Monatsarchiv: Februar 2016

Kriechend ans Ende

Das spielerische Nichts. Wer noch den Beweis erbracht haben möchte, dass Eintracht Frankfurt kein Willens-, sondern ein Fußballproblem hat, darf jetzt keine Fragen mehr haben. Man kriecht in den Abstieg.

0:0 und eine, mit gutem Willen zwei Torchancen in einem
Heimspiel gegen einen mauen, müden, matten Gegner aus Gelsenkirchen. Einem Team, dem die Verunsicherung bis zur Einwechslung von Max Meyer und Leroy Sane wie auf die Gesichter tätowiert stand. Doch auch wenn die SGE, weil sie erstmals seit Monaten Pressing spielte, vor allem in Abwehr und zentral defensiven
Mittelfeld ihr bestes Spiel seit langem machte – nach vorne geht nichts, Null, nada. Initiiert Marco Fabian nicht irgendetwas, geschieht nichts auf dem Feld. Einheitstempo (Trott) gepaart mit Durchsichtigkeit und Ungenauigkeit.

Huszti, Seferovic, Stendera … blass ist geschönt. Aber wie die ganze Saison schon, ist es unangebracht, sich an einzelnen abzuarbeiten. Die Mannschaft funktioniert spielerisch nicht, das kann auch vom sichtbaren Zusammenhalt nicht übertüncht werden. Keine Vertikalität kommt ins Spiel, kein Passspiel über 3,4 Stationen, sowieso keine Tempowechsel, die Standards sind eine Katastrophe. Es gibt insgesamt keinen Plan außer „irgendwie den Ball nach vorne bringen“, was gegen Schalke aber deren Einwechselungen von Meyer und Sane hieß: endgültig nur noch Langholz auf Meier oder Seferovic. Und wie oben geschrieben: diese Partie war noch eine der Besten in den vergangenen Monaten.

Nach zwei Heimspielen mit zwei Punkten, 0 Toren und ebenso viel Torgefahr gegen blasse Gegner ( HSV und S04) kommt die Mannschaft dem Abstieg näher.
Auch eine Entscheidung gegen / für den Trainer schiebt sich angesichts der „nicht Fisch, nicht Fleisch“-Spiele immer weiter auf.

Merke: Der Tod verrichtet sein Werk langsam, aber er verrichtet.

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Dummheit

Ein 2:1 für Eintracht Frankfurt gegen Gazprom Gelsenkirchen habe ich im Feld des verlagsinternen Bundesliga-Tippspiel eingetragen. Und warum? Weil ich ebenso enttäuscht, traurig, wütend und frustritert wie auch dumm bin.

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Von Ritualen und Logik

Wenn man in der Medienbranche eines gewöhnt ist, dann sind es Dementis von offiziellen Stellen oder Ansprechpartnern. Verneinung, Schön- und Kleinreden gehört zu den Ritualen, mit denen jeder Journalist täglich konfrontiert ist. Das ist in Politik, in Wirtschaft, ja gar in Schützenvereinen oder sozialen Einrichtungen nicht anders als im Profifußball. Normale Hergänge.

Und so ist es auch der übliche Lauf der Dinge, dass der ebenso scheidende wie einflussbeschnittene Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, die Gerüchte rund um die Zukunft von Trainer Armin Veh ins Reich der Fabel verweist. Die Vermutungen – die in der Sportbild einem breiten interessierten Publikum offenbart wurden – besagen, dass Veh am Saisonende bei der SGE aufhört und es für die Rückrunde eine Jobgarantie gebe; die bei negativem Ausgang der kommenden drei Spiele aber überdacht werden würde.

