Jetzt kommt ein Befreiungsschlägchen

Klare Worte zu Situation, Entwicklung und Ausweg sind genug geschrieben. Wenn schon nicht von Seiten der Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt, dann von Seiten der Fans. Jenen Immer-Existenten, die sich nun für ihre – dem Vernehmen nach doch ziemlich moderaten – Pfiffe im Stadion und den Unmutsäußerungen im Internet kritisieren lassen müssen. Sei es drum. Cassandren, berittene Boten, Journalisten, unliebsame Stimmen generell: Der Überbringer der schlechten Nachricht ist in der Menschheitsgeschichte immer derjenige gewesen, der gehängt wurde.

Aber um das vielleicht bei all der Emotion mal klarzustellen: Mir ging und geht es in der Spieltagskritik vom Wochenende gar nicht so sehr um Bruno Hübner im Speziellen, sondern mehr um ihn als Symbol für die strukturlle Starre der SGE. Natürlich hat der Sportdirektor auch Verdienste. Die Ab- und später wieder Aufstiegsmannschaft ziemlich zügig und effektiv (bei nötigem Geldeinsatz) zusammenzustellen, den dazu richtigen Trainer zu verpflichten und mit der darauf folgenden Strategie, die Besten aus der zweiten Bundesliga in den Transferfokus zu nehmen (siehe Stefan Aigner), ist als nichts anderes als gut, richtig, clever zu bezeichnen (es ist indes eine Mär, dass der Sportdirektor, das Eintracht Frankfurt so wenig Geld zur Verfügung hat. Schaut man auf die Etats der Bundesligisten, sieht man, dass die SGE im Mittelfeld liegt, trotz allem nahe dran an den Top-10-Geldhabern im deutschen Profifußball ist).
Das Problem, das Hübner mit-verursacht und zu verantworten hat, ist der Stillstand, der sofort auf das gerade Beschriebene einsetzte. Der sensationelle Europapokaleinzug verpuffte in vielerlei Hinsicht. Emotional, finanziell, spielerisch, nun sportlich / tabellarisch. Die Reihenfolge, die Priorisierung wähle sich jeder nach Belieben aus. Zu den Gründen und dem ganz offenkundig nicht geschehenden, jedenfalls ineffektiven Gegensteuern haben ich und andere Fans mehr als genug Texte ins Internet geblasen.

Zurück zum Eingang des Beitrags: Rückschauen dienen dem Erkenntnisgewinn. Im Idealfall, um in Zukunft die schonmal eingetretenen Entwicklungen zu vermeiden. Um die Wiederkehr des Immergleichen zu vermeiden. Gelingt bei und rund um die SGE offensichtlich nicht.
Und doch ist das meiste, das zuletzt geschrieben worden ist, eine Rückschau, eine Einordnung des bereits Geschehenen. Am 22. Spieltag ist indes noch kein Tabellenfünfzehnter abgestiegen und ein Punkt gegen den Hamburger SV ist aller Unzufriedenheit zum Trotz über die Tage auch nicht zu einer Niederlage geworden. Kurzum: Nichtabestiegen werden kann nur durch das Gewinnen der Spiele der Zukunft. Dass die Eintrachtmannschaft für eine halbwegs realistische Klassenerhalts-Chance irgendwann mal gewinnen muss, genauer gesagt noch vier Mal, ist klar. Dass der Druck, gegen die Topteams der Liga (Bayern, Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach) gewinnen zu müssen, nach jedem vergeigten Spiel gegen machbare Gegner (bis auf Stuttgart bislang alle aus dem Rückrundenprogramm) steigt, liegt in der Natur der Sache. Für das Duell gegen Gelsenkirchen, das am Rande zum Montag abgepfiffen wird, fehlt den Adlern jedenfalls jedes Alibi: Personelle Bestbesetzung, Heimspiel, keine Übermannschaft gegenüber.

Gelingt es dem Team, mal zwei anstatt eine Halbzeit(en) ordentlich aufzutreten, im Mittelfeld mal in dem Maße zu pressen, wie sie dort sonst flattern, ist ein Sieg drin. Wenn Marc Stendera wieder am Spiel teilnimmt, Makoto Hasebe wenigstens so solide spielt wie gegen Hamburg, Stefan Aigner mal ein Mü Effektivität erzwingt und sich irgendein Akteur (vielleicht ein Kraftakt von Schrotflinten-Seferovic) mal erbarmt, Alexander Meier in puncto Torgefahr zu helfen, geht was. Dass diese Mannschaft kicken kann, schimmert immer wieder durch, selbst in diesen finsteren Wochen. Reduziert sich die Spiel“anlage“ weiterhin auf das Prinzip Hoffnung, darauf, dass das, was irgendwann mal klappte, irgendwann mal wieder klappen wird, ist die Partie vergeigt weit bevor sie abgepfiffen ist.

Packt die Eintracht es unter den oben genannten Voraussetzungen nicht zu einem mutmachenden Auftritt, einem erfolgsgekrönten, einem Sieg, kann Rainer Falkenhain die Truppe im DFBnet schnurstracks vom Spielbetrieb abmelden. Oder in der Paulskirche ein Kerzenbad anzuünden sowie Rosenkränze beten. Denn spätestens bei einer Pleite am Wochenende muss die Frage gestellt werden, gegen wen Eintracht Frankfurt überhaupt noch dreifach punkten will/kann. Nach dem kommenden Spieltag wird jedenfalls etwas passieren. Ein Befreiungsschlägchen in welche Richtung auch immer. Sportlich oder trainerpersonell.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Jetzt kommt ein Befreiungsschlägchen

  1. Anonymous

    Abgestiegen ist die SGE erst, wenn Sie nach dem 34. Spieltag die Plätze 17 oder 18 belegt. Platz 18 scheint vergeben, aber um Platz 17 spielen max. noch 5 Mannschaften mit, die alle laufen können bis zum Umfallen, die größtenteils auch Erfolgserlebnisse in den letzten Spielen hatten und die mit Konzept Fussball spielen können. Die Fähigkeiten hat unsere Mannschaft auch, sie ruft sie nur zu selten ab, und das wird am Ende den Ausschlag geben.
    Wir können noch gegen Ingolstadt, Hannover, Hoffenheim, Darmstadt, Mainz und Bremen dreifach punkten. Schaffen wir das, ist alles gut. Schaffen wir das nur in 4 von 6 Spielen, wird es sehr eng. Dann müssen Punkte gegen Schalke, Hertha und Leverkusen geholt werden, klingt unter normalen Umständen auch nicht abwegig. Dortmund, Bayern und Gladbach werden uns keine Chance lassen. Da vieles noch möglich ist , ist die Lage nur bescheiden…. Gerade deshalb muss man heute die Finger in die Wunde legen , damit bei den Planungen für die kommende Saison nicht wieder fast alles falsch gemacht wird; 2 erfolgreichen Spielzeiten mit Hübner und Veh folgten keine fetten Jahre; Spieler haben deutlich in ihren Leistungen stagniert und Lücken nach Abgängen wurden nicht adäquat ersetzt.
    Die Finger zum Dreieck geformt: noch schaffen wir das!!!! Dem Frust zum Trotz

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