Kein Kotau, kein Bekenntnis

Eintracht Frankfurt macht sein Forum bis Montag dicht, weil da die Debattenkultur eingerissen sei, eine „unerträgliche Verwahrlosung“ herrsche – also Facebook sich quasi auf einer schnöden Homepage herumtreibt. Amüsante Entscheidung der Klubführung, die uns via Sportdirektor Bruno Hübner am späten Nachmittag hat wissen lassen, dass mit Schrotflinten-Stürmer Haris Seferovic wieder alles tutti sei. Verbal hoch zu Ross erklärt der Funktionär die Sache für erledigt, weil man intern alles geklärt habe. Natürlich.
Weil die Eskalation vom Himmel gefallen ist, es in den vergangenen Wochen und Monaten seitens von Trainer Armin Veh bestimmt keine Einfang-Versuche gegeben haben wird. Nein, jetzt, da das Problem, die Wut nach offenbar langanhaltenden, nicht auszuräumenden Dissonanzen aus Veh herausbrach, sind die Dinge mit einem Mal geklärt. Höchstschiedsgerichtlich. Intern, weil man das ja sowieso vorhatte. Klar.

Der Versuch eines Bekenntnis zum Verbleib des Schweizers liest sich dann so: „Haris Seferovic wird ganz normal mittrainieren.“ Es habe kein Angebot (von anderen Vereinen) für ihn gegeben, ergänzt der Sportdirektor. Dass das höchst unwahrscheinlich ist, dürfte auf der Hand liegen. Im Sommer brüstete sich die Vereinsführung der SGE immerhin noch damit, ein externes 10-Millionen-Angebot für den Stürmer abgewehrt zu haben (was man schon länger bereut haben dürfte). Dass der Spieler trotz allen Eintagsfliegendaseins ein halbes Jahr später zur Bückware geworden sein soll, nunja, das glauben wahrscheinlich nicht mal die PR-Fantasten in Frankfurt. Irgendein Oberblinder, speziell aus England findet sich immer. Für 4,5,6 Millionen Euro wird man Seferovic im Handumdrehen an einen Mondpreiszahler aus Britanien oder Russland loswerden. Der entscheidende Grund für das Zögern der Eintracht und das gezwungene Bemühen um eine positive Außendarstellung ist simpel: Man hat (noch) keinen Ersatzmann in petto, die Baustelle Sturm – die sportlich aber schon länger als Dezember/Januar eine solche ist – hatte man bei all den weiteren Positionsproblemen nicht auf dem Schirm (haben wollen). Alexander Meier, das wissen selbst die Akteure an der Eintracht-Spitze, wird den Klassenerhalt des Klubs nicht im Alleingang leisten. Wenigstens nominell braucht es eine Ergänzung, einen Ersatz.

Dass die Eintracht-Spielersucher so schnell keinen auftreiben können, kann man ihnen nur mäßig vorwerfen. Erstens, weil es in dieser Vehemenz tatsächlich ziemlich plötzlich gekommen zu sein scheint. Zweitens, weil man aus der Abteilung in puncto Professionalität bzw. Einschätzungsvermögen/Handlungsfähig- und schnelligkeit über Jahre Kummer gewöhnt ist. Auf die Schnelle mal ein paar laienhaft dahin-erzählte Namen, zu denen in Frankfurt mit dem bewährten Blättern im Kicker Sonderheft etwas zu finden ist:

Branimir Hrgota, Josip Drmic, Adrian Ramos, Niklas Bendtner (*g*) – und zur Not gibt es ja auch noch einen weiteren Dauerbrenner namens Sidney Sam, obgleich kein Mittelstürmer (ist Seferovic das eigentlich?).

Das letzte Wort in der causa Haris Seferovic dürfte, allen Erledigt-Erklärungen zum Trotz, nicht gesprochen sein. Alleine schon, weil der im Internet so kommunikationsfreudige Spieler selbst keine Anstalten zu machen scheint, offensiv einen (und sei es noch so geheuchelten) Kotau zu machen. Der Klub wird bis Sonntag die Fühler ausgestreckt halten, die ersten Anfragen und Gespräche bereits angeleiert/terminiert haben. Die Partie in Augsburg ist für die Eintracht gesamt-sportlich eminent wichtig – für Seferovics Zukunft ist sie das ebenfalls, ob nun im SGE-Trikot oder auf der Transferliste.

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