Im Kern kann und wird dieses Szenario die Leser dieses Blogs oder Beiträge anderer Kollegen, die sich anderswo täglich der Eintracht widmen, nicht überraschen. Dass Veh in Frankfurt keine Zukunft haben kann, gebietet schon alleine die Logik. Bei einem Abstieg erledigt sich dieses Thema, wie viele andere, per Naturgesetz von alleine. Und bei einem Irgendwie-Klassenerhalt könnte und würde der Coach mit einem versöhnlichen Resultat und sein Gesicht wahrend die Widerstände, die Vorbehalte, die sich zu Anfeindungen steigerten, hinter sich lassen können. Ein Vorstandsvorsitz, der ja immer wieder spekuliert wurde, wäre – und ist angesichts der Entwicklungen, der wenigstens schwelenden Anti-Armin-Stimmung – natürlich ausgeschlossen.

Einen Neuanfang wird es ligenunabhängig sowieso geben, geben müssen. Alexander Meier etwa wird 2016 seine letzten Spiele im SGE-Trikot absolvieren, Stefan Aigner dürfte ebenso zum Verkauf stehen wie Carlos Zambrano und Haris Seferovic. Angesichts all dieser bevorstehenden Personalentscheidungen, macht ein (frühzeitig festgelegter) Trainerwechsel, verbunden mit einem darauf folgenden Mentalitäts- und Spielstilwechsel Sinn. Auch das: ligenunabhängig.

Zukunftsfragen, die über Sonntagabend hinausgehen, verbieten sich aber eigentlich. Das nackte Überleben, also Rang 15 und eine Zielrichtung von 36 Punkten ist die einzig wichtige Wegmarke. Wieder mal. So ernüchternd es ist, so emotionslos man es begleitet: Nach dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 kann, darf, wird es nicht mehr heißen, dass man dann eben das (jeweils) nächste Spiel noch (Zeit/Gelegenheit) fürs Dreifachpunkten habe. Stünde nun nicht die englische Woche mit Spielen gegen Hertha BSC Berlin und Ingolstadt an, wäre bei einer Pleite am Sonntag um 21.20 Uhr der Ofen für Armin Veh aus. So bekommt er noch eine volle Woche samt dreier Spiele, bevor irgendein Feuerwehrmann das ab diesem Zeitpunkt wohl – bei vielleicht „zu erwartenden“ ein, zwei bis maximal vier Punkten – Unmögliche möglich machen würde sollen.
Aber wie schon vorgestern geschrieben: Gegen die Gelsenkirchener bin ich in Bzug auf das Punkten optimistisch. Doof ist halt, dass es für so etwas wie eine Hilfestellung drei Zähler sein müssten.

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Jetzt kommt ein Befreiungsschlägchen

Klare Worte zu Situation, Entwicklung und Ausweg sind genug geschrieben. Wenn schon nicht von Seiten der Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt, dann von Seiten der Fans. Jenen Immer-Existenten, die sich nun für ihre – dem Vernehmen nach doch ziemlich moderaten – Pfiffe im Stadion und den Unmutsäußerungen im Internet kritisieren lassen müssen. Sei es drum. Cassandren, berittene Boten, Journalisten, unliebsame Stimmen generell: Der Überbringer der schlechten Nachricht ist in der Menschheitsgeschichte immer derjenige gewesen, der gehängt wurde.

Aber um das vielleicht bei all der Emotion mal klarzustellen: Mir ging und geht es in der Spieltagskritik vom Wochenende gar nicht so sehr um Bruno Hübner im Speziellen, sondern mehr um ihn als Symbol für die strukturlle Starre der SGE. Natürlich hat der Sportdirektor auch Verdienste. Die Ab- und später wieder Aufstiegsmannschaft ziemlich zügig und effektiv (bei nötigem Geldeinsatz) zusammenzustellen, den dazu richtigen Trainer zu verpflichten und mit der darauf folgenden Strategie, die Besten aus der zweiten Bundesliga in den Transferfokus zu nehmen (siehe Stefan Aigner), ist als nichts anderes als gut, richtig, clever zu bezeichnen (es ist indes eine Mär, dass der Sportdirektor, das Eintracht Frankfurt so wenig Geld zur Verfügung hat. Schaut man auf die Etats der Bundesligisten, sieht man, dass die SGE im Mittelfeld liegt, trotz allem nahe dran an den Top-10-Geldhabern im deutschen Profifußball ist).
Das Problem, das Hübner mit-verursacht und zu verantworten hat, ist der Stillstand, der sofort auf das gerade Beschriebene einsetzte. Der sensationelle Europapokaleinzug verpuffte in vielerlei Hinsicht. Emotional, finanziell, spielerisch, nun sportlich / tabellarisch. Die Reihenfolge, die Priorisierung wähle sich jeder nach Belieben aus. Zu den Gründen und dem ganz offenkundig nicht geschehenden, jedenfalls ineffektiven Gegensteuern haben ich und andere Fans mehr als genug Texte ins Internet geblasen.

