Badboy für Bubis

Äußerlichkeiten – sie bedeuten nichts. Schall. Rauch. Fassade, nichts weiter. Menschen wie Änis Ben-Hatira, die schon optisch den Rebellen geben – sei es über Frisur, Kleidung oder Wortwahl – haben trotz noch so offensiv zur Schau getragenen Hardcore-Dasein große Probleme. Solche, die sie laut überzeichnen wollen. Auch mit kurzen Zündschnüren, wenn sie handgreiflich werden. Das ist ebenso schade, wie es häufig vorkommt.
Und doch ist es genau ein Kerl wie Ben-Hatira, der einer doch sehr homogenen Mannschaft wie Eintracht Frankfurt fehlt(e). Einen „Extrovertierten“ kann sich jedes Kollektiv erlauben, kann es charakterlich kompensieren und dessen sportliche Qualitäten für sich nutzen. Ben-Hatira ist jedenfalls ein Spieler, der in der Lage sein sollte, den Kopf auszuschlaten und einfach sein Können – Tempodribblings, Zug zum Tor – auf den Platz zu bringen. Mental bringt er wohl das mit, was der oft psychisch angeschlagenen Mannschaft zu fehlen scheint: Das „Kopf aus, Füße an“, sozusagen. Das kann, das wird im Kampf um den Klassenerhalt eine wichtige Eigenschaft sein.
Gebe es nicht noch den ziemlich aggressiv schmollenden Haris Seferovic, könnte man der SGE zu der überraschenden Neuverpflichtung vollends gratulieren. Wobei: Ben-Hatiras Transfer ist mit Sicherheit auch in Richtung des wechselwilligen Schweizers zu verstehen, der nun eine neue und vor allem spieltechnisch ganz anders veranlagte Offensivkonkurrenz hat. Der neue Mann ist zwar kein Stürmer wie Seferovic, sondern ein offensiver Außenbahnspieler. Jedoch schmälert er aber genau damit Seferovics Einsatzchancen, die der Schweizer dort – falls Alexander Meier dauerhaft im Sturmzentrum bleibt, worauf alle Zeichen deuten – erhofft und braucht. Ben-Hatira macht Seferovic entbehrlich(er), jedenfalls solange Meier gesund bleibt. Was das hingegen für den jungen Serben Mijat Gacinovic, Linksaußen, bedeutet, wird in Foren derzeit erörtert. Tja, was soll es bedeuten? Dass er sein Spiel verbessern muss. Da Ben-Hatira aber sowieso nur ein halbes Jahr Vertrag hat, quasi eine Art Probezeit, ist das ein ausrichtungstechnisch so oder so nicht sehr aussagekräftiger Transfer.

Yanis Regäsel, der neue Rechtsverteidiger, ist für mich ein total Unbekannter. Da erspare ich mir jedes Urteil, der soll einfach ankommen und dafür sorgen, dass es endlich einen halbwegs vernüftigen, fähigen und echten Rechtsverteidiger im Kader gibt. Das ist überfällig und daher ein richtiger Schritt der SGE, ihn vorzeitig zu kaufen. Was das für Timothy Chandler bedeutet, gerade mit dem Verweis, dass die Personalie Sebastian Jung im Sommer durchaus wieder auf die Agenda kommen könnte? Das kann sich wohl jeder selbst denken. Gelingt dem US-Amerikaner in den nächsten 3,4 Wochen nicht der Sprung, auf den alle seit 1,5 Jahren warten, ist seine Zeit beim Heimatverein ebenso schnell abgelaufen wie für den einst auch ziemlich mauen Michael Thurk.

Der Kader besitzt jetzt jedenfalls eine Dicke, die den Eintracht-Fan beruhigter auf die kommenden Wochen schauen lassen kann. Die Resettaste, die man seitens der Funktionäre zu drücken gedachte, ist jedenfalls am 31. Januar – also nach der Wintervorbereitung – nochmal sehr viel tiefer gedrückt worden. Gut so. Teurer als ein Abstieg kann der Rettungsversuch nämlich nicht sein.

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