Monatsarchiv: Juli 2016

*sarcasmoff

Von wegen drei, gar vier Millionen Euro Ablöse für Stefan Aigner! Eintracht Frankfurt wäre nicht Eintracht Frankfurt, wenn es nicht auf ganzer Linie versagen und noch weniger Geld für einen Stammspieler, Leistungs- und Sympathieträger erlösen würde. Laut BILD-Zeitung hat es für ganze 2,5 Millionen Euro gereicht, also für einen Viertel-Ujah oder ein Fünftel Vestergaard; Spieler also von einer Mannschaft, Werder Bremen, die sportlich wie strukturell Lichtjahre voraus ist *sarcasmoff

Um das mal klarzustellen: Schon ein Verkauf von Aigner aufgrund seiner Qualität hielt ich für einen groben Fehler, aber wenn man so einen Spieler schon abzugeben gedenkt, ob er will oder nicht, dann müssen da dochMondpreise, jedenfalls „richtige“, angemessene, den Monopoly-Zeiten entsprechende Summen fließen! Meinetwegen hättten sie bei der SGE bei vier Millionen Euro die E-Mail aus München mal lesen und nach etwas nachdenken beantworten können. So bei 4,5 Millionen hätte man beginnen können nachzudenken um bei fünf Millionen zu beginnen, sich das Angebot anzusehen.
Aigner hat man stattdessen auf einen Marktwert zerstört, der dem eines Jerome Gondorf und Amir Abrashi – wer kennt sie nicht – entspricht. Respekt. Spottdirektor Hübner und Vorstandsvorsitzender-Kaderausverkäufer Fredi Bobic erzählen permament, dass es keinen passablen Zweitligakicker mehr unter absurden Millionenbeträgen gibt – schon mal gar keine Offensivspieler. Und erst recht nicht, wenn dieser vertraglich noch längerfristig gebunden ist. Kurzum: Man bekommt so Spieler nicht. Außer von Eintracht Frankfurt, da funktioniert das, da werden bereitwillig Schleuderpreise gemacht, die letzten Deppenangebote angenommen. 2,5 Millionen Euro. Weil ja Menschlichkeit herrschen müssen und so. Vereinsschädigend ist das! Aber weitermachen dürfen die da immer und ewig, weil Blinde die Blinden führen.

Aber keine Bange, die Lösung ist so naheliegend! 2,5 Millionen reichen nämlich für die Verpflichtung von dem bereits ein ganzes halbes Jahr lang getesteten Kaan Ayhan, dessen Martkwert auf 2 Mio. taxiert wird. Wenn Spottdirektor Bruno Hübner es schafft, Schalke dahingehend nur ein wenig überzubezahlen, bringt das der SGE einen Innenverteidiger, der zudem noch unsere Suche nach Quotendeutschen voranbringt. Ein Knallertransfer, zwei Fliegen, eine Klappe! *sarcasmoff

Andere Abwehrkracher-Personalien, falls Ayhan nicht will, in der Preisklasse: Der abgeschmolzene Dante von Wolfsburg und Andre Ramallho aus Leverkusen. Wieso ausgerechnet diese Namen? In der Vergangenheit bediente sich die Eintracht ja gerne bei diesen Klubs. Oder einfach weiter im Wundertüten-Kurs. Aus den Blähkadern der Großkopferten fehlt ja noch Paris St. Germain oder Juventus Turin – dann hätte man auf allen Krabbeltischen aller Top-Ligen gewühlt. Madrid und Manchester klingen eben viel besser als Wolfsburg und Leverkusen, gar als Freiburg. Und besser sind die Spieler von den aufgeblähten Spitzen-Unternehmen sowieso, wie man an Mohammed Abu und Lucas Piazon schon erkennen konnte. *sarcasmoff

Einbürgern wäre übrigens noch eine Möglichkeit. Hat Chris – die Älteren erinneren sich an den Dauerneuzugang – seinen deutschen Pass mittlerweile? *sarcasmoff

Das Geld könnte natürlich auch erstmal in die Vertragsverlängerung von Schrotflinten-Seferovic investiert werden. Abraham und Flum machen das schon dahinten. Und wenn der Innenverteidiger mal fehlt, machts eben der Makoto neben dem Johannes. Oder der Timothy. Oder Rebic. Oder andere, die mit Flexibilität ins Team gedichtet werden. *sarcasmoff

58 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Die besten Produkte stehen unten im Regal

Stefan Aigner soll – obwohl, wahrscheinlich wegen der Details, dementiert – vor einem Wechsel zu seinem Heimatklub 1860 München stehen. Angebliche Ablöse: drei Millionen Euro.

