Grobe Kelle können sie nicht

Ein Hauch Diva ist zurück: Gegen die (nominell) starken Teams, wenn mit feiner Klinge gefochten wird, spielt Eintracht Frankfurt Fußball. Mal bringt das Punkte, mal (wird es das) nicht. Geht es gegen einsatz- und lauffreudige Mannschaften, wird’s im Zweikampf auch mal härter und die Kelle dementsprechend im direkten Duell mal grober, macht Eintracht Frankfurt gar nichts mehr, von Fußball fehlt dann jede Spur. Und Freiburg müsste nicht mal ruppig auftreten wie Darmstadt, viel und konzentriert laufen reichte.

Es ist total unverständlich, und hat mit der gerne vorausgeschickten Erwartungshaltung nichts zutun, wieso die SGE nicht immer forsch, mutig agiert. Wieso sie sich stattdessen in Taktik und Spielweise auf den Gegner einlässt. Mit Ausnahme von Bayern und Dortmund macht es gar keinen Sinn, sich in Spielen in Zurückhaltung zu üben. Mehr als verlieren, was mit der Einschläfer-Taktik nun schon zwei mal geschah und in den ersten 10,15 Minuten gegen Ingolstadt auch fast passiert wäre, wird man auch mit der aktiven Herangehensweise nicht.

Trainer Niko Kovacs Taktikschulungen in allen Ehren, aber er sollte sich weit weniger am Gegner orientieren als an sich und den SGE-Spielern selbst. Denn kicken können sie besser als kratzen. Das ist schon länger sichtbar und spätestens seit dem
Wiederaufstieg Kern-Element dieser Mannschaft(en). Auffällig: Kovac trifft bisweilen recht seltsame und dann folgenschwere Entscheidungen. Zu Bremen letzte Saison und Darmstadt vor kurzem ist alles gesagt – aber in Freiburg unterlief ihm ein weiterer vermeidbarer Patzer. Die (Schaafsche) Raute, ein System der 80er- bis Anfang/Mitte der 2000er-Jahre, wird nämlich auch er nicht zum Erfolgsmodell re-animieren. Sie zu wählen mag ja ein überraschender Schachzug gewesen sein, geglückt ist er indes keinesfalls. Deshalb lässt es sich vom gegnerischen Trainer auch leicht loben. Mit dieser Form des 4-4-2 erlahmt nämlich das Offensivspiel, die ohnehin im Team vorhandene Zentrumslastigkeit wird regelrecht übersteigert. Wieso ein System (4-2-3-1) verändern, das Fußball gewährleistet?

Und auch personell läuft der – löblich krittelnde und offenkundig ambitionierte – Trainer Gefahr, nun auch mal kritische Fragen gestellt zu bekommen.
Ein Schwachpunkt war, ist und (bleibt vermutlich) Omar Mascarell. An ihm läuft das Offensivspiel vorbei, defensiv war er bisher in Ordnung – gegen Freiburg hatte er selbst im Kernbereich Probleme. Auch Szabolts Huszti, der im läuferischen Bereich große Verdienste hat, trägt zu wenig zum Gelingen der Vorwärtsbewegung bei. In der Raute mag die zuletzt bei ihm beobachtete Zentrumsziehung dem System geschuldet sein – aber von ihm gingen (wieder) keine Impulse aus.
Das größte Ärgernis aber war, ist und (bleibt sicherlich) Haris Seferovic. Nicht nur, dass er seit mehr als einem Jahr beständig falsche (Ego-)Entscheidungen trifft, nein, er hat von seiner unbeteiligten
Scheissegal-Haltung nichts abgelegt. Er schlurft auch als Quasi-Zweite-Spitze über den Platz wie das 12. Rad am Wagen und zeigt nicht mal mehr das, was man ihm aller fußballerischen Limitierung noch länger attestieren konnte: Laufbereitschaft und Ballbehauptung. Schon gar nicht in Schweinespielen wie dem im Breisgau, wo er einer der Spieler sein müsste, an dem sich aufgerieben wird, der Gegenspieler zu Fouls und Verwarnungen zwingt. Stattdessen trabt er eine Stunde so mit und lässt sein Team in die Frustrationsfalle, nah ran an die Platzverweise, tappen. Seferovic ist, Trainerliebling hin oder her, ein Hemmschuh, keine Hilfe.
Und auch ein Abwehrchef (Abraham) darf halb-fit vom Trainer nicht aufgestellt werden. Seine Unsicherheit sprang einen selbst im China-Stream förmlich an, das muss ein Trainer doch schon vorher, beim
Training erkennen.

