Monatsarchiv: Mai 2016

Ein neues Gesicht plastizieren

Für das Aufräumen kann man sich bei Eintracht Frankfurt im Frühsommer 2016 glücklicherweise etwas Zeit lassen. Nicht auszudenken, was bei einem Abstieg alleine auf der zeitlichen Ebene für Probleme aufgetreten wären – die Zweitligasaison, und somit die Vorbereitung samt Kaderzusammenstellung, beginnt schließlich viele Wochen früher als im Oberhaus. EM-Verschnaufpause, Sondierung des „überhitzen Markts“, generelle Aufarbeitung samt (Führungs)personeller Konsequenzen? Nichts davon wäre möglich gewesen – dass aber der Aspekt der (Führungs)personellen Konsequenzen ausbleiben wird, steht auch trotz allem zeitlichen Zugewinn zu befürchten. Vorstandsmitglied Axel Hellmann kündigt zwar die nüchterne Aufarbeitung der Saison, die Gründe für das miese Abschneiden an. Dass dabei auch die Rolle von Vorstand, Sportdirektor und Aufsichtsrat zur Sprache kommt, wäre in der Eintracht-Logik neu.

Zur Schlussfolgerung zur kommen, dass der Kader untauglich (zusammengestellt) war und ist, wäre jedenfalls keine zeitgemäße Analyseleistung. Das ist Erkenntnisstand aus dem Herbst 2015. Dass die Winterneuzugänge – trotz „Reset-Knopf“-Beteuerungen – untauglich sind, war auch schon nach wenigen Wochen zu erkennen. Entscheidend ist die Aufarbeitung der Gründe dieser Entscheidungen und Entwicklungen und die Klärung der Verantwortlichkeiten dafür: Wer war maßgebend am Kader 2015/2016, für den Entschluss, ohne Rechtsverteidiger und ohne Linksaußen (bei gleichzeitigem Verkauf von Takashi Inui) in die Saison zu gehen, beteiligt? Wieso wurden – Stichwort Konzeptlosigkeit – 3,5 Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben, der nach dem Trainerwechsel im Handstreich ausgebootet wurde und nun offenbar zum Weiterverkauf steht? Und grundsätzlich: Wer übersah / verkannte die Entwicklung des Profifußballs zu immer mehr Geschwindigkeit in Beinen und Kopf? Lügen sich Eintracht Frankfurts Funktionäre in diesen Fragen eins in die Tasche, fallen darauf folgende konzeptionelle und personelle Veränderungen flach, wird die strukturelle Problematik, die unmittelbar auf das Tagesgeschäft wirkt, weiterhin bestehen.

Im Kader wird sich indes, davon bin ich überzeugt, einiges tun (müssen). Zum Einen aufgrund des überraschenden Karriereendes von Stefan Reinartz, den langfristigen Ausfällen von Marco Russ und Marc Stendera, mit denen wohl jeweils nicht vor der Rückrunde zu rechnen ist, wenn überhaupt – und in völlig unklarer Verfassung. Zum Anderen aufgrund der langfristigen Notwendigkeit, Transfererlöse in einer gewissen Größenordnung zu erzielen. Für Letzteres bieten sich die üblichen Verdächtigen an: Carlos Zambrano, Stefan Aigner, David Abraham, selst ein alternder Alexander Meier, wahrscheinlich gar Bastian Oczipka. Die Crux: In Normalform sind sie, die gewissen Summen einbringen würden, alle mit die sportlich Besten, die Frankfurt hat und gleichsam die Gesichter, Sympathieträger des Klubs.
Hingegen tummeln sich auf der Ersatzbank (weiterhin) zu viele Spieler, die eine Kompensation etwaig ausfallender Qualität nicht gewährleisten können. Dass, wenn Meier ausfällt, kein gleichwertiger Offensiversatz vorhanden ist, liegt in der Natur der Sache: Meier ist ein Hochqualitätsspieler, über all die Jahre und bis heute trotz aller gestiegener Wertschätzung unterschätzt, dessen Güteklasse für keinen Mittelklasseverein non chalant zu finden wäre. Das weitaus größere Problem ist, dass auch kaum ein anderer Stammspieler mittel- oder gar langfrisitg adäquat ersetzt werden kann. Für Stefan Aigner fand sich allen Formkrisen zum Trotz kein Konkurrent, gleiches gilt für Bastian Oczipka und Marc Stendera, Haris Seferovic mutierte gar in Verkennung sämtlicher Harm- und Lustlosigkeit zum Immerspieler und Szabolcs Husztis Aufstellungsgarantie erschöpfte sich auch, weil er der einzige mit passablen bis guten Standards war. Lediglich sporadisch blitzten mal unstete Spieler wie Änis Ben-Hatira, dessen Transfer ja auch nur ein Zufallsprodukt war, und Sonny Kittel, zuletzt Mijat Gacinovic mit schwungvollen Aktionen auf. Doch das verpuffte beständig nach ein, eineinhalb Spielen. Es gab und gibt keine Herausforderer für die Platzhirsche, was aufgrund geminderter Konkurrenz- und somit Antriebssituation nicht nur deren Leistung(svermögen) verringert, sondern die Mannschaft als ganzes in die Bredoullie bringt, sobald einer, gar zwei aus der ersten Elf ausfällt / ausfallen bzw. Formkrisen haben.

Angesichts dessen bedarf es also natürlich mehrerer Neuzugänge, je nach Zahl der Abgänge kalkuliere ich mit mindestens einem halben Dutzend, eher 7+ Transfers ins SGE-Trikot. Die Eintracht hat nämlich – und das ist für alles Folgende wichtig zu wissen – nur zwei Mannschaftsteile, die in Bezug auf ihre Qualität unproblematisch sind: Torwart und Innenverteidigung (wobei hinter Abraham/Zambrano nun, da Russ auf unbestimmte Zeit ausfällt, mindestens ein Neuer her muss –> Robin Knoche vom VfL Wolfsburg wäre bspw. ein Top-Mann, auch der vertragslose Roman Neustädter von Schalke 04).
Also wird sich das Gesicht von Eintracht Frankfurt wandeln müssen, und zwar hin zu einer aktiveren, flinkeren Mannschaft. Das lässt sich mit einem Gros des bestehenden Kaders, der mit Ach und Krach die Klasse gehalten hat, nicht bewerkstelligen. Neuzugänge bedarf es in allen Mannschaftsteilen, fast sogar auf allen Positionen.

