Ein Name, zwei Güteklassen

Während der gute Hector, der Jonas, beim 1. FC Köln – einem offenbar Eintracht Frankfurt sportlich, attraktionstechnisch und finanziell völlig enteilten Verein – den Vertrag verlängert, sichert sich die SGE den karibischen Hector, den Michael aus den Untiefen der zweiten englischen Fußballliga.

Die Frage, die sich nach der anstehenden Vorübergehend-Verpflichtung dieses Hectors für mich stellt, ist eine simple: Ist das Niveau eines Jamaikaners, der in den vergangenen drei Jahren mit seinem Klub (FC Reading) einmal achtletzter (17. von 24) und zweimal sechstletzter (19. von 24) in der
2. englischen Liga geworden ist, höher als das eines x-beliebigen Innenverteidigers aus einer der deutschen Profiligen? Versuch einer Annährung an die Qualität der nächsten Wundertüte:

Hectors Leistungsdaten, die auf dieser Homepage gelistet sind, lesen sich ziemlich vernichtend: Als Stammspieler (in der vergangenen Saison 30 von 46 möglichen Liga-Einsätzen; ein Tor, vor allem aber eine Passquote von 70 Prozent und 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe <— als Innenverteidiger!).

Einordnung zur Zweikampfstärke (in der zweiten englischen Liga) im Vergleich zu Erstliga-Innenverteidigern in Deutschland: Etwas schwächer als David Abraham und Marco Russ, von allen Bundesliga-Innenverteidigern haben 2015/2016 weisen einen ähnlichen, einen gleich schwachen Wert nur Daniel Schwaab und Christian Schulz auf. Selbst der – auch von mir – als Schreckensszenario gebrandmarkte Ex-Stuttgarter Georg Niedermeier liegt bei 60 Prozent.

Einordnung zur Passquote (in der zweiten englischen Liga) im Vergleich zu Erstliga-Innenverteidigern in Deutschland: Auf Niveau von Assani Lukimya (Werder Bremen), der in dieser Kategorie einer der schlechtesten auf der Position in der gesamten Bundesliga ist. Llediglich die Zentraldefensiven der Aufsteiger Darmstadt und Ingolstadt weisen 2015/2016 noch schwächere Werte – zwischen 66 und 56 Prozent – auf. Die besten Innenverteidiger kommen hier auf Werte in den hohen 80er-Prozentzahlen (Christensen, Boateng, Maroh bspw.).

Um es nochmal zu betonen: Die schwachen Werte der oben genannten Erstliga-Vergleichsspieler sind Leistungsdaten, die auf einem wesentlich höheren Niveau zustande gekommen sind als in Englands Championship. Geht man zum Vergleichen runter in Bundesliga Zwei, stößt man auf Namen wie Stephan Salger (Bielefeld), Tim Sebastian (Paderborn) und Mensur Mudzja (Freiburg), wenn man die Zweikampfquote von 54 Prozent anpeilt. Bei einer Passquote von 70 Prozent konkurriert Hector mit Leuten wie Florian Ballas (FSV Frankfurt) und Gary Kagelmacher (Ex-1860).

In Jamaikas Nationalmannschaft, für die Hector 17 Mal auflief, agiert er seit diesem Jahr übrigens im zentralen defensiven Mittelfeld, nicht in der Innenverteidigung. Witzige Randnotiz: Hectors Klub, der FC Reading ist auch die Heimat von Lucas Piazon (remember the other Chelsea-Talent?!). Liest sich also alles eher nach Jonas statt Mats Hummels, Tobias statt Bastian Schweinsteiger, Malte statt Christoph Metzelder.