Zurück zum Eingang des Beitrags: Rückschauen dienen dem Erkenntnisgewinn. Im Idealfall, um in Zukunft die schonmal eingetretenen Entwicklungen zu vermeiden. Um die Wiederkehr des Immergleichen zu vermeiden. Gelingt bei und rund um die SGE offensichtlich nicht.
Und doch ist das meiste, das zuletzt geschrieben worden ist, eine Rückschau, eine Einordnung des bereits Geschehenen. Am 22. Spieltag ist indes noch kein Tabellenfünfzehnter abgestiegen und ein Punkt gegen den Hamburger SV ist aller Unzufriedenheit zum Trotz über die Tage auch nicht zu einer Niederlage geworden. Kurzum: Nichtabestiegen werden kann nur durch das Gewinnen der Spiele der Zukunft. Dass die Eintrachtmannschaft für eine halbwegs realistische Klassenerhalts-Chance irgendwann mal gewinnen muss, genauer gesagt noch vier Mal, ist klar. Dass der Druck, gegen die Topteams der Liga (Bayern, Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach) gewinnen zu müssen, nach jedem vergeigten Spiel gegen machbare Gegner (bis auf Stuttgart bislang alle aus dem Rückrundenprogramm) steigt, liegt in der Natur der Sache. Für das Duell gegen Gelsenkirchen, das am Rande zum Montag abgepfiffen wird, fehlt den Adlern jedenfalls jedes Alibi: Personelle Bestbesetzung, Heimspiel, keine Übermannschaft gegenüber.

Gelingt es dem Team, mal zwei anstatt eine Halbzeit(en) ordentlich aufzutreten, im Mittelfeld mal in dem Maße zu pressen, wie sie dort sonst flattern, ist ein Sieg drin. Wenn Marc Stendera wieder am Spiel teilnimmt, Makoto Hasebe wenigstens so solide spielt wie gegen Hamburg, Stefan Aigner mal ein Mü Effektivität erzwingt und sich irgendein Akteur (vielleicht ein Kraftakt von Schrotflinten-Seferovic) mal erbarmt, Alexander Meier in puncto Torgefahr zu helfen, geht was. Dass diese Mannschaft kicken kann, schimmert immer wieder durch, selbst in diesen finsteren Wochen. Reduziert sich die Spiel“anlage“ weiterhin auf das Prinzip Hoffnung, darauf, dass das, was irgendwann mal klappte, irgendwann mal wieder klappen wird, ist die Partie vergeigt weit bevor sie abgepfiffen ist.

Packt die Eintracht es unter den oben genannten Voraussetzungen nicht zu einem mutmachenden Auftritt, einem erfolgsgekrönten, einem Sieg, kann Rainer Falkenhain die Truppe im DFBnet schnurstracks vom Spielbetrieb abmelden. Oder in der Paulskirche ein Kerzenbad anzuünden sowie Rosenkränze beten. Denn spätestens bei einer Pleite am Wochenende muss die Frage gestellt werden, gegen wen Eintracht Frankfurt überhaupt noch dreifach punkten will/kann. Nach dem kommenden Spieltag wird jedenfalls etwas passieren. Ein Befreiungsschlägchen in welche Richtung auch immer. Sportlich oder trainerpersonell.

