Zärtlich in die zweite Liga

Die Verbitterung des törichten Verliebten entfaltet sich im Geist erst dann so richtig, wenn man sich vor Augen führt, dass innerhalb des Gebildes Eintracht Frankfurt die sportliche Situation bzw. der Lösungsweg total anders bewertet werden als es von Unwissenden wie mir, die seit Monaten gebetsmühlenartig das Immerselbe wiederholen, der Fall ist.

„Wachsam sein“. Das sind stattdessen die Worte, die Sportdirektor Bruno Hübner nach dem nächsten sportlichen Schlag in die Magengrube wählt. Wachsamkeit ist etwas, dass man sich leisten können muss. Jedenfalls ist es nichts, das die Situation bzw. Aufgabe von und für Eintracht Frankfurt auch nur im Entferntesten beschreibt.

Katastrophal. Unwürdig. Peinlich. Unprofessionell. Ehrlos. Worte dieser Kategorie sind angebracht; wenn nicht jetzt, da sich allen (Lippen)Bekenntnissen, Resetknöpfen, Neuverpflichtungen, Vorbereitungswochen zum Trotz weiterhin Offenbarungseid an Offenbarunseid reiht, wann dann? Wenn man wieder mal völlig überraschend, wie vom Blitz getroffen auf Rang 17 steht und der 30. Spieltag angepfiffen wird? Da sollte sich keiner vertun: Eintracht Frankfurt wird in Kürze auf einem Abstiegsplatz stehen.

Ganz einfach, weil es mit Ausnahme von Hannover 96 keine schlechtere Mannschaft in der Bundesliga gibt. Bezeichnenderweise werden die miestesten Truppen von jenen Trainern angeleitet, die Eintracht-Vergangenheit und Gegenwart besitzen. Ironie, nicht wahr?! Sportlich i
Und auf der Meta-Ebene schunkelt man sich ins Unterhaus. „Wachsam sein“. „Qualität ist vorhanden“. Kein Donnerwetter, keine klare Kante, man streichelt und sing-sangt sich in den Abstieg. Eine Zombie-Mannschaft wird von zahmen Vortänzern wie Hübner angeführt. Von einem Menschen, der in einer Führungsposition tatkräftig untätig ist.

Eine interessante Statistik der Trainer von mit der SGE vergleichbaren Vereinen von Saisons 2014/15 und 2015/16:

M. Schmidt 1,5 Punkte pro Spiel (34 Spiele)
Dardai 1,44 Punkte pro Spiel (36 Spiele)
Weinzierl 1,29 Punkte pro Spiel (54 Spiele)
Skripnik 1,28 Punkte pro Spiel (46 Spiele)
Labbadia 1,27 Punkte pro Spiel (26 Spiele)
Stöger 1,25 Punkte pro Spiel (55 Spiele)
Hasenhüttel 1,24 Punkte pro Spiel (21 Spiele)
Schuster 1,14 Punkte pro Spiel (21 Spiele)
Gisdol 1,13 Punkte pro Spiel (44 Spiele) entlassen
Stevens 1,09 Punkte pro Spiel (32 Spiele) so etwas wie entlassen
Zinnbauer 1,04 Punkte pro Spiel (23 Spiele) entlassen
Frontzeck 1 Punkt pro Spiel (22 Spiele) entlassen
Streich 1 Punkt pro Spiel (34 Spiele) abgestiegen
Breitenreiter 0,91 Punkte pro Spiel (34 Spiele) abgestiegen
Zorniger 0,77 Punkte pro Spiel (13 Spiele) entlassen

Schaaf: in Frankfurt 1,26 Punkte pro Spiel (34 Spiele), rechnet man die vier Partien mit Hannover herein sind es 1,13 Punkte pro Spiel.

Veh kommt – seit seinem neuerlichen Amtsantritt – auf 1 Punkt pro Spiel, bewegt sich somit auf dem Niveau von Michael Frontzeck (entlassen) und Joe Zinnbauer (entlassen).
Wohlgemerkt: Mit dem teuersten Eintracht-Kader aller Zeiten. Und dem auch in der Breite bestbesetztesten.
Trainer Veh kann dem Team abseits des Motivationszuspruchs sportlich keinen Weg aufzeigen, so viel ist spätestens seit Köln klar. Personell und taktisch hat er in dieser Saison jetzt schon so ziemlich alles versucht. Das Ergebnis sowie der Trend sind bekannt. Die Krux: Es gibt ja partiell durchaus Dinge, die Veh und das Team richtig machen. Je eine Halbzeit pro Spiel ist zumindest in Ordnung, taktisch vernünftig. Dann gab es am Sonntag, einige Stunden nach der Niederlage in Köln 15 Minuten (!) Videoanalyse für das Team. Wow.

Eine Trainerdiskussion müsste jedenfalls zuerst mal minimalst in Gang kommen, dann Fahrt aufnehmen. Es folgt ein Ultimatum, dann eine Entscheidung – das sind vorneweg 4,5 Wochen vom Kritikbeginn bis zur Entlassung. Doch wer, der nicht Teil des bösen Umfelds und der noch böseren Medien ist, käme in diesem Zombiestadel denn überhaupt auf die Idee einer Trainerkritik, geschweigedenn einer Entlassung? Vom Durchsetzungsvermögen, zumal im Widerstand gegen persönliche Bande, ganz zu schweigen. Davon abgesehen, dass, wie schon über das Wochenende analysiert, nicht mal der Trainergott – oder sein Stellvertreter auf Erden, Lucien Favre – höchstselbst einen der vielen physisch wie psychich langsamen Eintrachtspieler schneller macht.

Am Ende werden sich die ganzen Funktionärs-Fluppen wahrscheinlich sogar noch bestätigt sehen in ihrer messerscharfen Analyse, es werde eben bis zum Saisonschluss eng. Resultierte eben im Abstieg. Schulterzucken. Da für die Resetknopf-Rückrunde Plan A bereits gescheitert ist, greift nun Plan B: Gottvertrauen.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Zärtlich in die zweite Liga

  1. F.N.

    Man muss schon von ganzem Herzen Eintracht Fan sein, um sich in dieser Länge und Vollständigkeit mit dem Niedergang der SGE zu beschäftigen. Gratulation zu treffsicheren Formulierungen.
    Seit 1979 bin ich der SGE zugetan. Auch ich bin kein Fussballlehrer, aber Statistiken kann ich lesen. Ich kenne auch den Zusammenhang zwischen gutem Scouting und sportlichem Erfolg; s. Mainz; nur….. Ich bin kein Führungsverantwortlicher bei der SGE und habe daher per se keine Ahnung. Nur eines ist klar: weiterwurschteln führt uns nach Sandhausen und Heidenheim ; aber auch diese Mannschaften machen aus wenig bekanntlich mehr als die SGE und werden uns in der 2.Liga Schwierigkeiten bereiten …. Und da wir auch gegen Drittligisten verlieren, welcome home in der Regionalliga Südwest, nur eben diesmal nicht mit der U23 Mannschaft
    Traurig, erbärmlich, ärgerlich!!!!

  2. Werner

    Dieser Blog gefällt mir.

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