Lückenfüller

Elend, nervig, überflüssig – vor allen Länderspielen / Länderspielpausen empfinde ich das so. Und wenn dann bald 40, 48, ja wieso nicht gleich alle 200 Nationalmannschaften – am besten im Hin- und Rückspielmodus jeder-gegen-jeden – antreten, wird der Vereinsfußball, die Keimzelle der Fußballemotion, endgültig zur Makulatur.

Immer wieder frage ich mich, wen diese Gala-Kicks gegen Nordirland, San Marino, Aserbaidschan, Albanien, Usbekistan, Kirgisien oder Tschad in Wallung bringen. Turnier-Qualifikationen muten qualitativ ohnehin nur noch wie eine Aneinanderreihung von Freundschaftsspielen an. In 90 Prozent der Fälle reichen zwei Sekunden Blick auf die Gruppen, um schon vor Anpfiff des ersten Spieltags zu wissen,wer auf den Rängen 1 und 2 landet.
Und solange kein Eintrachtspieler im Nationaldress aufläuft, hege ich sowieso null Interesse für die Bierhoff-Löwsche Weichspül-Marketing-Maschine #diemannschaft

Marko Marin will über den Sportteil der Bild übrigens „irgendwann gerne“ wieder zurück nach Frankfurt. Er meint nicht den FSV, sondern die Eintracht. Es habe ja schließlich in der Vergangenheit „immer mal wieder“ Bestrebungen gegeben. Das alles sagt einer, der vor sechs Wochen (!) einen Vertrag bis 2019 bei Olympiakos Piräus unterschrieben hat. Dann, bei Vertragsende wäre er 30 Jahre alt.

Marin ist einer dieser Spieler, an denen man die Mechanismen des Profi(geschäfts)sports wunderbar ablesen kann: Es ist die unermüdliche Wette auf (verschütt gegangenes) Potential, an der ein Haufen unbelehrbarer Akteure teilnimmt. Ist der Stern eines Spielers ein einziges Mal aufgegangen, und leuchtete er auch noch so kurz am Abendhimmel, steht er bis zum Sankt Nimmerleinstag in den Notizbüchern aller Klubs. So erklärt sich, wieso selbst nach einer unsteten Odysee über den Kontintent sich Abnehmer finden, die eifrig Millionenbeträge für jedes noch so flackernde Lichtlein bezahlen.

Marin machte sich sportlich mit seinem Wechsel aus der Bundesliga kaputt, finanziell wird das genau anders herum aussehen. Vielleicht ist das Bürschchen ja einfach clever. Gebrauchen kann man ihn im Team jedenfalls nirgendwo, auch nicht in Frankfurt, wo man mit Haris Seferovic zudem schon eine Eintagsfliege in seinen Reihen weiß.

Viel wichtiger: Wie spielt die SGE denn nun in acht Tagen gegen Bayern München, das ja von einigen Blog-Lesern als angeschlagen und wackelig eingeschätzt wird? Ich bleibe ja dabei: vergebene Liebesmüh. Aber das bin nur ich.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Lückenfüller

  1. Olsen

    Ich sehe aktuell ehrlich gesagt auch nicht mehr die Bayern, die wir die letzten Jahre ü er gesehen haben. Der Fußball, den sie spielen, erscheint mir weitaus weniger das zu sein, zu dem er von allen Ancellotti-Verfechtern öffentlich geredet wird. Das sage ich seit dem ersten Spieltag und es wurde zuletzt auch in den Ergebnissen deutlich. Nur heißt das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass sie von uns auf einmal bezwungen werden 😀 und so, wie sich unsere Truppe gerade wieder einpendelt, würde ich auch nicht zwingend Geld drauf wetten…

    Btw: hat Marko Marin eigentlich jemals durch hochwertigen Fußball auf sich aufmerksam gemacht? Ich kann mich nur noch an eine außerordentlich große Nase erinnern bzw einen besonders kleinen Menschen, der stets in den Strafraum lief, um sich dort fallen zu lassen. Im Grunde das vollkommene Gegenteil von dem, was wir hierzulande Fußballgott nennen.

    • Jermaine Jones Junior

      Mein Gefühl sagt mir, dass wir wenigstens in Führung gehen werden. Was ich bislang offiziell und inoffiziell aus dem Trainings-Umfeld vernommen habe, scheint man das Bayern-Spiel sehr ernst zu nehmen. Anscheinend gedenkt man wirklich Punkte mitnehmen zu können. An Selbstüberschätzung glaube ich nicht, weil wir in dieser jungen Saison viele Großklubs geärgert haben (Schalke, Leverkusen, Hertha). Man, bin ich froh, dass Niko Kovac unser Trainer ist. Armin Veh 2.0 nämlich hätte das Spiel hergeschenkt. Mein Tipp: (ihr lest richtig) 2:1 für uns. Tore: Fabian und Seferovic(!). Dankt mir nicht. 🙂

    • Koppweh

      Marin erinnert mich an Inui den hessen Modric.

  2. F.N.

    Quali- Spiele der Nationalelf bei RTL: es gibt Spannenderes, aber wohl leider nicht das Spiel der SGE gegen die Bayern. Ich tippe auf ein 0:2. wichtiger ist das dann folgende Abendspiel in HH.

  3. Ed Kul

    Vergebene Liebesmüh? Da gehe ich mit. Die Zeiten, in denen man dem „Stern des Südens“ … hüstel … mal ernsthaft ans Bein pinkeln oder gar selbiges stellen konnte, sind leider vorbei.

    Meine Empfehlung lautet deshalb: Tretet mit der B-Mannschaft an! Gebt den Bankdrückern, Unberücksichtigten und Nachwuchsspielern die einmalige Chance sich vor großem Publikum gegen einen (fast) übermächtigen Gegner zu zeigen und schont die Stammkräfte für das weitaus wichtigere Spiel gegen den Ha-ha-ha-es-vau.

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