Gerüchte statt Gänsebraten

Der FC Schalke 04 will Stefan Aigner verpflichten, als Ablösesumme steht irgendetwas zwischen fünf und sechs Millionen Euro im Raum. Demgegenüber will Außenbahnspieler Sidney Sam – sozusagen der konservativere Marco Fabian – nicht mehr zu Eintracht Frankfurt, das ihn im Sommer zugegebenermaßen alles andere als professionell ablehnte. Stattdessen holt die Eintracht Innenverteidiger Kaan Ayhan aus Gelsenkirchen an den Main (Bericht der „Morgenpost“) – was wiederum einen Blick nach England erfordert, wo Interessenten an Carlos Zambrano baggern sollen; zu den dann wohl typisch britischen Mondpreisen, die man als abgebener Verein bedenkenlos aufrufen kann.

Sollte man gar nicht meinen, dass Spieler eines abstiegsbedrohten Klubs solch ein Interesse hervorrufen. Aigner abzugeben, wäre natürlich Quatsch. Aus sportlicher Sicht, aller Hinrunden-Krise zum Trotz. Aber auch charakterlich, der Bayer ist einer der wenigen (verbliebenen) Spieler mit einem gewissen Charakter, jemand, der etwas ausstrahlt, ein Typ. Mit seiner Spielweise, dem nimmermüden Einsatz- und Behauptungswillen, kann er die Fans im Stadion mitreißen, antreiben. Er ist ein Zugpferd, ein Kopf der Mannschaft, zunehmend ein Gesicht des Vereins. Aigner ist ein Spieler, den man lieber als künftigen Kapitän „aufbauen“, niemals aber abgeben sollte.

Für Zambrano, der im letzten Hinrundenspiel nach einer Blessur passenderweise geschont wurde, gilt Ähnliches. Mit der Ausnahme, dass man für den Peruaner tatsächlich eine Summe einstreichen könnte, die einen sportlich unterdurchschnittlich, fianziell mittelmäßig agierenden Klub schwach werden lassen muss. Gibt es aus der Investoren-Liga zweistellige Ablösesummen, müsste man Zambrano ziehen lassen. Sportlich wäre das ungut, auch als Typ, als Respekteinflößer, als loyaler Kettenhund ein Verlust.

Kaan Ayhan als Ersatz für die Innenverteidigung? Herkunftsmäßig wäre es quasi eine Wiederholung des Zambrano-Transfers. Dieser stammte ja auch aus der Schalker Jugend. Bezeichnenderweise bedient sich die Eintracht dort, weil der eigene Nachwuchs offenbar doch nicht so tauglich, so weit ist, wie man es im Zuge der jährlich 800 000 Euro sparenden U23-Abmeldung so forsch propagierte.
Ayhan gilt jedenfalls als eines der größten Innenverteidiger-Talente in Deutschland. Ob die SGE in der Position für Heranführungen ist, darf man indes stark bezweifeln – was ja schon an der Position von Luca Waldschmidt und Joel Gerezghier zu erkennen ist. Noch weniger leisten kann sich die Eintracht allerdings einen Ausbildungs-Luxus, den eine etwaige Leihe (von dieser ist die Rede) bis Saisonende mit sich bringen würde. Kurzum: Kauf ja, Leihe ist Unsinn.

Und sonst so? Falls sich das mit Ayhan zerschlägt, ist für die Innenverteidigung neben Jan Kirchhoff auch der Name Robin Knoche (VfL Wolfsburg) mal aufgekommen. Nach längerer Verletzungspause spielte der zuletzt Zweite Mannschaft, das Unzufriedenheits-Konstrukt der Radkappen ist zudem wohl an Süle von Hoppenheim dran. Jedoch wird Knoche auch mit Mönchengladbach, die in der Innenverteidigung jüngere Spieler suchen und brauchen, in Verbindung gebracht. Da wäre die SGE dann natürlich im Sekundenbruchteil raus.

In der Offensive soll einer kommen, als a) Kadlec-Ersatz und b) Castaignos-Verletzungs-Überbrücker. Wer könnte das sein?

In der Top-Kateogrie – also für die SGE außerhalb jeder Wahrscheinlichkeit – sind Stefan Kießling, an dem Stuttgart und Augsburg schwerst interessiert sein sollen.
Josip Drmic von Mönchengladbach wird ebenfalls als Wechselkandidat zu verschiedenen Klubs gerüchtet.

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren werbe ich Unwissender ja für den Schweden Branimir Hrgota in Teilzeitdiensten von Mönchengladbach. Niklas Bendtner, den man nun seines Zeichens seit eineinhalb Jahren in der Bundesliga under-performen sieht, dürfte nach aller Vernunft nicht nochmal auf dem Frankfurter Schirm auftauchen. Spieler á la Sascha Mölders wären indes wohl keine wirkliche Verstärkung.

