Laufend zum Lauf

Natürlich ist der Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 wichtig gewesen. Natürlich ist der Sieg erfreulich. Natürlich ist der Erfolg verdient gewesen. Natürlich legen die Spieler Laufbereitschaft und Leidenschaft an den Tag. Und ebenso gilt: Natürlich wäre dieses Spiel bestenfalls unentschieden – und damit als Quasi-Abstieg von Eintracht Frankfurt – ausgegangen, wenn nicht krummste Dinger ins Mainzer Netz gefallen wären. Zu unser aller Glück ein Konjunktiv.

Weil das mit den Slapsticktoren aber so ist, wie es ist, tue ich mich mit dem kollektiv les- und hörbaren Euphorieschwung schwer. In meiner Wahrnehmung, die ich ja seit Monaten gebetsmühlenartig wiederhole, mangelte es dieser Mannschaft, diesen Spielern nie, maximal selten an der Einstellung. Es mangelt am Können, speziell am Tempo und auch Ideen/Struktur/Plan im Spiel nach vorne. Das war auch gegen Mainz so. Der Unterschied ist der einzig nicht beeinflußbare im Leben gewesen: Glück.
Jetzt kann man hergehen und die Floskel vom Glück, das man sich verdienen müsse, erzählen. Was quatsch ist. Glück hat man, oder man hat es nicht. Sein Mangel fällt einem nur auf, wenn man glaubt, es nicht zu haben und es zu brauchen.

Natürlich kann man nicht erwarten, dass nach mehr als 20 Pflichtspielen mit mageren fußballerischen Leistungen genau in der Situation die spielerischen Elemente gepflegt werden, zum Vorschein kommen, die es für das Erreichen der Minimalziele eigentlich bräuchte. Die Drucksituation, in die man sich allerdings selbst hinein manövrierte, war gegen Hannover, Hoppenheim und Mainz immens. Do-or-die – dass da die Leichtigkeit fehlt und Vertrauen in etwas, das die ganze Saison über nicht funktionierte, mit einem Mal Kombinationen und strukturiert vorgetragene Spielzüge zu sehen sind – illusorisch. Zumal angesichts der Tatsache, dass Eintracht Frankfurt ohne Stürmer spielt (Haris Seferovic ist eine Katastrophe).

Meine Skepsis, dass dieses Team den Klassenerhalt auf irgendeinem Weg schafft, gründet aber trotzdem auf diesen anhaltenden, personalunabhängigen spielerischen Defiziten. Auf dem Glauben daran, dass irgendein SGE-Spieler in der Lage ist, Darmstadt, Dortmund und Bremen (mindestens) ein Tor reinzutun. Gerade, weil die Zahl der Torabschlüsse, zumal der zwingenderen seit Monaten verschwindet gering ist. Würden sie ja wenigstens 3,4 Hochkaräter pro Partie liegenlassen … einer rutscht dann irgendwann schonmal durch. Aber wenn man genötigt ist aus der einen Halbchance pro Spiel DAS Tor für den Punkterfolg zu machen – das ist mehr als kitzelig.

Man wird dieser Mannschaft schlußendlich weder den Willen noch den Charakter absprechen können. Es sind Eigenschaften, die unter Armin Veh wie unter Niko Kovac vorhanden waren und gezeigt worden sind. Allerdings hat sich unter Kovac erst die grundlegenste aller Tugenden Bahn gebrochen: die Laufbereitschaft, auf der alles weitere fußt. Das Team ist nicht schneller geworden, natürlich nicht, aber es ist aktiver, in den offensiven Ansätzchen auch quirliger geworden (allen voran durch Änis Ben-Hatira und Sonny Kittel, selbst Mijat Gacinovic, dem zwar wenig gelang, der aber immerhin Explosivität, Dynamik, etwas Ungleichförmiges ins Spiel bringt). In den Partien gegen Gegner auf Augenhöhe, die man unter Veh reihenweise in den Sand setzte, war die Kovac-SGE die bessere Mannschaft. Hätte ein früherer Trainerwechsel also den wahrscheinlich Realität werdenden Abstieg verhindert? Die Erkenntnis reift, dass das so hätte sein können.
Gewinnt Eintracht Frankfurt in Darmstadt und endet Stuttgart vs. Bremen unentschieden, wird auch bei mir die Kerze wieder angezündet. Versprochen.

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Laufend zum Lauf

  1. Jermaine Jones Junior

    Habe ich das richtig verstanden? Die Stadt Darmstadt bzw. die Polizei Darmstadt möchte die Präsenz von Eintracht-Fans für eine bestimmte Zeit am kommenden Wochenende verbieten? Sind damit nur die Ultras gemeint oder wirklich alle? Vor allen Dingen: Wie soll dieser Plan aufgehen?

  2. F.N.

    Die grundlegenden Themen bleiben und sind beschrieben. Kovac für Veh hat schon seine Wirkung gebracht, ob es reicht, werden wir sehen. Darmstadt wird wieder ein krampfspiel, aber die SGE kann gewinnen und tut es hoffentlich auch.
    Eines hat der Sonntag mir gezeigt: ohne die Eintracht und die Emotionen wäre das Leben nicht ganz so schön.
    Zündet die Kerzen an!!!