Die Lösungen liegen auf der Hand: Seferovic hat in der Startelf nichts verloren, weder im Zentrum noch auf dem Flügel. Huszti mit/als Nebenmann, wenn, auf der 6 behalten. Masacarell zumindest mal raus-rotieren für 1,2 Partien. Und: nur fitte Spieler einsetzen, denn kein Frankfurter hat eine derart hohe individuelle Klasse, dass er auch mit 80,90% mindestens mithalten kann.

Das gesagt: Gilt natürlich alles nicht gegen Bayern im Spiel nach der nächsten unsäglichen Länderspielpause. Da sollen sie die B-Mannschaft stellen, sich ihre 3,4 Gegentore holen und keine Körner für die wichtigen Folgespiele vergeuden.

Das übernächste Spiel – Erhebnis, vor allem aber Spielweise (auswärts) – wird dann zeigen, wie es um die SGE bestellt ist, wo im Mittelfeld sie einzuordnen sein wird: zwischen 7 und 9? Zwischen 10 und 12 oder doch zwischen 13 und 16? Letzteres definitiv nicht – wenn denn Lehren (siehe oben) gezogen werden. Dafür ist dieser Trainer allemal gescheit genug.

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Grobe Kelle können sie nicht

  1. Jermaine Jones Junior

    Der Oktober wird anstrengend. Hoffentlich kommen unsere Nationalspieler gesund wieder. Das ist das Wichtigste. Ich denke, dass sich der Tabellenplatz so zum Ende November wieder tendentiell relativieren wird. Irgendwie habe ich gegen den HSV kein gutes Gefühl, weil ich Gisdol für keinen schlechten Trainer halte. @Björn: Was hat Niko Kovac davon Seferovic rauszuschmeißen?

    • Olli

      Welchen Sinn es macht Haris aus der Mannschaft zu kicken?

      1) Wenn er weiterhin spielt, dann ist das ein Zeichen für die gesetzten Spieler, dass, egal wie schlecht sie spielen mögen, sie wohl nicht aus dem Kader fliegen werden.

      2) Den Ersatzspielern zeigst du, egal wie mies einer auf dem Rasen ist, ihr spielt trotzdem nicht.

      Welche Konsequenz das für die Stimmung und die Leistungsbereitschaft im gesamten Kader hat, darfste dir selber ausmalen.

      • Jermaine Jones Junior

        Wohl war. Du hast in beiden Punkten Recht. Es bleibt Niko Kovacs Aufgabe eine zum jetzigen Zeitpunkt faire und vernünftige Entscheidung für die Mannschaft zu treffen.

        Ein bisschen muss sich Seferovic schon selbst an die eigene Nase packen, weil er offenkundig nicht hinterfragt was zu tun ist, um sich zu verbessern.

        In erster Linie hat aber der junge Mensch Seferovic das Recht verdient, die Chance(n) zu erhalten, sich als Spieler und Persönlichkeit zu verändern.