– Rechtsverteidigung
– Linksverteidigung
– Zentrales, defensives Mittelfeld
– Rechtsaußen
– Linksaußen
– Sturm

Rechtsverteidigung

Die Lücke, die der Abgang von Sebastian Jung riss, ist auch im zweiten Jahr nicht geschlossen worden. Und das, obwohl sich eine ganze Schar an Spielern auf dem einst als Teil der „Sahneseite“ gepriesenen Flügel verdingte. Vor allem Timothy Chandler, der schon in der Vorsaison und vor seiner Verletzung sowie Gold-Cup-Ausflügen bestenfalls blass blieb, läuft der Musik hinterher. In die trotz allem nicht übergroßen Fußstapfen von Jung kann er nicht treten. Und das, was man bisher von
Yanni Regäsel gesehen hat, sieht auch mehr nach Back-Up-Qualität denn Stammspielerpotential aus – obgleich er in einer schwierigen Phase nach Frankfurt kam, was aber wiederum für alle Neuzugänge, speziell für junge Spieler auch DIE Chance ist, sich zu etablieren, wenn sie einen Unterschied machen. Was Regäsel nicht tat. Chandler zu verkaufen und stattdessen einen neuen Spezialisten für die Position zu verpflichten, sollte angestrebt werden. Offensichtliche, aber nicht zwingend geeignete Kandidaten wären etwa Oliver Sorg (Hannover 96) oder Daniel Schwaab (Stuttgart).

Linksverteidigung

Auf der Dauerthemen-Position sind bereits Fakten geschafftn: Constant Djakpas Vertrag wird nicht verlängert, womit Bastian Oczipka derzeit der einzige gelernte Linksverteidiger im Kader ist. Unabhängig davon, wie man zum Qualitätsunterschied Djakpa/Oczipka stand und dass eine Doppelbesetzung auch dieser Position zwingend ist, braucht es jemanden, der wenigstens dafür sorgt, dass Oczipka wieder an das Leistungsvermögen herankommt, was er in den vergangenen beiden Saisons jeweils mal für 3,4 Spiele am Saisonende erreichte. Das ist dann nicht das Niveau der Aufstiegssaison, wo er wie viele andere offenbar weit über Standard spielten, aber es ist ein gutes, mehr als solides Niveau. Ergo: Über einen höherwertigen Neuzugäng mindestens den Konkurrenzkampf erhöhen.

Zentrales Mittelfeld

Neben dem zwingend zu haltenden, das Spiel ordnenden Makoto Hasebe braucht es einen zentralen Antreiber, einen der konsequent die Wege nach vorne mitgeht und auch Torgefahr ausstrahlt – via Passspiel und Überzahlschaffung würde ja schon reichen – und im Idealfall selbst zumindest vier, fünf Saisontore erzielen kann (Marc Stendera, der aber monatelang ausfällt und nach seiner nächsten schweren Verletzung sicher nicht besser zurückkommt, wäre das – in der Theorie, ihm mangelt es aber am entscheidenden Punkt: Tempo). Der so oft erwähnte Ex-SGEler Sebastian Rode wechselt jedenfalls für 8,5 Millionen Euro (!) zu Borussia Mönchengladbach; aber es gibt ja noch andere Spieler der Güteklasse. Ein solcher wäre vielleicht Lukas Rupp (Stuttgart), der aber offenbar einen Wechsel nach England anstrebt. Pierre Emile Höjberg (Bayern/Schalke) dürfte nicht nur zu teuer, sondern auch generell gnadenlos überschätzt sein. Der sicher zu habende Christoph Moritz (Mainz 05) scheint ein ewiges Talent zu bleiben.

Rechtsaußen

Wie oben beschrieben, ist es zu keinem Zeitpunkt gelungen einen auch noch so schwächelnden Stefan Aigner zu ersetzen. Änis Ben-Hatira kommt dafür langfristig nicht in Frage, Sonny Kittel ist aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit ein ewig unsteter Faktor (und soll unwillig sein, seinen auslaufenden Vertrag zu verlängern). Selbst für den Fall, dass Aigner – der natürlich zu den Sympathieträgern des Klubs zählt – in Frankfurt bleibt und nicht zu Geld gemacht wird, ist man mit einem aufstrebenden Konkurrenten gut beraten – zumal Aigner im August 29 wird, man früher oder später sowieso adäquaten Ersatz für den in Normalform sicher schwer Ersetzbaren finden muss. Wieso also nicht dessen erste verkorkste und aufgrund seiner bisherigen Leistungen absolut entschuldbare Saison dafür zum Anlass nehmen? Wechselt er, müssen gleich zwei Neue her; und darunter zumindest ein Nicht-Nick-Nobody. Tipp im eintrachttypischen Scouting-Stil: Sidney Sam wird wieder aufs Radar genommen.

