Das Duell der Ähnlichen

In allen Saisons der Geschichte ging ich im Vorfeld von Partien zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln stets von eher positiven Ergebnissen für die SGE aus. Siege, mindestens Punktgewinne. Niederlagen? Nicht mal in den finstersten Spielzeiten erschien es mir unmöglich, gegen den Effzeh etwas mitzunehmen. Das liegt schlicht daran, dass ich diesen beiden Klubs seit zwei Jahrzehnten eine  vielschichtige Ähnlichkeit in ihrem Sein, in ihrer Entwicklung, ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit beimesse.

Klar, viele Eckdaten sprechen gegen diese Aussage. Köln ist als Stadt – Stichwort Einwohner – deutlich mehr Metropole als Frankfurt, die Vereinshistorie ist nicht zuletzt wegen dreier Deutscher Meisterschaften (sowie sieben! Vize-Titeln) schillernder als die der meisterschaftslosen Eintracht. Die Mitgliederzahl des FC ist mehr als doppelt so hoch (83 000 zu 37 000). Letztlich sind die Rheinländer den Hessen in allem bis auf die Stadiongröße (und Dauerkarten-Vergabe) überlegen – und selbst da sind es gerade mal rund 1500 Plätze Differenz sowohl bei Kapazität und zur Verfügung gestelltem DK-Volumen.

Kommen wir zu den Ähnlichkeiten: In den vergangenen 20 Jahren stieg Köln drei Mal, Frankfurt vier Mal ab – 2003/2004 traf es beide in ein und derselben Spielzeit. Überhaupt: Oft legte die Eintracht in puncto Abstieg vor, ein, maximal zwei Jahre später tat der Fußballclub es ihr gleich. In der Ewigen Tabelle rangieren Köln und Frankfurt direkt hintereinander, auf den Rängen 8 und 9 (insgesamt 80 errungene Punkte Differenz bei zwei Bundesligajahren, die Köln weniger erstklassig spielte). Bis heute gab es 100 Duelle der beiden Mannschaften – und die Bilanz ist so ausgeglichen, wie es ausgeglichener kaum geht, sie ist beinahe gedrittelt: Es gab für die SGE 34 Siege, 38 Niederlagen und 28 Mal wurden die Punkte getrennt. In der Tabelle liegen sie derzeit – beide als Überraschungsteams bezeichnet – auf einem Niveau. Und die Fans, jahrelang nach jedem Bundesligasieg geeint in Europapokalträumen und Zweitliga gestählt, haben auch ähnliche (Leidens)Wege hinter sich. Die Wilde Horde ist überdies ebenso wenig Kind von Traurigkeit was den Faktor Assozialität angeht wie die … Elemente in Frankfurt.

Aber wieso nun diese persönliche Dauer-Tendenz pro Frankfurt? Mit Zahlen könnte man das nur anhand der historischen Heimbilanz herleiten: 24 der 34 Siege gegen Köln errang die Eintracht im Waldstadion, auch die Hälfte der Unentschieden gab es im Stadtwald – während in Köln im Normalfall eher verloren wurde. Und in der Statistiksprache heißt es am Samstagabend immerhin: ein vs. kein Uefa-Cup-Sieg.

Nur hab ich all das, all die Details auch nicht in Kopf gespeichert, alles erst bei der Recherche erfahren – das Unterbewusstsein kann also keine Rolle spielen bei meinem Ewig-Optimismus. Köln, das erscheint einfach immer machbar. So auch diesmal.

Advertisements

6 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

6 Antworten zu “Das Duell der Ähnlichen

  1. Koppweh

    Die Klatsche vom letzten Jahr wirkt noch nach.
    Auswärts sind die Kölner noch keine Spitzenmannschaft.

    Wir gewinnen mit drei Toren unterschied und überholen die Kölner in der Tabelle.

  2. Olsen

    Ich befürchte, Köln wird den 3er einfahren. Ich schätze sie stark genug ein, sich bis zum Ende der Saison in Uefa-Cup-Nähe aufzuhalten. Sie haben ebenso die Chance wie wir, die Situation der Großen auszunutzen. Und ich will es noch nicht wahr haben, dass wir so gefestigt sind, uns oben fest zu setzen. Irgendwie erwarte ich einen Klick, der uns am Ende der Saison sagen lässt, dass wir eine große Chance haben liegen lassen. Hoffentlich belehrt mich die Eintracht eines besseren.

    • Im Prinzip sehe ich das ähnlich, köln ist uns in der Entwicklung voraus und wird ein ernsthafter UEFA-Cup-Anwärter Bleiben. Rechnete ich schon vergangene Saison mit. Und in der Tat ist es die entscheidende Frage, wie gefestigt die Eintracht ist. Deshalb rechne ich auch eher mit 1 statt 3 Punkte – aber Niederlage? Ich weiß nicht … irgendwie ist mir danach dass die SGE jetzt ein „auf der Stelle treten“ bevorsteht. Gleichbedeutend mit Remis heute. Wird darauf ankommen, ob man mit der entwickelten Heimspiel-Attitüde rangeht oder passiv bleibt (war Gladbach ggf doch schlagbar?)

      • F.N.

        Irgendwann haben auch die Kölner mal einen gebrauchten Tag: und der ist heute: Sieg für die SGE

    • Jermaine Jones Junior

      Entscheidend ist auch die Frage: Wie gefestigt ist der FC? Bei Köln kommt der Erfolg zur Zeit nicht mehr sooo zugeflogen wie zu Beginn der Saison. Es riecht nach einem Unentschieden. Die letzten Jahre haben mich viel Demut und Dankbarkeit gelehrt, so dass ich mit einem Punkt zufrieden wäre. Aber seit der ehrgeizige Niko Kovac bei uns Trainer ist, fordert er von seinem Team heute einer Dreier ein.
      Es wird ein knapper Sieg heute Abend. 1:0.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s