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Der Totengräber

In seiner ersten Saison als starker Mann in der Funktionärsriege von Eintracht Frankfurt, führt(e) Bruno Hübner die Mannschaft, den Klub in den Tabellenkeller. Der Sportdirektor hat, beginnend mit der Rückholaktion des trotz aller Verdienste angeschlagenen Trainers Armin Veh, im Sommer und im Winter eine Mannschaft beisammengelassen, ergänzt, insgesamt zusammengestellt, die den minimalsten Zielformulierungen nicht gerecht wird. Er hat ein spielerisch wie mental ungenügendes Team unter Vertrag genommen – zum höchsten Etatpreis, den die SGE in ihrer Geschichte zahlt(e). Die Messlatte für das ohnehin schon notorisch vorhandene Underperforming ist durch das Wirken Bruno Hübners nochmal gesenkt worden.

Intern haben sich die Machtverhältnisse faktisch mit dem Aufsichtsratsvorsitz von Wolfgang Steubing verändert. Seitdem ist Hübner in der Entscheidungs- und Gestaltungskette nach vorn gerückt. Der Sportdirektor hat vermehrt das Sagen, spätestens seit dem lange schwelenden Zwist zwischen Team und (Ex-)Trainer Thomas Schaaf in der Vorsaison, rückte man intern die Hierachie weiter in Richtung Hübner, in Abgrenzung zu Bruchhagen. Immerhin gilt Schaafs Verpflichtung, die ebenso krachend scheiterte wie sie ihm nicht zu Unrecht übel genommen wurde, als Bruchhagen-Schöpfung (die nötig wurde, weil Hübner über Monate nicht in der Lage war, einen anderen Trainer zu verpflichten). Seit Sommer 2015 ist der ehemals starke Mann, Heribert Bruchhagen, faktisch entmachtet, wird auf seinem letzten Funktionärs-Weg mehr mitgenommen als mitgestalten lassen, als lahme, als verdiente Ente. Ein Akt der Gesichtswahrung.

Hübners Treiben gipfelte nun in der Verpflichtungs-Orgie im Winter, wo, wie man nun sieht, quantitativ eingekauft wurde. Aber eben Leute für eine im Praxistest umgehend gescheiterte Spielidee. Nun fehlt für die Umsetzung der diametral gegenüberliegenden Spielweise das (fähige) Personal. „Mexiko statt Madlung“ ist der offenkundig falsche Entschluss gewesen. Und sollte die Analyse bzw. die Anschuldigungen des Magazins „Fan geht vor“ stimmen, zeichnet das ein Bild des Sportdirektors, das nur in dessen Rauswurf münden kann.

Welche Bilanz, welche Erfolg hat der Sportdirektor eigentlich vorzuweisen? In der Darstellung wird seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt, dass er – der Architekt, der Fleißarbeiter, der Umtriebige, der Gestalter – mit wenig Geld auskommen müsse und dafür gute Arbeit, im Sinne von Vertragsverlängerungen und Neuzugängen, leiste. In Bezug auf die Vertragsverlängerungen mag das stimmen, wobei man grundsätzlich hinterfragen sollte, ob eine solche immer sinnvoll war/ist. In Bezug auf Carlos Zambrano und zumal Haris Seferovic ist das angesichts der kolportierten Angebotssummen, vor allem aber den (schwer, wenn überhaupt belegbaren) Anschuldigungen aus der Gerüchteküche, ziemlich klar zu verneinen. Millionen einnehmen statt Millionen ausgeben – wenigstens bei der Schweizer Schrotflinte wäre das ebenso möglich wie nötig gewesen. Abgesehen davon, hier eine schon vor zwei Jahren und seitdem nicht mehr aktualisierte Analyse der Transfertätigkeit des Bruno Hübner.

