Nullsummenspiel

Die Eintracht packt ihre Koffer und nimmt mit: Eine mittelamerikanische Wundertüte, einen alternden, aber bis vorletzte Saison bärenstarken Spieler und einen Innenverteidiger, dessen Verpflichtungssinn sich dem Autor weiterhin nicht erschließt.

Zu Marco Fabian ist alles geschrieben, zu Szalbots Huszti auch. Zu Kaan Ayhan ebenfalls schon einiges, jedoch stets unter der Prämisse, dass er bei ansprechenden Leistungen fest verpflichtet wird/werden kann. Nun verdichten sich aber die Anzeichen, dass Schalke 04 eine Mondpreis-Kaufoption in den Leihvertrag mit der SGE schreiben konnte, die Eintracht Frankfurt dementsprechend wohl nicht in der Lage ist, zu ziehen bzw. zu bezahlen.
Und wenn, dann wäre das wohl nur mit einer etwaigen Millionensumme des Verkaufs von Carlos Zambrano (gen England?) im Sommer möglich. Doch selbst falls es auf dieses Konstrukt hinausliefe, müsste man sich als Beobachter dieser „Transferstrategie“ an den Kopf packen. Wenn ein potentieller Nachfolger nur dadurch verpflichtet werden könnte, wenn man den, den man eigentlich gar nicht abgeben sollte (Zambrano), verkauft … wieso sollte man das tun? Das liefe auf nichts anderes als auf ein finanzielles Nullsummenspiel heraus. Sportlich ist sowieso alles immer reine Esotherik, Spieler A funktioniert dort super, dort gar nicht.

Apropos funktionieren: Stefan Reinartz ist indes nicht mit in das Trainingslager gereist. Leistenprobleme. Nicht zu verwechseln mit Leistungsproblemen.

Vor allem bei Huszti, aber auch bei Fabian macht sich in meinem Bauch ein eher gutes Gefühl breit. Nicht frohlockend euphorisiernd, aber doch latent zuversichtlich, dass die zumindest die tote Linke seite zu einem Faktor werden lassen. Das also nominell 11 gegen 11 gespielt werden kann, in der Rückrunde. Was ein Fortschritt zu den ersten 17 Bundesligaspielen wäre.
Zu Verteidiger Ayhan habe ich sportlich keine Haltung, außer, dass ich schon wieder höchst angefasst von den Aussagen bin, wonach der „auch DM spielen kann“. Auch RV, übrigens (man lese mal in Schalke-Foren rum, für wie gefährlich die Ayhan auf dieser Position halten …).

Jedenfalls hat man sich in der sportlichen Leitung offenbar dazu entschieden, die Rechtsverteidiger-Position die Baustelle sein zu lassen, die sie nun seit eineinhalb Jahren ist. Timothy Chandler, der schon in seinem ersten Jahr und unter einem anderen Trainer nicht so recht überzeugte, ist der Hoffnungsträger. Saulus und Paulus hätten ihre wahre Freude an dieser Entwicklung. Funktioniert das nicht, wird man wieder mit dem redlichen, aber limitierten Aleksandr Ignjovski oder dem auf Außen verschenkten Makoto Hasebe flickschustern. Muss(te) das sein? Es geht den Verantwortlichen jedenfalls (wieder mal) nur darum, irgendwie drei Konkurrenten hinter sich zu lassen. Dafür, glaubt man, reicht es für und mit Chandler, Nationalspieler der Fußballgroßmacht USA (und da mitunter eher als RM denn als RV eingesetzt). Aber wird das nun aufgebotene Personal, die Verpflichtungen auf den benannten Positionen wirklich reichen, um den Klassenerhalt zu erreichen? Fraglich. Denn obwohl es auf der linken Offensivposition nun tatsächlich Möglichkeiten, berechtigte Aussicht auf Verbesserung gibt, fehlt neben der besagten qualitativ höherwertigern Konkurrenz um den Platz des Rechtsverteidigers ein als solcher zu bezeichnender Stürmer. In diesem Mannschaftsteil gibt es bis März nur Haris Seferovic, und dessen Schrotflinten-Schüsse sind nun wirklich keine Waffe, die einem viele Schlachten gewinnt. Womit weiter und wieder alles an Alexander Meier hängt. Der logische Schluss reduziert sich auf eine simple Formel: Ist der Kapitän in Form, hält die SGE die Klasse. Sticht er in einem blassen Kollektiv nicht heraus, fehlt gar verletzt, steigt die SGE ab.

