Energie Frankfurt

(…) Dennoch war Freitag der 6. April 2001 für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seine Nachwuchskonzepte ein schwarzer Tag. Wo sollen die deutschen Spieler aus der zweiten Reihe Erfahrung und Spielpraxis sammeln, wenn nicht bei einem der schwächeren Clubs der Liga (…)

Ein Auszug aus FAZ von vor 15 Jahren, der den 28. Spieltag der Saison zum Anlass hatte. Besser: Er hatte ein Novum zum Gegenstand, nämlich dem ersten Fußballverein in der Bundesligageschichte, der ohne einen deutschen Spieler auflief. Energie-Cottbus-Trainer Eduard Geyer schickte im Frühjahr 2001 elf ausländische Spieler auf den Platz und wechselte gegen den VfL Wolfsburg noch drei weitere Kicker ohne deutschen Pass ein.

Die Argumentation aus Cottbus ist deckungsgleich mit der, die in Frankfurt 15 Jahre später herangezogen wird. Zitat aus derselben FAZ-Ausgabe: Dem Verein fehlt schlicht das Geld, sich deutsche Kicker leisten zu können, deren Qualität mit den Legionären vom Balkan vergleichbar wäre. „Unsere Profis verdienen viel weniger als der Rest der Liga“, betonte Geyer.

Es ist eine Petitesse, dass damals Ungarn und Polen zum Balkan gezählt wurden.

Weiter im FAZ-Artikel:

(…) Die Trainer stellen den jungen Profis nicht gerade ein schmeichelhaftes Zeugnis aus. Nicht nur zwischen den Zeilen sind die Vorwürfe Faulheit, Feigheit und Geldgier zu finden. Offenbar fehlt die Bereitschaft, den unangenehmen Weg zum Erfolg zu suchen.
In den Nachwuchsteams der großen Clubs lebt es sich offenbar leichter als in der Fußball-Provinz. „Die jungen Deutschen sollen rackern, sich den Arsch aufreißen und sich die Stammplätze durch mehr Engagement zurück erkämpfen“, meint Geyer. Und: „Es bringt doch nichts, unsere deutschen Stars immer nur in Watte zu packen und die Ausländer die Dreckarbeit machen zu lassen.“ (..)

Das Interessante und vor allem die inhaltliche Unterschiedlichkeit von damals zu heute ist, dass vor 15 Jahren – in Mitten des qualitativen Totalabsturzes des deutschen Fußballs – den Jugendspielern die Qualität abgesprochen wurde. Heute gelten die Nachwuchszentren hingegen als vorbildlich, als Instanzen der Topausbildung. So rühmt sich ja auch Eintracht Frankfurt, die U23 aufgrund von Qualitätsaspekten abschaffend, der Klasse des eigenen Unterbaus. Entgegen jeder Empirie, aber wen interessiert das schon?

Kurioserweise wurde schon Anfang der 2000er im selben Atemzug das behauptet, was heute aus Frankfurt gesagt wird: Die deutschen Jugendspieler seien zu teuer. Damals also schlecht und unfinanzierbar, heute spitze und unfinanzierbar. Welcher Deal wohl der bessere ist?

Unabhängig von allen hier im Blog in Eingangsbeiträgen sowie Kommentaren zuletzt kontrovers diskutierten Fragen nach Herkunft, Identifikation, Vereinszugehörigkeit oder anderen ähnlichen „Geschmacks“Faktoren, gibt es eine Regel, die für alle Bundesligisten gilt und an deren Kante sich Eintracht Frankfurt aufgrund des aktuellen Transferkurses bewegt.
Denn seit einigen Jahren existiert statt einer Ausländer- eine „Local Player Regelung“. Diese soll gewährleisten, dass weiterhin deutsche Talente den Weg in die 1. und 2. Bundesliga finden. Nach den Vorschriften der DFL hat jeder Lizenzverein in der Bundesrepublik mindestens acht lokal ausgebildete Spieler (local players) als Lizenzspieler unter Vertrag zu nehmen. Davon müssen mindestens vier vom eigenen Verein ausgebildet sein. Als lokal ausgebildete Spieler gelten – unabhängig von ihrer Nationalität – all die Spieler, die im Alter von 15 – 21 Jahren in drei Spielzeiten für den Klub (Eintracht) oder den Verband (DFB) spielberechtigt waren.
Generell gilt: Nach den DFL-Statuten muss jeder Bundesligist zwölf deutsche Lizenzspieler unter Vertrag haben.

