Monatsarchiv: März 2016

Das Riesen-Märchen

Eintracht Frankfurt ist ein Riese. Ein schlafender. Das hat Trainer Niko Kovac im „Kicker“ gesagt.

Der Mann muss noch viel lernen. Jedenfalls zeugen solche Sätze, solche Ansichten davon, dass jemand nicht um die Klubgeschichte (und die Dauerwiederholung eben jenes Riesen-Märchens) weiß. Aber wen interessiert schon Historie, wenn die Gegenwart ist wie sie ist? Wobei Eintracht Frankfurt ja wiederum abermals Geschichte schreiben könnte: Zwei quälend lange, vorhersehbare Abstiege binnen kürzester Zeit.

Was macht ihr so am Samstagnachmittag?

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Den Punkt erkontern

Beim Spaziergang durch die Stadt fielen mir am Ostersonntag Merkwürdigkeiten auf. Obwohl kein Geschäft geöffnet hatte, werkelten einige Einzelhändler in ihren Läden. Der Eine schien etwas an der Verkabelung zu machen, ein anderer baute um, wieder andere dekorierten ihre Schaufenster. An einem Sonntag, einem Feiertag. Ob das Engagement der Selbstständigen mit der Bekämpfung von Umsatzeinbrüchen zusammenhängt? Oder mit dem Streben nach Gewinnmaximierung? Jedenfalls arbeiteten sie für ein Ziel, und das außer der Reihe, nicht nach Vorschrift. Ob man das für die Profifußballer von Eintracht Frankfurt auch sagen kann?
Dem Vernehmen nach machen und tun sie (die Verbliebenen) ja unter Mangelverwalter Niko Kovac durchaus was, jedenfalls an den regulären Werktagen. Wenigstens das, die Trainingsfreiheit an Feiertagen ist bei der SGE wie beim nächsten „Gegner“ Bayern München. Machen wir uns nix vor: Die Eintrachtspieler hätten von Karfreitag bis Ostermontag durchtrainieren können und sehen sich einem Etwas gegenüber, das eine andere Sportart betreibt.

Mittel der Wahl? Hinten die Dinger im Stil eines Kreisligisten rausdreschen und vorne mit Änis Ben-Hatira, Luc Castaignos und Stefan Aigner (plus, wenn man mutig ist) Sonny Kittel mit dem bisschen Tempo, das der Kader hergibt, auf Konter gegen eine Viererkette was bewirken, in der kein Innenverteidiger spielt. Letzteres sorgt kurioserweise dafür, dass gefährliche Situationen in Richtung Bayerntor jedenfalls theoretisch möglich sind; wenn man denn mal zu Abschlüssen kommt, was ja das riesengroße Manko der SGE ist, spätestens seit dem Ausfall von Alexander Meier. Die Partie gegen Hannover 96 zählt dahingehend nicht. Gegen Bayern kann es nur mit einer massierten, disziplinierten, schnörkelosen Defensivstaktik funktionieren, flankiert von einem glänzend parierenden Lukas Hradecky und Entlastung über besagte schnelle Gegegnstöße. Wenn dann noch Leute wie Lewandowski, Müller und Costa – kurzum: die Offensive – nur so zwischen 62 und 71 % Leistungsbereitschaft an den Tag legen, dann ist ein ergaunerter Punkt sogar möglich.

(Wieder mal) entscheidend ist aber sowieso das Spiel eine Woche drauf, zuhause gegen die TSG 18,99 Euro Hoppenheim. Doof halt, dass die – wie zuvor schon Stuttgart – jetzt eben die Kaderqualität abrufen. Wie schon gegen Hannover ist für die Eintracht nämlich auch in rund zwei Wochen ein Remis zu wenig, um den Klassenerhalt, und sei es über die Relegation, noch zu schaffen.

Stichwort Kreisliga: Mein Comeback endete mit einem 2:2, der Ausgleichs(gegen)treffer fiel in der 90. Minute, nachdem man 65 Minuten in Unterzahl spielen musste. Fazit: Auch die Knieverletzung vor einem Dreivierteljahr hat nicht dafür gesorgt, dass ich ein besserer Fußballer geworden bin 😉

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Am Wurzelwerk der Probleme

Vor mehr als zwei Jahren erschien dieser Text in diesem Blog. Im Novemher 2015 folgte eine erste, auf die erste Bundesliga beschränkte Aktualisierung . Nun, um die Transferpolitik von Eintracht Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner abermals zu dokumentieren, eine Fortschreibung des Bekannten – diesmal, wie im Ursprungsartikel, mit einer wohlwollenden (!) sportlichen Bewertung der einzelnen Spieler meinerseits.

