Sofortige Verwendung

Autogrammstunde mit Alexander Meier, die gab es am Montagabend in Marburg. Dass der gute Mann so gar nicht zum Rampenlichtmenschen taugt, bewies er dort mit einer unaufgesetzt scheuen Ehrlichkeit, die man in dem Millionengeschäft Fußball sehr selten findet. Ihm ist das ganze Zenober, wo andere sich angesichts von mehr als 1000 wartenden Fans ein Zelt in der Hose bauen, sehr und offensichtlich unangenehm. Fast schulbubenhaft saß er da auf einem großen Holzhocker, überragte beinahe die Werbebande im Hintergrund und schrieb sich die Finger auf Autogrammkarten, auf denen Meier wie ein Mafioso aus Sizilien aussieht, wund. Und es wurde ihm durch die Eingangsfrage des Moderators auch wahrlich nicht leicht gemacht in puncto Wohlfühlatmosphäre: Wie wichtig denn der Ausrüster (eine Marke, die nach einem Tier benannt ist) für ihn, für Fußballer sei – das musste Meier beantworten. Und zwar ohne mit den Augen zu rollen, zu seufzen oder in Gelächter auszubrechen. Die Antwort ist dann auch ebenso banal wie ehrlich: Ja, wenn mal eine Hose oder so kaputtgehe, dann sei es schon wichtig, dass schnell Ersatz herbeikommt. Ob auch nur 0,1 Prozent der an diesem Abend in einem Marburger Sportbekleidungsgeschäft anwesenden Autogrammstunden-Gäste einen Schuh besagter Marke gekauft haben, ist nicht überliefert. Ziemlich großes Fremdschäm-Potential hatten diese bedeutungsschwangeren Sekunden aber allemal.

AMFG14
Fotograf: Björn Wisker

Über Alexander Meier gilt es dieser Tage aber nicht zu reden. Im Vorfeld der Bundesligapartie von Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart gibt es ganz andere personelle Fragezeichen. Rechtsverteidigung, Innenverteidigung, defensives Mittelfeld. Im Prinzip also ein Mannschaftsteil, der zur Hälfte umgestaltet werden muss. Und das gegen eine Mannschaft, die an ihrem Top-Trainer viel zu kurz festhielt, nun leider ziemlich gut in der Spur ist; gerade in der Offensive. Mit Filip Kostic und Daniel Didavi stechen die zwei besten schwäbischen Offensivkräfte genau in die ohnehin-schon-Schwachstellen der SGE. Welchen Lückenbüßer Eintracht-Trainer Armin Veh auch immer auf die genannten Positionen beordert: Die Vorzeichen auch wenigstens einen Punkt stehen schlecht. Äußert ungünstig bei einem Duell gegen eine Mannschaft, die zumindest NOCH als Mitkonkurrent um den Klassenerhaltskampf gelten muss. Stuttgart, obwohl Frankfurt die in den vergangenen Jahren immer mal wieder schlug und den einen oder anderen Punkt abknöpfte, ist unvermindert ein augsburg’esker Angstgegner.

Kurzum? Aleksandr Ignjovski als Didavi-Beackerer und dieser neue Rechtsverteidiger Yanni Regäsell gleich mal ins nicht mehr ganz so kalte Wasser gegen den heißen Kostic. Immerhin hat der Berliner seine Position gelernt – was den Flickschuster-Faktor an der entscheidensten Stelle minimieren würde. Kummer ist man ja auf dieser wie anderen Positionen seit längerem gewohnt, von daher wird niemand Wunderdinge von Regäsell erwarten. Gebrauchen konnte man ihn im Kader sowieso, nun hat man sogleich faktische Verwendung für ihn. Eine bessere Ausgangslage ihn zu bringen, gibt es eigentlich nicht.
Saturn, Jupiter und der Mars stehen zwar am Samstag nicht in einer Linie, auch Weihnachten und Osten fallen nicht auf einen Tag und die Hölle soll allen Überlieferungen zufolge auch keine Minustemperaturen melden. Aber wer weiß, vielleicht gelingt es ja ausnahmsweise mal einem jungen Eintrachtspieler, positiv und im Idealfall erfolgreich zu überraschen.

Wahrscheinlich wirds aber dann doch das Trio Ayhan-Ignjovski-Russ, worüber wir leidgeprüften Eintracht-Fans am Ende wieder … andersartig überrascht sein werden.

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