Oder kommt noch jemand nach Abu Dhabi? Nach entweder im Sinne von: Reist noch einer hinterher bzw. passiert transfertechnisch im Anschluss an das Trainingslager weiteres? „Stand heute“ soll es das ja gewesen sein. Wachsweich wie die Floskel ist, wissen wir Unwissenden nichts. Nur, dass es weiterhin zwei Baustellen gibt.

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9 Kommentare

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9 Antworten zu “Nullsummenspiel

  1. F . N.

    5 Mio für Ayhan als Kaufoption. Der junge Mann will 17 Spiele für die Eintracht bis zum Sommer absolvieren. Tut er das, wäre das Geld wohl gut investiert und könnte aus einem Verkauf von Zambrano für mehr als. 5 Mio gegenfinanziert werden. Wenn das klappt, perfekt, und wenn nicht, auf ein neues.
    Noch kann man mit relativ wenig Geld einen guten Kader zusammenstellen: Mainz, Köln,Augsburg und sogar jetzt Hertha beweisen das Saison für Saison .
    Aber die Luft wird dünner, deshalb wird man kurzfristig mehr ins Risiko gehen müssen, um nicht mit anderen Vereinen die Traditionsliga 2 bespielen zu „dürfen“. Auch hier gilt: klappt es, dann ist alles gut, wenn nicht, dann geht es sowieso Berg ab.

    Das Stadion muss man als Hauptnutzer endlich kaufen!!!!! Noch nie war es so leicht über eine lange Laufzeit günstige Kredite aufzunehmen…..

  2. Olli

    Spielt das Ganze eigentlich überhaupt noch eine Rolle? In Zeiten, wo ManCity für Sane 55 Mio € aufrufen will, wo ein Messi am Tag (!) 260.000 € „verdient“ (Gehalt, Prämien, Werbung – dafür müssen Krankenschwester + Altenpfleger vermutlich ein Jahrzehnt für arbeiten) … was interessiert da eigentlich noch der Sport? Das ist doch nur noch Kulisse für die große Geldmacherei – legal wie illegal!

    Spätestens in 10 Jahren geht das Licht in Frankfurt eh aus. Dann haben die meisten Bundesligisten ihre Fußballtempel abbezahlt und haben ne Menge mehr Schotter für den Kader über. Und was wird die Eintracht machen? Natürlich, sich weiter munter bei der Miete abzocken lassen!
    Da rede ich noch nicht mal von Leipzig und anderen evtl. Investoren-Clubs die da (vielleicht) noch kommen werden.

    Die Tage in der ersten Liga sind gezählt. Vermutlich durch geballte Unfähigkeit etwas früher als nötig aber aufzuhalten wird es nicht mehr sein.