  3. Olsen

    Meiner Meinung nach hat sich das Spiel unter Kovac grundlegend geändert, woraus ich immer wieder schlussfolgere, dass Veh einen recht großen Teil an der spielerischen Misere hatte.

    Welche Namen am Ende auf dem Zettel stehen, ist ja fast schon egal. Wichtig ist, mit welchem Plan die Spieler das Feld betreten. Und sorry, aber unter Veh war zu 80% der Spiele überhaupt kein Plan zu erkennen und am Ende – wofür der Eintracht hier ganz gern Stabilität nachgesagt wird- hat die Mannschaft quasi nichts gemacht außer irgendwie zu verteidigen. Aber es war nicht der Hauch Ansatz zu erkennen, dass wir irgendwie der Meinung waren, auch ein Tor zum Spiel beitragen zu müssen.

    Das hat sich unter Kovac um 180% gedreht, auch wenn er aus begrenztem Material nicht auf Knopfdruck eine spielerisch astreine Truppe gemacht hat. Das war zu keiner Zeit zu erwarten. Dennoch hatte man in sämtlichen Spielen (außer Gladbach/Bayern) die Hoffnung, mit ein wenig Glück vielleicht sogar selbst erfolgreich sein zu können. Das ist uns in sämtlichen Spielen zuvor gegen Gegner auf Augenhöhe (und gegen nahezu jeden anderen Gegner auch) komplett abgegangen.

    Für mich ist unter Kovac genau das eingetreten, was ich mir erhofft habe – nur eben zu einem verdammt späten Zeitpunkt. Und wenn du eine verunsicherte Mittelfeldmannschaft ohne Konzept übergeben bekommst, kommt im besten Fall genau das raus, was wir gerade sehen. Die Truppe will, die Truppe hat sich den letzten Erfolg hart erarbeitet und auf einmal glaubt die Truppe auch noch an die eigene Chance. Lass uns mal gegen Darmstadt in Führung gehen, dann brennt die Hütte.

  4. sonny 84

    Auch wenn ich mich immer wiederhole, ihre Artikel sind ehrlicher und Fundierter als alles was in den gesamten Gazetten im gesamten Rhein-Main geschrieben wird. Bitte weiter so.

  5. Oka

    Was ist eigentlich mit Marco Fabian, der hat mir wirklich gut gefallen. Steckt hinter den Vorwürfen von Fabian’s Vater bezüglich Brasilien – Mexiko tatsächlich etwas dahinter? Den würde ich sehr gerne zumindest als Einwechselspieler sehen – ein weiterer abgebrühter Spieler!

    • Werner

      Gazetten sind eben „embedded“!!
      Im Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt gibt es sogar, völlig widernatürlich, einen „embedded Blog“!

  6. Oka

    Schöner Artikel den ich voll und ganz unterstütze. Wie du schreibst ist es sehr schwer vorstellbar, dass die Jungs auf einmal viele Torchancen heraufbeschwören. Allerdings ist diese grundsolide Defensive ein Fundament auf dem sich aufbauen lässt. Nur nebenbei fand ich es imposant, als Zambrano gegen Mainz reingekommen ist und auf einmal überall war und 1-2 brenzlige Situationen geklärt hat. Die gelbe Karte hat das leider etwas getrübt. Neben der stabilen defensive haben wir Mainz im Großen und Ganzen kontrolliert. Sollten wir Darmstadt auch in dieser Form kotnrollieren, brauchen wir vorne nur wieder einen Ausrutscher. Das sollte in 90 Minuten möglich sein. Gegen Dortmund sollte dann der Laden dicht gemacht werden und ein unentschieden errungen werden.

    Ich denke es wäre fast besser wenn Stuttgart oder Bremen gewinnt. Meiner Ansicht nach kommen wir um eine Relegation nicht herum, von daher sollten wir versuchen eine Mannschaft noch hinter uns zu bringen.

    Zu Veh oder Kovac, das sind alles nur Spekulationen. Ich persönlich muss aber sagen, dass mir Kovac bisher gut gefällt und er und die Mannschaft auf das wesentliche fokussiert sind.

  7. Olli

    Ich kenne die Regularien nicht, aber könnte man jetzt Bendtner für die letzten Spiele 3 verpflichten nach der Vertragsauflösung?
    Nicht das das was mit Perspektive wäre, aber ich glaube das er besser ist als alles Offensive was wir aktuell insgesamt aufbieten können.
    Gebt ihm kein Grundgehalt, dafür 100.000 € fürs Auflaufen, jeden Punkt und jedes Tor, dazu noch 10.000 € für jeden gelaufenen km. Und wenn er sich am Ende mehr als ne Million verdient hat solls mir recht sein und er darf stolz seines Weges gehen und wen anders unglücklich machen.

    Vielleicht braucht es neben Ben-Hatira (und dem ehemaligen Zambrano) noch ein weiteres Arschloch im Team.

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