Linksaußen

Die Position lag und liegt im Prinzip brach. In der Relegation hat Mijat Gacinovic bewiesen, dass er quirlen und effektiv sein kann – allerdings gegen einen mauen, bestenfalls biederen Zweitligisten. Sein Problem der Physis und Ballverluste im Driblling dürften sofort wieder zum Tragen kommen, sobald er gegen bessere Außenverteidiger spielt. Von daher sollte man sehr vorsichtig sein in der Bewertung des Serben. Als Dampfmacher, als regelmäßiger Einwechselspieler muss er, wird er eine stärkere Rolle spielen als zuletzt. Aber Stammkraft? Das scheint noch zu ambitioniert. Das, was der Klub mit Marco Fabian vorhat(te), ist nach wie vor unklar. Stürmer? Zehner? Linksaußen? Mittlerweile scheint ein schneller Weiterverkauf nicht mal mehr ausgeschlossen. Von daher herrscht auf dieser Position Nachholfbedarf; und zwar im „Spitzensegment“, nicht auf der Resterampe etwa des Hamburger SV – Stichwort Kategorie Ivo Ilicevic. Alexandru Maxim (Stuttgart) wäre dann sozusagen ein zweiter Marco Fabian, auf denselben drei Mittelfeld-Positionen einsetzbar. Vorstellbar, und ähnlich unbefriedigend wie Ilicevic, dass die Eintracht abermals bei Edgar Prib (Hannover 96, zuvor Fürth) anfragt. Daniel Caliguri (Wolfsburg) soll bei seinem Konzern nicht mehr wohlgelitten sein, die SGE war vor rund einem Jahr am 28-Jährigen wohl schon interessiert. Neuer Anlauf? Keine zu schlechte Idee, jedenfalls mittelfrisitg mit dem Ziel, Gacinovic hinter ihm aufzubauen.

Sturm

Abseits der Frage, ob Alexander Meier sich seinen USA-Traum erfüllt oder in China nochmal Geld für die nächsten zehn Familiengenerationen verdienen will, muss endlich ein Ersatzoffensiver in seinem Schatten aufgebaut werden. Einer, der zwar als anderer Spielertyp, aber eben vom selben Qualitätsschlag ist. Eine Herkulesaufgabe, keine Frage. Aber unmöglich darf es nicht sein, einen konstanten, beständigen Goalgetter wenigstens zu formen. Miroslav Klose wäre das aller Prominenz zum Trotz nicht. Einen Alternden ersetzt man sicher nicht durch einen noch Älteren.
Ein Verkauf von Haris Seferovic, der bezeichnenderweise eine Rote Karte im Testländerspiel vor der EM sah, sollte indes zwingend angestrebt werden. Zum Einen würde das eine nicht zu geringe Summe einbringen, zum Anderen sind seine Leistungen exakt so eingedampft worden, wie das in seiner Karriere überall, bei allen Stationen der Fall war. Seferovic ist eine Einsaison-Fliege, das dürfen die Investoren in England nur nicht vor der Überweisung auf das Frankfurter Konto erfahren.
Luc Castaignos wird man die kommende Spielzeit noch zugestehen müssen, um sich ein abschließendes Bild zu machen. Zweifel ob seiner Tauglichkeit, zumal als Starteflspieler sind nach allem was man bisher sah jedoch angebracht.
Ein Kandidat zumindest für eine Seferovic-Nachfolge wäre der in Gladbach nicht glücklich gewordene, nun ablösefreie Branimir Hrgota. Auch der Stuttgarter Timo Werner, an dem allerdings auch der hochsympathie Konzern aus Leipzig dran sein soll, ist zu nennen. Josip Drmic, der vergangene Saison von Mönchengladbach an Hamburg ausgeliehen und vor allem verletzt und außerhalb Nürnbergs stagnierend war, dürfte jedenfalls als Möglichkeit geprüft werden. Admir Mehmedi von Leverkusen wäre indes ein Stürmertyp, den es in Frankfurt noch nicht gibt.

Insgesamt sind die Namen derer, die in der Bundesliga spielen und dem Team (zumal kostengünstig) weiterhelfen könnten, recht überschaubar. In der zweiten Liga wird ja traditionell bei den Teams gewildert, die knapp den Aufstieg verpasst haben – doch wenn man etwa den FC Nürnberg sah, würde sich kein einziger interessanter Spieler aufdrängen. Am ehesten noch Hanno Behrens, Ex-Darmstädter, und Sebastian Kerk (zurück in Freiburg) aber so recht ins Qualitätsprofil passt jedenfalls Mittelfeldspieler Behrens nicht. Kerk schon eher, von der quirligen Spielanlage her gesehen zumindest.

Der Blick auf die Eintracht-Nachwuchsspieler: Vom einst gelobten Joel Gerezghier sollte man sich nichts erwarten, er schaffte es nicht mal beim abgestiegenen FSV Frankfurt, ein Faktor zu sein. Luca Waldschmidt, in der zweiten Liga wäre seine Stunde im SGE-Dress sicher geschlagen. Aber in Liga 1? Noch so ein unwahrscheinlicher Fall. Enis Bunjaki, Nico Rinderknecht und wer eventuell noch aus der A-Jugend aufrückt, sind mit Sicherheit keine Spieler, über die man die Saisonziele definieren sollte.

Die Ligen in Belgien und Polen rückten ja europaweit in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus, nicht unwahrscheinlich, dass dort geeignete Spieler unterwegs sind. Welche Namen sie auch immer tragen.
Aber es kommt sowieso alles anders.

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Der Umbruch

Eintracht Frankfurt wollte schon oft „Reset-Knöpfe drücken“, ein „weiter so“ nicht zulassen und Althergebrachtes verändern und Aufbruchsstimmung erzeugen. Es waren stets Lippenbekenntnisse, die Realität fing diesen Klub aufgrund struktureller Unzulänglichkeiten und Fehlentwicklungen immer wieder ein – gipfeld in Entscheidungen, wie jener, die U23 abzumelden. Dass es in puncto grundsätzlicher Ausrichtung nach diesem, auf 34 Spieltage gesehen schmeichelhaften Dusel-Klassenerhalt anders wird, dafür gibt es zumindest erste Indizien.

