Den Mut konservieren

Die Logik, wonach Eintracht Frankfurt im Fall von Punktverlusten schlecht war, im Erfolgsfall aber nicht selbst stark, sondern von des Gegners Schwäche profitierte, wird gerne formuliert. Sie ist natürlich falsch. Gegen Darmstadt 98 beispielsweise war die SGE nicht schlecht, jedenfalls nicht schlechter als der Gegner (der übrigens wie erwartet nichts mehr gewinnt), spielte aber nicht so konsequent auf (Tor-)Erfolge wie etwa gegen Bayern München – wo die Eintracht faktisch stark war. So einen couragierten Auftritt hat man von Frankfurt gegen das Weltklasseteam des FCB lange nicht mehr gesehen, das erinnerte wahrlich an so manches Auf-Augenhöhe-Duell bis in die 1990er hinein.

Selbstverständlich muss nun auch das Frohlocken eingeordnet werden. Bayern München trat nämlich tatsächlich erstaunlich fahrig, pomadig, uninspiriert, tempolos, ja gewissermaßen lustlos auf. Im Grunde genommen nahm der FCB die Rolle ein, die die Eintracht auswärts in schöner Regelmäßigkeit ausfüllt: Kein Esprit, erst hinten raus, als die Fälle davon zu schwimmen drohen, recht rigoros im Vorwärtsgang. Ein Stück weit muss man sich als Eintracht-Fan bei Bayern-Trainer Carlo Ancelotti bedanken, dass er Robert Lewandowski auf der Bank ließ (und Franck Riberby verletzt ausfiel). Denn der polnische Stürmer war mit seinen zwei Szenen so zwigend und torgefährlich, wie seine offensiv ausgerichteten Mitspieler in 60,70 Minuten nicht.
Kurioserweise ist daher der Befund sogar richtig, dass die SGE dieses Aufeinandertreffen sogar hätte gewinnen können, wenn nicht gar müssen. Natürlich: Wer gegen das Überteam der Bundesliga zwei Rückstände aufholt, zumal in Unterzahl und gegen die wohl beste Verteidigungsreihe weit und breit, kann sich im Normalfall den Siegesanspruch nicht anmaßen. Im Normalfall. Denn die Abschlüsse, die Feldüberlegenheit war da. Bis auf 15 Minuten, in denen Bayern am Drücker war und nebem dem – meiner Meinung nach weiterhin abseitsverdächtigen – Kimmich-Tor noch den Coeman-Pfostenschuss hatte, bestimmten die Frankfurter die Partie. Weder Bastian Oczipka mit Arjen Robben, noch Timothy Chandler mit Kingsley Coeman hatten anhaltende Probleme auf ihren Seiten. Eher umgekehrt, beide sorgten permanent mit Vorstößen dafür, dass die Münchener hinterherliefen. Eine bemerkenswerte Vorstellung.

Es ist genau aus diesen Gründen, und ganz unabhängig von der in der Tat vorliegenden Bayernschwäche nur zu hoffen, dass die Spieler, auch Trainer Niko Kovac (endlich) erkennen, dass Mut der Schlüssel zum Erfolg ist. Erfolg definiert als: wir wollen mit dem Abstiegskampf am besten nie etwas zutun haben. Die Spieler müssen für das Gelingen von der Kette. Das war in vielen Vorsaisons schon so, unter Armin Veh, schon unter Friedhelm Funkel: Wann immer Eintracht Frankfurt unbeirrt spielte, das eigene Ding durchgezogen hat, mutig agierte, war man erfolgreich. Oder wenigstens muteten Niederlagen/Punktverluste anders, versöhnlicher an. Denn das Gefühl, alles probiert zu haben, nicht nur von Reaktion zu Reaktion gestolpert zu sein, überwiegt jedes negative Resultat.
Vielleicht ist es im Hinblick auf das Auswärtsspiel in Hamburg am Freitag ganz gut, dass die Eintracht den ganz großen Coup gegen die Bayern nicht geschafft hat. Denn dann wäre eine Niederlage, im Sinne der Wiedergeburt der Diva vom Main, vorprogrammiert. Jetzt hat sich an den Vorzeichen für die Partie gegen den HSV aus Eintrachtsicht nicht viel verändert: es war, ist und bleibt richtungsweisend. Verliert die SGE, rutscht sie – so egal die Tabelle in diesen und nächsten Wochen auch ist – ins farblosere Mittelfeld ab. Siegt sie, setzt sie sich in den interessanten Regionen des Klassements fest.