        Die ersten 10 Tore im Eintracht Debut anno 2014 sind ja schließlich nicht vom Himmel gefallen. Es hat seine guten Gründe, warum der junge Mann -etwas despektierlich ausgesprochen- als „Eintagsfliege“ bezeichnet wird. Bloß muss sich der Trainer Niko Kovac jetzt etwas einfallen lassen, um Seferovics Potenziale wieder zur Entfaltung zu bringen.
        In der Schnelllebigkeit und Leistungsgesellschaft, erst Recht im dynamischen Bundesligaalltag, ist das leichter gesagt als getan.
        In der Hinsicht bin ich gespannt, was sich Niko Kovac nicht als Analytiker, sondern eben als „Psychologe“ einfallen lässt.
        Ich bin aber zuversichtlich, dass es Niko Kovac gelingt, weil er schlau genug ist den Fall Seferovic allein schon als Herausforderung anzunehmen. Notfalls fragt er seinen Mentor Christoph Daum, einer der ersten praktizierenden Pioniere der Sportpsychologie, was zu tun ist, um Seferovics „Kopfproblem“ zu lösen.
        Rein sportlich wäre es all zu schade Seferovic ab der nächsten Saison für einen anderen Klub (zudem ablösefrei) Tore schießen zu sehen.

      • Olli

        Argh … höre mir mit dem „dritten Bein“ Psychopaten auf 😉

        Ich würde mir wünschen, in der Vergangenheit hätten andere Leute so viele Chancen bekommen wie Seferovic. Als erstes fallen mir Bell, Kempf, Fenin oder Kadlec ein. Oder Waldschmidt halten. Nicht das sie jetzt woanders Bäume ausreißen … mir gehts eher darum, der hatte richtig viele Chancen. Zugegeben, gegen Ende der letzten Saison und auch in der Religations-Spielen hat er sich reingehängt. Zwar nicht so ertragreich, aber das Tor in Nürnberg hatte er sich verdient. Aber leider behalte ich wohl damit recht, als ich während der EM deutlich für seinen Verkauf votiert habe. Denn dem kannst du keinen neuen Vertrag geben. Bleibt bestenfalls noch der Verkauf im Winter … für 1 Mio vielleicht.

        Es mag vielleicht einfach sein, einem Stürmer mehr Chancen zu geben als Innenverteidigern. Macht ein IV nen Fehler, dann schepperst recht schnell hinter dir. Als Stürmer ist das eher selten direkt folgenreich. Aber schaue dir mal die Kartenstatistik von Seferovic letzte Saison an. Der hat doch Gelbe gesammalt ohne Ende. Und 80% waren doch taktische Fouls nach Ballverlust oder meckern (rein gefühlt, nicht nachgeschaut).

        Sry, der Kerl hat fertig.

      • Jermaine Jones Junior

        @ Olli

        Ja, das stimmt. Mit ihm meint es Eintracht Frankfurt wohlmeinender als mit den von dir genannten Spielern.

        Aber was ist so schwer daran Haris Seferovic die Leviten zu lesen, insbesondere seinen Egoismus, seine Dünnhäutigkeit und Sturheit.
        Es liegt an Haris Seferovic die Kritik anzunehmen.

        Was mich aber vielmehr erregt, ist, dass seine Leistung kürzlich im Länderspiel gegen Portugal nach oben zückte. War diese Leistungsschwankung Zufall oder liegt es daran, dass das Umfeld in Frankfurt ihm nicht behagt?

      • Seferovic bekam einst die Leviten gelesen, Armin Veh krallte ihn sich. Resultat: Schmollwinkel, in dem er bis heute sitzt. Kovac versucht es mit Pämpern der Balkangene (das dritte Bein in anders), ebenso wenig erfolgreich.

        Es lieg an Seferovic selbst. Der Kerl ist die Eintagsfliege, die er immer und überall war. Und scheinbar hat er kein Bestreben, das, sich zu ändern.
        Zitrone? Ich sag mal so, wenn man als Hochbezahlter über einen langen Zeitraum (massiv) underperformed, tut man dem Spieler kein kapitalistisches Unrecht. Man handelt folgerichtig nach Ursache/Wirkung. Den Luxus, einen (.zudem unwilligen) Dauerschwächler durchzuschleppen und auf das „der hat doch im
        Pleistzön schonmal gezeigt dass er es kann“ zu hoffen, hat man als Immer-mal-wieder-Erstligist nicht.