So soll etwa Sportdirektor Bruno Hübner in seinem Aufgabenbereich zumindest gestutzt, wenn nicht sogar von seinen Aufgaben entbunden werden. Die Transferbilanz des Funktionärs, die hier im Blog schon mehrfach Thema war, liest sich ernüchternd. Der Großteil aller Transfers der vergangenen drei Jahre entpuppte sich bestenfalls als Mitläufer, schlimmstenfalls als Flop. Akteure der Güteklasse eines Slobodan Medojevic, Lucas Piazon, Kaan Ayhan, auch Yanni Regäsel etc. bringen die Mannschaft nicht mal in der Breite weiter. Es geht ja nicht darum, dass jeder Neuzugang ein Volltreffer sein muss, so wie das einst bei Kevin Trapp, Stefan Aigner und Carlos Zambrano der Fall war. Mit Makoto Hasebe vor zwei und Lukas Hradecky sowie David Abraham vor einem Jahr, gelang Hübner auch weiterhin der eine oder andere gute Griff. Was jedoch auffällt: Es sind Defensivspieler, Verhinderer, bei denen er (wie zuvor schon Heribert Bruchhagen) ganz gut liegt.
Sobald es aber um gestalterische, antreiberische, dynamische, flinke, trickreiche, vor allem aber offensiv ausgerichtete, tor(vorbereitungs)gefährliche Spieler geht, leistet man sich in diesem Verein einen Fehlgriff nach dem nächsten. Jüngste Beispiele: Haris Seferovic galt vor seinem Wechsel zur SGE als launisch, als one-hit-wonder. Das hat sich – Klassenerhaltstor hin oder her – bestätigt. Luc Castaignos fehlt es an grundsätzlichem fußballerischen Rüstzeug, er ist erstmal nur schnell; was bei der ziemlich lahmen Eintracht aber ja ein Wert an sich ist. Nicht zuletzt die in der qualitativen Bewertung umstrittene Personalie Vaclav Kadlec – zur Einordnung: Er hat in Dänemark in fünf Spielen eine Torvorlage zu Buche stehen und ist seit Anfang April verletzt. Und Marco Fabian? Das wird sich nun, da seine 3,7 Millionen Euro Ablöse nicht im Schornstein der zweiten Liga verrauchen, noch weisen können.

Bliebe es beim Konjunktiv eines Hübner Aus‘, würde gegebenenfalls nicht mal sein Zuständigkeitsbereich massiv gestutzt, wäre das schon das Ende eines Neustarts im Sinne von „Wir haben (endlich) verstanden“. Denn: Er wiederholt selbst nach dieser peinlichen Saison das Mantra der überzogenen Erwartungshaltung – und Kritik an der nun wirklich offenkundigen Konzeptlosigkeit kann er auch nicht nachvollziehen.

A) Zur Erwartungshaltung – die der Hessische Rundfunk ebenfalls einfach als Fakt übernimmt – habe ich so oft so viel geschrieben, dass ich nur noch, von der Dauerschleife dieser Märchens genervt, exemplarisch verlinken möchte. Hier und hier beispielsweise.

B) Zur Konzeptlosigkeit das aktuellste Beispiel: Eintracht Frankfurt will Ivo Ilicevic vom Hamburger SV verpflichten. Der ist, wie bereits beschrieben, eher Typ Mitläufer und von den Leistungsdaten noch unter dem Niveau von Hertha-Pflichtgeschenk Änis Ben-Hatira. Jetzt soll Ilicevic aber wohl doch nicht kommen, weil Mijat Gacinovic in der Relegation gegen Nürnberg stark spielte. Jener Gacinovic, den man einst verpflichtete, weil …? Offenbar wusste und weiß man das selbst nicht. Es bedurfte jedenfalls der größten spielerischen Armut und der allerletzten Patrone des neuen Trainers um nach erreichtem Klassenerhalt zu erkennen, dass der Serbe mehr als ein Investment in eine ferne Zukunft sein kann.
Übrigens: Dass der Klub kein Konzept hat, ist auch daran zu erkennen, dass erst kürzlich mit Hübner, der extern wie intern massiv in der Kritik steht, der Vertrag verlängert wurde.

Die Kernfrage in Bezug auf (Neu)Ausrichtung in Personal wie Struktur wird sein, wie kumpelhaft es im Aufsichtsrat zugeht, zugehen darf. Gibt es in dem Gremium Fachmänner, An- und/oder Wortführer, die verstehen, dass man aus dem immergleichen Sud, in dem der Klub seit Jahren liegt, heraustreten, „neue“, mindestens aber andere Wege gehen muss? Wege, zu denen prioritär eben nicht so Ferz wie internationale Vermarkung eines Geradeso-Erstligisten oder Stadionmiete zählen, sondern ganz grundsätzliche Strategiefragen (die auch kein Abweichen eines finanzsoliden Kurses erfordern): Da ist die Jugendabteilung, das Leistungszentrum und die konsequente Durchlässigkeit in Richtung Profimannschaft entscheidend. Spieler zu entwickeln, die nicht als Kaderfüller den Altersschnitt senken, sondern die von Jahr eins an auch mal eine Bereicherung sein können – erst sportlich, dann finanziell. Heißt: Es muss mal in Zeiten außerhalb der schieren (Finanz)Not das Modell der Jugendintegration verfolgt werden. Aus der Region, im Idealfall, aber eben auch mit Fühlern in die traditionell guten Ausbildungszentren wie etwa jene in Stuttgart, München oder Rostock. Daneben braucht es eine Vorstandsriege, die dem jeweiligen Trainerteam klare sportliche wie spielersiche Vorgaben macht: Diese Tabellenregion will man erreichen, mit diesem Spielstil und diesem Personal – bitte umsetzen. Also ja, Prinzip Heidel-Mainz, Reuter-Augsburg oder Zorc-Dortmund. Mit Axel Hellmann und Peter Fischer gehören jedoch gleich zwei Funktionäre eben diesem SGE-Vorstand an, die durch den klassisch vereinsmeierischen eV sozialisiert sind. Etwas, das weder in Geschichte noch in der Gegenwart von Eintracht Frankfurt Lob oder Mutmacher war/ist. Da fehlt es an Sachverstand, der für solche Vorgaben nötig wäre.

