Trippelschritt zur Hoffnung

Der Sieg von Eintracht Frankfurt gegen das nun abgestiegene Hannover 96 hat nicht mal zur Wahrhung des Status quo gereicht. Die SGE steht trotz drei Punkten nun auf einem direkten Abstiegsplatz – und dass das am Saisonende so geblieben sein wird, ist wahrscheinlich.

Als Mutmacher taugt der Samstagabend-Auftritt im Waldstadion nämlich nicht. Natürlich, der Sieg als solcher, mag man ihn gar Schweinesieg nennen, mag wieder mal ein zartes Pflänzchen sprießen lassen, wie schon so oft in dieser Saison. Die drei Punkte sorgen erstmal dafür, noch Chancen auf den Klassenerhalt zu haben. Drei, vier Teams – von denen man wenigstens für die Relegation noch ein weiteres hinter sich lassen muss – bleiben in Reichweite. Es gibt also eine CHance, die bei Niederlage und Unentschieden – zumal nach den Spieltagsergebnissen bis hierher – passé gewesen wäre.
Jedoch ist das Spiel gegen dieses Hannover nicht mehr als ein Pflichtsieg gewesen. Angesichts der Tabellensituation, klar, aber auch beim Blick auf den Gegner. Die Niedersachsen sind so schlecht, wie man lange keine Mannschaft mehr gesehen hat. Nach 10, 15 Minuten, in denen die Gäste allerdings in Führung hätten gehen müssen, war die Luft aus dem niedersächsischen Schlauchboot total raus. Der Ballbesitz ging zu gefühlt 80 Prozent auf Eintracht Frankfurt über. Dass diese dann mit dem ersten Torschuss, der nicht mal als solcher gedacht war, die Partie des 17. gegen den 18. gewinnen – zumal aus einem Haudrauf-Kreisliga-Gewusel am Strafraumeck resultierend – ist durchaus bezeichnend für die SGE-Spielzeit 2015/2016.
Dass sich die Mannschaft, speziell Torschütze Änis Ben-Hatira und das Ärgernis Haris Seferovic, in der zweiten Halbzeit dem Torschießen, der Bilanzarbeit, dem Sackzumachen in einer selten gesehenen Slapstick-Manier verweigerte, taugt nicht zu einem Positivtrend. Will man diesen erkennen, liegt er in anderen, bisweilen sehr kleinen Dingen begründet:

– Änis Ben-Hatira, der ungewollte Neuzugang, ist der einzige Frankfurt auf dem Platz, der weiß, was er tut, zutun gedenkt. Er möchte, wie der plötzlich im Abseits stehende Marco Fabian, den Ball haben, fordert ihn. Er sucht weniger das Eins-gegen-Eins als vielmehr den Weg zum Tor. Als einziger Frankfurter spielt er nicht permanent mit dem Rücken zum Tor, dreht nach Zuspiel nicht nach hinten ab, sondern will in Richtung gegnerischen Srafraum. Ein Alleinstellungsmerkal, das viel über den Zustand der Offensivabteilung aussagt.

– Constant Djakpa spielt defensiv schnörkellos, kompromisslos. Da stören die offensiven Mängel wenig, verbessert die linke Abwehrseite minimal, verbessert sie aber im Vergleich zu Dauerspieler Bastian Oczipka.

– Marco Russ, der kein Kopfballduell verliert und auch sonst mit Wucht und Robustheit abräumt. In der Innenverteidigung einfach wesentlich wertvoller als im Mittelfeld – generell ist die Innenverteidigung, ist Nebenmann Carlos Zambrano mit zu loben. Und das nicht erst seit diesem Spiel, sondern als einziger Mannschaftsteil (fast) die gesamte Saison.

– Stefan Aigner gelingt spielerisch zwar weiterhin so gut wie nichts, aber gegen Hannover war der unermüdliche Kämpfer, vor allem der knallharte Zweikämpfer wiedererwacht.

– Timothy Chandler hat nach Monaten des Totalausfalldaseins eine passable Rolle als Rechtsverteidiger gespielt.

– Marc Stendera streut in wackelige Partien wieder lichte Momente ein. Obgleich seine Standards, wie auch die eines bestimmten Kollegen (siehe unten) einfach skandalös schlecht sind.

– Grundsätzlich gibt es eine Ordnung auf dem Rasen und in drei, vier Situationen flackerte sogar mal Kombinationsspiel auf.

Demgegenüber gibt es weiterhin Schwächen, die einfach viel zu grundlegender Natur sind. Das beginnt bei Eckbällen und Freistößen, die so selbst in unteren Amateurligen in dieser Häufung nicht vorkommen. Auch die Flanken, egal wer sie nun schlägt, sind ziemlich furchtbar. Individuell:

– Stefan Reinartz ist aus seiner Verletzungszeit keinen Deut verbessert zurückgekommen, im Idealfall ist er blass, meist steckt er mitten im Gewürge und beschwört so manche Bredoullie erst herauf. Verursacher eines Elfmeters, der nicht gegeben wurde. Sinnbildlich für den Mann, der regelmäßig von Köln nach Frankfurt und zurück pendelt.

