Genüsslich im Stillstand

Abgesehen davon, dass man in der Nachbetrachtung des Spiels von Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart durchaus zu verschiedenen Schlüssen kommen kann, schafft es dieser Klub auf struktureller Ebene einmal mehr in die Kategorie Lachnummer.

Diese einst als ach-so-innovativ gefeierten Genussscheine, mit denen man der Herrscharr finanziell potenter SGE-Sympathisanten um die 10 Millionen Euro entlocken wollte, ist „auf Eis gelegt“. Das hat der Aufsichtsratschef den gebührenfinanzierten Hessenrundfunkern erzählt. Wieso ist das wohl so? Vielleicht, weil es a) weitaus weniger Eintracht-Gönner gibt, als man sich einbildet und b) sportlich im Bestfall Magerkost, im Normalfall Underperforming geboten wird? Seien wir ehrlich: Welcher halbwegs gescheite Unternehmer würde in diesen Klub eine spürbare Summe investieren (wollen=? Wieso sollte man das tun? So viel Geld, wie da kolportiert wurde (ca. 500 000 Euro) kann auch die größte Leidenschaft keinem wert sein. Dass sich Alfa Romeo als Trikothauptsponsor zurückzieht, nachdem vorübergehend üppige Millionen gezahlt wurden, sagt ja ansich schon vieles aus. Und zwar über a) die sportlich höchst unzufriedenstellende Entwicklung und b) die (internationale) Vermarktbarkeit. In Frankfurt sitzen sie in einer Blase, sie glauben, das alleine Renomee der Stadt als internationaler Tummel- und zumal Finanzplatz dem Fußballverein einen Image-Boost geben würde. Dabei vergessen die vereinsmeiergeprägten Funktionäre, dass in Frankfurt Global Player unterwegs sind, Unternehmen/Unternehmer, die ganz anderes auf dem Schirm haben als die – im Bestfall – graue Maus im Südwesten Deutschlands. Mehr jedenfalls als einen Klub, der seit langen Jahren, weiterhin und dauerhaft hinter dem regional nahelegen, aber strukturell enteilten Mainz 05 hinterherschaut. Der sportlich hinter Darmstadt, 98, das nicht mal ein klinisch-aufgepepptes Stadion á la Frankfurt besitzt, liegt.
Aporpos Stadion: Nebst den Genusscheinen ist das Dauerbrenner-Thema Stadionmiete wieder auf der Agenda. Herrje, das ist so armselig. Natürlich ist das ein Batzen Geld, mehr als dass die Konkurrenz zu löhnen hat, aber wieso ist das so? Weil es Verträge gibt, in die Eintracht Frankfurt einwilligte. Weil es finanziell ein Mauerblümchen war, ist und bleibt. Und ein Thema ist die Sache ohnehin nur, weil die SGE unfähig ist, regelmäßig Transfererlöse zu erzielen, die heutzutage schlicht von Nöten sind. Auch da lohnt der Blick nach Mainz, immer und immer wieder nach Mainz. Jedenfalls wäre die Stadt, der Steuerzahler, völlig bescheuert, der Eintracht auch nur einen Euro entgegenzukommen. Wieso sollte sie? Am Ende verlangt die Fußball-AG, ein privatwirtschaftliches Unternehmen, (weitere) öffentliche Alimentierung; aufgrund von Eigenversagen. Das ist das Modell Bankenrettung light. Die vielzitierte Marke Eintracht Frankfurt gibt es nämlich allen Gebetsmühlen zum Trotz nicht. Außerhalb von Hessen, um die eingefleischte Fan-Schar aus anderen Landesteilen erweitert, interessiert sich kaum ein Mensch für die SGE. Sportlich nicht, schon gar nicht finanziell. Frankfurt, das ist für viele der Inbegriff von Tabellenposition 13 gepaart mit einem Problempool gewalttätiger Fußballfans und einem Traditionsnimbus, der fast aus Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens rührt.
Genussscheine, da musste ich schon beim Aufkommen der Idee lachen. Amüsant ist das ganze ja. Witziger wäre es, wenn nicht – wie immer und immer wieder – der sportliche Ernst so bitter und die Aussicht auf Besserung so trüb wären. Seit (mindestens) Anfang der 1990er-Jahre wird immer wieder von dem Potential dieses Klubs fabuliert. Passiert ist seitdem nichts; und es wird auch nichts passieren. Schon gar nicht, wenn diese Mannschaft im Mai in die zweite Bundesliga absteigen sollte. Dann könnte der Ofen, den man bei den vorherigen Abstiegen ja oft genug künstlich via Investionen hochglimmte, sogar aus sein und aus bleiben. Mit Genuss ist dann noch weniger. Aber das Trockenbrot, das man in dieser wie in so vielen Vorsaisons serviert bekommt, ist ehrlich gesagt auch nicht besser. Nur das Ego jedes Fans kann sich noch etwas darauf einbilden, immerhin Bestandteil – und nicht ein Mü mehr – der ersten Bundesliga zu sein.

Köln und Hamburg werden wichtig. Davon muss diese Mannschaft mindestens ein Spiel gewinnen. Tun sie das nicht, nunja, dann können sie schonmal den Lichtschalter drücken und einen zum Zuschließen suchen.

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