Dass Hector, der mit dem FC Chelsea London sportlich nichts, aber auch gar nichts zutun hat und – wie Dutzende seiner Kategorie aus den B- und C-Teams der Großkopferten – nur Abschreibe- und Abschiebeware, ein bebeintes Handelsgut ist, nach Ansicht der Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt als jemand gilt, der dem Team sportlich helfen kann, lässt tief blicken.
Die SGE ist nämlich ganz offensichtlich pleite – und/oder weder willens noch in der Lage, Geld aus eigen oder fremden Quellen zu investieren. Man verschreibt sich in den höchsten Gremien auch in Zeiten des folgenlosens Verprassens der ehrlichen Kaufmannsschaft – der vorgeblich ehrlichen, muss man ja sagen. So oder so wird nun zur Bückware gegriffen; eine Bückware, die dank Manchester, Madrid und Chelsea diesmal schillerndere Etiketten trägt als Wolfsburg, Leverkusen oder Freiburg.

Und auch im Umfeld beschäftigt man sich tatsächlich mehr mit Betriebswirtschaft, Buchhaltung, Finanzwesen statt mit Sport. Man wiederholt in Foren das Mantra, das größte Märchen der Vereinsgeschichte seit dem Geldkoffer durch die HeLaBa: Ma muss halt spare, ma hat halt kei Geld, es gibt kei Kicker die ma hole kann – Moses, Tafeln, Stein.

Meine Prognose nach dem Irgendwie-Klassenerhalt im Mai war es ja, dass Eintracht Frankfurt nicht wieder (so schnell) im unmittelbaren Abstiegskampf stecken wird. Bei dem Personal, das (für Erdnüsse) abgegeben und stattdessen verpflichtet worden ist, wird diese Prognose wohl der Wunsch eines Narren bleiben. Zum Glück gibt es ein Aber: Die Bundesliga ist, da wiederhole ich mich, in der bevorstehenden Saison nochmal schwächer als in der vergangenen Spielzeit. Und da ist sie dann auch wieder, die einträchtliche Definition von Erfolg: Hauptsache drei Teams sind noch schlechter als man selbst.

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23 Kommentare

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23 Antworten zu “Ein Name, zwei Güteklassen

  1. koppweh

    Die erste gute Tat von Bobic.
    Hector ist ein Bobic Transfer.
    Wieviel Manga bei Hector drin ist , weiß man nicht.

    Aber Manga scheint ein Glücksgriff zu sein.

    Das PSG uns kein Leihspieler abgegeben hat , obwohl wir Trapp viel zu billig ziehen haben lassen , ärgert mich gewaltig.

    Schön zusehen das Bruno das Verhältnis mit Chelsea nicht nachhaltig kaputt gemacht hat. Ich hab ehrlich gedacht, dass uns Chelsea kein Spieler mehr ausleiht.

    Vielen Dank Herr Bobic! Obwohl umsonst gibt Chelsea keinen Spieler ab.
    Oriol Romeu hat 250 000 euro Leihgebühr gekostet.
    Piazon hat 800 000 euro gekostet.
    Christensen keine Angabe. Chelsea verkauft Christensen anscheinend nicht. Die wollen 22 Millionen mit einem Rückkaufsrecht von Gladbach.
    Da macht der Eberle bestimmt nicht mit.

    Ich denke Hübner kann vom Fredi noch viel lernen.
    Mal sehen wie es bei den Beiden weitergeht.

    • Olsen

      Dass wir Trapp zu günstig abgegeben haben, wusste ich noch gar nicht. Wieviele Torhüter sind denn zuletzt für mehr Geld raus gegangen?

      • Zumindest die 12 Mio, die Barca für Ter Stegen gezahlt hat, hätten ja drin sein können. 🙂

      • Na_ich

        ter Stegen war einer der besten Torhüter in der Bundesliga, über Jahre. Bei einem der besten buli-vereine.
        da sind 12 mio. eigentlich zu wenig, daher haben wir ganz gut abgesahnt. Soll aber eine AK gewesen sein.

    • F.N.

      Gibt es nicht in der Regel Verträge über leihspieler, die nichts kosten, wenn sie viel spielen….