Einen der besten und torgefährlichsten Fußballer im Kader abgeben, und dann noch für so eine lächerliche Summe, das bei zwei Jahren Restvertragslaufzeit und dem Identifikationsfigur-Dasein – es wäre eine Bankrotterklärung! Wobei, nein, es wäre nur eine Erklärung. Und zwar dafür, was da bei Eintracht Frankfurt für Funktionäre am Werk sind. Das Tafelsilber hat man nach unten gelegt, zum Gammelfleisch.
Und selbst wenn jetzt die Beschwichtiger wieder auf den Plan treten, sagen, dass man die genaue Summe ja gar nicht kenne, das Aigner ein gar fürchterbares Jahr gespielt habe und der Lauf der Dinge nun mal sei wie er sei: Die zertreten da in Frankfurt gerade jeden Ansatz von nachgewiesener Qualität und ersetzen diese mit einer ganzen Schar an Nick Nobodys, formen aus einer (allen Mängeln zum Trotz) gefestigten Mannschaft eine austauschbare Legionärs-Truppe. Ein Kader, aufgebaut auf nichts anderem als dem Prinzip Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ein zusammengewürfelter Haufen aus Nicht-Bundesligaspielern – die schon unter härterem Training offenbar zu ächzen haben – irgendwo zwischen, was Rang 15 und 10, einläuft. Hauptsache günstig. Und bloß niemanden behalten, mit dem Fans wie ich irgendetwas semi-emotionales verbindet – lieber her mit irgendeinem Innenverteidigung der dann die 16. Nationalität ins Bott holt; man hat ja noch die Maskottchen Meier, Russ, Oczipka und Stendera. „Wir sind weit davon entfernt, eine Multi-Kulti-Truppe aufbauen zu wollen“ (SGE-Vorstandsvorsitzender Fredi Bobic im Juli 2016). Lügen sind eben auch nur eine Interpretation von Wahrheit, oder?

Aber was solls, die Nick-Noboby-Beliebigkeitstruppe ist ja schließlich nur ein Übergang; und der Erfolg lässt ja angeblich auch Idealisten zu Opportunisten werden. Zum Glück wurde uns ja im Zuge des Kaderumbaus schon gelehrt, dass so Ferz wie Local-Player-Regelung oder Nationalitätsquorum schlicht nicht zu interessieren haben, irgendeinen beliebigen A-Jugendkicker mit deutschem Pass wird es schon geben, der sich für 3000 Euro pro Monat in den Lizenzspielerkader aufnehmen lässt, um das Deutschen-Dutzend zu erfüllen.
Ich frage einfach mal: Wie groß muss der Erfolg eigentlich sein, dass die Gründung von Energie Frankfurt „legitim“ ist? Wie weit müsste es das Team nach oben schaffen, dass die Ermordnung jedweder Qualität/Emotionalität okay war? So, wie ich die Frankfurter Fanschaft kenne, wird man schon Rang 14 oder 13 als einen solchen Erfolg verbuchen und den Verein hochleben lassen. Aber wäre das denn so? Zweck heiligt Mittel und so, schon klar, aber wie wäre denn die Bewertung wenn man den Status quo – nehmen wir mal Klassenerhalt plus 2,3 Positionen – quasi nur mit anderen Mitteln erreichen würde?

Mag anderen anders gehen, aber ja, ich habe allergrößte Schwierigkeiten, mich mit diesem völlig beliebig werdenden Gebilde zu identifizieren.

