Träge im Tabellenkeller

Eintracht Frankfurts nächster Bundesliga-Sterbeprozess zieht sich weiter. Es geschieht das, was schon 2011 geschah. Und zwar in Optik und Verlauf ziemlich ähnlich. Man wird sich – nur wenigste Jahre später – irgendwann an den nächsten „längsten Abstieg der Welt“ erinnern.

Vielleicht an den, der diesem Klub endgültig das Genick gebrochen hat. Der Abstieg, der von den unfähigen Funktionären herbeigeführt, begleitet wurde – und der eben jene in der Vereinshierachie bzw den Einflussmechanismen sogar hochspült. Die Hellmanns, Hübners und Fischers. Paradox? Nein, ein diesem Klub würdiger (Geschichts-) Abschluss.

Flankiert von einem Schiedsrichter, der nicht mal eine Kreisklassen-Zulassung haben dürfte, plätscherte die SGE in Köln in die nächste Niederlage. Langsam, uninspiriert, abspielfehlerbehaftet und harmlos hätte sie jederzeit ein Remis am Rhein mitgenommen. Gegen einen Gegner, der, wie so oft, mit einer konzentrierten, kratzigen, keineswegs überlegenen Leistung zum Erfolg gegen diese Frankfurter Mannschaft kommt. Ein Team, das sich jeden Sprint überlegt, während Gegenspieler einfach rennen. Ein Team, das bis auf 1,2 Positionen viel zu langsam ist. Körperlich wie geistig. Niemand kann mithalten beim Tempo, dass der heutige Fußball erfordert. In Köln ist das nicht nur wieder mal an der Foulanzahl und den Karten zu sehen gewesen. In der Vorwärtsbewegung ist es noch frappierender: Der Gegner presste, stand bisweilen hoch, doch nicht ein SGE-Spieler war und ist in der Lage, mit 1,2 schnellen Pässen dort raus und in die logisch vorhandenen Lücken zu kommen. Niemand. Fehlpässe, Langholz, bestenfalls quer und zurück. Dynamik? Variationen? Nichts. Nicht mal Kombinationen.

Frankfurt ist ein Team, bei dem nichts funktioniert. Die rechte Seite ist tot, die linke Seite ist tot, defensiv wackelt es sowohl im DM als auch in der IV gehörig – und wenn nicht wenigstens der agile Marco Fabian, so dappig er das 1:1 auch verschuldete, wäre, bräuchte Frankfurt erst gar nicht zu einer Partie antreten. Jetzt ist ganz offenkundig auch kein Aufbäumen mehr möglich, schon gar kein kämpferisches Comeback, ja nicht mal mehr Mut der Verzweiflung, wie es noch gegen das formschwache Wolfsburg der Fall war und zum Dusel-Dreier führte.

Keine Mannschaft mit Ausnahme von Hannover 96 in der Bundesliga spielt schlechter, ist schlechter als die Eintracht – trotz gedrücktem Resetknopf. Gerade an letzterer Tatsache lässt sich das Ausmaß der Situation und der Probleme erkennen: Die Neuen ändern nämlich, erwartungsgemäß, nichts an der (hier im Blog wie auch anderswo vor Monaten erkannten und kritisierten) Grundproblemstik des mangelnden Tempos, der fehlenden Dynamik.

In einer Woche steht das Schicksalsspiel der SGE an. Zuhause gegen Hamburg. Siegen sie dann nicht, ist Armin Veh nicht mehr tragbar und die letzte Patrone – Trainerwechsel – muss in den Lauf. Und selbst ein Nachfolger hätte kaum eine Chance, denn die Spieler werden unter keinem neuen Trainer schneller. Nicht mal unter Mourinho, Guardiola oder Ancelotti, sofern die überhaupt wissen, dass es Eintracht Frankfurt (auf dem Papier) gibt.
Aber keine Sorge: Die Regentschaft der Unfähigen in Vorstand, Aufsichtsrat und Sportdirektion käme nicht mal im
Traum auf die Idee einer Trainerentlassung. Nicht nur wegen persönlicher Nähe und Verbundenheit. Armin Veh, das ist nur zu menschlich, wird jedenfalls seine Trainerkarriere nicht mit zwei Rücktritten (zumal in Folge) beenden. Beendet ist sie nach dem Desaster in Frankfurt sowieso, aber für einen neuerlichen Rücktritt ist sein Ego zu groß.

