Kann Frankfurt Ackergaul?

Die Spielpause zieht sich. Noch eine Woche muss man sich als Anhänger von Eintracht Frankfurt gedulden, bis sich der Stadionbesuch oder das Einschalten des TV-Geräts wieder lohnt. Erst elendet einen die Löw/Bierhoffsche Marketing-#lamannschaft und verhindert die emotionsträchtige Punktejagd im Vereinsfußball, nun muss man die nächste Hochglanznummer namens Bayern München ignorieren, bevor man sich endlich wieder der SGE, ihrem Spiel, ihren Chancen, ihren Perspektiven widmen kann.

Denn wie (zweck-)zuversichtlich man sich im Frankfurter Fanlager auch gibt, die Klingen mit dem FCB zu kreuzen wird auch diesmal vergebene Liebesmüh‘ sein. Natürlich werden sich die Spieler, die aufgestellt werden, reinschmeißen. Sie werden alles probieren, sie werden zweikämpfen, vielleicht werden sie ihr Heil, wie vor kurzem Ingolstadt im Vorwärtsgang suchen. Dass etwas zu gewinnen ist außer warme Worte, womit man wieder bei Ingolstadt diese oder Mainz letzte Saison wäre, ist illusorisch.

Man darf nämlich bei allem Wettkampfgedanken, bei allem Eifer, bei aller Ambition ( 😛 ) eines nicht vergessen: Dieses Bayern München ist nicht mehr der Klub, der er beim letzten Eintrachtsieg 2010 war. Es war das Jahr und die Zeit, als Bayern trotz aller Vorherrschaft eingeklemmt war in die Titelgewinne von Wolfsburg (2009) und Dortmund (2011), gar eine ungefährdete Titelverteidigung des BVB zulies (2012). Seitem, seit der singulären Erkenntnis der Verwundbarkeit leistet man sich in München keine Schnitzer mehr. Keine, wie damals im März 2010, als ein noch unbedarftes Bübchen namens David Alaba vom hüftsteifen Juvhel Tsoumou umschossen und schon zuvor ständig von Leichtathlet Marcel Heller abgehängt wurde. Daniel Pranjic, Anatoliy Tymoshchuk, Diego Contento, Hans Jörg Butt, Edson Braafheid, Mehmet Ekici: so lauten sie eben nicht mehr, die Namen oder die Qualitätsgüte der Stamm- und Einwechselspieler. Nun rotiert man Welt- gegen Europameister, Nationalspieler gegen Nationalspieler. Während man wohl behaupten darf, dass die Mehrheit der Bundesligisten ihre Qualitätsklasse weitgehend gehalten hat (bei der Eintracht kann man wohl behaupten, dass die 2010er-Mannschaft der 2016er-Mannschaft nicht um Dimensionen unterlegen ist), hat man in München schlicht personell ernstgemacht.

Dennoch gibt es eine Hoffnung in der Saison 2016/2017 sowohl für die Bundesliga als ganze als auch für die Eintracht im bevorstehenden Spiel. Kurz gesagt liegt sie darin begründet, dass manche Schlüsselspieler in der Offensive des FCB ihren Zenit überschritten haben und ihre designierten Nachfolger noch nicht die Güteklasse haben könnten, sie zu ersetzen. Arjen Robben und Franck Ribery auf der einen, Douglas Costa und Kingsley Coeman sowie Renato Sanchez auf der anderen Seite – wenn zeitgleich zwei von diesen Spielern in einer Partie nicht in die Gänge kommen, mehr noch aufgrund eigener Formkrisen als aufgrund von Gegnerbearbeitung, kann dann und wann „Köln-Reloaded“, ein Punktgewinn gelingen. Die Bayern bezwingen? Angesichts der Defensive, für die das Gegenteil des oben zum Zenit Gesagten gilt, ist das wohl für 15 der 17 Bayernkonkurrenten ausgeschlossen.

Der Zuschauerteilausschluss, der niedriger temperierte Hexenkessel macht es für die SGE jedenfalls nicht einfacher. Ein Emotionsspiel, sowas kann dich zu Überraschungen tragen. Ist es drin, dass diese wankelmütige Eintrachtmannschaft über sich hinaus wächst, mit Tugenden einer Ackergaultruppe? Man wird automatisch sehen, zu was es am Samstagnachmittag gereicht haben wird. Warme Worte bringen am Ende trotzdem keine Punkte. Die gilt es schon jetzt, im trainergewechselten Hamburg zu holen. Da ist es dann nämlich endlich, das erste wirkliche Eintrachtspiel seit Wochen, bei dem es wieder um etwas, um nicht weniger als die tabellarische Richtung des Teams geht.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Kann Frankfurt Ackergaul?

  1. F.N.

    Schade, gut gespielt und gekämpft. Warum nur immer nicht gegen die vermeintlich schwächeren Gegner. Respekt vor Kovac .
    Die Lust auf Fußball ist zurück !!!

  2. Olsen

    Ich weiß nicht warum, aber bei mir ist die positive Stimmung dahin. Hab jetzt zwei Wochen null Zeit in Fußball investiert und dennoch keinerlei Vorfreude auf das Wochenende entwickelt. Und wenn ich im Netz schon wieder lesen darf, dass die ersten Frankfurter Buben zu schmollen beginnen, vergeht es mir auch direkt.

    Vielleicht ist es die Frankfurter Geschichte, aber ich gehe aktuell davon aus, dass wir in den nächsten Wochen durchgereicht werden.

    • Jermaine Jones Junior

      Ich bin gegen Bayern München so zuversichtlich wie schon lange nicht mehr. Ich bin sehr optimistisch. Eintracht Frankfurt wird Bayern München schlagen. Ich bleib dabei: 2:1 für uns. Es wird mindestens ein gutes Unentschieden. Dankt mir nicht.

  3. Uli

    Da die Baziz auch die ersten 65 Minuten schweigen wollen wird das eine eher groteske Veranstaltung werden. Ich geh trotzdem hin und erwarte nix, gar nix.

  4. TK Idstein

    Also ich freue mich auf einen schönen Familientag mit halbem Meter Bratwurst und hoffentlich schönem Wetter. Wenn dann noch ein Punkt raus springt bin ich mehr als zufrieden 🙂 … aber wahrscheinlich wird es dann kurz vor Schluß eine Schiedsrichterentscheidung die man geben kann, aber nicht muß… wie so oft eben.

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