28 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Die Suche nach dem Quotendeutschen

Im Vorfeld der Verpflichtung von ein/zwei Innenverteidigern, möchte ich dann doch nochmal die Internationalitäts-Kiste aufmachen. Denn: Es muss sich ja quasi zwangsläufig um deutsche Spieler handeln, die nun geholt werden. Gerade mit der Leihe des uruguayischen Rechtsverteidigers und dem damit bevorstehenden Verkauf von entweder Yani Regäsel oder Timothy Chandler verschiebt sich die Kaderzusammenstellung noch weiter in Richtung Regelwidrigkeit (Erinnerung: Nach den DFL-Statuten muss jeder Bundesligist zwölf deutsche Lizenzspieler unter Vertrag haben; dazu gesellt sich die „Local Player“ Regelung, also vier vom Verein ausgebildete Spieler im Kader –> aktuell sind es zwölf Deutsche Spieler inkl. den jeweils zum Verkauf stehenden Chandler, Regäsel und Aigner, von denen mind. einer, bis Ende August ggf. gar zwei nicht mehr in Frankfurt spielen werden). Diesen Themenkomplex hat jetzt, da sie wohl hier dankenswerterweise mitgelesen haben, auch die „Frankfurter Rundschau“ zum Thema gemacht – leider ohne die Verantwortlichen mal mit dem Regelwerk, dessen Auswirkungen zu konfrontieren. Die entsprechenden Handynummern sollte man im Medienhaus, im Gegensatz zum Hobbyblogger ja haben. Mich interessiert es zumindest brennend, wie man im Klub zu dieser Gemengelage steht. Für die Jugendarbeit und jene die sie zu veranworten hatten/haben, das scheint Fredi Bobic aber schon erkannt zu haben, ist der aktuelle Kurs eine schallende Ohrfeige.

Folgt man jedenfalls der Es-muss-ja-ein-Deutscher-her-These, landet man im Stile des (Stand jezt aber wohl überwundenen) Kicker-Sonderheftscoutings bezogen auf die brachliegende Innenverteidigung ganz schnell bei Georg Niedermeier (VfB Stuttgart, vertragslos) oder Serdar Tasci (Moskau, schätzungsweise für ca. 2,5 Mio. zu haben). Von Kaan Ayhan wird man sicher nicht nur aus sportlichen Gründen die Finger lassen. Geht es hingegen so aus, dass man in Frankfurt zur Quotenerfüllung eben noch ein, zwei deutschen A-Jugendspielern Profiverträge gibt – um sowohl die Zwölfer- als auch die Local-Player-Regel zu erfüllen – drängen sich Namen wie Felipe Santana (Ex Dortmund/Schalke, vertragslos) auf. Oder eben weitere Wundertüten aus den Untiefen von Reservekadern 😉

Wenn jetzt Trainer Niko Kovac zur „FAZ“ sagt, die SGE habe ja auch mit deutschen Spielern gesprochen, aber die kämen „nicht so leicht zur Eintracht“ und das mit dem begründet, mit dem bei der SGE immer allwes begründet wird: Geld … dann, nunja, ich wiederhole es ja gebetsmühlenartig: Es ist die falsche Prämisse, die man in Frankfurt dem eigenen Handeln zu Grunde legt.
Ich plädiere ja immernoch für Robin Knoche (VfL Wolfsburg). Aber der kommt dann wohl erst in 2,3 Jahren, wenn ich den Namen hier in jeder Transferphase aufs Neue nenne 😀

25 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Sefe-Superstar

Dass ich Haris Seferovic, nicht zuletzt wegen seiner Karriere-Vita als Ein-Saisons-Fliege, skeptisch gegenüberstehe, wissen Stammgäste des Blogs. Und dass man den Stürmer seinerzeit nicht für die kolportierten 10 Millionen Euro – und seien es gar 2,3,4 Millionen weniger – Ablöse verkauft hat, ist hinter der U23-Abmeldung die zweitgrößte strukturelle Fehlentscheidung der vergangenen Jahre. Dennoch: Keine zwei Monate nach dem Duselklassenerhalt und einem ziemlich zusammengewürfelt wirkenden Kader später, wäre ein Verkauf von Seferovic – wenn nicht zu Mondpreisen gen England – kontraproduktiv. Wieso? Dem aktuellen Kader von Eintracht Frankfurt fehlen Verlässlichkeiten, kalkulierbare Stärken/Schwächen. Es ist ja schön und gut, dass ein Konkurrenzkampf entfacht wird und gewissen Garantien ein Ende bereitet werden soll. Das ändert aber nichts daran, dass es nicht nur einige Stangen, einige Unantastbare im Team geben muss. Vor allem zu wissen, was formunabhängig (!) die Stärken und Schwächen der Spieler sind. Das in 6,7 Wochen herauszufinden, ist fast unmöglich. Früh- und Spätform, Normalform oder schlicht das Attribut „zu leicht für die Bundesliga“ zeigen sich erst auf längerer Strecke und im Ernstfall. Und da weiß man beispielsweise bei Seferovic, was man bekommt: In Normalform einen, der Bälle hält, abschirmt und für ein halbes Dutzend Tore und ein paar Vorlagen gut ist. In Bestform gar torgefährlicher, in schlechter Form ein Chancenversieber, der ebenso unmotiviert wie bockig wird.
Und da das (ebenso sinnige wie logische und eigentlich ja selbstverständliche) Bestreben von Niko Kovac ja das ist, Schludrigkeiten über einen Konkurrenzkampf einzudämmen, könnte man die Schlecht-Form-Variante des Haris S. ja durch einen anderen, Formstärkeren erseten.

