It’s the Tempo, stupid!

Ein Gag, ein Joke, ein Witz, mit Sicherheit eine Ente – so deutete ich die Gerüchte um den nun fix verpflichtetetn Szabolcs Huszti. Eintracht Frankfurt hat es aber tatsächlich fertiggebracht, aus einem Spaß, einem ulkigen Falschfährtenlegen, Ernst werden zu lassen. Der Klub verpflichtet einen 32-jährigen Mittelfeldspieler, der auf dem Altenteil in China lag. Einen Mann, der zwischen seinen Bundesligastationen immer mal eine Weile in verschwenderischere Fußballländer zum Geldverdienen geht. Vor allem aber jemanden, der – bei allen Stärken die er hat(te), worauf ich unten noch zu sprechen komme – das große, grundsätzliche Problem dieser Mannschaft nicht beheben wird. Im Gegenteil: Huszti kopiert Wesensmerkmale dessen, wieso die Eintracht tief drin steckt im Abstiegskampf.

Denn die Funktionäre von Eintracht Frankfurt lesen offenbar keine Zeitung, oder sie verstehen schlicht nicht, was dort – sogar in Diletanten-Blogs wie diesem hier – richtigerweise und (wiederkehrend) seit Monaten geschrieben, analysiert steht: Das Hauptproblem und gleichsam Grund für die Abstiegsgefahr ist das mangelhafte, nicht ausreichende Tempo der Spieler in diesem Kader. Die Spieler rennen den Gegnern meist hinterher, sind ihnen tempotechnisch unterlegen – neben optischen Eindrücken ist das belegt durch die Flut an Gelben Karten (die meisten aller Bundesliga-Teams), die die SGE in der Hinrunde kassierte. Wieso? Weil man zu oft einen Schritt zu spät ist; in allen Mannschaftsteilen. Mit diesem Wissen ausgestattet, kommt man in diesem Klub aber zu dem Schluss, einen 32-jährigen Ausrangierten zu verpflichten, der sich in der Bundesliga vor allem als guter Standardschütze einen Namen gemacht hat? Jemanden, der als erster Mensch mit fortschreitendem Alter ebenfalls nicht schneller werden wird. Davor kauft man einen Mexikaner, der jedenfalls körperlich ein wenig an das Fehleinkauf-Fiasko Caio erinnert und von dem man so gar nicht weiß, ob er den Karren anzuschieben in der Lage ist. In puncto Geschwindigkeit schon gar nicht. Und anstatt einen fähigen Rechtsverteidiger einzukaufen, setzt man nun ganz offen ausgesprochen auf Timothy Chandler – einen Spieler, der schon im Vorjahr, als er ebenso gesund wie gesetzt war, nicht wirklich überzeugen konnte. Eieieieiei …
Selbstverständlich muss die Verpflichtung von Szalbots Huszti nicht schiefgehen. Es kommt auch auf dessen Rolle, die von Außenstehenden (noch) keiner kennt, an. Persönlich war ich ein großer Fan von ihm, schon in seinen ersten Hannover-Jahren. Ein Wirbler, ein Dampfmacher. Als er Jahre später via Rückholaktion wieder nach Niedersachen ging, war ich überrascht von seiner an- und erhaltenen Qualität. Er war in seinem ersten Jahr (2012/2013) ein, wenn nicht der entscheidende Faktor in Hannovers Offensive (er absolvierte wegen Verletzung nur 21 Spiele, musste ab Februar 2013 pausieren, und kam auf 18 Scorerpunkte; davon allerdings ein Drittel in zwei Spielen). Im Folgejahr toppte er die Ausbeute sogar, kam auf 19 Scorerpunkte in 30 Spielen. Das ist stark, sehr stark, angesichts solcher Offensivkraft und Effizienz kann bei der Eintracht nur Alexander Meier konkurrieren.
Huszti ist Linksfuß, also zuhause auf dem linken offensiven Flügel. Die Position, für die man zuletzt Fabian gesetzt sah. Die Position, auf der man einen gewissen Mijat Gacinovic aufbauen wollte – der Serbe hat nun mal non chalant zwei Konkurrenten vor die Nase gesetzt bekommen. Husztis (verbliebenes) Leistungsvermögen ist kaum einzuschätzen. Er provozierte 2014 seinen Abgang nach China – ganz offenkundig um leicht viel Geld zu verdienen – indem er zu spät aus dem Urlaub nach Hannover kam. Charakterlich ist diese Verhaltensweise … nun gut. Scheint ja ein Trend bei der SGE zu sein, jetzt im Winter auf Mini-Bad-Boys zu setzen.