Und jetzt, da tätsächlich Fredi Bobic – schon wieder ein „Kind der Bundesliga“ – der Nachfolger Heribert Bruchhagens wird, obgleich mit verändertem Tätigkeits- und Kompetenzzuschnitt, ist die Verbesserungshoffnung gleich zu Beginn gestutzt. Meine jedenfalls. Laut Aufsichtsrat habe Bobic ein „weltweites Netzwerk“ und sei der richtige Mann für die „Weiterentwicklung“ des Vereins. So sehr ich bereit bin, auch ihm eine Chance zu geben: Mir fehlt nach dem, was ich von ihm mitbekommen habe – das Wirken als Stuttgart-Sportdirektor, öffentliche Aussagen und Auftritte – schlicht der Glaube in seine dahingehende Kompetenz – was die Arbeit für die anderen Führungskräfte weiterhin ziemlich entspannt macht. Und für die Skepsis braucht es nicht mal die abkanzelnden Aussagen des hochkompetenten Robin Dutt über seinen Vorgänger Bobic – in Stuttgart gibt es sehr sehr viele, die mit Bobic den Anfang vom Ende der Erstklassigkeit verbinden. Mit ihm beganng der stetige Abschmelzprozess bis hinein in die zweite Bundesliga. Das hier ist die Essenz seiner Bilanz:

2011/2012 (die 1. ganze Saison vor der Bobic die Hohheit über die Kaderplanung hatte):
Der VfB erreichte Platz 6. Bobic verpflichtete vor der Saison etwa Vedad Ibisevic, Ibrahima Traore und Wiliam Kvist, erwirtschaftete Transfereinnahmen von 18 Millionen Euro bei 11 Millionen Euro Ausgaben.

2012/2013
Der VfB erreichte Rang 12. Bobic verpflichtete als einzigen, der sich dauerhafter durchsetzten konnte Alexandru Maxim (in der Winterpause). Daneben viele Flops á la Tunay Torun, Tim Hoogland, Felipe und Frederico Macheda. Finanzielle Transferbilanz: ein abermaliges Plus von 7 Millionen Euro.

2013/2014 (die letzte Saison in der Bobic für die Kaderplanung verantwortlich war)
Der VfB erreichte Rang 15. Bobic verpflichtete vor Saisoneginn Mohammed Abdellaoue, Sercan Sararer, Konstantin Rausch, Daniel Schwaab, Karim Haggui, Gotoku Sakai und Torwart Thorsten Kirschbaum. Transferbilanz: plus/minus 0.

In seiner allerersten Saison als Funktionär in Stuttgart – er begann Ende Juli 2010, die Saison startete drei Wochen später – zeichnet er vor allem für Winterneuzugang Shinji Okazaki verantwortlich.
Das vom Frankfurter Aufsichtsrat gelobte „weltweite Netzwerk“ Bobics dürfte sich zunächst einmal auf derzeitige und ehemalige Stuttgarter Spieler reduzieren.
Zu nennen wären da:

– Abwehrspieler Daniel Schwaab, der zwar ablösefrei zu haben ist, aber in drei Jahren als Stammkraft immer wieder durch viele Defensivschnitzer auffiel. Anders als in Leverkusen, als er noch Pendler zwischen Feld, Bank und Tribühne war. Einschätzung: Die Verpflichtung des nun auch „schon“ 28-Jährigen etwa als Ersatz von Carlos Zambrano oder Marco Russ macht aus qualitativen Aspekten keinen Sinn.

– Mittelfeldspieler Alexandru Maxim, den Bobic entdeckte und zum VfB holte. Dieser wittert nach dem Didavi-Abgang zwar seine Stammplatz-Chance in der zweiten Liga, aber den Standardspezialisten zu verpflichten dürfte nicht unmöglich sein. Einschätzung: Wenn für kleines Geld zu haben, wäre er als Kompensation für Stendera und/oder Ersatz für Huszti (zentral) eine gute Wahl, ist aber kein Muss.

– Stürmer Timo Werner, der unter Bobics Funktionärsdasein in die erste Mannschaft rückte. Dem immernoch erst 20-Jährigen werden jetzt schon Vorwürfe gemacht, nur ein ewiges Talent zu sein. Steigt der Leipziger Konzern nicht in den Wettstreit ein, könnte Frankfurt Chancen auf eine Verpflichtung haben. Einschätzung: Wäre ein dringend benötigter Gewinn für die SGE-Offensive.

Interessanter als Bobics Netzwerk dürften die Kontakte von Trainer Niko Kovac sein. Hier mal die kroatische Nationalmannschaft, die er während der EM-Qualifikation 2014/2015 betreute.

Zurück zu aktuellen Eintracht-Personalien: Dass Alexander Meier den Verein verlassen wird, war mir irgendwie klar. Er ist seit mehr als zehn Jahren der beste Spieler dieser Mannschaft, er ist auf- und abgestiegen, hat im Europapokal gespielt, ist vor einem Jahr Torschützenkönig der Bundesliga geworden, vermied den finanziell bestimmt sehr lukrativen Wechsel im Winter und hat den kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt – sozusagen die Meisterschaft der miesen Teams – miterreicht. Was will Meier noch in Frankfurt, was könnte ihm noch Nennenswertes gelingen, wem würde er noch etwas beweisen? Der Zeitpunkt für ein Adieu aus Frankfurt könnte besser kaum sein, er würde dieses Team so ziemlich auf der, jedenfalls auf einer emotionalisierten Höhe verlassen. Er würde allen Fans und Funktionären für immer in Erinnerung bleiben als einer der wenigen Spieler, die auch in gröbsten Hire-and-fire-Zeiten ewigtreu blieben und vor allem als einer, der stets Leistungen brachte, die weit über dem Normalen lagen und liegen. Allem Bashing, allen Unterstellungen, allen Trainer- und Mitspielerwechseln zum Trotz.
Traurig stimmt mich persönlich sein Abschied allemal. Ich habe ihn immer für den besten Spieler Eintracht Frankfurts gehalten, den besten seit den bis heute verehrten Tony Yeboahs, JayJay Okochas etc. Anders, klar, ganz anderer Spielertyp, aber qualitativ keineswegs hinter ihnen zurück. Das Jahr würde kommen, in dem Alexander Meier – der für mich ab 2005 so etwas wie das Zugpferd der neuen Eintrachtliebe, die nach all den Skandalen, sportlichen Pleiten und Peinlichkeiten mehrere Jahre schwer eingetrübt war – nicht mehr für die SGE spielen wird. Das Wichtigste ist, dass niemand von uns den Frankfurter Star der 2000er-Jahre in einem anderen Bundesligatrikot sehen musste.