Resultat: Abstieg in die zweite Bundesliga. Wieder mal. Schicksalergben.

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Träge im Tabellenkeller

  1. Gerd Schimmelpfennig

    Wo steht der Name Bruchhagen? Dieser unfähige Mann hat den Karren auf diesen Weg gebracht und verantwortet die Situation allein! Hat es das schon einmal gegeben, dass ein „Manager“ 3(drei)! Abstiege verursacht und die verbloedete Fangruppe steht noch immer hinter ihm? Kaum zu glauben, aber wir werden diesem 12 Millionen Abkassierer noch hinterher jubeln, wenn der Verein schon nicht mehr existiert! Werft ihn endlich, 9 Jahre zu spät raus!

    • Heribert Bruchhagen hat mit der aktuellen Entwicklung sogar am wenigsten zutun. Er ist seit Juni 2015 eine lame duck.
      Die Veh-Rückholaktion sowie Kaderzusammenstellung gehen auf das Konto seiner Widersacher Hübner, Hellmann und Steubing. Das spricht Bruchhagen nicht von Fehlern frei – aber die Saison 2015/2016 kracht aufgrund anderer Akteute in den Keller.

  2. anna

    okay, auch ICH könnte selbstverständlich JEDERZEIT aufhören. nur noch einen kleinen schuss hsv bidde.

  3. Anonymous

    Edelmann Nussdorf

    Gerade in schlechten Zeiten muß man zu seinem Partner stehen. Die Gültigkeit dieses Grundsatzes kann dann ad absurdum führen wenn der Partner nachhaltig und widerwillig gegen gute Ratschläge und jeglicher Art von Pflichtverletzungen seinen Aufgaben nicht nachkommt. Respekt vor denen, die trotzdem die Treue halten und den Glauben an die Unbelehrbaren nicht verlieren.
    Als jahrzehntelanger Eintrachtfan beende ich mit dem heutigen Tag das Kapitel Eintracht Frankfurt, um mich nicht mehr über die vielen und immer wiederkehrenden aber vermeidbaren Enttäuschungen ärgern zu müssen. Immer wieder wird von den Verantwortlichen die gleiche Leier vorgetragen, wie z. B. Stichwortartig, Schiedsrichterbenachteiligung, Hauptsponsor, Genußscheine (besser wäre ein Leidensfonds mit sofortiger 100iger Verlustzuweisung), Stationmiete, „Geld schießt Tore“, Tabelle ist festzementiert u.v.a. mehr. Andere Vereine mit weniger Budget widerlegen dies sportlich durch Leidenschaft, Spielintelligenz, positiver Berufsauffassung und Kämpferherz und die Funktionäre durch mehr handwerkliches und bodenständiges Können als durch pseudointellektuelle Floskeln.
    Ab heute habe ich leider ein vielgeliebtes Thema weniger, worüber ich mich ärgern muß. Bei einer grundsätzlichen Neuausrichtung des Vereins durch andere Akteure in der gesamten Breite stehe ich wieder versöhnlich zu meinem Herzensverein.
    Bis zu hoffentlich diesem notwendigen Wandel der Eintracht alles Gute und viel Glück. Vor allem Dank an die immer treffsichere Berichterstattung
    „Eintracht-Inside“.

    • F.N.

      Genauso fühle und denke ich auch.
      Was war das für ein Team , das für Stimmung in Europa gesorgt hat; wo ist nur die Weiterentwicklung geblieben ? Immer die gleichen Statements und Argumente , egal ob bei Spielern oder Verantwortlichen . Weichspülermentalität!! Nicht reden: machen!! Mainz und Köln machen es vor. Man muss nur wollen!!!
      Aber ich kann von diesem Verein nicht lassen. Die Hoffnung stirbt zuletzt .