Für den SGE-Sturm könnte derzeit eigentlich nur ein erfahrener Spieler, der eine Rolle hinter Haris Seferovic und Alexander Meier einzunehmen bereit ist, verpflichtet werden. Von den Genannten wäre das, auf die Bundesliga bezogen, wohl nur jemand (wie) Mölders, wobei dieser im Speziellen auch mehr Interesse an dauerhaften Einsätzen als an vermeintlich „prestigeträchtigen“ Großstadt-Klub-Gastspielen haben dürfte.

In der Winterpause geht es nicht nur angesichts des spärtlichen tauglichen Spielerangebots erstmal um das Kader-Flicken, das Schließen der größten Baustellen. Das hat Frankfurt mit Marco Fabian und der Linksaußen-Position jedenfalls nominell getan; in der Hoffnung, dass kein zweiter Caio antanzt.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Gerüchte statt Gänsebraten

  1. Jermaine Jones Junior

    Zustimmung! Wir müssen uns damit anfreunden, dass die SGE sich sukzessiv von ihrem Tafelsilber (Zambrano, Stendera, Seferovic) trennen muss. Bei Stendera würde ich auf jeden Fall (lange) warten, weil sein optimaler Verkaufswert noch nicht erreicht wurde. Zur Zeit sehe ich Zambrano als den ehesten Kandidaten, weil das Ausfall-Risiko (Sperre, Länderspiele/Fitness, Verletzungen/Fitness) leider am höchsten ist.

    Nicht umsonst möchte die Vereinsführung einen weiteren Innenverteidiger verpflichten. Man da hat „oben“ wohl aus der Abstiegssaison dazu gelernt. Denn: Aktuell gibt es nur drei etablierte Innenverteidiger (Russ, Zambrano, Abraham). Anderson hat man für diese Saison wohl abgeschrieben.

    Im Weiteren würde ich mich zum Saisonende von folgenden Verlegenheitstransfers trennen, um junge, frische und etablierte Spieler zu holen: Djakpa, Ignjovski, Medojevic, Chandler und Kinsombi.
    Die Hinrunde hatte also ihr Gutes. Sie konnte ihren Verkaufswert steigern.
    Das Einnahmepotential liegt nach meiner Einschätzung bei bis zu drei Millionen. Zusammen mit den Zambrano-Millionen wären das also gute 13+ Millionen.

  2. Olli

    Die Lösung in der Abwehr könnte so einfach sein. Verpflichtet einen fähigen RV und dann kann Zambrano eigentlich sogar ersatzlos gehen! Dann muss auf einmal nicht mehr Ignovski, Medojevic oder Hasebe beweisen, was sie dort alles nicht können. LV und RV wäre damit gesetzt und für die IV & 6er hätte man immer noch 8 (!) Spieler (Abraham, Anderson, Ignovski, Russ, Medojevic, Reinharzt, Hasebe & Stendera) die IV oder 6er spielen können – teilweise beides! DAS MUSS REICHEN! Von mir aus dürfte dann noch irgendein bescheurter englischer Dukatenscheißer 3 Mio für Chandler aufrufen – es weihnachtet sehr. Zumal, mir hat der Arschloch-Zambrano von vor dieser Saison deutlich besser gefallen. Ich habe zwar oft geflucht über seine Ausraster und wir sind uns einige, hätte er bisher 6-7 Platzverweise bekommen – anstatt einem – sie wären gerecht. Aber mit seinen National-Mannschaft-Spirentzien, Verletzungen … ich halte ihn, egal für welche Ablöse – bevorzugt 10+ Mio – für ersetzbar!

    Aigner: genau das Gegenteil. Der mag zwar spielerisch gerade kaum was reißen – der Kerl ist so was im Formtief. Aber wenn er geht, hat das so einen Inui-Effekt. Spielerisch mag er zu ersetzen sein (nur von wem?), aber taktisch würde ohne ihn alles zusammen fallen! Der ist unersetzlich.

    Wo ich auch nicht sehr traurig wäre, wenn Seferovic evtl. seinen feuchten England-Traum angeboten bekommt. Wir sind uns einig was Stürmer (Offensive) bei der SGE angeht: sie sind entweder von Anfang an scheiße, oder werden es spätestens nach einer Halbserie. Es mag mit Aigner und Meier Ausnahmen geben. Aber die Regel sind eher Typen wie Gekas,Inui, Fenin, Caio oder Kadlec (um nur mal die aktuellesten zu nennen).

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