Ich gehe jedenfalls davon aus, dass in den nächsten Wochen so einige Spieler die Eintracht verlassen werden, die den Kern des Teams seit dem Aufstieg 2011 ausmach(t)en. Klar ist bislang: Der Niemals-Nörgler und in meiner Wahrnehmung im Vergleich zu seinem Positionskonkurrenten Bastian Oczipka nicht schwächere Constant Djakpa wird gehen, ebenso der vierte Torwart Yanik Zummack. Bei Meier darf man also getrost von einem Eintracht-Ende ausgehen, dazu wird es Verkäufe von Carlos Zambrano und wohl auch Stefan Aigner geben – wenn man einen der beiden angesichts der Abstinenz von Russ und Meier nicht als den dann so ziemlich letzten verbliebenen Führungsspieler und Kapitän sieht. Im Gegensatz dazu könnte Haris Seferovic durch seinen Immeraufsteller, Trainer Niko Kovac sogar eine Zukunft in Frankfurt haben – was aber total unvernünftig wäre, sowohl finanziell als auch atmosphärisch wie qualitativ. Bei einem Meier-Abgang wird man sich einen Verkauf des Schweizers trotzdem überlegen müssen; es sei denn, irgendein Geld-gelangweilter aus England bietet ein Mondsümmchen. Die anstehende EM lässt darauf zumindest hoffen.
Aber mehr noch als in der Startelf, für deren Spieler man allerdings gewisse Preise verlangen kann, wird man in der zweiten Reihe ran müssen. Chandler/Regäsel, Medojevic, Ignjovski, Ben-Hatria, auch Fabian, Castaignos und Waldschmidt sowie dem semi-sportinvaliden Bamba Anderson: Zu selten haben diese Spieler in ihren Rollen geholfen, selbst als kurzfristige Lückenschließer dienten sie kaum.
Und durch die Langfrist-Ausfälle von Stammkräften wie Marco Russ und Marc Stendera, auch der sicher nicht ganz klaren Zukunft von Szabolcs Huszti braucht es vor allem in der Qualitätsspitze Zukäufe, eben nicht nur in der Breite. Diesmal müssen in der Offensive gleich zwei, drei sehr gute Spieler her – und zwar welche, die gleich, sofort, unmittelbar zünden und wenigstens den qualitativen Status quo der Meier-SGE gewährleisten. Für 150 000 Euro pro Kopf wird es die nicht geben; aber auch nicht für 3,5 Wundertüten-Millionen á la Kadlec und Fabian.
Mal als Tipp an die mitlesende Social-media-Crew der Eintracht —> Branimir Hrgota (Borussia Mönchengladbach), den ich jetzt die vierte Transferphase in Folge in Frankfurt sehen möchte und der nun ablösefrei zu haben wäre.

So, Stopp jetzt! Es hat gerade mal einen Tag gedauert, bis mich dieser Klub wieder emotionalisiert an die Tastatur getrieben hat. Entschuldigung für diesen Endlos-Text – aber danke für so viel Zuspruch und gute Wünsche!

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Es geht weiter

Das sportlich Schlechteste kam zum Schluss – aber das Gewürge mündete im Klassenerhalt. Mit einer Geschichte, die so kommen musste: Der anno 2015/2016 schwächste Spieler Eintracht Frankfurts schießt das eine, das rettende Tor in Nürnberg. Dass Haris Seferovic sich am Ende als Matchwinner feiern lassen konnte, lag aber an DEM Mann der Relegation, an Mijat Gacinovic. Wie schon im Hinspiel war es seine Explosivität, seine Dynamik, sein Zug zum Tor, der die SGE überhaupt mal in Torschussnähe brachte. Tempo in Beinen und im Kopf – das, was in der ganzen Saison fehlte, war in dieser einen Szene vorhanden und sicherte den Klassenerhalt durch die Hintertür.
Ja, nimmt man nur die Partien gegen Nürnberg, war der Klassenerhalt verdient. Die eine Mannschaft, die bei aller Limitation sich am Fußballsport wenigstens versuchte, geht als Sieger hervor. So, wie Bremen gegen Frankfurt (zurecht) als Sieger vom Platz ging. Denn es ist eben wie immer: Versucht man sich wenigstens an dem schnellen, zielstrebigen Offensivspiel, wie der heutige Fußball ihn erfordert, kann das Erfolg bringen. Und Misserfolg – aber den kann man verdauen und verzeihen, eben weil man investierte, Risiko ging. Dazu braucht es eben die Gacinovics, die Fabians, die Kittels; inklusive ihrer Schwächen. Aber sie sind die Unterschiedmacher, sie ziehen das Tempo an, sie sorgen für die eine Lücke, die Einheitstrott nunmal nicht aufreißen kann.

Nun da die erste Erleichterung, die Emotion gewichen ist, gilt es ein Gesicht für die last-minute-Rettung auszumachen. Natürlich ist Niko Kovac eines davon, ein maßgebliches. Aber auch unter den Spielern gibt es ein Gesicht, es ist ein asiatisches und gehört Makoto Hasebe. Der Japaner hat, als er endlich auf seiner angestammte Position im defensiven Mittelfeld auflaufen durfte, den Unterschied gemacht. Fast auf Knopfdruck lieferte er Leistungen ab wie in der starken Vorsaison. Die Stabilisierung der Abwehr hängt mit den Sechserpositionen noch mehr zusammen als mit der Viererkette, die in der ganzen Saison recht solide war. Hasebe ist vom Unglückseligen, vom Dauernörgler und Haderer zum Rettungsanker geworden. Flankiert wurde der Klassenerhalt dadurch, dass einige Offensive – nachdem das Team zuvor mal wieder nur von der Klasse des Alexander Meier zehrte – sporadisch einsprangen und ihren Job machten: Stefan Aigner, Änis Ben-Hatira, nun Gacinovic und Seferovic.