Ein Verbelib, Bedingung: Vertragsverlängerung, von Seferovic schon deshalb sinnvoll, weil man bei Luc Castaignos bis heute nicht weiß ob er mehr ist als ein Leichtathlet mit Ball am Fuß. Es deutet jedenfalls wenig darauf hin, dass er mehr ist als das. Die zu erzielende Ablöse würde indes geringer sein als die für Seferovic. Aber wie ich nun seit geraumer Zeit schon schreibe: Dieses ewige Fokussieren aufs Geld, dieser Dauertanz ums goldene Kalb, ist der falsche Weg, die falsche Sichtweise geworden. Sie war mal richtig, damals. In Zeiten der offenkundigen Misswirtschaft – und als die These des „die ehrlichen Kaufleute überholen die verschuldeten Pumpvereine“ nicht widerlegbar war.
Klar muss doch sein: Bessere Qualität muss man behalten, mindere nach Möglichkeit verkaufen. Sollte es nicht sogar schon so weit sein, dass Castaignos wie Sauerbier auf dem Markt angeboten werden muss, macht sportlich – im Vergleich mit Seferovic – nur der Verkauf des Holländer Sinn. Jedenfalls dann, wenn man die zu erzielende Transfersumme nicht re-investieren will (was einen Qualitätsverlust, den ja niemand ernsthaft anstreben kann).

Egal, welches Personal sich als Stammkräfte durchsetzen wird: Eintracht Frankfurt hat – bisher – vorwiegend Spieler aus der zweiten Reihe abgegeben. Also aus dem Bereich des Kaders, der seit Jahren nie genug Druck entfachen konnte, von wo sich so gut wie nie jemand in die erste Elf gespielt hat. Bitter, weil qualitativ schwer ersetzbar, ist der Abgang von Carlos Zambrano. Und ein offenbar ja nicht ausgeschlossener Wechsel von Stefan Aigner wäre es ebenfalls.
Gerüchten zufolge befasst man sich bei der SGE ja intensiv mit der Variante, Castaignos und Aigner abzugeben, um wiederum eine Ablöse zu bekommen, die den Kalkulationen zufolge über der Summe liegen würde, die Seferovic alleine einspielen würde. Mit dem „Überschuss“-Geld würde dann wiederum in der Offensive ein weiterer Neuer kommen. Allerdings gilt auch da: Bei Aigner weiß man, was man bekommt – und das war, die letzte Saison ausgenommen, stets sehr gut. Vor seinem Verkauf sollte man sich also hüten.

23 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Von Schlichtem und Schönem

Zum Wochenstart etwas Trivia gefällig? Was haltet ihr von den neuen Trikots der Frankfurter Eintracht?
Juventus Turin liegt ja optisch nun wahrlich auf der Hand; aber dieses ziemlich simple Rote als Auswärtsvariante? Mir persönlich hätte das Rot der Trainingsleibchen ja besser gefallen, vielmehr stört mich aber das „Design“, sofern man bei einem schlichten, blanken,roten Stück Stoff überhaut von so einem Wort sprechen kann. Der Krombacher-Schriftzug ist ja schon ziemlich … spröde … wirkt beim aktuellen Heimtrikot wieder ähnlich deplatziert wie dem auf SGE-Schlafanzugstrikot von vor drei Jahren. Rein optisch sind die 2016/2017er-Jerseys meiner Meinung nach aber ein Rückschritt vom schönen Alfa-Romeo-Sponsoring.

