Harmlos

Nein, die Saison ist noch nicht vorüber. Eintracht Frankfurt hat noch Spiele und somit Klassenerhaltschancen. Vom Spielbetrieb abmelden muss, kann und wird man sich nicht. Am Samstag im Waldstadion wird sich jedoch entscheiden, ob die SGE wenigstens auf einen Verbleib in der ersten Bundesliga hoffen darf.
Und es gibt ja durchaus einige, die seit der Traineramtsübernahme von Nico Kovac ziemlich euphorisiert sind. Auch nach und trotz dem Übelkick in Mönchengladbach. Ich persönlich wäre interessiert an Konkretem: Was außer Vokabular, Mimik, Gestik und Vita des neuen Trainergespanns gibt denn Anlass zum Glauben an a) einen Sieg gegen Hannover und vor allem b) eine generelle Trendwende, die zum Klassenerhalt reicht?

Um das mal vorweg zu schicken: Der Klassenerhalt geht im Fall von Eintracht Frankfurt nicht über die Stabilisierung der Defensive, dem ohnehin besten Mannschaftsteil, was schon das Rezept, die letzte Idee und Hoffnung von Armin Veh war. Es ist das Koma der Offensive, das beendet werden muss – und nimmt man den Auftritt in Mönchengladbach als Indikator, ist Kovac zu Handhabungen in diese Richtung nicht das Geringste eingefallen, weder Konterspiel, noch die Verlagerung auf das Erzwingen von Standardsituationen/Toren. Es ist die Fortsetzung der Harmlosigkeit zu sehen gewesen, zumal auswärts: In 13 Partien in der Fremde erzielte dieses Team zehn Tore, davon vier in Stuttgart und zwei in Hannover.

Die Logik der Optimisten scheint mir zu sein: Hannover schlagen, dann gibt das Selbstbewusstsein, was zu Klasse führt und letztlich im Klassenerhalt mündet. Einigkeit besteht wohl darin, dass bei Ausbleiben des Allerersten, auch alles andere nicht eintreten wird. Aber mal von einem (meiner Ansicht nach alles andere als wahrscheinlichen) Sieg der SGE ausgehend, ist mir nach wie vor nicht klar, welches Kollektiv – unabhängig von Formation und Taktik – in der Lage für die weiteren 9 bis 10 nötigen Zähler sein soll. IN Darmstadt (siehe Torquote), zuvor gegen Hoppenheim (das aus dem Koma erweckt wurde) sowie IN Bremen (siehe Torquote).

Klar ist: Haris Seferovic darf man schlicht nicht aufstellen, er ist neben lust- und qualitätslos eher 12. Gegenspieler als 11. Mitspieler. Für Szabolcs Huszti gilt im Endeffekt dasselbe, bei Slobodan Medojevic wartet man nun im 2. Jahr auf das erste gute Spiel und ob nun Constant Djakpa oder Bastian Oczipka auflaufen, das ist ziemlich gehüppt wie gesprunge‘. Die Ausfälle des dauerverletzten Sonny Kittel, der bezeichnenderweise zuletzt noch ein Mü an Schwung brachte, und dem zum Hoffnungsträger sowieso nicht taugenden Mijat Gacinovic kommen zu den zwar genesenen, aber logischerweise rhytmus- und formlosen Stefan Reinartz und Luc Castaignos oben drauf.
Schon an dieser recht kurzen Personalbewertung lässt sich erkennen: Die personellen Möglichkeiten für Kovac sind minimal.

Alexander Meier benötigt nach Verletzungen stets seine Anlaufzeit benötigt. Marc Stendera hängt nicht nur seit geraumer Zeit komplett durch, er weist selbst in Bestform weiterhin grundlegende Defizite auf. Im Aufbau mangelt es neben der oft besungenen Kreativität weiterhin an Tempo, sowohl in den Beinen als auch im Kopf. Makoto Hasebe wird aus seinem Loch nicht mehr herausklettern, Stefan Aigner nach so vielen Versuchen auch nicht. In der Tat scheint Kovacs Bemühen, seine Hoffnungen vor allem auf Stefan Reinartz abzuzielen, sowohl in der Rückwärts- als auch Vorwärtsbewegung. Er ist die entscheidende Personalie des kommenden Wochenendes, und sollte das Ergebnis aus Eintracht-Sicht passen, für die darauffolgenden Spieltage ebenso. Geht er voran, über Klasse, über Einzelaktionen, über Symbole und letztlich Erfolgbringendes, könnte in der Mannschaft – wenn auch Meier spielen und treffen kann – etwas Positives passieren.