Marco Fabian (+/-)
Yanni Regäsel (-)
Szabolcs Huszti (-)
Kaan Ayhan (-)
Änis Ben-Hatira (-)

Lukas Hradecky (+)
Heinz Lindner (ohne Wertung)
David Abraham (+)
Stefan Reinartz (-)
Mijat Gacinovic (-)
Luc Castaignos (+/-)

Timo Hildebrand (-)
Emil Balayev (ohne Wertung)
Timothy Chandler (-)
Aleksandr Ignojvski (+/-)
Makoto Hasebe (+)
Slobodan Medojevic (-)
Haris Seferovic (+/-)
Nelson Valdez (-)
Lucas Piazon (-)

Alexander Madlung (+)
Johannes Flum (+/-)
Jan Rosenthal (-)
Tranquillo Barnetta (+/-)
Tobias Weis (-)
Joselu (+/-)

Kevin Trapp (+)
Carlos Zambrano (+)
Marco Russ (+)
Bastian Oczipka (+/-)
Martin Lanig (+/-)
Stefan Aigner (+)
Takashi Inui (+/-)
Vadim Demidov (-)
Srdjan Lakic (-)
Oliver Occean (-)
Dorge Kouemaha (-)

In Summe 37 Neuzugänge zwischen Sommer 2012 und Januar 2016, von denen sich ein Bruchteil als Verstärkung erwiesen haben. Diese These dürfte auch dadurch nicht erschüttert werden, wenn man bei dem einen oder anderen Eintrachtspieler in der Einzelbewertung zu einem anderen Ergebnis kommt.
Als Volltreffer gelten wohl nur Kevin Trapp und sein Nachfolger Lukas Hradecky sowie die überschaubere Zahl an Feldspielern namens Carlos Zambrano, David Abraham und Rückkehrer Marco Russ sowie Notnagel Alexander Madlung. Stefan Aigner darf man trotz der ebenso langanhaltenden wie folgenschweren Formkrise aber auch noch hinzuzählen, womit ein einziger Offensivspieler das Prädikat „gelungener Transfer“ verdient. So mancher, der mal auf einem guten Weg war, hat sich bereits vor dieser Saison als bestenfalls „ok“ herauskristallisiert.

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Kontext für den Kapitän

Ziemlich unbeachtet ist die Meldung geblieben, wonach Alexander Meier an einem Knochenmarködem im Schienbeinkopf leidet. Das dürfte mit dem recht harmlos klingenden Verletzungsbild zusammenhängen. Knochenmarködem, ’ne Art blauer Fleck, wird so wild schon nicht sein, dürften vielen denken.
Das dachte ich Anfang September vergangenen Jahres auch, als ich mit Verdacht auf Kreuzbandriss ins MRT geschoben wurde. Am Ende lautete ein Teil der Diagnose: Knochenmarködem im Knie/Schienbeinkopf. Aus Kreuzbandriss wurde also Knochenmarködem, nur um mal zu verdeutlichen, von welchen Symptomen, Schmerzen und Auswirkungen wir sprechen.
Seit der Diagnose plage ich mich jedenfalls nicht nur mit im Alltag anhaltend auftretenden Schmerzen, sondern mit einem sich weiterhin instabil anfühlenden Knie. Ein Dreivierteljahr ist das bei mir nun her, Freizeitfußball klappt seit Jahresbeginn wieder, an Kreisligakicks wage ich mich erst in dieser Woche wieder heran.

Ein Orthopäde erläuterte mir bei einer Nachuntersuchung im November 2015, dass ein Knochenmarködem – speziell im Kniegelenk – nicht nur sehr schmerzhaft (das merkte und merke ich) sondern vor allem ein sehr langfristiges Beschwerdebild ist (merke ich). Zwischen drei und sechs Monaten dauert das Auskurieren mindestens, weil nur konsequente Ruhigstellung das Ödem nach und nach schwinden lässt, aber kein Mensch das Knie im Alltag so lange unbelastet lassen kann. Es seien nicht wenige Fälle dokumentiert, bei denen es eineinhalb Jahre bis zur Rückbildung des Knochenmarködems und einem merklichen Verschwinden der Beschwerden gedauert habe. Die akuten Symptome, die Zeit, bis Laufen das Humpeln ablöste, die stechenden Schmerzen bei jedem Schritt abklangen und das Bein/Knie nach abgeklungener Schwellung maßvoll belastbar war, dauerten rund vier, fünf Wochen.