Nehmts mir nicht übel, aber die stolze Summe von 85 Euro, mit Beflockung sogar schlanke 100 Euro, investiere ich da lieber als Teilbetrag in einen neuen (und schickeren) Trikotsatz fürs Kreisliga-Teams des Herzens. Und ihr so?

11 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Energie Frankfurt

(…) Dennoch war Freitag der 6. April 2001 für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seine Nachwuchskonzepte ein schwarzer Tag. Wo sollen die deutschen Spieler aus der zweiten Reihe Erfahrung und Spielpraxis sammeln, wenn nicht bei einem der schwächeren Clubs der Liga (…)

Ein Auszug aus FAZ von vor 15 Jahren, der den 28. Spieltag der Saison zum Anlass hatte. Besser: Er hatte ein Novum zum Gegenstand, nämlich dem ersten Fußballverein in der Bundesligageschichte, der ohne einen deutschen Spieler auflief. Energie-Cottbus-Trainer Eduard Geyer schickte im Frühjahr 2001 elf ausländische Spieler auf den Platz und wechselte gegen den VfL Wolfsburg noch drei weitere Kicker ohne deutschen Pass ein.

Die Argumentation aus Cottbus ist deckungsgleich mit der, die in Frankfurt 15 Jahre später herangezogen wird. Zitat aus derselben FAZ-Ausgabe: Dem Verein fehlt schlicht das Geld, sich deutsche Kicker leisten zu können, deren Qualität mit den Legionären vom Balkan vergleichbar wäre. „Unsere Profis verdienen viel weniger als der Rest der Liga“, betonte Geyer.

Es ist eine Petitesse, dass damals Ungarn und Polen zum Balkan gezählt wurden.

Weiter im FAZ-Artikel:

(…) Die Trainer stellen den jungen Profis nicht gerade ein schmeichelhaftes Zeugnis aus. Nicht nur zwischen den Zeilen sind die Vorwürfe Faulheit, Feigheit und Geldgier zu finden. Offenbar fehlt die Bereitschaft, den unangenehmen Weg zum Erfolg zu suchen.
In den Nachwuchsteams der großen Clubs lebt es sich offenbar leichter als in der Fußball-Provinz. „Die jungen Deutschen sollen rackern, sich den Arsch aufreißen und sich die Stammplätze durch mehr Engagement zurück erkämpfen“, meint Geyer. Und: „Es bringt doch nichts, unsere deutschen Stars immer nur in Watte zu packen und die Ausländer die Dreckarbeit machen zu lassen.“ (..)

Das Interessante und vor allem die inhaltliche Unterschiedlichkeit von damals zu heute ist, dass vor 15 Jahren – in Mitten des qualitativen Totalabsturzes des deutschen Fußballs – den Jugendspielern die Qualität abgesprochen wurde. Heute gelten die Nachwuchszentren hingegen als vorbildlich, als Instanzen der Topausbildung. So rühmt sich ja auch Eintracht Frankfurt, die U23 aufgrund von Qualitätsaspekten abschaffend, der Klasse des eigenen Unterbaus. Entgegen jeder Empirie, aber wen interessiert das schon?

Kurioserweise wurde schon Anfang der 2000er im selben Atemzug das behauptet, was heute aus Frankfurt gesagt wird: Die deutschen Jugendspieler seien zu teuer. Damals also schlecht und unfinanzierbar, heute spitze und unfinanzierbar. Welcher Deal wohl der bessere ist?

Unabhängig von allen hier im Blog in Eingangsbeiträgen sowie Kommentaren zuletzt kontrovers diskutierten Fragen nach Herkunft, Identifikation, Vereinszugehörigkeit oder anderen ähnlichen „Geschmacks“Faktoren, gibt es eine Regel, die für alle Bundesligisten gilt und an deren Kante sich Eintracht Frankfurt aufgrund des aktuellen Transferkurses bewegt.
Denn seit einigen Jahren existiert statt einer Ausländer- eine „Local Player Regelung“. Diese soll gewährleisten, dass weiterhin deutsche Talente den Weg in die 1. und 2. Bundesliga finden. Nach den Vorschriften der DFL hat jeder Lizenzverein in der Bundesrepublik mindestens acht lokal ausgebildete Spieler (local players) als Lizenzspieler unter Vertrag zu nehmen. Davon müssen mindestens vier vom eigenen Verein ausgebildet sein. Als lokal ausgebildete Spieler gelten – unabhängig von ihrer Nationalität – all die Spieler, die im Alter von 15 – 21 Jahren in drei Spielzeiten für den Klub (Eintracht) oder den Verband (DFB) spielberechtigt waren.
Generell gilt: Nach den DFL-Statuten muss jeder Bundesligist zwölf deutsche Lizenzspieler unter Vertrag haben.