Hübner, an dem jahrelang jede öffentliche Kritik vorbeiging, hat mit seiner Schönrednerei das Grab geschaufelt, in das sich Eintracht Frankfurt seelenruhig hineinlegt. Hübner, wie auch die anderen Funktionäre erkennen sehr wohl den Ernst der tabellarischen Lage. Nur erkennt der Sportdirektor nicht die sportlichen Gründe für die Situation. Dahingehend waren seine Aussagen im DSF-Doppelpass am Sonntagmittag lehrreich, im selben Maße verstörend, viele Blindheits-Thesen bestätigend und im Sonnenschein-Duktus verhaftend. Neben einem erwartbaren Treueschwur zu Armin Veh, was erfahrungsgemäß wenigstens der Anfang von Schwung aufnehmenden Trainerdiskussionen ist, setzte Hübner – der von Dampfplauderer Thomas Berthold gebührend kritisch angegangen wurde – bezogen auf den sportlichen Niedergang wieder mal Legenden in die Welt. Verletzungsprobleme seien ein Hauptgrund für all das Übel, vor allem die Ausfälle von Stammspielern. Natürlich. Luc Castaignos, Bamba Anderson, Sonny Kittel, Stefan Reinartz und Johannes Flum sind die Namen der Verletzten. Das sind an der Zahl vielleicht … ein Stammspieler?!. Zum Vergleich: Mönchengladbach und Mainz haben derzeit vier bzw. fünf Verletzte. Die sind aber trotz dieser untragbaren Last nicht nur konkurrenzfähig, sondern erfolgreich.
Zweiter Grund: die Erwartungshaltung. Diese unglaublich hohe, die Spieler geradezu erdrückende Last, dass man als Fußballfan im Stadion wie am Fernseher Fußball zu sehen verlangt. Unglaublich dreist eigentlich, oder? Dass man das gar noch mit dem sportlichen Minimalstziel eines Klassenerhalts verbindet – vom teuersten, von Hübner zu verantwortenden SGE-Kader aller Zeiten – lässt die Erwartungen tatsächlich ins Uferlose treiben. Die letzten Zeilen waren Sarkasmus, nur für den Fall der Fälle.
Kein Problem sind laut Hübner indes Tempo und Handlungsgeschwindigkeit der Spieler (was Trainer Armin Veh übrigens bereits vor kurzem durchaus als Problem erkannte und ansprach).

Hübner wäre auch nicht entscheidungsstark genug für eine (zügig nötige) Trainerentlassung. Nimmt Armin Veh ihm die (ebenfalls nur gesichtswahrende) Entscheidung nicht ab, geht es sportlich wie tabellarisch ebenso paralysiert weiter bergab wie seit Monaten. Endhaltestelle zweite Bundesliga. Bitte alle aussteigen.

Wer hätte gedacht, dass der eigentlich schon zwei, drei Jahre überfällige Abtritt von Heribert Bruchhagen mittlerweile zur Horrorvision wird? Ganz offensichtlich ist es ja so, dass seine Nebenleute, die den Kurs bereits jetzt bestimmen und künftig das ebenso inkompetent wie verstärkt tun werden, das Orchester der Oberblinden sind. Ein leutseliger und mit diktatorischem Wahlergebnis berufener Vereinsmeier (Peter Fischer) mit seinem ebenso vereinsmeierigen Illusionisten-Adjutanten (Axel Hellmann), einem Menschen, der mehr Fan als nüchterner Entscheider zu sein scheint als Aufsichtsratschef (Wolfgang Steubing) und eben dem optimistischen Totengräber (Bruno Hübner). Und diese Gang wählt dann dieser Tage den Bruchhagen-Nachfolger aus. [Sarkasmus an] Einen ganz starken, einflußreichen Macher. Einen Kenner des Sports so wie seiner Geschäftsstrukturen. Einer, der den satuierten Stall ausmistet und die ganzen gerade genannten Pappnasen rasiert. Horst Heldt. [Sarkasmus aus].