      • koppweh

        Ich kann mir vorstellen, dass die Eintracht alle Nebenkosten übernimmt.
        Hotel Wohnung Auto Fĺüge Taxi
        Behördengänge ect ect……
        Da kommen schon mal 3000 Euro zusammen pro Monat.
        Versicherung gegen Invalidität ect ect
        Putzhilfe …..Köchin…hi hi der Junge soll sich ja wohl fühlen…
        Einkaufhilfe
        Escortservice….he he ….wer weiß was der Bobic dem alles versprochen hat

  2. Olsen

    Ich glaube – und das wurde hier meiner Meinung nach noch gar nicht berücksichtigt – dass wir auch ohne Neuzugänge eine bessere Saison spielen würden als letztes Jahr, was schlichtweg mit dem neuen Trainergespann zu tun hat. Wir haben einen äußerst engagierten, unverbrauchten Trainer, der offenbar ganz klare Ideen davon hat, wie die Mannschaft spielen soll. Dazu hätte er einen Großteil des Kaders schnell zur Vorbereitung zusammen. Ich weiß gar nicht, wann wir das zuletzt mal sagen konnten. Aber ich war auch letztes Jahr schon der Meinung, dass es nicht am Kader als vielmehr an dem Stümper und Totalausfall Veh lag, dass wir katastrophal aufgetreten sind.

    Nun hat der Trainer (so wird es zumindest artikuliert) auch noch die passenden Spieler für genau diese Spielidee bekommen. Mit Aigner ist ein Totalausfall der letzten Saison gegangen, mit Zambrano ein IV, der den Kampf gegen den Abstieg von der Bank beobachtete. Sicher waren beide über Jahre Leistungsträger. Aber gerade im letzten Jahr konnte man ganz prima auf sie verzichten.

    Wenn ich mir jetzt durchlese, wie sich die Neuen zeigen, höre ich eigentlich nur positives. Hrgota nimmt zwar weniger am Spiel teil. Dafür netzt er vorn regelmäßig. Genau diese Art Fußballer wird von uns als Fußballgott bejubelt (feste Verpflichtung).

    Mit Mascarell hat man dem Hörensagen nach einen technisch hervorragenden DM geholt, der zudem Torgefahr ausstrahlt (fest verpflichtet). Damit könnten wir zwei ganz wichtige Positionen auf Jahre besetzt haben.

    Gacinovic hat in der Vorbereitung angedeutet, dass er dieses Jahr das abruft, was die Verantwortlichen uns bei seiner Verpflichtung vorhergesagt haben. Der Junge macht richtig Spaß, kann zentral und links auflaufen.

    Dazu scheint Varela auf rechts direkt gesetzt zu sein, da er gute Leistungen gebracht hat.

    Zu Hector sage ich mal lieber nichts, aber er wird auf Grund der paar Minuten gestern ziemlich in den Himmel gelobt. Mal sehen, was die Zeit sagt. Sollte er flotten, scheint unser zweiter IV ja auch nicht die schlechtesten Anlagen aus Spanien mitzubringen.

    Ich bin – entgegen dem Trend – eher euphorisch nach dem, was ich bis jetzt gehört habe.

    • F.N.

      Ich bin mir auch sicher, dass wir eine bessere Saison spielen werden, denn schlechter ging es nur noch von der Platzierung aber nicht vom Spielerischen.
      Hrogata könnte ein neuer Meier werden, jemand mit Torriecher. Varela ist stärker als Chandler, mascarell gut ausgebildet. Bleibt das Fragezeichen IV. Aber Zambrano hat letzte Saison wenn er spielte auch nicht überzeugt. Steigerungspotential ist zweifellos da….
      Viele Fragezeichen bleiben trotzdem!!

      • Ich bleibe dabei: In einer Saison wie der vergangenen, wo 99% der Feldspieler mies spielten, ausgerechnet Aigner und Zambrano – zwei der drei, vier besten Eintrachtspieler der vergangenen Jahre – als so verzichtbar einzustufen, finde ich ziemlich überraschend, vielleicht sogar dreist. Wenn man denen qualitativ nicht nachtrauern soll, ja wem denn dann? Was/wen braucht es denn, wenn nicht so zwei, um die Faust in der Tasche zu ballen wenn sie (für lächerliche Summen zumal) abgegeben werden?
        Im Umkehrschluss vernehme ich aber, dass ein Typ wie Seferovic gar der Vertrag verlängert werden soll! Seferovic! Das, diese Handlungsweise ist für mich die personalgewordene Umkehrung des Leistungsprinzips.