Zwölf ist hier also die entscheidende Zahl. Und genau dieses Dutzend befindet sich Stand jetzt im Kader der SGE (28 Profispieler, 60,7 Prozent sind Legionäre). Es handelt sich um:

Leon Bätge
Marco Russ
Bastian Oczipka
Yani Regäsel
Timothy Chandler (zählt trotz US-Nationalspieler als Deutscher)
Marc Stendera
Johannes Flum
Joel Gerezghier
Stefan Aigner
Danny Blum
Alexander Meier
Enis Bunjaki

Mit den Bestrebungen, Stefan Aigner und/oder (nach der wohl anstehenden Verpflichtung des Uruguayers Varela als Rechtsverteidiger) Timothy Chanlder und/oder Yani Regäsel zu verkaufen, fiele die SGE unter diese Quote. Es blieben elf, eventuell gar nur zehn deutsche Spieler übrig.
Dass darunter dann wiederum Kaderfüller wie Leon Bätge (3.Torwart) und Enis Bunjaki, durchaus auch Joel Gerezghier sind, ist, nunja, fürs Regelwerk unmaßgeblich und für die Bewertung jedes einzelnen offen.

Man muss nun also feststellen, dass Eintracht Frankfurt im Fall des Verkaufs eines deutschen Spielers gewzungen wäre, einen anderen deutschen Spieler zu verpflichten. Und von denen gibt es nach Aussagen der Funktionäre – überspitzt gesagt – ja keine.

Der Vorstandsvorsitzende Fredi Bobic kündigte nun aber an, dass der Transfermarkt erst jetzt richtig in die Gänge komme – das darf man sehr wohl als Indiz dafür werten, dass Eintracht Frankfurt letztlich wirklich auf eine Zahl an Neuzugängen zusteuert, die quantitativ sinnvol ist (zur Qualität wird man sich wohl erst irgendwann im August erstmals äußern können), also eher in Richtung zehn anstatt sechs neuer Leute geht. Man wird ferner davon ausgehen können, dass nach dem Verkauf des (zugegeben großteils matten) Tafelsilbers á la Castaignos, Chandler und ggf. Aigner zumindest noch genau so viele deutschpässige Spieler verpflichtet werden, um die besagte 12er-Quote zu erfüllen. Etwas anderes wäre auch schlicht … nunja, unprofessionell. Und sei es nur aus rechtlicher Sicht bzw. in Bezug auf Regelkenntnis.
Dass Eintracht Frankfurt der erste Klub ist, der gegen diesen Passus des Regelwerks verstößt, wäre zwar angesichts all des in der Geschichte schon Geschehenen irgendwie passend, ist aber auch in Zeiten des Totalumbaus höchst unwahrscheinlich. Hoffentlich (ansonsten: SGE-Social-Media-Mitleser, ihr dürft das Problem gerne an die Funktionäre weiterleiten).

Fürs Protokoll: Als Quoten-Kicker stelle ich mich der SGE gerne zur Verfügung, wenn die anderweitige Findung von deutschstämmigen Fußballern scheitern sollte. Den Personalausweis und zwei Beine zu besitzen, wären dann zwar – neben Kreismeister, Kreispokal, B-Liga-Aufstieg und Abstiegskampferfahrung – meine größten Qualifikation. Offenbar sind das ja welche, die wenige vorweisen können. Billig halten wäre ich mit, sagen wir 5000 Euro brutto pro Monat, auch. Und wer weiß, vielleicht schlage ich ja trotz laufendem 34. Lebensjahr richtig ein #caio #brauchtnurmalmehrereeinsätzeamstück ?! 😉

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17 Kommentare

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17 Antworten zu “Energie Frankfurt

  1. Der Norddeutsche

    Wir werden Meister 😉
    Was sind den lächerliche 60,7%! Leicester City hat viiiel mehr.
    Der LFC übrigens auch. Na ja , vielleicht ist die Qualität der Spieler etwas besser😉?
    http://www.transfermarkt.de/verein/kader?id=1003

  2. Olsen

    Ein – meiner Meinung nach – interessanter Aspekt der Geschichte ist noch gar nicht benannt worden. Cottbus stand in dem Jahr tabellarisch über der Eintracht und damit über dem Strich 😉

    • F.N.