Jetzt schreibt hier kein Profisportler, der also eine andere Muskulatur, Regenerationsroutine und vor allem keine (schon gar nicht täglich stundenlange) Physiotherapie hat, weshalb sich die Ausfalldauer des Björn Wisker keinesfalls auf die Ausfalldauer des Alexander Meier übertragen lässt.
Jedoch rückt diese Schilderung die Verletzung des Eintracht-Kapitäns vielleicht in einen angemesseneren inhaltlichen wie zeitlichen Kontext.

… das eigene Kochenmarködem-Leiden erklärt, dürfen die Blog-Leser am Samstag zwischen 15 und 17 Uhr gerne mal die Daumen für ein erfolgreiches Kreisliga-A-Spiel meiner-/unsererseits drücken.
Frohe Ostern!

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Zeit – nur, für was?

Unklar, wie viele Fans von Eintracht Frankfurt nach dem Heimsieg gegen Hannover 96 davon ausgehen, dass nun die besseren Zeiten anbrechen. Länderspielpause und Münchenpausenspiel sind gleichbedeutend mit drei Vorbereitungswochen auf das nächste Hoffnung-oder-Abstiegs-Heimspiel – diesmal gegen das nun schlicht seine qualitativen Möglichkeiten abrufende Hoppenheim.
Doch mal wieder stehen kaum Fußballer für das so dringend nötige Training auf dem Platz – und vor allem das dürfte der Grund dafür sein, dass Trainer Nico Kovac das vor kurzem noch angekündigte Trainingslager zu einem Frühstück-und-Fußball-Stündchen gewandelt hat.

Es ist schon bemerkens- und bemitleidenswert, wie wenig Einfluß so ein Übungsleiter auf die sportliche Zukunft einer Mannschaft nehmen kann. Mit einem Schlag fehlt ihm dann eben die halbe Startformation. Und so gehen die Trainingstage dann eben ziemlich fruchtlos dahin, mit Kaan Ayhan statt Carlos Zambrano, mit Aleksandr Ignjovski statt Makoto Hasebe, mit Bastian Oczipka statt Constant Djakpa. Und die wenigen spielerischen Elementeinbringer, also Marc Stendera und Marco Fabian fehlen ebenso.
Da braucht es schon ein gerüttet Maß Optimismus, um an eine Verbesserung der Mannschaft, gerade in den wesentlichen Bereichen des Kombinaitons- und Chancenherausspiel(en)s, zu glauben. Faktisch kicken sich nämlich die verbliebenen A-Elf-Spieler mit Reservisten die Pille zu, nicht mit dem Kern, den der Trainer als Korsett ausgemacht hat.

Am Kampf, am Willen mangelte es dieser Mannschaft in dieser Saison mit Ausnahme von ein, zwei Spielen nie. Nicht unter Kovac, nicht unter Armin Veh. Das spielerische Rüstzeug, dessen Fehlen wurde von Woche zu Woche sichtbarer und – mit Ausnahme des Diletantenduelles gegen Hannover – folgenschwerer. Und genau das ist der Casus Knaxus: Es muss spielerisch so einiges passieren, doch wie soll das gelingen, wenn bspw. Stefan Aigner erdachte Spielzüge, Anlagen, Taktiken nicht mit Haris Seferovic, sondern mit Luca Waldschmidt einstudieren muss? Wie soll das Umschaltspiel im Wettbewerb klappen, wenn Ignjovski statt Stendera den Spielmacher geben muss? Nur das Bällefangen, da ist es recht egal, ob im Training Lukas Hradecky oder Heinz Lindner im Tor stehen. Oder Emil Balayev. Oder Yannick Zummack. Oder ich.

Immerhin gibt es noch die Woche vor dem Bayern“spiel“. Meine Meinung: In Ermangelung einer eigenen U23 die A-Jugend, „verstärkt“ durch Ayhan, Regäsel, Lindner und Waldschmidt, hinschicken; gecoacht von Michael Fabacher. Also abschenken, die Zeit fürs Training nutzen. Denn die Eintracht braucht Punkte, vor allem in eben jenen verbleibenden direkten Duellen gegen Hoppenheim, Darmstadt, Bremen, mit etwas Glück gegen Mainz und Leverkusen. Das Torverhältnis wird daher meinem Gefühl zufolge nicht über Abstieg/Nichtabstieg entscheiden; weshalb selbst eine 0:15-Niederlage in München nichts weiter als Folklore wäre.