      • Olli

        @JJJ
        Haris hatte bei den EM-Spielen ja Großchancen ohne Ende. In der Nati weiß er, wo er stehen muss, wo er langlaufen muss. Getroffen hat er bei gefühlt 10 mal 1 gegen 1 nicht. An eine selbst erarbeitete Chance kann ich mich dabei auf anhieb nicht erinnern.

        Ich kann jetzt gerade keine Vergleiche zwischen der Spielweise und den Spielern bei der SGE und der schweizer Nati ziehen. Aber vielleicht braucht er auch einfach fähigere Mitspieler, die ihm alles auf dem Silbertablett servieren. Selber für den Erfolg schuften ist evtl. zu anstrengend.

        Und Björn hat recht. Wenn ich mich recht erinner, hat Haris Ende 2015 bzw. in der Winterpause vom Veh mal die Meinung gegeigt bekommen.

    • Die entscheidende Frage ist, was das Team von Seferovic auf dem Feld hat. Er zeigt ja nichts mehr von dem, was er wenigstens, zeigte sobald seine fußballerischen Defizite Überhand nahmen: Bälle behaupten, viel mit dem Körper Arbeiten, dahin gehen wo es wehtut.
      Dass er kein Torjäger ist, hat sich mittlerweile deutlich herausgestellt. Dass er kein guter Techniker und auch kein Tempomacher ist, weiß man nun auch seit Monaten. Was bleibt? Nicht viel. Und wenn er das wenig Verbliebene nicht Willens oder in der Lage ist zu zeigen, dann stellt sich die Nutzenfrage doch nicht, oder?
      PS: Laufen alleine ist noch kein Wert an sich. Gerade ein Offensiver muss auch hin und wieder zählbares – Tore, Vorlagen, wenigstens Gefahr – liefern. All das bleibt Seferovic seit nunmehr einem Jahr, unter zwei Trainern die ihm stets das Vertrauen/die Spiele schenkten/gaben, schuldig.

      • Jermaine Jones Junior

        Ich seh aber schon einen Reiz darin das „Eintagsfliegen“-Problem zu lösen. Da lass ich gern das Zitat von Niko Kovac bei seinem Amtsantritt einfließen: „Was ist im Leben schon einfach?“

      • Jermaine Jones Junior

        Entschuldigung, aber noch eine Ergänzung, weil ich es im letzten Kommentar vergessen habe zu erwähnen:

        Was bringt es generell ständig einen Spieler zu verkaufen, rauszuschmeißen oder ihn in der Startelft gegen einen anderen auszutauschen, nur weil er nicht produktiv genug ist? Dass Seferovic Talentvermögen besitzt, hat er doch oft genug bewiesen. Das ist genau die selbe dumme und sinnlose Haltung ähnlich wie in Konzernen: Mitarbeiter wie eine Zitrone ausquetschen, bis sich jemand anders bewirbt. Statt sich mal Frage zu stellen: „Wie führe ich meine Mitarbeiter? Was kann ich tun, damit jeder innerhalb einer Leistungsgemeinschaft sein Potenzial abrufen und einbringen kann?“. Es gibt empirische Evidenzen, dass Führen mit Hirn kurz(!)- und langfristiger mehr Produktivität verzeichnet, als die von mir bezeichnete „Zitronen ausquetschen“-Theorie.

        Wie es jemand generell erfolgreich vormacht: Siehe Jürgen Klopp.

  2. F.N.

    Schnelle Aussenspieler hätten der Eintracht geholfen , auch noch, wenn folgerichtig zu Beginn der 2. HZ gewechselt worden wäre. Und auch ein laufschneller Spieler auf der sechser Position fehlt…. Mascarell ist es leider nicht .
    Warum nicht in einem Auswärtsspiel mal ohne Meier beginnen. Hrogota ist durchaus eine torgefährliche alternative, aber nicht neben Meier sondern für Meier. Die mangelnde Laufbereitschaft bzw. der Trab auf dem Spielfeld schwächt die Mannschaft gegen Lauf- und Kampfstarke Mannschaften .
    Bis Ende Oktober spricht die Tabelle für uns wieder Realität ….Platz 13!!

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