Wackeln statt taumeln

Dieses vermaledeite Spiel gegen Borussia Dortmund. Würde Eintracht Frankfurt nach den zwei Derbysiegen gegen Mainz und Darmstadt nicht ausgerechnet gegen eine der Borussias ran müssen, würde auch in mir, dem so nachhaltig Enttäuschten, die Klassenerhalts-Zuversicht reifen.

Es ist einfach ärgerlich, dass dieses Team – dem der Wille, der Charakter nie abzusprechen war – so sehr unter den strukturellen Fehlentwicklungen, Fehlentscheidungen der sportlichen Führung leidet. Ein Team, in dem keine Stürmer spielen, kann offensiv kaum etwas zustande bringen. Ein Team, in dem es erst keinen, dann keinen tauglichen Linksaußen gibt, kann kaum ein Offensivspiel zustande bringen. Ein Team, das trotz aller Vorwarnungen ohne Rechtsverteidiger ausgestattet wird, muss improvisieren und wird nie die Stabilität und Stärke erreichen, die zum Bestehen in der Bundesliga nötig sind. Und welche Klubführung all das im Winter nicht korrigiert, korrigieren kann, dem Team nicht hilft, nicht helfen kann, muss ohne Umschweife entlassen werden.

Trainer Niko Kovac beweist jedoch momentan, dass das Minimalste selbst mit dieser Mannschaft möglich gewesen wäre. Das ist ein ziemlicher Nackenschlag für Ex-Coach Armin Veh. Dabei macht Kovac gar nichts abgespacetes, er machte das, was jeder neue Trainer macht: hinten dicht und beleben des Konkurrenzkampfs. Interessant dabei ist, dass mittlerweile aber gar nicht mehr so viele aus der zweiten Reihe spielen. Im Prinzip stellt Kovac die Veh-Mannschaft auf, löst aber eine entscheidende Position / Personalie anders: Er beherzigt den simplen und für Erfolg doch so entscheidenden Ansatz, Spieler auf den Positionen aufstellen, die sie gelernt haben, auf denen sie sich sicher und zuhause fühlen, ihre Stärken mehr zum Tragen kommen als ihre Schwächen. Das gilt für Marco Russ, der in der Innenverteidigung jener Abwehrturm geworden ist, der er immer mal wieder war. Das gilt vor allem aber für den seit Wochen wieder erstarkten Makoto Hasebe, der von Veh als Rechtsverteidiger leistungs-kastriert wurde (etwas, das übrigens schon in der Sommervorbereitung gegen einen Landesligisten zu sehen gewesen ist – so viel dann zur Leier von „Muster ohne Wert“).

Mit der Position im zentralen defensiven Mittelfeld steht und fällt vieles, und zwar nach hinten wie nach vorne. Hasebe, und das wussten alle Fans mit offenen Augen, ist ein Top-Mann. Das Ergebnis sieht man an den Ergebnisen, vor allem aber daran, dass – sobald die lähmende Verunsicherung aus den Köpfen und Gliedern gewichen ist – diese Mannschaft plötzlich Druck entwickeln kann. Eintracht Frankfurt ist über stürzen, taumeln und siechen nun immerhin zum wackeln erstarkt.

Das größte Problem neben dem Spielplan, der Dortmund als Gegner vorsieht, trägt den Namen Haris Seferovic. Seine qua Kaderzustammenstellung erzwungener Dauer-Aufstellung könnte mit dem Abstieg enden, da die Eintracht quasi mit 9 Feldspielern antritt. Seferovic kann nicht nur wenig, er will auch nicht mehr. Als einziger im Kollektiv fällt er selbst bei den Grundlagen ab. Wäre Luc Castaignos nicht ein derart eindimensionaler (Leichtathletik-)Fußballer, dürfte der Schweizer seit langem kaum noch eine Minute Einsatzzeit mehr bekommen.
Auf der anderen Seite: Kovac darf jetzt nicht den Fehler machen und einen etwaig genesenden Alexander Meier in die Startaufstellung ziehen. Obwohl er der einzige fähige Offensivspieler ist, braucht er nach diesen Wochen der Verletzungspause eine Anlaufzeit, die es schlicht nicht mehr gibt. Es wäre zu riskant, das trotz allem ja wackelige SGE-Gebilde zu verändern.

Das einzig verbliebene Ziel Relegationsplatz würde ich nämlich gerne mit einem Sieg, einem Erfolgserlebnis erreicht wissen. Dann wäre die schmale Brust des Adlers wenigstens gegen den 1. FC Nürnberg wenigstens etwas verbreitert worden. Aber erstmal muss man es bis dahin überhaupt schaffen.

Wichtig ist im Hinblick auf Dortmund übrigens erstmal nur eines: Hasebe darf sich um Gotteswillen nicht seine 10. Gelbe abholen und dann am letzten Spieltag in Bremen gesperrt fehlen. Der Vollständigkeit halber: Huszti hat vier gelbe Karten, alle anderen sind bei der Zahl der Verwarnungen außer Sperrgefahr.

