Die letzte Mission des Armin Veh

Sportlich wie stimmungsmäßig ist die Ausgangslage, die spätestens seit Herbst nie aufhellend war, für Eintracht Frankfurt wieder so wie nach der Niederlage gegen Darmstadt 98 im Dezember 2015. Enttäuschung bricht sich Bahn, Wut, Spott, Sarkasmus. Das kann man kritisieren.
Im Umkehrschluss kann man aber auch herausstellen, dass die Reaktionen der Eintracht-Anhänger von vorhandenem Leben zeugen. Alle Sediertheit, die Eintracht Frankfurt intern seit Jahren auszeichnet und in Fanszene wie Umfeld vorbetet, wird in diesen Tagen fortgespült. Im Internet, aber auch im echten Leben. Wüsste man nicht, dass sich der Gekränktheits-Cocktail nicht früher oder später in Gewalt, in Ranalden entlädt, könnte man flapsig feststellen, dass die Fans mehr Aggressivität und Willen an den Tag legen, als die Verantwortlichen im Stadtwald.
Die gebetsmühlenartig völlig zu Unrecht wiederholten „bankenturmhohen Erwartungen“, die angeblich um die SGE kreisen, beschränken sich nämlich tatsächlich auf das Minimalstziel Nichtabstieg. Doch offensichtlich gelingt dem teuersten Kader der Vereinsgeschichte nicht mal das.

Weder ein Remis gegen das enteilte Bayern München, noch ein Sieg im Schweinespiel gegen Werder Bremen oder ein Last-Minute-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg haben in und mit diesem Team irgendetwas bewirkt. Kein Ruck, keine Mini-Erfolgsserie, keine Stabilität, kein Selbstvertrauen, kein Widerstandsbewältigung. Das mündet darin, nicht konkurrenzfähig zu sein. Dieses Urteil wird in jedem Fall gefällt, wenn Eintracht Frankfurt vor heimischem Publikum nicht gegen den Hamburger SV gewinnt.

In den vergangenen Tagen habe (auch) ich versucht, die Entwicklung, die Situation und den Ausblick zu beschreiben. Gerade der Weg bis hierher ist, wie schon 2011, durch langfristige kritische Begleitung und Würdigung beinahe zur Folklore geworden. Die Versäumnisse und mangelnde Kompetenz der Frankfurt-Funktionäre sind erschöpfend behandelt worden. Die Situation, die erschließt sich jedem, der nicht ewigtreu eintracht-ideologisiert durch die Fußballwelt stapft, ohnehin bei Blick auf Tabelle und Spielplan. Der Ausblick, der ist schwerer. Den Versuch habe ich hier gewagt – nur die Trainerfrage, die Eignung welches Übungsleiters kann ich nicht mal halbwegs seriös beantworten. Mein Gefühl sagt mir zum einen, dass wir Armin Veh auf seiner letzten Mission begleiten werden (müssen); denn egal in welcher Liga diese neuerliche Schmuddelsaison endet, sein Kredit ist lange verspielt. Zum anderen sagt mir mein Gefühl, dass Vehs (in vielerleich Hinsicht volllabile) Mannschaft anno 2016 nur von Veh selbst gerettet werden könnte. Es bleibt ein Konjunktiv in einem Spiel, das keine Konjunktive kennt.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Die letzte Mission des Armin Veh

  1. Helmut Sonneberg

    Dank ist mir verlorengegangen

  2. Helmut Sonneberg

    Finde ihren artikel einfach Super vielen dafür.

  3. Werner

    Man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren, um die Ursachen für das schlechte Spiel der Eintracht zu sehen. Den Kernsatz dazu habe ich hier im Blog schon gelesen. Bis auf 1,2 Spieler sind alle anderen zu langsam, physisch und mental. Dass das so ist, liegt an der Personalpolitik. Die obliegt dem Sportdirektor und dem Trainer. Diese wiederum sind installiert vom Vorstand, mit Zustimmung des Aufsichtsrats.

    Wenn man unter dieser Prämisse nun Änderungen (unmittelbare Hilfe ist nicht möglich) zum Wohle der Eintracht umsetzen wollte, müssten alle exponierten Stellen der Eintracht neu besetzt werden. Als Realist weiß ich, dass ein solches Revirement nicht machbar ist. Allerdings könnte man es mit einer Minimallösung probieren, nämlich der einer neuen, kompetenten, Sportlichen Leitung. Erst wenn diese installiert ist, könnte man auf Besserung der Zusammenstellung des Teams hoffen. Es sind die mittelfristige Maßnahmen, die losgelöst vom Existenzkampf um den Ligaerhalt, bereits angegangen werden müssen.

    Der augenblickliche Zustand lässt allerdings nur ein Mittel zur unmittelbaren Abhilfe zu: Beten!

    • F.N.

      Beten heißt es leider auch, wenn es um die richtige Wahl eines Nachfolgers für Heribert Bruchhagen geht. Schwache Führungskräfte dulden in der Regel keine guten Kollegen neben sich…..

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