      • Olsen

        Nach dieser Logik müsstest du Seferovic aber ebenso halten wollen, denn der hat bei uns eine überaus starke erste Saison gespielt. Ganz Frankfurt war froh, endlich wieder einen Stürmer zu haben. Warum wird er verflucht, während Aigner beweint wird?

        Darüber hinaus wüsste ich nicht, warum es erstrebenswert sein sollte, die Hand in der Tasche zu ballen.

      • F.N.

        Ich glaube schon, dass Spieler wie Aigner und Zambrano ersetzbar sind, wenn man die Richtigen dafür findet . Aigner kam auch mal aus Liga 2 und überraschte alle. Zambrano war ein harter Hund, fehlte deswegen auch des öfteren und war verletzungsanfällig. Interessant wären nur Einblicke in die Verträge, da wird die Wurzel allen Übels versteckt sein…
        Offensiv sollten wir stärker als zuletzt sein. Mit einem Hasebe auf seiner Lieblingsposition gefestigter, rechts hinten stärker und wenn O auf links mal wieder bessere Spiele absolviert , ist mehr als Platz 16 drin, wenn der Start gelingt vielleicht deutlich mehr. Aber wS erwartet uns dann nächsten Sommer? Welche überraschenden Klauseln? Im Moment habe ich vor den handelnden Personen mehr Angst als vor den Grottenspielen, die ausbleiben könnten ….

      • re Sefe: eine gute HALBE Saison. WZEW.

    • Ja, die Mannschaft wird irgendeine Position zwischen 10 und 16 belegen, sie wird nicht so akut im Abstiegssumpf feststecken wie vergangene Saison. Ich denke, es wird tabellarsich ähnlich wie unter Schaaf: dank zweier Zwischensprints am Ende besser positioniert als zuletzt, wie gesagt irgendwas um Rang 10 bis, sagen wir, 13. Euphorie.

      Es geht mir halt so, dass ich den Klassenerhalt einfach nicht mehr als einzig erstrebenswerte Perspektive kaufen kann, sorry. Mag den meisten anders gehen, ist ja auch ok.

      • F.N.

        Das kann ich auch verstehen. Ich bin auch lieber im Stadion wenn Porto in FFM spielt.
        Ich verstehe nicht, was hinter den Kulissen läuft. Und daher kann ich vieles nicht nachvollziehen und bin auf deiner kritischen Linie . Nur kurzfristig scheint, warum auch immer, kein Geld da zu sein, und dann wäre diese Saison kaum mehr drin. Es sei denn , Gacinovic, Mascarell und Blum spielen wie einst Rode, Inui und Aigner…..

  3. Adler_Nordhessen

    …ach, übrigens, der Aiges macht dann gleich im 1.Heimspiel sein 1. Saisontor. Gut gemacht, Herr Hübner! 😉

  4. hektor

    hector is qualitätsname, alta. entlich haben wir auch eine. du must immer alles schlecht reden.

  5. Du_weißt_schon

    Was willst du uns mit den Bilanzsummen nun mitteilen?

  6. Koppweh

    Eintracht Frankfurt AG
    Bilanzsumme 37 Millionen

    1FC Köln GmbH&Co KGaA
    Bilanzsumme 49,5 Millionen

    Köln muß nächstes Jahr eine 10 Millionen Anleihe zurückzahlen.
    https://www.anleihen-finder.de/anleihe/1-fc-koln-gmbh-co-kgaa-20122017

    An deren stelle hätte ich Hector besser verkauft.
    Lieber den Spatz in der Hand als die Taupe auf den Dach.

  7. Oka

    Nachdem ich diese Werte und Vergleiche gelesen habe wird mir schlecht. Winfried Schäfer der Trainer von Jamaika sagte wenn dieser Transfer tatsächlich vollzogen wird kann man der Eintracht nur gratulieren. Kopfschütteln.

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