      Wo steht Cottbus heute……

      • Olsen

        Keine Ahnung. Wo stünden wir ohne Relegation heute? Und was viel wichtiger ist: was hat das mit dem Jahr 2001 zu tun, welches hier thematisiert wird?

    • F.N.

      Das Jahr 2001 war der Ausgangspunkt für die Cottbusser Entwicklung, dann kann man ableiten wo wir in 15 Jahren spielen werden, nämlich dort wo Offenbach jetzt kickt

      • Koppweh

        Die Kaufkraft und die Infrastruktur spielt eine maßgebliche Rolle.
        Die Löhne und Renten im Osten waren zu gering.
        Das war im Endeffekt kein fairer Wettbewerb mit den westlichen Vereinen.

        Die Kapazität der Stadiongröße spielt eine große wirtschaftliche Bedeutung.
        Wir haben also gegen Mainz immernoch einen Vorteil von 8 Millionen.

  3. Steven

    Klose wäre super :). Danke für die Regelungen resp. den aktuellen Stand im Kader.

    Mir stellt sich die Frage, was denn sonst der Grund für die Verpflichtung ausländischer Spieler ist. Sind deutsche Spieler tatsächlich zu teuer, ergo sind die genannten Gründe von Bobic und Co nachvollziehbar? Es klingt immer/oft in den Artikeln durch, als seien sie es nicht. Dass es gehörig an der eigenen Nachwuchsarbeit liegt, dass aus den eigenen Reihen kaum Spieler kommen, ist ja offensichtlich (und von heute auf morgen nicht zu ändern).
    Das Scouting wurde ja nun schon zum zweiten Mal personell verändert.

    Der Satz „Eintracht Frankfurt der erste Klub ist, der gegen diesen Passus des Regelwerks verstößt, wäre zwar angesichts all des in der Geschichte schon Geschehenen irgendwie passend…“ finde ich,mit Verlaub, dämlich. Wieso wäre das passend…(ebenso wie „Energie Frankfurt“)? Klingt so,als seien wir „so ein Trottelverein“ (der nun auch noch zu viele „Ausländer“ einsetzt….).

    • Steven

      Der Vollständigkeit halber noch ein paar Legionärsdaten einiger anderer Vereine (Quelle Transfermarkt.de). – Soll nun weder pro noch contra für irgendetwas sein, bestreitet ja auch niemand, dass wir „führend“ sind 🙂 nur zum Vergleich!
      In Prozent…
      SGE 60,7 (wie genannt), Bremen 59,4 , HSV 43, Mainz und Hoffenheim jeweils 56,3, Bayern 61,5, Köln 40,9 usw.

      • Koppweh

        Nette Recherche.
        Fangen wir bei Bayern und Hoffenheim an.
        Bayern und Hoffenheim haben eine U 23.
        Bayern und Hoffenheim haben keine Probleme 4 Local Player in die erste Mannschaft aufzunehmen.

        Die Bayern können es sich sogar leisten einen Local Player zurück zu kaufen.
        Ich glaube Hummels ist ein Local Player.
        Badstuber Müller Lahm Alaba HUMMELS Green Dorsch

        Deutscher
        Boateng Neuer (Götze) Kimmich Dorsch Starke Ulreich Rafinha Green

        Für Götze ist Dorsch als deutscher in den Kader gekommen.
        Rafinha hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen um die Regel einzuhalten. Sehr erfinderich die Bayern.

        Green Starke Ulreich und Dorsch sind Quotenspieler!

    • „Eintracht Frankfurt der erste Klub ist, der gegen diesen Passus des Regelwerks verstößt, wäre zwar angesichts all des in der Geschichte schon Geschehenen irgendwie passend“ ist bezogen darauf, dass dieser Verein im Zweifel eher Rekorde auf der Negativachse hält. Meiste Bundesliganiederlagen, rapidester Absturz zum Abstieg in der Buli-Geschichte, schnellster Platzverweis der BuLi-Geschichte … Nicht alles so ernst nehmen, das schont Nerven und Herz 😛
      Die Analogie zu Cottbus liegt in genanntem Bezug aber doch auf der Hand,oder? 🙂

      • Koppweh

        Local Player
        Über Sinn und Unsinn dieser Regelung lässt sich natürlich diskutieren. Interessant dürfte diese Regelung bei Mannschaften ohne U23 sein, weil dann eben diese Spielerkategorie ohne Einsätze einen Vertrag aussitzen soll.
        Quelle http://www.rb-fans.de/artikel/20140518-special-localplayer.html

        LOCAL PLAYER OHNE U23 SIND BEZAHLTE TRANINGSSPIELER.