Selbst wenn die alle nach einem Abstieg freiwillig ausstiegen – eine Utopie! – müsste ja zumindest ein Funktionär bleiben um wiederum andere, hoffentlich Fähigere anzuheuern. Welchem der oben Genannten, die ja durch die Bank weg für Komfortzone, Klima und Klüngel verantwortlich sind, würde man das denn überhaupt zutrauen? Abgesehen vom Fakt, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, haben die Eintracht-Oberen doch ganz offensichtlich alle keinen Schimmer von dem Geschäft bzw. – und das ist viel dramatischer – von dem Sport. Die können gar nicht einordnen, was da auf dem Feld passiert. Das potemkinsche Dorf stürzt ein, und außer hilflos dabei zuzusehen, können sie nichts tun.

Das Problem von Eintracht Frankfurt lässt sich (nur) mit einem zutiefst abgedroschenen Satz beschreiben. Es ist eine Phrase, wie man sie gleich auf den Grabstein des Klubs eingravieren könnte: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Armin Vehs Tage sind sowieso gezählt, ebenso die von Bruchhagen. Nur Totengräber Hübner darf und wird in seinem Königreich der Klauseln optimistisch weiter-schönreden.
Eintracht Frankfurt steht rund ein Vierteljahrhundert nach der Abdankung der Horror-Klubführung (Ohms, Hölzenbein etc.) vor der Re-Inkarnation eines Gruselkabinetts.

Am nächsten Spieltag hat die SGE das erste 19.30-Uhr-Sonntagsspiel der Bundesligageschichte. Bei Abpfiff ist es fast Montag. Auf dass das mal keine Symbolik ist.

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Grausiges aus der Gerüchteküche

Armin Veh nach dem Spiel gegen den Hamburger SV, das mit einem aus SGE-Sicht glücklichen Remis endete, zu den Pfiffen im Stadion: „Unzufrieden kann man mit der ersten Halbzeit sein, aber nach dem Spiel? Also bitte, dann sollen sie doch daheim bleiben, das ist doch nicht normal. Die Jungs haben in der zweiten Halbzeit alles reingeworfen, alles gegeben.“

So sehr man die Faust in der Tasche ballen mag, es gibt Dinge, die wesentlich brisanter sind als diese Aussage des Trainers. Eintracht Frankfurt dreht noch ein paar Ehrenrunden durch die Bundesliga, bevor sie ab Sommer in der zweiten Bundesliga verschwindet. Diese Erkenntnis muss sich verfestigen, wenn man die aktuelle und im Internet bereits diskutierte Ausgabe von „Fan geht vor“ liest und den Inhalt bzw. die Schlüsse des Autors glaubt.

Tenor eines Artikels in dem Magazin, das vor Heimspielen rund um das verkauft wird:
In der Mannschaft gibt es laut Autor massive zwischenmenschliche und vor allem Disziplinprobleme. So sollen vor allem Haris Seferovic und die Südamerikaner zum Teil schon in der Vorsaison äußerst negativ aufgefallen und für Missmut in der Mannschaft gesorgt haben. Carlos Zambrano wird im Zuge der Südamerikaner genannt, nicht minder die Namen von Leuten, die auch aufgrund eben diverser Vorfälle nicht mehr da sind: Valdez, Piazon, Yaffa. Und Zambrano soll angeblich kurz vor dem Darmstadtspiel in der Hinrunde bis in die Morgenstunden durchgefeiert haben – worauf es intern wohl klare Worte gab. Ähnliches wird über Seferovic berichtet.