Zwölf ist hier also die entscheidende Zahl. Und genau dieses Dutzend befindet sich Stand jetzt im Kader der SGE (28 Profispieler, 60,7 Prozent sind Legionäre). Es handelt sich um:

Leon Bätge
Marco Russ
Bastian Oczipka
Yani Regäsel
Timothy Chandler (zählt trotz US-Nationalspieler als Deutscher)
Marc Stendera
Johannes Flum
Joel Gerezghier
Stefan Aigner
Danny Blum
Alexander Meier
Enis Bunjaki

Mit den Bestrebungen, Stefan Aigner und/oder (nach der wohl anstehenden Verpflichtung des Uruguayers Varela als Rechtsverteidiger) Timothy Chanlder und/oder Yani Regäsel zu verkaufen, fiele die SGE unter diese Quote. Es blieben elf, eventuell gar nur zehn deutsche Spieler übrig.
Dass darunter dann wiederum Kaderfüller wie Leon Bätge (3.Torwart) und Enis Bunjaki, durchaus auch Joel Gerezghier sind, ist, nunja, fürs Regelwerk unmaßgeblich und für die Bewertung jedes einzelnen offen.

Man muss nun also feststellen, dass Eintracht Frankfurt im Fall des Verkaufs eines deutschen Spielers gewzungen wäre, einen anderen deutschen Spieler zu verpflichten. Und von denen gibt es nach Aussagen der Funktionäre – überspitzt gesagt – ja keine.

Der Vorstandsvorsitzende Fredi Bobic kündigte nun aber an, dass der Transfermarkt erst jetzt richtig in die Gänge komme – das darf man sehr wohl als Indiz dafür werten, dass Eintracht Frankfurt letztlich wirklich auf eine Zahl an Neuzugängen zusteuert, die quantitativ sinnvol ist (zur Qualität wird man sich wohl erst irgendwann im August erstmals äußern können), also eher in Richtung zehn anstatt sechs neuer Leute geht. Man wird ferner davon ausgehen können, dass nach dem Verkauf des (zugegeben großteils matten) Tafelsilbers á la Castaignos, Chandler und ggf. Aigner zumindest noch genau so viele deutschpässige Spieler verpflichtet werden, um die besagte 12er-Quote zu erfüllen. Etwas anderes wäre auch schlicht … nunja, unprofessionell. Und sei es nur aus rechtlicher Sicht bzw. in Bezug auf Regelkenntnis.
Dass Eintracht Frankfurt der erste Klub ist, der gegen diesen Passus des Regelwerks verstößt, wäre zwar angesichts all des in der Geschichte schon Geschehenen irgendwie passend, ist aber auch in Zeiten des Totalumbaus höchst unwahrscheinlich. Hoffentlich (ansonsten: SGE-Social-Media-Mitleser, ihr dürft das Problem gerne an die Funktionäre weiterleiten).

Fürs Protokoll: Als Quoten-Kicker stelle ich mich der SGE gerne zur Verfügung, wenn die anderweitige Findung von deutschstämmigen Fußballern scheitern sollte. Den Personalausweis und zwei Beine zu besitzen, wären dann zwar – neben Kreismeister, Kreispokal, B-Liga-Aufstieg und Abstiegskampferfahrung – meine größten Qualifikation. Offenbar sind das ja welche, die wenige vorweisen können. Billig halten wäre ich mit, sagen wir 5000 Euro brutto pro Monat, auch. Und wer weiß, vielleicht schlage ich ja trotz laufendem 34. Lebensjahr richtig ein #caio #brauchtnurmalmehrereeinsätzeamstück ?! 😉

