Von Ritualen und Logik

Wenn man in der Medienbranche eines gewöhnt ist, dann sind es Dementis von offiziellen Stellen oder Ansprechpartnern. Verneinung, Schön- und Kleinreden gehört zu den Ritualen, mit denen jeder Journalist täglich konfrontiert ist. Das ist in Politik, in Wirtschaft, ja gar in Schützenvereinen oder sozialen Einrichtungen nicht anders als im Profifußball. Normale Hergänge.

Und so ist es auch der übliche Lauf der Dinge, dass der ebenso scheidende wie einflussbeschnittene Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, die Gerüchte rund um die Zukunft von Trainer Armin Veh ins Reich der Fabel verweist. Die Vermutungen – die in der Sportbild einem breiten interessierten Publikum offenbart wurden – besagen, dass Veh am Saisonende bei der SGE aufhört und es für die Rückrunde eine Jobgarantie gebe; die bei negativem Ausgang der kommenden drei Spiele aber überdacht werden würde.

Im Kern kann und wird dieses Szenario die Leser dieses Blogs oder Beiträge anderer Kollegen, die sich anderswo täglich der Eintracht widmen, nicht überraschen. Dass Veh in Frankfurt keine Zukunft haben kann, gebietet schon alleine die Logik. Bei einem Abstieg erledigt sich dieses Thema, wie viele andere, per Naturgesetz von alleine. Und bei einem Irgendwie-Klassenerhalt könnte und würde der Coach mit einem versöhnlichen Resultat und sein Gesicht wahrend die Widerstände, die Vorbehalte, die sich zu Anfeindungen steigerten, hinter sich lassen können. Ein Vorstandsvorsitz, der ja immer wieder spekuliert wurde, wäre – und ist angesichts der Entwicklungen, der wenigstens schwelenden Anti-Armin-Stimmung – natürlich ausgeschlossen.

Einen Neuanfang wird es ligenunabhängig sowieso geben, geben müssen. Alexander Meier etwa wird 2016 seine letzten Spiele im SGE-Trikot absolvieren, Stefan Aigner dürfte ebenso zum Verkauf stehen wie Carlos Zambrano und Haris Seferovic. Angesichts all dieser bevorstehenden Personalentscheidungen, macht ein (frühzeitig festgelegter) Trainerwechsel, verbunden mit einem darauf folgenden Mentalitäts- und Spielstilwechsel Sinn. Auch das: ligenunabhängig.

Zukunftsfragen, die über Sonntagabend hinausgehen, verbieten sich aber eigentlich. Das nackte Überleben, also Rang 15 und eine Zielrichtung von 36 Punkten ist die einzig wichtige Wegmarke. Wieder mal. So ernüchternd es ist, so emotionslos man es begleitet: Nach dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 kann, darf, wird es nicht mehr heißen, dass man dann eben das (jeweils) nächste Spiel noch (Zeit/Gelegenheit) fürs Dreifachpunkten habe. Stünde nun nicht die englische Woche mit Spielen gegen Hertha BSC Berlin und Ingolstadt an, wäre bei einer Pleite am Sonntag um 21.20 Uhr der Ofen für Armin Veh aus. So bekommt er noch eine volle Woche samt dreier Spiele, bevor irgendein Feuerwehrmann das ab diesem Zeitpunkt wohl – bei vielleicht „zu erwartenden“ ein, zwei bis maximal vier Punkten – Unmögliche möglich machen würde sollen.
Aber wie schon vorgestern geschrieben: Gegen die Gelsenkirchener bin ich in Bzug auf das Punkten optimistisch. Doof ist halt, dass es für so etwas wie eine Hilfestellung drei Zähler sein müssten.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Von Ritualen und Logik

  1. Jermaine Jones Junior

    Alex Meier hat aber schon angedeutet, dass er mit in die 2. Liga gehe. Auch ohne dessen Aussage, dass sein Vertrag ebenfalls für die 2. Liga gilt, hätte ich ihm den Verbleib im Verein geglaubt. Ich verstehe deinen Pessimismus nicht.

    • Im Winter hätte er fürs große Geldverdienen nach China wechseln können. Er erkundigte sich diesbezüglich zumindest im Klub und beim Trainer – umso größer seine Entscheidung, es sein zu lassen. Es ist aber nur menschlich, dass er das – vor allem in Richtung USA – nicht ganz ausschließt, es auch nicht ausschließen sollte. Der Mann ist 33 Jahre alt und hat mit 100%iger Sicherheit die Chance, im Ausland nochmal was anderes zu sehen als die Tristesse in Frankfurt.
      Nach einem Abstieg würde der Druck, die „Raus,raus,raus“-Stimmung zudem vehementer sein als je zuvor – und ob sich das ein egal wie verdienter (Mit-)Verantwortlicher würde geben wollen, zumal zum wiederholten Male … Dass ich ein riesen Fan von Meier bin, ist glaube ich allen Blog-Lesern klar, aber geht das diese Saison schief, nunja, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auch nur eine Stammkraft für Liga 2 übrigbliebe. Aus verschiedenen Gründen. Und erst recht nicht der mit Abstand beste Spieler dieses Vereins.

      • Jermaine Jones Junior

        „Ich sag nur soviel. Damals bin ich auch in die 2.Liga gegangen.“ Wirst du aber schon gelesen haben.

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