Gerade angesichts der Offensivnöte, die Hamburg hat, muss die Eintracht nun auswärts auch mal spielerisch in puncto Risikobereitschaft aus dem Knick kommen. Das, was man bisher in der Fremde zeigte, war viel zu wenig – und mündet angesichts der Ergebnisse in Darmstadt und Freiburg kurioserweise darin, nicht sogar dort zu stehen, wo Hertha BSC Berlin oder Köln gelistet sind. Möglich, und das traut man sich ja kaum zu sagen, wäre das offenkundig gewesen. Mit diesem Mehr an Leidenschaft und Verve, die man nun gegen München, wie schon zuvor gegen Leverkusen (und das aber offensichtlich damals wie heute schwerst kriselnde Schalke), aber eben nicht gegen die „Kleinen“ zeigte. Der nächste Entwicklungsschritt steht an. Es liegt an den Spielern selbst, auch auswärts, auch gegen weniger Eigeninitiative zeigende Teams, die eigene Lauf-, Leistungs- und Risikobereitschaft dauerhaft auf dem Level zu halten, wie sie es in Heimspielen zumeist auf den Rasen bringen.
Glücksfall Kovac, übernehmen Sie!

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Den Mut konservieren

  1. F.N.

    Es reicht, die Leistungsgrenzen zu erreichen , dann spielt man in der Liga eine gute Rolle. Also bitte SGE: zeigt dem HSV die Grenzen auf !!!
    Kovac Aufgabe wird es sein, die jeweils 11 bereitesten Spieler aufzubieten…. Ich bin hoffnungsfroh

    • Jermaine Jones Junior

      Ein Sieg gegen den abstiegsbedrohten und -verdienten HSV kann (wieder) zu keinem besseren Zeitpunkt kommen als jetzt. Es wird auch endlich Zeit, dass der HSV absteigt. Wenn nicht in dieser Saison, wann dann? Der Abstieg würde der Stadt und deren Fans auch mal ganz gut tun (ich mag diesen Verein nämlich überhaupt nicht). Vermutlich kommen sie am Ende dieser Saison mit dem dann 3. oder 4. Trainer zurück in die Spur. Der neue Trainer würde dann wieder im Herbst 2017 gefeuert werden. Welch ein Trauerspiel… Seit Martin Jol den HSV verlassen hat, geht es bei denen gefühlt nur bergab.

      In dieser Form, unter diesem Trainer und mit den Spielern, die unsere Eintracht hat, ist ein Sieg am Freitag fast schon Pflicht.
      Huszti errinnnert mich mehr und mehr an den alten Zé Roberto im Herbst seiner Karriere. Toller Mann!

      • Koppweh

        Ich denke der HSV holt mehr Punkte wie Ingolstadt und Darmstadt.

        Die Wahrscheinlichkeit das Hamburg direkt absteigt ist sehr gering.

  2. Koppweh

    Das Spiel gegen die Bayern läßt die Aussage b.z.w. Lobhudelei von Christian Streich in einem neuen Licht erscheinen.
    Ist Kovac ein Tatikfuchs?

    Oder vermittelt er nur die Basics?

    Jedenfalls hat Kovac die Blaupause gegen die Bayern entwickelt.
    Und das auch noch in 200 Ländern exclusiv jeden zur verfügung gestellt.

    Das hatte was von Atletico Madrid , nur besser halt noch.

    Im übrigen ich hab das Spiel erst am Sonntag gesehen.( Eintracht TV) Sanches hätte vom Platz fliegen müssen. Der Bayernbonus ist sehr offensichtlich. Der Dfb macht sich lächerlich. Die Unabhängigkeit der Schiedsrichter muss bezweifelt werden.

    Das positive ist wir werden spielerisch besser. Es gibt eine Entwicklung nach vorne. Die Richtung ist gut. Ja sogar sehr gut.

    Wenn halt nur die Auswärtsspiele nicht wären. Jedenfalls verlieren wir nur sehr knapp Auswärts mit nur maximal einen Tor unterschied. Die Niederlagen sind Auswärts sehr sehr eng geworden. Das war unter Thomas Schaaf und Armin Veh ganz anders . Da hat s immer gescheppert.

    Hertha Köln und Mainz vor uns. Alles haben wir nicht richtig gemacht.
    Es fehlen mindestens drei Punkte.
    Sieg gegen Hertha.
    Unentschieden gegen Darmstadt und Freiburg wären möglich gewesen.
    Den Punkt gegen die Bayern ist keine Pflichtaufgabe. Ein reiner Bonuspunkt

    Ach ja bevor ich es vergesse unser AM 14 hat Bälle gewonnen im letzten Drittel.
    Wow …..Respekt. Alex …geht doch ….warum nicht gleich so…
    Am besten fand ich das sich Chandler mit Boateng anlegte …..
    Hat mir gefallen

    Am allerbesten fand ich das Hector Müller den Zahn gezogen hat.
    Das hätte Zambrano nicht besser machen können.

    Über Vallejo brauch mer nichts mehr schreiben , wer Robben tunnelt , der hat auch keine Angst wenn ein Stier auf ihm zuläuft.

  3. willydeville

    Ja, das tat mal richtig gut nach dem Abstiegskampf im vergangenen Jahr. Ich traute manchmal meinen Augen nicht ; die Eintracht kombinierte sich schnell und präzise in die Bayernhälfte. Nix Langholz und auch mal schnell über außen. So oder ähnlich muss es jetzt gegen den Dino laufen.!!

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