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Das späte Ende der Improvisation

Fans von Eintracht Frankfurt hat man nach Siegen schon freudiger gesehen und gehört. Denn als der gnädige Schiedsrichter Wolfgang Stark nach 93 Minuten den Ball aufnahm statt Lukas Hradecky den Torabstoß ausführen zu lassen, zog nicht Jubel sondern Wind durch das Waldstadion. Ein Wind, der durch das Durchatmen von vielleicht 38 000 (aber keinesfalls 43 300) anwesenden Zuschauern verursacht wurde.
Viele Stadionbesucher äußerten sich auf dem Weg zu Parkplätzen, zu S-Bahn und Tram in Zwigesprächen ähnlich: Der Auftritt entzündet keinen Funken, es war nichts mehr als genau der Pflichtsieg, durchaus auch Arbeitssieg, der faktisch nötig war um – im Gegensatz zu Hannover 96 – im Klassenerhalts-Rennen zu bleiben. Die Mannschaft setzt das um, was unter Armin Veh das allerletzte Mittel war – defensive Grundordnung gepaart mit Einsatzwillen – und ergänzt das mit zarten Versuchen einer Offensividee – dem Konterspiel.

Unbestritten, Nico und Robert Kovac machen etwas. Gerade die Entscheidung für Personalwechsel, die Stärkung der durch Veh faktisch ausgemusterten Dauerreservisten, entpuppt sich als richtig. Constant Djakpa etwa spielt nicht schlechter als Dauer-Underperformer Bastian Oczipka, im Gegenteil, er tritt klarer, kompromissloser auf. Zu Lasten offensiver Aktionen, klar, aber es ist ja nicht so, dass Oczipka – entgegen der Legende – nach vorne viel oder gar viel sinnvolles bewirkt hat. Auch Timothy Chandler, der ziemlich überraschend in der Startelf stand, ist prinzipiell die richtige Wahl. Jedenfalls setzt Kovac auf Spezialisten, auf jene, die ihre Position spielen und spielen können: Also Schluss mit dem Verschiebebahnhof, auf dem vor allem der bemitleidenswerte Makoto Hasebe monatelang geparkt war. Das Ende der Improvisation, die eben nicht nur verletzungs- sondern auch sturheitsbedingt durchgezogen wurde. Ein Zentralgelernter wird auf Außen nie so gut klarkommen, wie ein Außengelernter. Das ist in der Kreisliga so, das ist in der Bundesliga so – nur Ausnahmekönner sind in der Lage, beides ähnlich gut und ohne großen Qualitätsverlust abzudecken. Deshalb: Russ in die IV, nicht ins DM. Chandler statt Hasebe auf RV, letzteren ins DM. Huszti nicht auf den Flügel, sondern – wenn überhaupt – ins Zentrum.

Wichtig ist, dass Kovac die Mannschaft erreicht und diese nun über den aufgezeigten Weg einen Sieg eingefahren hat. Das schafft Selbst- und auch Fremdvertrauen (in den Trainer). Die Mannschaft, die mit Armin Veh konnte und wollte, ist jedenfalls offenkundig nicht (mehr) vergrätzt.

Trotz allen sichtbaren Verbesserungen in Nuancen und Veränderungen im Personellen: Nicht wenige, die ab 20.18 Uhr in alle Himmelsrichtungen ausschwärmten, waren der Meinung, dass man am Samstagabend die beiden direkten Erstliga-Absteiger im Duell gesehen habe. Eine These, zu der ich persönlich ebenfalls tendiere. Da muss man gar nicht so weit gehen und sich die Konkurrenz, die gefestigter und zum regelmäßigeren Punkten in der Lage scheint (mir blieb bei der Augsburger Führung der Atem ebenso stehen wie beim Fast-Sieg Darmstadts).
Das im Vergleich zur Konkurrenz bisweilen deutlich schwierigere Restprogramm wird Eintracht Frankfurt das Genick brechen. Die liegengelassenen (drei) Punkte vor allem gegen Schalke und/oder noch mehr gegen Ingolstadt werden zwar nicht der Abstiegsgrund sein, sie werden jedoch am Ende die fehlenden, weil eben locker möglichen Zähler ausgemacht haben.
Am 9. April werden wir – jedenfalls bei einer etwaigen SGE-Niederlage gegen Hoppenheim – ziemlich sicher über die Wahrscheinlichkeit der Eintracht-Abstiegs-These haben.