Die Saison 2015/2016 hat bei der SGE aber sehr viele Verlierer, auf und neben dem Feld. Sportdirektor Bruno Hübner, der mit der Kovac-Verpflichtung zwar alles richtig machte, aber zuvor vielfach katastrophale Personalpolitik betrieben hat, ist da zu nennen. Die gesamte Führungsriege der Eintracht ist von der Realität böse abgewatscht worden. Unter den Spielern sind die Abstürzler schnell ausgemacht, es sind die, die sich zwischen August und Mai eigentlich nie fingen: Haris Seferovic, Stefan Reinartz, Luc Castaignos und – mit Abstrichen – Stefan Aigner. Dahinter gibt es eine ganze Latte an Leuten, die ähnlich dauerhaft mangelhaft agierten. Aber das soll zu einem anderen Zeitpunkt genauer benannt werden.
Jetzt ist erstmal Durchschnaufen angesagt, am Ende ist man dem Tod von der Schippe gesprungen – und damit wir uns richtig verstehen: Eintracht Frankfurt wäre bei einem Abstieg tot gewesen, gegen die finanziellen Monster Hannover und Stuttgart sowie zwei, drei ambitionierten Konkurrenten, wäre die SGE in der zweiten Liga hängengeblieben – zumal ja nichts Strukturelles geklärt gewesen wäre.

Was mich angeht, möchte ich ebenfalls durchschnaufen und den Takt der Beiträge vorerst reduzieren. Die vergangenen Monate waren – speziell aufgrund der Geschichte, die sich zu wiederholen drohte – die anstrengensten in der fünfjährigen Bloggeschichte. Und seit der Geburt meines ersten Kinds zu Monatsbeginn, spüre ich jeden Satz, den ich hier schreibe auf meinem Zeit- und Kraftkonto.
Ich habe in den vergangenen Monaten aber neben Kritik, die angesichts von manch (bisweilen auch zu) klarem Wort das ich finde, kam, auch viel Zuspruch erhalten. Die Besucherzahlen von „Eintrachtinside“ sind sichtbar gewachsen, auch wird mehr kommentiert als in der Vergangenheit – und eure Teilnahme, der Meinungsaustausch – wie kontrovers dieser auch immer sein mag – ist für mich das größte Lob und der größte Antrieb, mit dem Bloggen weiterzumachen. Ich freue mich, wenn wir auch künftig im Dialog bleiben, wenn ihr weiter täglich auf die Seite schaut und wir gemeinsam den weiteren Weg von Eintracht Frankfurt beobachten und analysieren können. In diesem Sinne: auf sehr sehr bald!

– Björn Wisker

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Jaaaaaaaaa!!!

Später mehr. Ich kann nicht mehr!

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Ein letztes Mal

Jetzt, da Eintracht Frankfurt offenbar mit Ivo Ilicevic – der nur 1. Liga spielen will – einig ist, schießt die Motivation für den Klassenerhalt doch durch die Decke. Ivo Ilicevic, der Mann war schon in seiner besten Zeit ein unauffälliger Spieler. Und da war er noch keine 29 Jahre und viele Dutzend mäßiger Profipartien jung. Von den Leistungsdaten (134 Erstligaspiele, 18 Tore und 11 Vorlagen) her reden wir von einem Linksaußen, der sich auf dem Niveau von Änis Ben-Hatira befindet, tendenziell gar eher dahinter zurückfällt (Hatira: 90 Erstligaspiele, 14 Tore und 12 Vorlagen). Und wir erinnern uns: Der Ex-Berliner war ein durch den abgebenen Verein erzwungener SGE-Zukauf im Winter.
Ilicevic ist doch auch gerne mal verletzt gewesen, oder? Eine Hommage an alte Frankfurter Transfertage, als auch die Verletzungsanfälligkeit ein Muss in der Vita eines Neuzugangs war 😉 Aber für Ilicevic sprechen natürlich ganz andere, die harten Faktoren: Balkan-Gene und, dass er im Großen und Ganzen aus der Region stammt (Aschaffenburg).
Eintracht Frankfurt kauft nun also – natürlich auch angesichts der selbst verschuldeten Planungsunsicherheiten – von Ersatzbänken und Tribünen jener Teams, die genauso schlecht oder gar schlechter sind als man selbst. Ist das eine Verschlechterung oder Verbesserung im Vergleich zum Wühlen durch den Wolfsburger Blähkader? Das Schlimme ist ja, dass man bei allem Entsetzen über solche Personalentscheidungen gar nicht überrascht ist. Nach kurzem Verarbeiten der Nachricht kommt man als Beobachter zum Schluss: Ja, macht Sinn, passt zu diesem Klub.
Damals, vor gut eineinhalb Jahren als mit Bernd Legien ein Chefscout angestellt wurde, der die Dinosaurier Bernd Hölzenbein und Ralf Weber ersetzte, keimte in mir Hoffnung. Hätte nicht passieren dürfen, mein Fehler.

Aber wie immer im Fußball wie im Leben gilt: Chancen hat jeder verdient, auch Ilicevic sofern die SGE überhaupt erstklassig bleibt. Immerhin lag ich persönlich etwa in der negativen Vorab-Einschätzung eines Alexander Madlung total daneben.
Und dass ich auch bei meiner vor Monaten formulierten These, dass Eintracht Frankfurt absteigen wird, heute Abend eines Besseren belehrt werden, da hoffe ich nun in dem Maße drauf, wie ich seinerzeit auf sportlich-strukturelle Verbesserungen im Zuge der Legien-Installation hoffte. Man kann ja nicht nur Fehler machen.