PS: Die Mannschaft schlendert nach einem brutal wichtigen Derbysieg in Richtung leerer Kurve und da draußen in der Welt finden sich wirklich Hermeneutiker, die das zu einem kontroversen Thema machen. Wahnsinn. Dieses Akademisieren von so etwas profanem wie Sport, das ist so lächerlich wie diese konformistisch-glattgebügelten Sky-Anzugträger, die auf ihrem Touchscreen Figuren zu theoretischen Laufwegen hin und herschieben, selbst.

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14 Kommentare

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14 Antworten zu “Wackeln statt taumeln

  1. Jermaine Jones Junior

    Sobotzik? Dessen Vita (siehe Xing) ist aber nicht so vielversprechend für die Führungposition eines 100-Mio-Umsatz-Klubs. Seinen Wechsel damals, anno 1999, zum FCK verzeihe ich ihm immernoch nicht. Seine frühe Rückkehr, als dessen Karrieresprung missglückt ist und bei uns wieder angekrabelt kam, hat bis heute einen bitteren Nachgeschmack. Der hat doch nur die Euro-Zeichen auf den Augen. Nein Danke!

  2. Olli

    Boboc oder Sobotzik als Bruchhagen Nachfolger. Was muss man da noch entscheiden?

    kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/651231/artikel_frankfurt-entscheidet-zwischen-sobotzik-und-bobic.html

  3. Jermaine Jones Junior

    Der Sieg von Werder war als Zeichen an die Konkurrenz zu verstehen. Der Wille muss über das Wochenende – u.a. nach unserem Sieg – entstanden sein. Gefällt mir nicht. Egal. Wenn wir uns den Klassenerhalt verdienen wollen, dann sollten wir Dortmund besiegen. #aufjetzt

  4. Jermaine Jones Junior

    Dieser versetzte Spieltag nervt mich. Das Ergebnis von Werder Bremen wäre nie und nimmer zustande gekommen, wenn das Spiel parallel am vergangenen Samstag stattgefunden hätte. Schwamm drüber. Ohne jetzt die Tabelle im Kopf zu haben, aber ein Heimsieg gegen Dortmund MUSS her. Damit geht auch ein Einsatz von Hasebe einher.

    • TK Idstein

      Ich sach ma so… war schon ein beeindruckendes Spiel mit beeindruckendem Support der Bremer Fans vor, während und nach dem Spiel. Wenn die Fischköppe am letzten Spieltag ein solches Programm abziehen wird es ganz schwer für die SGE…. von daher sind Punkte gegen die Majas Pflicht. Stuttgart wird nach diesem KO gegen Mainz keinen Blumentopf gewinnen, Bremen aber wohl in Köln. Uijuijui, das wird ganz schwer werden die kommenden zwei Wochen.

      • Werner

        Sieg gegen Dortmund.
        Alles Andere ist Schnullipulli!

      • Olsen

        Was wäre es ohne das 6:2 auch für ein lapidares Eintracht-Wunder geworden… geradezu lächerlich 😉 Das hat schon alles seine Richtigkeit so.

  5. Jermaine Jones Junior

    Erstmal gilt höchste Konzentration gegen den BVB, weil ich an einen Punkt glaube. Trotzdem interessiert mich Folgendes: Würde Hasebe im ersten Relegationsspiel gesperrt sein, wenn er sich gegen Bremen die 10. Gelbe holt? Am Geilsten wäre natürlicher ein direkter Klassenerhalt.

    • Ich sage mal so: Mancher Euphoriestöpsel dürfte nach dem Auftritt von Bremen und Suttgart schon wieder gezogen sein. War ja auch irgendwie klar.
      Stuttgart spielt übrigens am letzten Spieltag gegen Wolfsburg … Unser verdammtes Restprogramm, im Speziellen Dortmund. Ich könnt gerad ko…

      • F .N.

        Leichter Ist es nicht geworden ; kämpfen und laufen lautet die Devise ; auch andere erzielen blöde Tore ;
        Auch wenns schwer fällt ; jetzt erst recht!! Wir schaffen das. Man muss nur daran glauben und nicht ko…… Kostet nur unnötig kraft

  6. akloppi

    Sefe ist gesperrt für das Spiel gegen Dortmund. Mir wäre lieber gewesen, wenn der sich die 10. erst gegen den BVB geholt hätte…

    • F.N.

      Wenn Seferovic gesperrt ist, bekommt ja vielleicht Waldschmidt seine Chance.
      Lange ein Null zu Null halten und dann nicht einbrechen ; drei Innenverteiger aufstellen und die schnellsten Aussenverteidiger, die der dürftig zusammengestellte Kader hergibt. Hasebe und Huszti rotieren sich raus, Stendera darf mal wieder mitspielen. Und dann ein 5-1-3-1 System . Vielleicht wird so ein Punkt gegen das gegenwärtig beste Team der ersten Liga erkämpft .
      Wir alle wollen die Eintracht nächste Saison in der 1. Liga sehen , die Trainerfrage wäre dann geklärt, es kommt hoffentlich ein fähiger Sportvorstand, der die immensen Lücken im Kader bestens auffüllt.

    • Stimmt, dass das seine 10. Gelbe war, bekam ich gar nicht mit. Danke für die Info

      • Gregor74

        Herr Seferovic hat zumindestens alles probiert, damit wir nicht gewinnen.
        Hinten einen dämlichen Elfmeter verursacht und vorne die einzig brauchbare Torchance der ersten Halbzeit ziemlich kläglich versemmelt.

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