Einwilligung in die Schleichfahrt nach unten

„Unterm Strich müssen wir einwilligen, dass nicht mehr als ein Punkt drin war.“ Das hat Heribert Bruchhagen nach dem Heimspiel gegen den Hamburger SV gesagt. Ohne das Zitat nun auf die Goldwaage legen zu wollen, beschreibt ein Wort aus diesem Satz die ganze Misere von Eintracht Frankfurt völlig treffend. Sportlich wie strukturell: einwilligen. Wieso muss das eigentlich so sein? Schimmert da nicht genau jene grundsätzliche Zufriedenheit, diese Satuiertheit hervor, die den Klub a) in seiner Aufwärts(!)entwicklung lähmt und b) die Fans ob der Hoffnungslosigkeit zermürbt? Jedenfalls ist Einwilligung kein Indiz für Ärger, für Unzufriedenheit, für den Willen, andere Resultate zu erreichen, sie, ja, zu erzwingen.

Geheimtraining ist als Mittel der Wahl jetzt jedenfalls – ohne jede Besserung – verpufft. Als nächste Verzweiflungstat kommt ein Trainingslager infrage. Am besten ebenso nicht-öffentlich. Danach folgt das Pizza essen der Spieler, um sich mal ohne Trainer auszusprechen und zusammenzuraufen. Zwischendurch noch das lästige Heimspiel gegen Schalke 04, wo es trotz aller sportlichen Weltlichtkeit des Gegners für die SGE – als Heimmannschaft – nur um eine Niederlagen-Vermeidung geht. So in etwa muss man sich wohl die nächsten zwei Wochen bei Eintracht Frankfurt vorstellen. Nach der Mini-Heimspielserie folgt dann die Trainerdiskussion, die wiederum in einem Ultimatum endet. Entscheidungs-Aufschieberitis. Die Spiele werden indes immer weniger, die Tabellenposition immer schlechter und die Waffen im Abnutzungskampf immer stumpfer.

Das alles ist seit vielen vielen Wochen nichts anderes als eine Schleichfahrt in die zweite Bundesliga. Und man klopft sich dabei noch auf die Schulter. Weil, wie etwa Marco Russ sagt: „Wenn man die Einstellung der Mannschaft sieht, kann keiner uns vorwerfen, dass wir nicht wissen, um was es geht“. Man könnte auch sagen: Das Team verrichtet die Grundlagen – mehr schlecht als recht, übrigens. Das, was Russ äußert, ist übrigens verklausulierte Ratlosigkeit. Der Vorwurf an das Team lautet ja nicht, dass sie nicht wollen. Der Vorwurf lautet, dass sie nicht (Fußball spielen) können.

Das ebenso Kuriose wie Eintrachttypische ist ja, dass man sich über die Wintertransfers den spielerischen Weg aus der Misere, aus dem Tabellenkeller auf die Fahne schrieb. Die Vereinsführung erkannte die Stärken des Teams im Spiel nach vorne und wollte diesen verschütt gegangenen Aspekt stärken. Nun muss sich die Mannschaft in dem exakten Gegenteil verdingen; in der Rackerer-Spielweise, die sie laut eigenen wie nach Aussagen des Trainers weit weniger beherrscht und weit weniger will. Letzteres ist natürlich egal, Ersteres hingegen entscheidend. Es steigt nicht der Verein ab, der intern wie extern am unruhigsten agiert, sondern der, der entweder am wenigsten sportliche Qualität auf den Platz bringt oder der keinen Plan, keine Struktur, keine in irgendeiner Form vorhandene Spielweise hat.

Trainer Armin Veh ist es, egal in welcher Formation und egal mit welchem Personal, weder vor noch nach der Winterpause gelungen dieser Mannschaft irgendeine Struktur, irgendein Korsett zu geben. Seine Handreichungen führen zu nichts, die Unsicherheit der Spieler ist mit Händen zu greifen und die Ratlosigkeit mündet auf dem Platz in ein Fehlerfestival. Auch in der Nachbetrachtung des Spiels kommt Veh nicht über die Beschreibung des Gesehenen hinaus: Erste Halbzeit schlecht, zweite Hälfte verbessert. Das ist ein bisschen wie mit dem Wirtschaftswachstum in Nachkriegsdeutschland: Das Wachstum schnellte in die Höhe, weil nichts (mehr) vorhanden war.

Mit grundsätzlich ja tatsächlich vorhandener Motivation allein, über den Willen, kann und wird der Klassenerhalt nicht erreicht werden. Kratzen konnten und können andere besser, erfolgreicher – auch, weil sie dafür die Spielertypen haben. Die Eintracht konnte mal spielen, besser als andere, doch mittlerweile ist sie in diesem Bereich auch von allen anderen Mannschaften, auch im Tabellenkeller eingeholt worden.

Letzte Hoffnung, außer dem von den Funtkionären favorisierten Gottvertrauen: Lucien Favre. Doch wieso sollte der Mann ins träge, triste und tote Frankfurt kommen wollen? Und selbst wenn er es täte, hätte er qua Spielplan kaum noch Chancen auf eine Trendwende. 36 Punkte, Leute, das Ziel ist in weiter, weiter Ferne. Der Baum steht noch nicht im Feuer, aber die Flammen züngeln bereits am Stamm.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Einwilligung in die Schleichfahrt nach unten

  1. Helmut Sonneberg

    Nein einwilligen will ich auf keinen fall in die Schleichfahrt.aber mit abfinden
    muß ich mich wohl,und das zum 5ten mal.

  2. Und eigentlich könnte man auch jetzt Alex Schur ranlassen. Wenn Lucien es nicht schaffen würde, dann vielleicht er. Oder Christoph Daum?

    • Helmut Sonneberg

      mit alex schur wäre ich nicht einverstanden,den 5 verlorene u 19 spiele sind keine empfehlung für die profis.

      • vermutlich nicht. war auch nicht ganz ernst gemeint, aber wenn jetzt sowieso alles egal ist, könnte Herri noch ein paar Euro sparen. 😉

  3. „Geheimtraining ist als Mittel der Wahl jetzt jedenfalls – ohne jede Besserung – verpufft. Als nächste Verzweiflungstat kommt ein Trainingslager infrage. Am besten ebenso nicht-öffentlich. Danach folgt das Pizza essen der Spieler, um sich mal ohne Trainer auszusprechen und zusammenzuraufen. “ – Mannschaftssitzung/-aussrpache, Appell an die Ehre… und schon haben wir alle Maßnahmen aus „EA Fußball Manager 2012“ am Start. Fast schon lustig. 😉

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