalb auf, weil er mal etwas Flinkes versucht, eins-gegen-eins geht und eine gewisse Dynamik besitzt. Das reicht zum Glänzen in diesem mit trägen Spielern gespickten Kader. Das Potential, diesem Team zu helfen, könnte er haben. Irgendwann. Derzeit merkt man ihm jedoch an, dass er noch sehr grün hinter den Ohren ist. Und das liegt nicht an seiner Physis, sondern an Entscheidungen, die er auf dem Platz trifft. Versteckt sich noch viel zu sehr.

Joel Gerezghier: … Frankfurter Talent. Ihm fehlt noch sehr viel zur Bundesligatauglichkeit.

Marc Stendera: Ganz gut. Er versucht sich wenigstens an einem strukturierten, auf kurze, flache Pässe setzenden Aufbauspiel. Weiterhin nicht schnell, aber immerhin flink, technisch sauber, mit niedrigem Körperschwerpunkt – und er will sichtbar etwas erreichen, will gewinnen. Kommt noch viel zu selten zum Torabschluss, seine einst fast gefürchtet guten Standards werden Monat für Monat eher schlechter als besser. Leidet an der Formschwäche und mangelnden Qualität seiner Anspielstationen.

Alexander Meier: Schwächelnd. Kam mit einem Hochlicht zurück, fiel in den Folgewochen jedoch in die nach der längeren Verletzungspause zu erwartende Formkrise. Er holt sich keine Bälle mehr im Mittelfeld und verteilt sie als Pässe auf die Außen oder in die Spitze, er ist nicht mehr so auffällig lauffreudig, er reibt sich nur noch erfolglos in Luft-Zweikämpfen nach langen Schlägen auf. Bezeichnenderweise trotz der geringen Einsatzzahl und Leistungsschwäche wieder mal und weiterhin bester Torschütze der Mannschaft. Zuletzt mit ansteigender Form.

Haris Seferovic: Schwächelnd. Das Bälleschleppen, das Abschirmen, die Kombinationen mit Mitspielern – nichts setzte er zuletzt mehr um. Sein ohnehin von Schrotflinten artiger Streuung geprägter Abschluss paarte sich in der Hinrunde mit dem Vergeben von mehr als einem halben Dutzend Großchancen im eins-gegen-eins gegen den Keeper. Er ist sichtbar gefrustet, der unbeherrschte (Tätlichkeits-)Tritt gegen Darmstadt zeugt davon. Immerhin bester Scorer (Kombination aus drei Toren und vier Vorlagen) und gegen Bremen immerhin als wichtiger Unruheherd in der gegnerischen Viererkette aktiv.

Luc Castaignos: Sehr schwach. Ein Konterspieler, der in seiner Eindimensionalität an (einen schnellen) Theofanis Gekas erinnert. Fußballerisch ist der Holländer arg dünn ausgestattet, erinnert mehr an einen Leichtathleten als an einen Stürmer. Sind die Räume, ist viel Wiese vor ihm, kann er zweifellos aufgrund seines Tempos eine Waffe sein. Ebenso als Joker, wenn man mal führen und der Gegner offener stehen (und müder) sein sollte. Bis nach Rückrundenstart verletzt. Insgesamt, vor allem angesichts der lange bekannten und größer werdenden Stürmernot, bislang Prädikat Fehleinkauf.

Luca Waldschmidt: … Frankfurter Talent. Anfangs hatte es den Anscheinen, dass er insofern mithalten könnte, als dass er effektiven Schwung von der Bank in die Offensive bringt. Das verpuffte. Würde die SGE absteigen, würde er ein guter Stürmer in Bundesliga 2, wo er höherklassige Erfahrungen sammeln kann, werden.

Vaclav Kadlec: Fast ohne Wertung. In den wenigen Minuten, die er bekam, zeigte er das, was man all zu oft von ihm so gesehen hat – eine gewisse Teilnahmslosigkeit.

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Armin Veh: Ratlos bis verzweifelt. Das Engagement kann man ihm, allen berechtigten Vorbehalten und Vorhaltungen zum Trotz, nicht absprechen. Im Training, so ist es allenthalben nachzulesen und auch eigenäugig zu sehen, wird geübt, gemacht, getan. Zunehmend intensiver, als es sportlich dann im Dezember richtig prekär wurde. Die Zeichen der Zeit hat er früh, weit früher als die meisten Fans erkannt; warf früh das Saisonziel um. Verbal macht(e) er vieles richtig, jedoch ändert das nichts an seinen inhaltlichen Fehlern. Dem Kader, wie er zusammengestellt worden ist, wird er zugestimmt haben. Jedenfalls wird er gedacht haben, die schon seit dem Vorjahr bekannten und benannten Schwachstellen (RV, LM) seien ohne Neuzugänge handle-bar. Die Fehleinschätzung zu Reinartz kann man weder ihm, noch Hübner anlasten. Dass der Spieler derart schwach auftritt, war nicht zu erahnen. Die Folge ist jedoch, dass im sichergeglaubten und für das Aufbauspiel so eminent wichtigen defensiven Mittelfeld ein Qualitätsloch klafft, das ganz maßgeblich für den Saisonverlauf in den Tabellenkeller ist.

Rauskämpfen wird sich dieses Team da unten nicht können, dafür fehlen der Mannschaft nicht nur die Spielertypen, sondern (Spielern wie Trainer) auch das Selbstverständnis. Es sind Fußballspieler, keine Arbeiter. Und den Weg der feinen Klinge zu gehen, mit Flachpässen und Tempo, war, ist der richtige. Dafür fehl(t)en die Spieler in dieser Mannschaft an entscheidenden Stellen (DM und LM mehr noch als RV) aber ebenso.
Es war, ist und bleibt – ob man das will oder nicht – AbstiegsKAMPF. Mit allen Konsequenzen. Und das für eine Mannschaft, die das – den rohen Kampf – aus genannten Gründen nicht kann. Mit einer Willens- oder Motivationsfrage hat das übrigens nichts zutun. Das macht die Sache ja für diesen Trainer, wie vermutlich auch für jeden anderen so diffizil.
Mit Marco Fabian als einer von drei Neuzugängen ist ein Anfang gemacht, speziell was den brachliegenden linken offensiven Flügel angeht. Wie gesagt: Diese Mannschaft wird die Klasse nur halten, wenn sie fußballersich in die Spur kommt. Geht es ums Kämpfen, wird es aufgrund eines verpatzten Rückrundenstart ganz schmutzig, wird sie einigen Klassenkampf-Konkurrenten unterlegen sein.

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