Geht es am Samstag für die SGE in die Hose, dürfte der Trainer – angewiesen von der Klubführung – eigentlich nur noch diejenigen spielen lassen, die einen Vertrag für die zweite Bundesliga haben. Die Saison unter Wettkampfbedingungen austrainieren, um den einen oder anderen Spieler (Luca Waldschmidt bspw.) mit mehr Erfahrung für die kommende Spielzeit eine Etage tiefer auszustatten. Auf so eine Idee kämen aber die Frankfurter Funktionäre nicht.

Ich persönlich? Mir fehlt nach nun mehr als zwei Jahren andauernder überwiegender Gruselkickerei, fußend auf diametral entgegengesetzten Spielweisenvorstellungen der Trainer Schaaf und Veh, einfach die Phantasie, wieso ausgerechnet jetzt, in der prekärsten Situation innerhalb dieser Zeit, eine Trendwende gelingen sollte. Streng genommen sehe ich nicht mal, wie diese nun offenbar auch zwischenmenschlich ziemlich eingebrochene Mannschaft noch ein Spiel gewinnen will.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Harmlos

  1. Jermaine Jones Junior

    Was in meiner Replik vielleicht nicht ganz rüber gekommen ist, ist die Zuversicht, dass Niko Kovac seinen Spielern eine Mentalität und einen „Fahrplan“ vermittelt, die den Spielern wieder zum Erfolg verhilft.
    Ich glaube, dass die Mannschaft nach den bisherigen mehr oder weniger unerwarteten Punktgewinnen nicht ganz im klaren war, wie diese Erfolge nun zu wiederholen wären.

    Eine andere Sache möchte ich noch loswerden. „Platz 6 schwebt wie eine Glocke über diese Mannschaft“ hat Armin Veh mal gesagt. Ich sage: „Das Abstiegsgespenst schwebt wie eine Glocke über diesen Verein“. Kurzum: Diese permanente Diskussion über tieferen Sinn und langfristiger Konsequenz („am Ende könnten uns die nötigen 1,2,3 Punkte fehlen“) einer jeden Niederlage – unabhängig vom Tabellenplatz – haben den Verein letzlich doch dahin gebracht, wo er sich jetzt befindet. Self fulfilling prophecy.

  2. Oka

    Ich hoffe auf den Faktor Hexenkessel. Ich bin zwar leider nicht zugegen aber ich hoffe das die Fans im Stadion eine so noch nicht oft da gewesene Stimmung erzeugen. Wir müssen die Spieler von unserer Atmosphäre anstecken, das schon beim Aufwärmen und ihnen Feuer unter den Hintern machen. Die Spieler werden spätestens dann verstehen was hier auf dem Spiel steht, meinem Gefühl nach hat das bisher noch niemand von diesen überbezahlten Schlappekicker verstanden. Frei nach dem Motto „…dann Spiel ich nächstes Jahr halt mit einem anderen Logo auf der Brust, irgendwer wird mir schon mein schickes Auto und meinen teuren Lifestyle finanzieren“. Frankfurt muss brennen!

    • Frankfurt wird brennen. Ich fürchte nur, dass das nicht in die Richtung geht, die du dir vorstellst. Ich sehe da eher Szenen auf uns zukommen, wie im Dezember gegen Darmstadt. Von anderen Auswüchsen ganz zu schweigen. Grundsätzlich ist die Stimmung im Stadion zuletzt schon ziemlich paralysiert gewesen, selbst die Zuschauerzahlen haben ja massiv abgenommen (denn die, die tatsächlich im Stadion waren, obwohl Karten verkauft worden sind, lag jeweils weit unter den Angaben). Wahrscheinlich wird es am Samstagabend tatsächlich das letzte Aufbäumen auch der Fans geben. Aber wehe, Hannover geht in Führung oder das Ding läuft (wieder mal) auf 0:0 hinaus. Dann wird es hässlich – nicht nur sportlich.