Aber es ist trotzdem schwer vorstellbar, dass der Ungar über die Verbreiterung, die Variabilität des Kaders – der Verstärkung der Bank – hinaus, sozusagen qualitativ sehr viel beitragen kann. Anders: Qualitativ schon, aber nicht mit einer Qualität, die dieser Mannschaft bislang und weiterhin fehlt. Abermals sei das böse, offenbar den Verantwortlichen verborgene Wort genannt: Geschwindigkeit.
Mit Marco Fabian und nun Huszti, man beachte die jeweiligen Körpergrößen, hat man sich, den Kader erstmal nur um einen Teilaspekt im Tempo-Paket ergänzt: Die Mannschaft wird durch diese Spieler wendiger. Es wirkt, als wolle man sich ein paar Marc Stenderas klonen: Technisch saubere, feine Fußballer, aber eben nicht schnell.
Spöttisch könnte man in Richtung sportlicher Leitung – Armin Veh und Bruno Hübner – fragen, wann der Verein denn mit den Transfers, mit der Problem-, mit der Ursachenbekämpfung anzufangen gedenkt.

Zugegeben, als vor mehr als einem Jahr in der Scoutingabteilung das leidige Treiben von angestaubten Ikonen wie Bernd Hölzenbein ein Ende hatte, als die ersten Lobeshymnen auf den neuen Chef Bernd Legien gesungen wurden, keimte Hoffnung auf. Besserung war in Sicht, das Kicker-Sonderheft sollte doch ausgedient haben. Schien zuächst auch so, obgleich sich qualitativ weiter auf eher unterdurchschnittlichem Neuzugangs-Niveau bewegt wurde (Lukas Hradecky vs. Luc Castaignos), jetzt promt ein Rückfall ins gewohnt unkreative Muster. Nicht, dass Kreativität ein Selbstzweck wäre, das Erfolg garantieren würde, aber Huszti? Kategorie á la Sejad Salihovic? Wieso nicht noch Lucas Barrios, Mamé Diouf, Manuel Friedrich, Thomas Broich oder wenigstens weiterbaggen an Niklas Bendtner? Es ist zum Haare raufen, mit wem sich die Frankfurter Funktionäre ganz offenkundig so beschäftigen.

Für die Eintracht, für uns als ihre Fans ist nur zu hoffen, dass Huszti sein Leistungsmaximum nicht zu sehr überschritten hat, dass er wenigstens ähnlich überzeugend in die Bundesliga wiedereinsteigt, wie er das in Hannover 2012 tat. Muss ja nicht gleich so überragend sein, wie im genannten Fall, aber wenn er die linke Seite (mit) reanimiert, wenn er als zehnter Feldspieler sichtbar und mindestens halbwegs aktiv ist, als Anspielstation, als Pass- und Ideengeber, er also die Außenbahn zu einem Faktor macht, diese nicht mehr wie gelähmt von anderen Mannschaftsteilen mitgeschleppt, ausgebügelt werden muss, ist viel erreicht. Somit sind fast dieselben Worte gesprochen wie in Bezug auf Marco Fabian, als (jedenfalls ich) davon ausging, dass dieser den linken offensiven Flügel beanspruchen solle.

Immerhin gehen die Neuverpflichtungen offensichtlich schnell über die Bühne, so dass man tatsächlich am Anfang Januar zum Trainingsstart alle, mindestens einige Wesentliche zum Üben dabei hat. Das ist wichtig.

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