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Trippelschritt zur Hoffnung

Der Sieg von Eintracht Frankfurt gegen das nun abgestiegene Hannover 96 hat nicht mal zur Wahrhung des Status quo gereicht. Die SGE steht trotz drei Punkten nun auf einem direkten Abstiegsplatz – und dass das am Saisonende so geblieben sein wird, ist wahrscheinlich.

Als Mutmacher taugt der Samstagabend-Auftritt im Waldstadion nämlich nicht. Natürlich, der Sieg als solcher, mag man ihn gar Schweinesieg nennen, mag wieder mal ein zartes Pflänzchen sprießen lassen, wie schon so oft in dieser Saison. Die drei Punkte sorgen erstmal dafür, noch Chancen auf den Klassenerhalt zu haben. Drei, vier Teams – von denen man wenigstens für die Relegation noch ein weiteres hinter sich lassen muss – bleiben in Reichweite. Es gibt also eine CHance, die bei Niederlage und Unentschieden – zumal nach den Spieltagsergebnissen bis hierher – passé gewesen wäre.
Jedoch ist das Spiel gegen dieses Hannover nicht mehr als ein Pflichtsieg gewesen. Angesichts der Tabellensituation, klar, aber auch beim Blick auf den Gegner. Die Niedersachsen sind so schlecht, wie man lange keine Mannschaft mehr gesehen hat. Nach 10, 15 Minuten, in denen die Gäste allerdings in Führung hätten gehen müssen, war die Luft aus dem niedersächsischen Schlauchboot total raus. Der Ballbesitz ging zu gefühlt 80 Prozent auf Eintracht Frankfurt über. Dass diese dann mit dem ersten Torschuss, der nicht mal als solcher gedacht war, die Partie des 17. gegen den 18. gewinnen – zumal aus einem Haudrauf-Kreisliga-Gewusel am Strafraumeck resultierend – ist durchaus bezeichnend für die SGE-Spielzeit 2015/2016.
Dass sich die Mannschaft, speziell Torschütze Änis Ben-Hatira und das Ärgernis Haris Seferovic, in der zweiten Halbzeit dem Torschießen, der Bilanzarbeit, dem Sackzumachen in einer selten gesehenen Slapstick-Manier verweigerte, taugt nicht zu einem Positivtrend. Will man diesen erkennen, liegt er in anderen, bisweilen sehr kleinen Dingen begründet:

– Änis Ben-Hatira, der ungewollte Neuzugang, ist der einzige Frankfurt auf dem Platz, der weiß, was er tut, zutun gedenkt. Er möchte, wie der plötzlich im Abseits stehende Marco Fabian, den Ball haben, fordert ihn. Er sucht weniger das Eins-gegen-Eins als vielmehr den Weg zum Tor. Als einziger Frankfurter spielt er nicht permanent mit dem Rücken zum Tor, dreht nach Zuspiel nicht nach hinten ab, sondern will in Richtung gegnerischen Srafraum. Ein Alleinstellungsmerkal, das viel über den Zustand der Offensivabteilung aussagt.

– Constant Djakpa spielt defensiv schnörkellos, kompromisslos. Da stören die offensiven Mängel wenig, verbessert die linke Abwehrseite minimal, verbessert sie aber im Vergleich zu Dauerspieler Bastian Oczipka.

– Marco Russ, der kein Kopfballduell verliert und auch sonst mit Wucht und Robustheit abräumt. In der Innenverteidigung einfach wesentlich wertvoller als im Mittelfeld – generell ist die Innenverteidigung, ist Nebenmann Carlos Zambrano mit zu loben. Und das nicht erst seit diesem Spiel, sondern als einziger Mannschaftsteil (fast) die gesamte Saison.

– Stefan Aigner gelingt spielerisch zwar weiterhin so gut wie nichts, aber gegen Hannover war der unermüdliche Kämpfer, vor allem der knallharte Zweikämpfer wiedererwacht.

– Timothy Chandler hat nach Monaten des Totalausfalldaseins eine passable Rolle als Rechtsverteidiger gespielt.

– Marc Stendera streut in wackelige Partien wieder lichte Momente ein. Obgleich seine Standards, wie auch die eines bestimmten Kollegen (siehe unten) einfach skandalös schlecht sind.

