Grausiges aus der Gerüchteküche

Armin Veh nach dem Spiel gegen den Hamburger SV, das mit einem aus SGE-Sicht glücklichen Remis endete, zu den Pfiffen im Stadion: „Unzufrieden kann man mit der ersten Halbzeit sein, aber nach dem Spiel? Also bitte, dann sollen sie doch daheim bleiben, das ist doch nicht normal. Die Jungs haben in der zweiten Halbzeit alles reingeworfen, alles gegeben.“

So sehr man die Faust in der Tasche ballen mag, es gibt Dinge, die wesentlich brisanter sind als diese Aussage des Trainers. Eintracht Frankfurt dreht noch ein paar Ehrenrunden durch die Bundesliga, bevor sie ab Sommer in der zweiten Bundesliga verschwindet. Diese Erkenntnis muss sich verfestigen, wenn man die aktuelle und im Internet bereits diskutierte Ausgabe von „Fan geht vor“ liest und den Inhalt bzw. die Schlüsse des Autors glaubt.

Tenor eines Artikels in dem Magazin, das vor Heimspielen rund um das verkauft wird:
In der Mannschaft gibt es laut Autor massive zwischenmenschliche und vor allem Disziplinprobleme. So sollen vor allem Haris Seferovic und die Südamerikaner zum Teil schon in der Vorsaison äußerst negativ aufgefallen und für Missmut in der Mannschaft gesorgt haben. Carlos Zambrano wird im Zuge der Südamerikaner genannt, nicht minder die Namen von Leuten, die auch aufgrund eben diverser Vorfälle nicht mehr da sind: Valdez, Piazon, Yaffa. Und Zambrano soll angeblich kurz vor dem Darmstadtspiel in der Hinrunde bis in die Morgenstunden durchgefeiert haben – worauf es intern wohl klare Worte gab. Ähnliches wird über Seferovic berichtet.

Daneben kursierte nach dem Wintertrainingslager wohl die Meinung, dass das Training entgegen den Einschätzungen und Verlautbarungen eben nicht intensiv genug gewesen sei. Veh, der mittlerweile unter Spielern nicht mehr sehr breit beliebt wäre, sei daher mehr noch als jovialer Vermittler, als Dompteur der Disziplinlosen verpflichtet worden. Und, um das Bild abzurunden, sollen einige Spieler nach dem 0:0 in Augsburg abermals durchgefeiert haben.

Alles ausgedacht? Nun ist es unwahrscheinlich, dass ein Magazin wie „Fan geht vor“ dieselben – wenn überhaupt – journalistischen Standards und Sorgfaltspflichten anlegt, anlegen muss, wie professionelle Medien. Stichwort: Irgendwer hat von irgendwem gehört, dass irgendeiner von A nach B wechselt. Sebastian Jung zu Werder Bremen, wie es beispielsweise vor einigen Jahren im ominösen Eintracht-Forum und diesem Dunstkreis entstammenden Plattformen mal hieß.
Jedoch weiß jeder halbwegs seriöse Autor, der eine Veröffentlichung tätigt, um mögliche rechtliche Konsequenzen eines jeden Textes, einer jeden Anschuldigung und Mutmaßung, von Tatsachenbehauptungen ganz zu schweigen. Verleumdung, üble Nachrede, sowieso Unterlassung – es sind nicht die schärfsten Schwerter im Strafgesetzbuch, aber kein Herausgeber eines noch so leidenschaftlichen Laienmediums wird sich dieser Gefahr aus Jux und Tollerei aussetzen. Zumal „Fan geht vor“ so laienhaft gar nicht ist, oft sogar erfrischend andere Perspektiven einnimmt als etwa der PR-Kanal „EintrachtTV“. Und was man so aus Frankfurter Medienkreisen hört, geht der Gossip schon eine ganze Weile in diese Richtung. Jedoch bricht es sich eben an dieser Stelle: Keine Zeitung kann, darf und wird Gerüchte – ohne Überprüfung von deren Stichhaltigkeit – veröffentlichen. Bleib eine erzwungene Gegendarstellung aus, ist der Fall jedenfalls klar.

Kurzum: Vieles deutet darauf hin, dass die Aussagen stimmen – und das nicht nur, weil es als Erklärmuster so gut in die Situation passt, die sportliche Entwicklung erklärt. Und eine Rettung, einen Verbleib in der ersten Bundesliga aussichtslos macht, völlig unabhängig davon, dass Mannschaften wie Hoffenheim, Ingolstadt und Darmstadt nicht an das – in der Eintracht-Diktion quasi gottgegebene – Schicksal des Misserfolgs fügen (wollen).

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Grausiges aus der Gerüchteküche

  1. Jermaine Jones Junior

    Was waren das noch für Zeiten, als die sportliche Leitung beim Scouting selbst auf Merkmale wie den Torjubel geachtet haben.

  2. Werner

    Oh je,
    wenn das stimmt, wird das ohnehin fragile Mannschaftsgefüge unter der jetzt einsetzende öffentlichen Diskussion vollends zusammenbrechen.

  3. F.N.

    Wenn das auch nur ansatzweise stimmen sollte, umso schlimmer, dass Zambrano und Seferovic nicht verkauft wurden. Dann hätte man wenigstens schon einmal Geld für einen Neuanfang gehabt. Die Spielerverträge gelten bestimmt nicht für die 2. Liga……

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