    • Geld spielt keine Rolle. Fall es das jemals getan hat, ist es spätestens jetzt an der Zeit sämtliche Zurückhaltung über Bord zu werfen. Als Langzeit-Freund der Bruchhagen´schen Herangehensweise hätte ich nie geglaubt, dass ich das mal sage. Aber es ist nunmal so, dass sich zwar weniger seine Herangehensweise, sicher aber seine Prognosen als die falschen herausgestellt haben. Eintracht Frankfurt hat (sportlich wie finanziell) durch finanziell ehrliches Wirtschaften nicht einen einzigen Klub überholt. Stuttgart, Hamburg, Bremen, Hannover – überall kann und wird mit vollen Händen weiter ausgegeben, bodenlos, einfach so. Und egal wie schlecht das Resultat, solange in der ersten Bundesliga geblieben wird, spielen alle Schulden keine Rolle. Das ist ja der Grund, wieso man alles tut, alles tun muss, um wenigstens die Klasse zu halten. Solange ein Klub im Oberhaus rumkickt, und sei es noch so graumausig, vertrauen Sponsoren und Co. auf die Zugkraft der Marke Profifußball-Bundesliga. Steigst du ab und bist verschuldet, hast du natürlich ein Problem, ein gewaltiges mitunter. Aber besagte Konkurrenz steigt ja partout nicht ab; nur die Ehrlichen sind die Dummen, und die Dummen steigen eben ab.

      • Olli

        Das Bruchhagen-Konzept würde ja funktionieren, wenn nicht ein Großteil von Großinvestitionen (2+ Mio) fast allesamt den Bach runter gehen würden …
        Nicht jeder Einkauf muss ein Treffer sein. Aber die Anzahl der gezogenen Nieten ist überdurchschnittlich hoch. Und nicht die geringste Form der Selbstkritik! Hat schon was von Politik.

      • Du nennst das Problem aber selbst: Für diesen Klub stellen Transfers in der Größenordnung von 2+ Millionen Euro (tatsächlich) eine Großinvestition dar. Im heutigen Profisport ist das eine lächerlich geringe Summe. Und solange sie das nicht einsehen, einsehen wollen/können, wird es weder eine Aussicht auf sportliche noch auf finanzielle Verbesserung geben. Denn, und das ist meine mittlerweile entwickelte These, es muss viel Geld ausgegeben werden, um überhaupt die Chance auf Erfolg(e) zu haben. Denn schlechtestenfalls hälst du geradeo die Klasse; das sind ja die Lehren aus den vergangenen gut und gerne 5 bis 10 Jahren.

      • Olli

        Es ging halt leider zu lange gut, dass man lieber 3 Spieler für 1 Mio geholt hat, von denen dann einer oder zwei eingeschlagen haben, anstatt 3 Mio in einen zu investieren, von dem man nicht weiß ob er was kann. Bei den heutigen Abslösen müsste es dann eher heißen, 3 für 3 Mio anstatt einen für 10.
        Aber wenn ich sehe, was mit den wirklichen Rekordtransfers (Caio, Fenin, Kadlec) so alles raus gekommen ist, will ich auch lieber gar nicht wissen, was die mit noch mehr Geld so alles anstellen würden …

      • Olli

        Worauf ich eigentlich raus will/wollte:
        Mit unserem Budget muss man keine Bäume ausreißen. Wenn man über sich hinaus wächst, dann kann es halt mal in die Top 6 gehen. Machen ja 1-2 Teams jedes Jahr. Aber was wir in den letzten 2-3 Jahren mit unserem Transfergeld angestellt haben grenzt teilweise an Veruntreuung von Vereinskapital. Das ist sehr weit unter dem Liga-Durchschnitt – gefühlt auf alle Fälle.

      • Es wurde und wird in Quantität statt in Qualität investiert, damit wurde nicht mal die Breite gestärkt, obwohl man mit den Transfers sogar die Spitze verbessen wollte. Und das geht fröhlich so weiter. Gerade auf den Positionen, wo Solidität nicht als Erfolgsgarant reicht (Sturm, zentrales Mittelfeld), kommt dieser Klub nicht vom Fleck, da bleiben Qualitätssprünge seit Jahren aus. Der zweifelos technisch versierte, willige Marc Stendera ist auch deshalb so (positiv) auffällig, weil andere so schwach sind. In Frankfurt reicht vergleichsweise wenig, um herauszustechen. Es ist in Bezug auf die Qualitätsfrage (bei Feldspielern) eben wie seit gut zehn Jahren: Alexander Meier, danach lange nichts.

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