        Vielleicht will die Eintracht auch keine Talente mehr hervorbringen.
        Es langt wenn das Leistungszentrum nur noch Local Player hervorbringt, die für ein wenig Geld den Backup Kader auffüllen wollen.

        Rinderknecht wollte anscheinend da nicht mitmachen!
        Da Rinderknecht abgesagt hat mußte Bunjaki bleiben.

      • Koppweh

        http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/648082/artikel_darmstadts-local-player-brauchen-noch-zeit.html?goweb=1

        Eigentlich ein Witz wie Darmstadt die Local Player Richtlinie verwässert.

        Eigentlich müßte ein Local Player mindestens im Spielerkader sein.

        Wettbewerbsverzerrung! Eindeutig.

      • Steven

        Ja, ok, nehme es nicht ernst.
        .Oder böse 😉 aber wieso haben wir denn nun so wenig „local Player“ bzw warum haben wir bislang nur blum als deutschen Zugang?…

        .
        . Ach, die u23 müsste einfach her… Wenn ich sehe, dass mainz II sogar 3. Liga spielt :((((
        …..

      • Koppweh

        Warum?
        1 . Weil der Manga sich in Deutschland nicht auskennt.
        2 . Weil der Legien weg ist.
        3. Weil kein Transfergeld da ist.
        4. Weil ….upps Transf….Geld …..
        Letztendlich liegt immer alles am Geld Geld Geld.

        Eines dürfte wohl klar sein jeder beabsichtigte Transfer von uns kann durch Mainz Köln Hamburg Bremen und Augsburg vereitelt werden.

        Blum wollte keiner haben! Fakt.
        Flum wollte auch keiner haben. Fakt.

        Köln wollte Oczikpa haben!
        Bremen wollte Abraham haben.

        Der Verkauf von Sane ( Schalke) stand schon seit drei Monaten fest.
        Bei uns steht garnichts fest.
        Nur Lastminute Transfers.
        Jedoch nur über Rabatt. Rabatt Rabatt
        Wer will Seferovic für 4 Millionen verkaufen/verschenken.

        Wir haben Blum geholt ! Nicht warum sondern
        wen haben wir das zu verdanken? ………Armin Veh …..

        Für ein deutsch Local Player verdient mir Blum zu viel.
        Entweder Blum schiesst mindesten 6 Tore oder es gibt haue Bruno.

        Vertrag max 1 Jahr ……………deutscher local player Status SGE
        Blum
        Bätge
        Bunjaki
        Russ
        Chandler

        Nächste Saison kommen mindestens zwei neue Deutsche.
        Das steht heute schon fest.
        Ob Qualität kommt weiß noch keiner. Hängt alles vom Tabellenplatz ab.

  4. Koppweh

    Quotenspieler ……………..Local Player Status
    ………….Verträge bis mindestens 2018
    …………… Stendera Gerezgiher

    Verträge max 1 Jahr
    ………….. Russ,Chandler,Bunjaki, Bätge

    Die Local Player Quote wird eng. Definitv.
    Chandler soll weg. Spätestens nächste Saison!
    Bunjaki ??? Vertrag läuft aus!!
    Russ ….?

    Des geht max noch zwei Jahre gut. Der Local Player muss aber 3 Jahre bei der Eintracht gewesen sein .
    Ein U 19 Spieler kann sich schon mal freuen. Unabhängig von der Leistungsfähigkeit wird einer wohl nächste Saison einen Profivertrag bekommen. Herzlichen Glückwunsch.

  5. Olsen

    Björnkovic, bist du etwa der bevorstehende Königstransfer? Du hast einen deutschen Pass, Bezug zur Region und Erfahrung im Abstiegskampf. Dazu kommst du über die Laufbeteitschaft (igitt). Und wer weiß: Vielleicht löst sich mit dem Alter ja auch die Steifheit deiner Füße. Mir wäre es das für 5000 Frankfurtsche Euronen wert 🙂

  6. Jermaine Jones Junior

    Ist deine Knie-Verletzung von damals ausgeheilt? Sonst wird es schwer den Medizintest zu bestehen 😉

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich von dieser Regelung zum ersten Mal höre. Umso besser, dass es sie gibt. So sehe ich mich bestärkt meinen Wunschspieler Miroslav Klose weiter herbeizuwünschen 😉

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