Die Bilanz eines Murmeltiers

Im eigenen Blog-Archiv zu lesen, wie die eigene Gefühlslage in den vergangenen Winterpausen so war, liefert zwar keine Erkenntnisgewinne. Wie sehr Eintracht Frankfurt stagniert, wie deckungsgleich die Verläufe doch sind, obwohl sich Mannschafts-Zusammensetzungen, sportliche Akteure ändern, lässt sich aber anhand so einer Schmökerei ganz launig feststellen. Versteht es als Weihnachts-Lektüre und lest selbst:

2011

2012

2013

2014

Und aktuell, 2015? Da ähnelt die Gemütslage, bezeichnenderweise auch die sportliche doch sehr genau jener aus 2013 und, mit Ausnahme jenes Endspurts, der von 2014. Die entscheidende Parallele ist die des hier im Blog schon mehrfach genannten Underperformings. Nicht nur die Fans, das gebetsmühlenartig und fälschlicherweise als erwartungsschwanger bezeichnete Umfeld und die ach-so-bösen Medien gingen in jenen Fällen von mehr sportlicher Qualität, von einem besseren tabellarisch-punktetechnischen Abschneiden aus. Angesichts des eingesetzten Geldes, des Kaders als solchem, konnte in beiden Fällen der Abstiegskampf – auch bei einem glücklichen Ausgang – nicht ernstlich in Betracht gezogen werden. Da war doch, illusionierte man, ein Fundament vorhanden, Selbstvertrauen, eine Ausgangsposition für „mehr“ geschaffen. Ein bisschen mehr wenigstens, mindestens aber eine Festigung der Position im Mittelfeld. In der Realität gab es aber immer nur Knäckebrot. Ohne Belag. Solidität als Sensation.

Wie also ordnen wir 2015/2016 bis hierher ein, ohne das zu wiederholen, was in den Blogbeiträgen des vergangenen Vierteljahrs fast täglich zu lesen war? Am besten wohl gar nicht. Zum spielerischen Auftreten wie sportlichen Abschneiden ist alles gesagt, gehandelt wurde zum letztmöglichen Zeitpunkt – um ein Minimalstziel zu erreichen.

Deshalb ist das Entscheidende, dass die Erleichterung im Zuge des Heimsiegs gegen Werder Bremen nicht all die Mängel und Missstände aus mehr als einem Dutzend Pflichtspielen übermalt. Da war vieles schlicht grausig, über schiere Verunsicherung hinaus. Den Worten der Funktionäre, der Verantwortlichen zufolge, wird ein Übertünchen der Probleme nicht passieren. Dennoch kennt man die schnell wieder aufkommende Grundzufriedenheit, diesen tabellarischen Minimalismus und auch eine Rhetorik von „verletzte Spieler = Quasi-Neuzugänge“ aus der Vergangenheit. Das alles kehrt ebenso immer wieder, wie die sportlich-spielerischen Minderleistungen.

Mit dem Mittelfeldspieler Marco Fabian hat die SGE, hat Sportdirektor Bruno Hübner jedenfalls einen ersten (nötigen) Fakt zur (nötigen) Verbesserung geschaffen. Er korrigiert damit seine Einschätzung des Kaders und dessen Zusammenstellung. Mit einem Transfer, der zumindest auf dem Papier der spielerischen Ausrichtung entspricht, die dieser Kader von Beginn an und seit Jahren hergibt.
Dass Trainer Armin Veh prinzipiell lieber flügelkonzentriert und kurzpasslastig spielen lässt, ist kein Geheimnis, es ist Kern seiner Trainerkarriere. Dass er inhaltlich anders nicht (trainieren) kann, dass ihm die Umformung des Teams zu einer Arbeitertruppe nicht gelingt, ist nicht das erste Mal sichtbar geworden. Ihm fehlen, wie schon 2013 für so eine Umstellung die Spieler(typen). Damals änderte das die erst auf Kurzzeit angelegte Verpflichtung des schnörkelosen Alexander Madlung als zusätzliche Defensiv-Variante, diesmal schlägt man mit Marco Fabian die entgegengesetzte Richtung ein. Nun ist die Maxime die des Herrausspielens, nicht die des Herausrackerns. Das ist richtig. In puncto Arbeiten, Grassfressen, Kratzen sind dieser Eintracht andere Teams überlegen, da kann sie nie so gut sein wie etwa Darmstadt 98. Es wäre bemüht, ohne erfolgreich zu sein. Die SGE muss ihre Stärke ausspielen; eine, die sie hat. Und diese befindet sich im Spielerischen. Es ist ja nicht so, dass das in der Hinrunde nie zu sehen gewesen wäre. Das Spiel gegen Köln hätte zwar tatsächlich jeder Bezirksligist an diesem Tag gewonnen, Stuttgart war damals ebenfalls Fallobst, für den Thesen-Beweis der Spielstärke taugen viel mehr die Spiele etwa gegen Wolfsburg, Schalke und Hoppenheim. Da klappte viel Konzeptionelles, nur fehlte jeweils das Tor, das Punkte eingebracht hätte.

Zur Spielweise, Selbstvertrauen und Form in diesen Partien muss der Weg der Eintracht (zurück)führen. Gelingt das, sind die für den Klassenerhalt noch nötigen 19, 20 Zähler drin. Nicht locker, aber auch nicht auf den letzten Drücker. Stürzt die Mannschaft abermals in ein Leistungs-Loch, das ihr durch eine gewisse Dauerhaftigkeit eine Modifikation der Spielweise aufzwingt, wird das Team absteigen. So simpel ist das.

Eine Einschätzung der individuellen Hinrunden-Leistungen zwischen August und Dezember 2015 lest ihr hier. Und wie attraktiv der Verein unseres Herzens tatsächlich ist, nunja, lässt sich auch nachlesen. Das dann dort extern erfahrbar.

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