17 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Die großen Momente

Die Europameisterschaft 2016 hat sich im letzten Spiel des Turniers als lohnenswert erwiesen. Und zwar, weil – wie 2004 die Griechen – jeder Spieler sich bedingungslos einem Gesamtplan unterordnete. Selbst Christiano Ronaldo, dessen Moment der Demut samt in Folge dessen nicht-(selbst)inszenierter emotionaler Echtheit vielleicht die größte Geschichte der internationalen Turniere seit vielen Jahren ist. Eine Mannschaft mit einem klaren Plan ist entgegen aller Prognosen Europameister geworden – und wieder mal zeigt sich, dass man mit guter Organisation in der Defensive „alles“ erreichen kann. Portugal als Darmstadt 98 der Nationalmannschaften, sozusagen.

Bei der Beobachtung von Eintracht Frankfurt wird indes weiterhin eifrig herausgestellt, dass Niko Kovac die Spieler rund 2,5 Stunden trainieren lässt. Meine Verblüffung über die permanente Erwähung dessen ist weiterhin groß. Und zwar deshalb, weil ich es als stinknormaler Arbeitnehmer für absurd hielt und halte, solche Arbeitszeiten als bemerkenswert herauszustellen. Zwar sind 2,5 Stunden mehr als jene in Frankfurt seit Jahren und unter allen Trainern (im Saisonverlauf) typischen 60-bis-75-Minuten-Einheiten, aber gemessen am Pensum dass unser einer so zu gehen hat … müßig.
Die nächste Wuntertüte, Pardon: der nächste entwicklungsfähige Spieler ist auch im Anflug. Vallejo, auch Real Madrid geprägt, 19 Jahre jung. Auf Spanischsprachler zu setzen, ist angesichts der vergangenen Jahre – Zambrano, Abraham, Bamba Anderson – logisch. Ob vielleicht doch noch auf irgendeiner Position jemand verpflichtet wird, der mal Bundesliga gespielt hat? Wenn man schon bei der Spielerverpflichtung nicht auf nationale, geschweige denn regionale Bezüge setzen darf ( 😛 )
Mich würde ja auch mal interessieren, ob bei der SGE übrhaupt irgendjemand an die Stellung Frankfurts als Mega-Profiteur des „Brexit“ denkt, da handelt? Immerhin wird Frankfurt jetzt wohl DER Welt-Finanzplatz. Irgendwie daraus Profit schlagen, allem Des-Interesse vom global-playern an Grau-Maus-Vereinen zum Trotz?!

Welche Rolle wird dieses Eintracht Frankfurt 2016/2017 spielen? Da jeder Klub ab Rang 9 / 10 zumindest bis April hinein die Augen auch auf dem Abstiegskampf haben muss, ist die Prognose „Abstiegskampf“ fast schon lächerlich offensichtlich. Aber klammert man mal dieses Faktum aus, ernsthaft: Wird die bevorstehende Saison ähnlich quälend wie die vergangene, in der man sich erst mittels Kunst-Konstrukt Relegation rettete? Wird man eine Rolle einnehmen wie etwa der Hamburger SV, der zwar (auch) im unteren Tabellendrittel festhing, aber letztlich stabil genug auftrat, um nicht mehr in die unmittelbare Abtiegsentscheidung zu rutschen? Geht es spielerisch wie tabellarisch sichtbar nach oben, schafft man die Wiederherstellung einer Waffengleichheit zu, sagen wir, Mainz 05? Der Traum, nach der last-minute-Rettung á la Mönchengladbach quasi trotzig in eine Blütezeit zu kommen, die sportlich großen Momente erleben zu dürfen, dürte jedenfalls die geringste Wahrscheinlichkeit besitzen.

Ich glaube ja, dass die bevorstehende Saison nicht so furchtbar wird wie 2015/2016. Die SGE wird etwas mehr als 40 Punkte, im Idealfall bis zu 43,44,45 Zähler holen, zwischen Rang 13 und 10 abschließen. Im DFB-Pokal geht es diesmal katapultartig bis in die 3. Runde. Das prophezeihe ich mal in die Welt, völlig ohne Grundlage. Ich revidiere natürlich alles, wenn ich mir – wie jedes Jahr – das (vor-)letzte Testspiel live vor Ort anschaue. Denn 2015 war der letzte Test eine Blaupause dessen, was in den folgenden Monaten passierte.

41 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge