Stark, stärker, SG Eintracht Fabian

Monströs stark gespielt, die wohl beste Leistung der letzten Jahre gezeigt – und trotz allen bekannten 94-Minute-Bayernelfmeter-Vorzeichen nicht verloren. Dabei schien es genau nach dem gerade benannten Muster zu laufen:  Bei München prallt der Ball vom Pfosten ins Tor, bei der Eintracht vom Pfosten aus dem Tor. Das Ganze noch aus abseitsverdächtiger Position, so, wie auch das spätere 2:1 durch Kimmich (und das 2:2 für SG Eintracht Fabian, dazu unten mehr).

Die Eintracht legte jedenfalls einen Auftritt hin, der in Bezug auf Intensität und gleichsam spielerisches Vermögen nicht weit weg war von dem, was Europas Topmannschaften für gewöhnlich zeigen. Marco Fabian über 90 Minuten, Ante Rebic zumindest über 45 Minuten spielten ihre Gegner, die ja beileibe keine Pappkameraden sind, immer wieder schwindelig. Jesus Vallejo bestätigt, dass wir ihn in ein paar Jahren als Stammverteidiger bei Real Madrid oder einem anderen Weltklasseteam sehen werden. Dazu ein zwar glückloser und tapsiger, aber nimmermüder und kratzender Timothy Chandler auf der einen, ein völlig abgeklärt Arjen Robben fast komplett ausschaltender Bastian Oczipka auf der anderen defensiven Außenbahn – Respekt! Und immer wieder Fabian. Wenn es in den vergangenen Jahren mal einen Spieler gab, der sichtbar am Schwungrad drehte, das Spiel gestaltete, Zug und Ideen ins Offensivspiel brachte, ist es der Mexikaner. Was für eine Wohltat für das Auge des Zuschauers und für die Qualität des SGE-Spiels, wenn man sich an das lahmende Einheitstempo-Gekicke der Vergangenheit erinnert.

Kaum ist Haris Seferovic, der Hemmschuh des Eintrachtspiels, aus der Mannschaft, gelingen auch wieder zwingende Aktion nach vorne. So fand Alexander Meier nur in Jereome Boateng – dem wohl weltbesten Innenverteidiger – seinen Meister. Und selbst den düpierte Meier einmal als die Goalcontrol für München klären musste. Als dann die 6. Torchance endlich im Tor landete, der später wegen einer Dummheit, aber auch einer Lapalie vom Platz gestellten Szabolts Huszti den von Oczipka für Meier bestimmten Pingpong-Pass irgendwie verarbeitete, war Ungewöhnliches geschehen: das Spiel war nicht mit dem ersten FCB-Tor entschieden. So ging es dann weiter. 55 Minuten lang war Bayern München quasi chancenlos, Lukas Hradecky bekam nichts zutun, es blieb bei dem einen Tor(schuss) aus der 10. Minute. Bis zum zweiten Torchuss, aus abermals abseitsverdächtiger Position, der sogleich zum 1:2 führte. Als dann noch Huszti vom Platz gestellt wurde, schien es die unglückselige Krönung der einzigen Phase im Spiel zu sein, in der Bayern den Frankfurtern überlegen war und das Spiel gewinnen sollte. Doch nach kurzem Schütteln, schaltete die Eintracht – emotionslos wie eine Maschine, völlig unbeeindruckt – in den sie schon das ganze Spiel auszeichnenden Vorwärtsmodus. Der eingewechselte Hrgota legt stark quer, Chandler versucht zu schießen und knaltl Fabian, der im Abseits steht, den Ball ans Brustbein. Tor, 2:2, und das Wissen: nein, heute verliert die Eintracht nicht. So kam es dann auch. In einem Spiel, das auf den Rängen endlich mal wieder so war, wie man sich das wünscht: Es wurde situativ reagiert, Anfeuerungen und Unmutsbekundungen kamen nach konkreten Aktionen, gingen nicht im Sedativ des Dauersingsangs unter.

Grundsätzliche Erkenntnisse? Seferovic hat im Team nichts verloren, Rebic die besseren Balkangene. Fabian hat den Fußball zurück nach Frankfurt gebracht, die Mannschaft beherrscht aus einer totalen Defensivformation heraus ein gepflegtes Aufbau- und Offensivspiel. Das Team muss nun die gezeigte Intensität endlich immer und gegen alle Gegner an den Tag legen. Dann, dann ist der Abstiegskampf überhaupt kein Thema, da braucht man auch nicht tiefzustapeln. Die Eintracht hat auf mehreren Leveln super Anlagen, es scheint tatsächlich eine reine Kopf-/Einstellungssache zu sein, zu was dieses Team in der Lage ist. Bei der Rückkehr der Diva darf es nicht bleiben, und Niko Kovac – dieser Glücksfall eines Trainers – wird dieser Truppe genau das einimpfen. Er muss es im Vorfeld der Auswärtspartie in Hamburg auch tun, es wird nämlich Zeit für Pflichtpunkte, um sie in der Endabrechnung mit Zählern wie nun gegen Bayern garnieren zu können. Die Zeit des Wankelmuts sollte nun, im Herbst, vorüber sein. Wenn das so kommt, wenn diese Entwicklung auch noch gelingt, wird es mehr als die entspannte Saison, die sich alle, die es mit der SGE halten, wünschen. Einfach, weil diese Spieler Fußball spielen können; sie müssen es nur wollen und dürfen.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Stark, stärker, SG Eintracht Fabian

  1. Und wenn man bei so einem Spiel in China via VPN und immer wieder ruckelndem Internet zuschaut altert man in den 90 Minuten definitiv ein paar Jahre. Schwarz Weiss wie Scheee … das hat gestern wirklich gepasst.

  2. Hat dies auf Mehr Lach und Sachgeschichten aus der bunten Welt der Gastronomie rebloggt und kommentierte:
    Besser kann man dieses Wahnsinns Spiel nicht beschreiben.

  3. TK Idstein

    Perfekter Tag.

  4. Koppweh

    Ancelotti wackelt.

    Der heimliche Trainer war Mathias Sammer!

    Die Bayern werden wohl jetzt auf Einkaufstour gehen.

  5. Olsen

    Ich nehms unemotional zur Kenntnis. Sind alle nicht aus der Region.

  6. F.N.

    Wenn es jetzt gelänge am Freitagabend in HH nachzulegen, ist in dieser Saison Vieles möglich, da die Liga sich insgesamt sehr ausgeglichen präsentiert. Ich lege mich fest : die SGE gewinnt beim HSV 2:1!!!!

  7. Jermaine Jones Junior

    Ich habe mit meinen Prognosen vor dem Bayern-Spiel Recht behalten 😉

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