Daneben kursierte nach dem Wintertrainingslager wohl die Meinung, dass das Training entgegen den Einschätzungen und Verlautbarungen eben nicht intensiv genug gewesen sei. Veh, der mittlerweile unter Spielern nicht mehr sehr breit beliebt wäre, sei daher mehr noch als jovialer Vermittler, als Dompteur der Disziplinlosen verpflichtet worden. Und, um das Bild abzurunden, sollen einige Spieler nach dem 0:0 in Augsburg abermals durchgefeiert haben.

Alles ausgedacht? Nun ist es unwahrscheinlich, dass ein Magazin wie „Fan geht vor“ dieselben – wenn überhaupt – journalistischen Standards und Sorgfaltspflichten anlegt, anlegen muss, wie professionelle Medien. Stichwort: Irgendwer hat von irgendwem gehört, dass irgendeiner von A nach B wechselt. Sebastian Jung zu Werder Bremen, wie es beispielsweise vor einigen Jahren im ominösen Eintracht-Forum und diesem Dunstkreis entstammenden Plattformen mal hieß.
Jedoch weiß jeder halbwegs seriöse Autor, der eine Veröffentlichung tätigt, um mögliche rechtliche Konsequenzen eines jeden Textes, einer jeden Anschuldigung und Mutmaßung, von Tatsachenbehauptungen ganz zu schweigen. Verleumdung, üble Nachrede, sowieso Unterlassung – es sind nicht die schärfsten Schwerter im Strafgesetzbuch, aber kein Herausgeber eines noch so leidenschaftlichen Laienmediums wird sich dieser Gefahr aus Jux und Tollerei aussetzen. Zumal „Fan geht vor“ so laienhaft gar nicht ist, oft sogar erfrischend andere Perspektiven einnimmt als etwa der PR-Kanal „EintrachtTV“. Und was man so aus Frankfurter Medienkreisen hört, geht der Gossip schon eine ganze Weile in diese Richtung. Jedoch bricht es sich eben an dieser Stelle: Keine Zeitung kann, darf und wird Gerüchte – ohne Überprüfung von deren Stichhaltigkeit – veröffentlichen. Bleib eine erzwungene Gegendarstellung aus, ist der Fall jedenfalls klar.

Kurzum: Vieles deutet darauf hin, dass die Aussagen stimmen – und das nicht nur, weil es als Erklärmuster so gut in die Situation passt, die sportliche Entwicklung erklärt. Und eine Rettung, einen Verbleib in der ersten Bundesliga aussichtslos macht, völlig unabhängig davon, dass Mannschaften wie Hoffenheim, Ingolstadt und Darmstadt nicht an das – in der Eintracht-Diktion quasi gottgegebene – Schicksal des Misserfolgs fügen (wollen).

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Einwilligung in die Schleichfahrt nach unten

„Unterm Strich müssen wir einwilligen, dass nicht mehr als ein Punkt drin war.“ Das hat Heribert Bruchhagen nach dem Heimspiel gegen den Hamburger SV gesagt. Ohne das Zitat nun auf die Goldwaage legen zu wollen, beschreibt ein Wort aus diesem Satz die ganze Misere von Eintracht Frankfurt völlig treffend. Sportlich wie strukturell: einwilligen. Wieso muss das eigentlich so sein? Schimmert da nicht genau jene grundsätzliche Zufriedenheit, diese Satuiertheit hervor, die den Klub a) in seiner Aufwärts(!)entwicklung lähmt und b) die Fans ob der Hoffnungslosigkeit zermürbt? Jedenfalls ist Einwilligung kein Indiz für Ärger, für Unzufriedenheit, für den Willen, andere Resultate zu erreichen, sie, ja, zu erzwingen.