– Szabolts Huszti, man fragt sich, wieso er spielt und was er zum Gelingen des Großen und Ganzen beiträgt. Die Standardsituationen sind ein Ärgernis, bei zwei vielversprechenden Konter- und Überzahlsituationen schickt er in der Rolle als Zentraloffensver den Mitspieler vom Tor weg, anstatt den Mann, der zentral aufs Tor zulaufen kann.

– Haris Seferovic hatte zwar weniger Nullbock als zuletzt, aber seine Produktivität ist unterirdisch. Nicht nur, dass er seine x-te Großchance in dieser Saison plump versemmelt und zwei Abseitssellungen, die in Nicht-Toren resultierten, verursacht hat. Nein, er macht kaum Bälle fest, ist im ohnehin kaum vorhandenen Kombinationsspiel kein Faktor -und lamentiert bei missglückten Zuspielen der Teamkameraden. Immerhin: Er schmiss sich mehr rein, ging zu einigen Duellen, die wehtaten.

Es ist angesichts all dessen sehr fraglich, ob die Eintracht auf Fußballer, auf flinke Ballforderer wie Marco Fabian oder den schnellen David Abraham in der Defensive – ja vielleicht sogar als zweiten Sechser neben Stendera? – verzichten werden können.

Es war nicht zu erwarten und man sollte es auch nicht erwarten, dass gegen Hannover der Knoten platzen würde. Auch spielerisch standen die Zeichen auf allem, nur nicht auf Leckerbissen. Persönlich befürchtete ich gar ein weit schlimmeres Spiel als das, was letztlich aus SGE-Sicht auch spielerisch herauskam. Immerhin kam Frankfurt mal zu Abschlüssen, hielt sich rund um und gar im Sechzehnmeterrauf des Gegners auf. Es gewann zum Schluss das etwas weniger schwache Team, begünstigt durch ein, zwei diskutable Schiedsrichterentscheidungen (die im Stadion nicht so auffielen, am Bildschirm nun schon eher). Wer aus diesem Befund Nektar saugen will, der bekommt das nicht untersagt. Mein Gefühl lenkt mich in eine andere Richtung, da ich zwei Absteiger gegeneinander habe spielen sehen.

Die Konkurrenz ist schlicht gefestigt(er), von Beginn an auf den Klassenerhaltskampf eingestellt. Darmstadt 98 bricht, aller Zementtheorie eines Heribert Bruchhagen zum Trotz, nicht ein. Sie spielen ihren Stiefel runter, machen das, was sie können und haben Erfolg. Ebenso Ingolstadt. Die TSG Hoppenheim hat nun, wie vor Monaten schon der VfB Stuttgart, einfach ein realistischeres Soll aus dem Kader geholt. Und Augsburg? Da ist in diesem Jahr viel Achterbahnfahrt, jedoch ist die Mannschaft von Markus Weinzierl die Tabellenposition nicht nur gewöhnt, sie ist auch stets für einen Sieg – was mehr ist als zwei SGE-Remis – selbst nach zwei, drei Niederlagen im Stande. Womit sich, das ziemlich fulminant zwischenspurtende Weder Bremen mal ausgenommen, die Namen der Konkurrenten Eintracht Frankfurts auch schon erschöpft haben. Das Restprogramm der Frankfurter wird dem Team, dem Klub das Genick brechen. Punkten wird die SGE hier und da nochmal, aber der Sieg gegen Hannover dürfte der letzte Bundesligadreier für lange Zeit gewesen sein.
Mich als Deppen zu enttarnen, dafür besteht die Chance am 9. April ab 15.30 Uhr.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Trippelschritt zur Hoffnung

  1. wichtiger als das Wie ist jetzt das Ergebnis. Sie haben gewonnen, und sollen aus der Tatsache allein mal Kraft und Zuversicht schöpfen. Kovac hat jetzt ein paar Tage Zeit, alle auf Hoffenheim vorzubereiten (und auf nicht zu viele Gegentore in München)-

    Übrigens ist Pendeln zwischen Köln und FFM nicht wirklich so schrecklich. Machen einige Kollegen von mir (in die andere Richtung, also Job in Köln) schon seit Jahren fast täglich mit dem ICE. Bei den überschaubaren Arbeitszeiten eines Fußballprofis sehe ich die Zeit im Zug nicht als nennenswerte Belastung an.

  2. Oka

    Ich habe auch nicht die leiseste Ahnung wie wir in 2 Wochen gegen Hoppenheim bestehen sollen. Lasst uns auf das positive fokussieren und hoffen, dass Kovac jetzt Zeit hat z.B. Mit den Spielern and den Standards zu arbeiten. Eine Überraschung gegen München käme in der aktuellen Situation nicht ungelegen. Die launische Diva hat uns auserkoren…

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