  3. Olsen

    Na klar gibt es weiterhin auch Optimisten, die an den Klassenerhalt glauben. Und die braucht es in einer solchen Situation auch.

    „Auch nach und trotz dem Übelkick in Mönchengladbach. Ich persönlich wäre interessiert an Konkretem: Was außer Vokabular, Mimik, Gestik und Vita des neuen Trainergespanns gibt denn Anlass zum Glauben an a) einen Sieg gegen Hannover und vor allem b) eine generelle Trendwende, die zum Klassenerhalt reicht?“

    – Zwischen dem vorletzten und letzten Übelkick lagen für den neuen Trainer wieviele Tage, um der Mannschaft neue Inspiration einzuhauchen? Es war zu erwarten, dass wir nicht von heute auf morgen eine komplett andere Mannschaft sehen werden. Du schaffst es in 3 Tagen doch nicht einmal, mit jedem Stammspieler ins Gespräch zu gehen. Im besten Fall kennst du noch nicht einmal den direkten Weg von der Kabine auf den Trainingsplatz. Da sollte man durchaus Realist bleiben. Kovac ist Trainer und kein Zauberer. Und dass der Trainerwechsel sehr (vielleicht zu) spät kommt, war auch von Anfang an klar.

    – Der Optimist zieht Kraft aus anderen Dingen. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten zwischen Erfolg / Misserfolg. Und Kovac hat bereits gezeigt, am festgefahrenen System Änderungen vornehmen zu wollen (auch wenn sie im ersten Spiel nicht gefruchtet haben). Dazu kommt dann tatsächlich, dass Dauerverletzte zurück sind, die bereits Qualität nachgewiesen / angedeutet haben. Wenn Seferovic nichts zustande bekommt, ist es doch erfreulich zu wissen, dass der zweittreffsicherste Stürmer bald wieder einsatzfähig ist. Es kann absolut ausreichend sein, wenn er aus unseren wenigen Chancen mal ein Tor macht – vor allem gegen die direkte Konkurrenz. Zudem haben wir in den letzten Spielen gezeigt, dass wir in der Devensive gute Spiele machen können. Was uns komplett abging, war die Offensive. Und auch die kommt nicht über Nacht.

    Wir haben also recht zeitnah neues Spielermaterial (Dem man zwar zuschreiben kann, lange nicht gespielt zu haben. Vielleicht kann man aber auch darauf hoffen, dass sie noch gar nicht die Möglichkeit hatten, im emotionalen und sportlichen Formtief zu hängen wie alle anderen). Das können (im besten Fall) tatsächlich Verstärkungen sein. Dazu kommen mit Meier, Zambrano, Stendera 3 Spieler, die Kovac im ersten Spiel nicht zur Verfügung hatte und die man durchaus zu dem Spielermateriel zählen kann, das bei uns kicken kann.

    Soll heißen, Kovac hat neben seinen individuellen Kompetenzen als Trainer (samt Spielidee, Aufstellung, Taktik usw.) neues Spielermaterial und den nicht zu unterschätzenden Faktor Zeit zur Verfügung, um am We gegen eine Mannschaft zu punkten, die leistungstechnisch 1-2 Ligen unter Gladbach anzusiedeln ist. Für mich sind das genug Faktoren, um dem 3er gegen Hannover zumindest optimistisch entgegen zu sehen. Ob das am Ende für einen Klassenerhalt reicht, steht auf einem anderen Blatt Papier.

    Grüße

  4. Werner

    Der letzte Absatz hätte diesmal gereicht!

  5. sonny 84

    Danke, wie immer ist ihrem Artikel nichts hinzuzufügen. Hätte mir gewünscht in meinem Alter (werde im Juno 85) nicht noch einmal einen abstieg mitmachen zu müssen, denke, er ist nicht aufzuhalten. Trotz allem freundliche EINTRACHT Grüße.

  6. Wie Du sagst, man muss gegen 96 gewinnen und hoffen, dass dies zu einem Schub führt. Lies Dir noch einmal durch, was Du nach dem Hinspiel gegen Köln geschrieben hast. Es liest sich wie aus einer anderen Zeit. Es gab aber schon viele Beispiele wo es auf einmal geklappt hat. Prinzip Hoffnung. Falls es klappen sollte ist zu hoffen, dass danach trotzdem Konsequenzen gezogen werden.

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