  4. Anna

    wir brauchen noch exakt 15 punkte um statistisch gesehen save zu sein. das heißt noch 5 siege, bei ausstehenden 13 spielen. wir spielen noch gegen

    hsv (h)
    schalke (h)
    hertha
    ingolstadt (h)
    gladbach
    h96 (h)
    bayern
    hoffenheim (h)
    leverkusen
    mainz (h)
    darmstadt
    bvb (h)
    bremen

    gerade fehlt mir tatsächlich die phantasie, um mit mehr als noch drei punkten zu rechnen. andererseits sind das noch 13 spiele. und wir reden von der eintracht. hier ist wenig vorhersehbar. trotz zustimmung zur analyse der gesamtsituation.

    mein senf:

    aigner: der auf rechts gesetzt ist schon lange nur noch der legende vom „urbayern mit kämpferherz“ geschuldet. tatsächlich bringt der schon lange mehr so gar nix. auch gestern wieder ballverluste galore auf e-jugendniveau. das tut verdammt weh. alternative? kann ben-hatira rechts? grade keinen plan. regäsel braucht auf jeden fall nen potenten partner, dann geht da auch mehr.

    djakpa: da oczipka jetzt gesperrt ist, kann er jetzt zeigen, dass er hinten rechts vor allem jetzt der bessere mann ist. der hat die hosen sicher jedenfalls nicht annähernd so voll. habe da so etwas wie hoffnung.

    veh: raus. sehe keine alternative. und zwar – ganz ohne häme – mit den gleichen argumenten, die er für seinen abgang in stuttgart bemüht hat. das wird nichts mehr. es fehlt hier vor allem an inspiration der spieler/ mannschaft. ich hoffe, die rotweinrunde macht sich gedanken, falls die kommenden beiden heimspiele verloren gehen. dann ist er definitiv nicht mehr haltbar.

    rotwein: merlot vom aldi. muss. reichen.

  5. Jermaine Jones Junior

    Perfekter Kommentar. Mir persönlich fehlt in Deiner Ausführung eine kritische Anmerkung explizit auf die Nummer 6, Bastian Oczipka, der gemessen nach Schulnoten genauso spielt wie seine Rückennummer.
    Entschuldigung, das soll kein abgedroschenes digitales Bashing gegen -mal wieder- Bastian Oczipka sein, aber dessen „Leistung“ war heute schlichtweg symbolisch. Nicht unerwartet liefen (alle?) Kölner Angriffe über seine Seite.
    Und wenn es brenzlig wurde, fehlte jemand weiteres, der im Doppel ihm behilflich sein konnte. Warum könnte das so sein? Mögliche Antwort: Weil er aufgrund seines mangelnden Spiel- und Kampfvermögens seine Nebenleute ansteckt, oder aber, weil die gesamte Mannschaft den Geist aufgeben hat. Die Resignation der Mannschaft war nach dem 3:1 bis unter das Stadiondach zu spüren.
    Ob Armin Veh wirklich das Beste ist, was der Eintracht passieren konnte (Zitat: Alex Meier), ist nach dieser Niederlage mehr als zweifelhaft.

    • Du hast natürlich recht. Jedoch kann man den Namen Oczipka – jetzt wie auch in vielen Spielen – durch 8,9 andere ersetzen. Das Team ist tot, mit Ausnahme von Hradecky, Fabian und Meier sowie Abraham, ist da niemand halbwegs auf dem Damm bzw fähig.

      Der Trainer, egal wie er heißt, hat so viele Baustellen, dass er gar nicht weiß, wissen kann, wo und wie er gegensteuern soll. Es ist ja auch so, dass wir schon in den „Genuss“ aller Spieler kamen in dieser Saison. Gruselig, fast alle.
      Die Mannschaft ist tot, weil plan- und hilflos, die Spieler reanimiert keiner mehr. Jetzt schon kann Eintracht Frankfurt nur noch ein Wunder retten.

  6. akloppi

    Sieben Punkte gegen Hamburg, Schalke und Hertha. Dann sieht die Welt schon anders aus. Wer es glaubt…!

    Mit Leuten wie Hasebe, Huzti und „Nationalspieler in spe“ Otsche gewinnst du keinen Blumentopf.

    Gute Nacht Eintracht!

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