– Grundsätzlich gibt es eine Ordnung auf dem Rasen und in drei, vier Situationen flackerte sogar mal Kombinationsspiel auf.

Demgegenüber gibt es weiterhin Schwächen, die einfach viel zu grundlegender Natur sind. Das beginnt bei Eckbällen und Freistößen, die so selbst in unteren Amateurligen in dieser Häufung nicht vorkommen. Auch die Flanken, egal wer sie nun schlägt, sind ziemlich furchtbar. Individuell:

– Stefan Reinartz ist aus seiner Verletzungszeit keinen Deut verbessert zurückgekommen, im Idealfall ist er blass, meist steckt er mitten im Gewürge und beschwört so manche Bredoullie erst herauf. Verursacher eines Elfmeters, der nicht gegeben wurde. Sinnbildlich für den Mann, der regelmäßig von Köln nach Frankfurt und zurück pendelt.

– Szabolts Huszti, man fragt sich, wieso er spielt und was er zum Gelingen des Großen und Ganzen beiträgt. Die Standardsituationen sind ein Ärgernis, bei zwei vielversprechenden Konter- und Überzahlsituationen schickt er in der Rolle als Zentraloffensver den Mitspieler vom Tor weg, anstatt den Mann, der zentral aufs Tor zulaufen kann.

– Haris Seferovic hatte zwar weniger Nullbock als zuletzt, aber seine Produktivität ist unterirdisch. Nicht nur, dass er seine x-te Großchance in dieser Saison plump versemmelt und zwei Abseitssellungen, die in Nicht-Toren resultierten, verursacht hat. Nein, er macht kaum Bälle fest, ist im ohnehin kaum vorhandenen Kombinationsspiel kein Faktor -und lamentiert bei missglückten Zuspielen der Teamkameraden. Immerhin: Er schmiss sich mehr rein, ging zu einigen Duellen, die wehtaten.

Es ist angesichts all dessen sehr fraglich, ob die Eintracht auf Fußballer, auf flinke Ballforderer wie Marco Fabian oder den schnellen David Abraham in der Defensive – ja vielleicht sogar als zweiten Sechser neben Stendera? – verzichten werden können.

Es war nicht zu erwarten und man sollte es auch nicht erwarten, dass gegen Hannover der Knoten platzen würde. Auch spielerisch standen die Zeichen auf allem, nur nicht auf Leckerbissen. Persönlich befürchtete ich gar ein weit schlimmeres Spiel als das, was letztlich aus SGE-Sicht auch spielerisch herauskam. Immerhin kam Frankfurt mal zu Abschlüssen, hielt sich rund um und gar im Sechzehnmeterrauf des Gegners auf. Es gewann zum Schluss das etwas weniger schwache Team, begünstigt durch ein, zwei diskutable Schiedsrichterentscheidungen (die im Stadion nicht so auffielen, am Bildschirm nun schon eher). Wer aus diesem Befund Nektar saugen will, der bekommt das nicht untersagt. Mein Gefühl lenkt mich in eine andere Richtung, da ich zwei Absteiger gegeneinander habe spielen sehen.

Die Konkurrenz ist schlicht gefestigt(er), von Beginn an auf den Klassenerhaltskampf eingestellt. Darmstadt 98 bricht, aller Zementtheorie eines Heribert Bruchhagen zum Trotz, nicht ein. Sie spielen ihren Stiefel runter, machen das, was sie können und haben Erfolg. Ebenso Ingolstadt. Die TSG Hoppenheim hat nun, wie vor Monaten schon der VfB Stuttgart, einfach ein realistischeres Soll aus dem Kader geholt. Und Augsburg? Da ist in diesem Jahr viel Achterbahnfahrt, jedoch ist die Mannschaft von Markus Weinzierl die Tabellenposition nicht nur gewöhnt, sie ist auch stets für einen Sieg – was mehr ist als zwei SGE-Remis – selbst nach zwei, drei Niederlagen im Stande. Womit sich, das ziemlich fulminant zwischenspurtende Weder Bremen mal ausgenommen, die Namen der Konkurrenten Eintracht Frankfurts auch schon erschöpft haben. Das Restprogramm der Frankfurter wird dem Team, dem Klub das Genick brechen. Punkten wird die SGE hier und da nochmal, aber der Sieg gegen Hannover dürfte der letzte Bundesligadreier für lange Zeit gewesen sein.
Mich als Deppen zu enttarnen, dafür besteht die Chance am 9. April ab 15.30 Uhr.

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