Eintracht Frankfurt, bitte bezwinge heute Abend – im allerletzten Spiel dieser elenden und quälenden Saison – den FC Nürnberg und bleibe in der ersten Bundesliga!

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Das Spielgerät lieben

Mijat Gacinovic, Marco Fabian, Sonny Kittel, Änis Ben-Hatira … was könnten für Fußballer für Eintracht Frankfurt auflaufen! Leute, die eine gewisse Liebe zum Spielgerät haben, die mit Dynamik, flinken Beinen und Köpfen sowie einer gewissen Verrücktheit die offensive Monotonie, den Einheitstrott dieser Mannschaft durchbrechen könnten, was wiederum Torabschlüsse und somit Torerfolge ermöglichen würde.

Stattdessen schlurfen weiterhin Szabolts Huszti und Haris Seferovic über den Platz. Der eine ist aller auch altersbedingten Trägheit zum Trotz wenigstens in der Theorie noch für Standardsituationen zu gebrauchen, der andere ist schlicht eine aktive Schwächung des ohnehin kolabierten Kollektivs. Und Trainer Niko Kovac hält trotzdem eisern an diesen Spielern fest. Vielleicht ist an der einst krude wirkenden These des Marco-Fabian-Vaters ja doch etwas dran, wonach der Mexikaner aufgrund persönlicher, quasi-nationaler Gründe seit dem Trainerwechsel außen vor ist. Nicht, dass Fabian Bäume ausgerissen hätte – welcher Eintrachtspieler außer Alexander Meier und Lukas Hradecky hat das schon? – aber er drehte immerhin am Schwungrad, tat also etwas, das alle anderen Spieler schlicht nicht können. Bis auf Mijat Gacinovic, dessen Torschützen-Dasein gegen Nürnberg kein Zufall gewesen ist. Wenn es einen gab, der in diesem 75-Prozent-Ballbesitz-aber-trotzdem-keine-Torchance-Spiel gegen Nürnberg einen Ball reintun würde können, dann der schmächtige Serbe. Nürnberg. Lange her, dass ich eine so schlechte Mannschaft beäugen musste (Hannover und die Eintracht ausgenommen).

Was ist nun die Lehre aus diesem 1:1, dass dem Klub (und nicht dem Club) das Genick brechen könnte? Es gibt keine Lehre, keine Erkenntnis, jedenfalls keine neue. Das Spiel ist ein Abziehbild der allermeisten Auftritte von Eintracht Frankfurt in 2015/2016, egal unter welchem der beiden Trainer: Defensiv in Ordnung, kämpferisch in Ordnung, offensiv krampfhaft bemüht – und ebenso mittel- wie harmlos.

Ein Strohhalm gefällig? Die SGE muss nun mindestens ein Tor schießen. Somit kommt der Trainer wenigstens nicht auf die Idee, gegen desaströse Gegner wieder neun Mann über 88 Minuten Bälle wegbolzen zu lassen. Und wer weiß, vielleicht wird ja mal ein Ballliebhaber in der Startelf aufgeboten? Einer, der dann mit Sicherheit total brennt, macht und tut, weil er vom Trainer ja so gestärkt wurde <— dieser Satz ist Sarkasmus.

Ein Abstieg nach Elfmeterschießen wäre übrigens das einzig logische Ende dieser SGE-Saison. Ich glaube ja dran <— dieser Satz ist kein Sarkasmus.

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Symbole des Unvermeidlichen

So musste es einfach kommen. Ein Eigentor von Marco Russ sorgt für die Öffnung jener Schleuse, die Eintracht Frankfurt final in die 2. Bundesliga befördern könnte. Symbolhafter ging es kaum.

Irgendwann ist aber halteben Zahltag, irgendwann muss der Bierdeckel bezahlt werden, irgendwann ist Schluss. Schluss mit Gewurstel, Schluss mit Gewürge, Schluss mit Glück und Schluss mit Ausflüchten. Wenn auch das 35. Mal nicht, jedenfalls zu wenig geliefert worden ist, ist der Abstieg weder tragisch noch traurig. Er ist dann einfach nur verdient, weil es selbst gegen miserable Truppen wie Hoppenheim, Bremen, jetzt Nürnberg
nicht reicht. Spielerisch nicht, vom Ergebnis her ebenfalls nicht. Das Resultat all dieser Resultate ist nur folgerichtig.

Nun haben wir dasselbe Schauspiel wie in den vielen Vormonaten gegen einen Gegner mitansehen müssen, der so grottenübel ist, wie man es sich kaum vorstellen kann. Nürnberg dürfte das schlechteste Team gewesen sein, dass in den vergangenen Jahren im Waldstadion aufgelaufen ist. Die können ja nix, gar nix – und für diese SGE reicht selbst das.
Begünstigt durch einen Schiedsrichter, der das Niveau des FC Nürnberg (deren Trainer und Torwart peinliche Pisser sind) hat, geht also auch dieses Endspiel dahin. Mangels spielerischem Vermögen aber vor allem. Ich habe glaube ich nie eine Mannschaft gesehen, die mit 75% Ballbesitz so viel Langholz schlägt wie diese. Und schlimmer noch: Es ist total problemlos, Eintracht Frankfurt vom Strafraum fernzuhalten!

Dass dann Mijat Gacinovic, der einzige dessen Freund der Ball ist, das Tor schießt, ist auch bezeichnend. Ewig-Verschmäht, und dann ist er trotzdem der einzige mit Verve, mit Geschick. Dass Alexander Meier dem Spielflüsschen nicht gut tut, nach 3 Monaten Pause, war – wie im Blog befürchtet – abzusehen.
„Die Möglichkeiten der Eintracht nach vorne sind beschrankt“ – das ist das Fazit des ARD-Kommentartors nach dem Abpfiff. Wir sollten uns alle angewöhnen, die Sichtweise der Außenstehenden ernster zu nehmen – denn nicht wenige Spirtjournalisten tippten die SGE vor der Saison auf Tabellenrang 16. Tja.

Montag in Nürnberg. Montag, das nächste Symbol.

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