Geheimtraining ist als Mittel der Wahl jetzt jedenfalls – ohne jede Besserung – verpufft. Als nächste Verzweiflungstat kommt ein Trainingslager infrage. Am besten ebenso nicht-öffentlich. Danach folgt das Pizza essen der Spieler, um sich mal ohne Trainer auszusprechen und zusammenzuraufen. Zwischendurch noch das lästige Heimspiel gegen Schalke 04, wo es trotz aller sportlichen Weltlichtkeit des Gegners für die SGE – als Heimmannschaft – nur um eine Niederlagen-Vermeidung geht. So in etwa muss man sich wohl die nächsten zwei Wochen bei Eintracht Frankfurt vorstellen. Nach der Mini-Heimspielserie folgt dann die Trainerdiskussion, die wiederum in einem Ultimatum endet. Entscheidungs-Aufschieberitis. Die Spiele werden indes immer weniger, die Tabellenposition immer schlechter und die Waffen im Abnutzungskampf immer stumpfer.

Das alles ist seit vielen vielen Wochen nichts anderes als eine Schleichfahrt in die zweite Bundesliga. Und man klopft sich dabei noch auf die Schulter. Weil, wie etwa Marco Russ sagt: „Wenn man die Einstellung der Mannschaft sieht, kann keiner uns vorwerfen, dass wir nicht wissen, um was es geht“. Man könnte auch sagen: Das Team verrichtet die Grundlagen – mehr schlecht als recht, übrigens. Das, was Russ äußert, ist übrigens verklausulierte Ratlosigkeit. Der Vorwurf an das Team lautet ja nicht, dass sie nicht wollen. Der Vorwurf lautet, dass sie nicht (Fußball spielen) können.

Das ebenso Kuriose wie Eintrachttypische ist ja, dass man sich über die Wintertransfers den spielerischen Weg aus der Misere, aus dem Tabellenkeller auf die Fahne schrieb. Die Vereinsführung erkannte die Stärken des Teams im Spiel nach vorne und wollte diesen verschütt gegangenen Aspekt stärken. Nun muss sich die Mannschaft in dem exakten Gegenteil verdingen; in der Rackerer-Spielweise, die sie laut eigenen wie nach Aussagen des Trainers weit weniger beherrscht und weit weniger will. Letzteres ist natürlich egal, Ersteres hingegen entscheidend. Es steigt nicht der Verein ab, der intern wie extern am unruhigsten agiert, sondern der, der entweder am wenigsten sportliche Qualität auf den Platz bringt oder der keinen Plan, keine Struktur, keine in irgendeiner Form vorhandene Spielweise hat.

Trainer Armin Veh ist es, egal in welcher Formation und egal mit welchem Personal, weder vor noch nach der Winterpause gelungen dieser Mannschaft irgendeine Struktur, irgendein Korsett zu geben. Seine Handreichungen führen zu nichts, die Unsicherheit der Spieler ist mit Händen zu greifen und die Ratlosigkeit mündet auf dem Platz in ein Fehlerfestival. Auch in der Nachbetrachtung des Spiels kommt Veh nicht über die Beschreibung des Gesehenen hinaus: Erste Halbzeit schlecht, zweite Hälfte verbessert. Das ist ein bisschen wie mit dem Wirtschaftswachstum in Nachkriegsdeutschland: Das Wachstum schnellte in die Höhe, weil nichts (mehr) vorhanden war.

Mit grundsätzlich ja tatsächlich vorhandener Motivation allein, über den Willen, kann und wird der Klassenerhalt nicht erreicht werden. Kratzen konnten und können andere besser, erfolgreicher – auch, weil sie dafür die Spielertypen haben. Die Eintracht konnte mal spielen, besser als andere, doch mittlerweile ist sie in diesem Bereich auch von allen anderen Mannschaften, auch im Tabellenkeller eingeholt worden.

Letzte Hoffnung, außer dem von den Funtkionären favorisierten Gottvertrauen: Lucien Favre. Doch wieso sollte der Mann ins träge, triste und tote Frankfurt kommen wollen? Und selbst wenn er es täte, hätte er qua Spielplan kaum noch Chancen auf eine Trendwende. 36 Punkte, Leute, das Ziel ist in weiter, weiter Ferne. Der Baum steht noch nicht im Feuer, aber die Flammen züngeln bereits am Stamm.

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