Ball statt Buchhaltung

„Gucken wir mal“ ist eine Redewendung, die in den vergangenen Tagen unter Spielern von Eintracht Frankfurt Konjunktur hat. Nicht nur in Bezug auf den ohnehin nicht prognostizierbaren sportlichen (Rückrunden)Verlauf, sondern in puncto Vertragssituation. So wählte zunächst Carlos Zambrano – mit dem der Klub bekanntlich nach monatelangem Hickhack kostspielig verlängerte – die oben genannte Formulierung. Nun zieht Haris Seferovic, angesprochen auf seine Zukunft in Frankfurt, wortgleich nach. Und dann gibt es ja noch Stefan Aigner, bei dem es Hinweise auf ein Dasein als Kaan-Ayhan-Tauschobjekt gibt. Kurzum: Man darf davon ausgehen, dass im Sommer dieses Jahres bei der SGE abermals der Schleudergang angeworfen wird. Bei einem ja alles andere als unrealistischen, abermaligen Abstieg in die zweite Bundesliga, gibts eben so gut wie kein Geld für irgendeinen Spieler. Hält man die Klasse, kann und wird selbst der Hasenzüchterverein aus Frankfurt Millionenbeträge fordern – hat man das Glück, dass ein x-beliebiger Konsortium-Klub aus England Geld für einen der Genannten ausgeben möchte, wird das hübche Sümmchen auf das Festgeldkonto spülen. Kommt eben der nächste, kommen eben die nächsten.

Kann man so sehen, kann man so machen.

Nur stirbt eben mit diesem permanentem Fokus auf das Finanzielle auch der letzte Rest (Fußball)Romantik. Viele Fans beschäftigen sich mittlerweile zu sehr mit betriebswirtschaftlichen Arithmetiken des Profifußballs, immer weniger interessieren wir uns für die Spieler, den Sport. Das ist ebenso bedauerlich wie es wohl unvermeidlich ist.

Denn Geld bedingt Erfolg, und sei Erfolg am Mimimum der Erstligazugehörigkeit bemessen. Den Beweis für diese These hat die Bundesliga-Realität der vergangenen mindestens vier, fünf Jahre erbracht. Die Absteiger seit 2011/2012 heißen
Köln, Hertha BSC Berlin, Kaiserslautern, Düsseldorf, Fürth, Nürnberg, Braunschweig
Freiburg und Paderborn. Was ist demgegenüber mit Hamburg, Stuttgart, Bremen, Hoppenheim – es hat trotz aller anhaltenden sportlichen Schlechtigkeit keinen dieser Klubs erwischt. Es wird sie auch nicht erwischen, da sie bereit sind, Geld auszugeben; egal ob sie potent sind, den Millionen-Mammon besitzen oder nicht.
Daher wird Eintracht Frankfurt genauso handeln, handeln müssen. Doch um in die Position eines Kurswechsels, einer Nach-Heribert-Bruchhagen-Doktrin zu kommen, ist der Klassenerhalt 2015/2016 zwingend nötig.

Ob der künftige Kurs, das Zünden des nächsten Turbos zugunsten der Schnelllebigkeit, mein Herz noch so erwärmen, so erreichen wird, wie die Eintracht der vergangenen Jahre … ich denke nicht. Ohnehin werden die permanenten, dauerhaften sportlichen Enttäuschungen, die vielen Jahre des auch strukturellen Underperformings im Bundesliga-Zement von einem Überdruss an Überhöhung flankiert. Etwas, wozu ich via Blogging ja auch beitrage: Die andauernde Auseinandersetzung mit einer Materie, die das eigene Leben letztlich nullkommanull berührt.

Wenigstens schaue ich mir nicht mal unter Guantanamo-Folter Fotos aus Trainingslagern oder Fußballspielern am Check-In-Schalter von Flughäfen an. Nicht alles, was möglich ist, sollte man tun. Ein Motto, das in den Ohren der in den 1990ern Geborener entweder verstörend modernitätsfeindlich oder rührend naiv klingen dürfte. Genug der Philosophiererei – Forza SGE und so.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Ball statt Buchhaltung

  1. akloppi

    Und: +++ Fabián braucht noch Zeit +++
    Auf diese Aussage hatte ich noch gewartet. Und täglich grüßt das Murmeltier…

  2. Schlimm an den allfälligen Wechseln wäre ja auch, dass wir uns von Problemmanager Bruno dann wieder zwei Jahre lang irgend einen Umbruchs-Sermon anhören dürften. Dass dann wieder beliebte und wichtige Spieler den Verein verlassen – mei, panta rhei, das ist halt so im Fußball. Die Jungs müssen aus ihren 12 Jahren Profikarriere halt das Maximum rausholen, da bin ich leidenschaftslos geworden.

    • F.N.

      Der „Problem“ Bruno….. da war doch mal was ……

      Fußball ist nunmal zur Zockerei verkommen, was waren das für Zeiten mit dem treuen Charly

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