Der einzige Abfaller

In all den erfreulichen Nachrichten der vergangenen, ja, Monate, droht eine unterzugehen: Für Haris Seferovic könnte es tatsächlich noch Abnehmer geben, der Name Benfica Lissabon ist gefallen. Nicht zum ersten Mal, schon Anfang August ploppte dieser Vereinsname auf (nein, bei Luc Castaignos ist es Sporting Lissabon; für die spielte der Leichtathlet ganze 43 Liga-Minuten). Ob das stimmt, spielt auch eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass Seferovics Name weiterhin und aus unerfindlichen Gründen kursiert und so pseudo-schmackhaft für all die Gurkenklubs der Welt bleibt.

Im Winter für den Schweizer Stürmer nochmal so ein, zwei Millionen Euro abgreifen zu können – es wäre das Sahnehäubchen auf eine einträchtliche Edelkirschen-Hinrunde. Jedenfalls ist zu hoffen, dass das Vertragsverlängerungs-Gerede des Schweizers und gleichlautende Aussagen vom Vorstandsvorsitzenden Fredi Bobic tatsächlich nur Gerede ist. Denn objektive, sportliche Gründe für eine Ausdehnung des Kontrakts gibt es nicht. Weder aus der Sicht des Vereins, noch aus der Sicht des (Dauerreservisten)Spielers.

Es gibt Spieler, die verbrennen aufgrund ihrer Einstellung oder ihrer Spielweise oder welchen metaphysischen Gründen auch immer sehr schnell. Dass das bei Haris Seferovic so ist, lässt sich anhand seiner Leistungsdaten – in den Vor-Frankfurt-Jahren – ablesen. Mit Vertrauen und der Errichtung einer Wohlfühl-Atmosphäre für den Spieler hat das offenkundig nichts zutun, und auch das Kitzeln – wie sowohl Armin Veh als auch Niko Kovac, wenn auch anders gelagert, es machten – verhilft nicht zum Qualitätssprung, zur Verfestigung positiver Trends. Muss die Problemlage also weitaus spielerinterner sein als viele sich das eingestehen wollen.

Haris Seferovic, so überlebenswichtig sein Tor in der Relegation war, ist mittlerweile auf Rang 4 bis 5 der Offensivkräfte gefallen. Meier, Fabian, Hrgota, Rebic, Gacinovic, selbst der unbekannte Ayman B. wird ihm vorgezogen.

Unter diesen Umständen den auslaufenden Vertrag verlängern? Wieso sollte man das tun (wollen)? Um am Roulettetisch zu gewinnen, wo die Kugel doch seit 1,5 Jahren stets neben dem Tipp liegt? Irrationalität ist im Mannschaftssport, in Transferfragen unbestritten ein Faktor, der zum Erfolg führen kann – das beweist Eintracht Frankfurt gerade eindrucksvoll. Aber Irratinalität darf den Leistungsgedanken nicht (langfristig) überlagern. Seferovic war, ist und bleibt – allen Konjunktiven und Erstes-Jahr-Erinnerungen zum Trotz –  eine Eintagsfliege, eine Eintrachtsfliege wird er nicht werden; der Klub sollte nicht den Transferfehler von vor 1,5 Jahren wiederholen und ein Angebot ablehnen. Die prinzipielle Güte-, Gewichts- und Altersklasse Seferovic ist zur Not abermals auftreibar (um ein paar willkürliche Namen zu nennen: Josip Drmic, David Selke, Pierre Lasogga).

Für eine Vertragsverlängerung müsste der Schweizer wenigstens ab jetzt bis Hinrundenende Stammspieler werden, also 5,6 mal 75+Minuten gehen und Leistungen zeigen, die zumindest halbwegs an (Halb)Jahr eins anknüpfen; einfach, um eine Art Anlass zur Hoffnng auf Verbesserung zu geben. Er wäre dem Klub solch ein Form/Leistungs-Versprechen schuldig. Balkangene alleine haben Trainer Niko Kovac dann offensichtlich doch nicht (mehr) überzeugt. Seferovic ist als knoten-geplatzter, gepämperter Hoffnungsträger in die Saison gestartet und bezeichnenderweise der einzige Abfaller im Kollektiv der Fast-Absteiger, die sich samt und sonders gefangen bis verbessert haben,  und Namenlosen.

Er ist erst 24 Jahre alt – das letzte Argument für ihn ist eines, für das er nicht mal etwas tun muss. Sammeln muss er sie nun auf jeden Fall, die Argumente für eine Rettung der Karriere auf dem (fast) höchsten Niveau.

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16 Kommentare

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16 Antworten zu “Der einzige Abfaller

  1. F.N.

    Der Samstag Kick gegen den BVB wird offensichtlich ein heißer Tanz. Nach der Vorstellung von gestern Abend bin ich skeptisch, was einen Punktgewinn betrifft. Vielleicht kann man den Nachmittag nutzen und mit dem BVB über eine Merino Ausleihe sprechen….

  2. Hagnum

    Davie Selke.Nicht David.

    Greetings

  3. F.N.

    Ich wäre auch für verkaufen. In der Winterpause gibt es bestimmt Ersatz für einen Spieler, der nicht wirklich ins Team passt. Und wenn alle Stricke reißen , kann man auch noch Hector vorne reinstellen …
    Angeblich war Bobic nur wegen einer Kooperation mit Benfica in Lissabon. Wäre allerdings auch schön , wenn das so wäre.

  4. Jermaine Jones Junior

    Wie ich bereits geschrieben habe: Das letzte Wort ist nicht gesprochen und die Hinrunde ist noch lange nicht beendet. Bis Weihnachten sind es 5 anspruchsvolle Spiele. Erst danach können wir nochmal über Seferovic reden. Rein hypothetisch: Seferovic spielt gut, Hrogata verletzt sich. Was dann, lieber Björn? Behalten oder verkaufen…?

    Und selbst wenn er nicht sooo überzeugt, plädiere ich für seinen Verbleib bis zum Saisonende. Von einer Vertragsverländerung abstrahiere ich im Folgenden:

    a) Nach Weihnachten haben wir 18 Spiele + mind. 1 Pokalspiel zu spielen. Da brauchen wir jeden Mann.

    b) Alex Meier ist nicht mehr der Jüngste. Schon dreimal (!) haben wir die Erfahrung gemacht, dass er während einer Rückrunde länger ausfiel.

    c) Für das Binnenklima ist er für die Hispanics (Seferovic spricht ebenso Spanisch) und die Balkan-Connection enorm wichtig. Der „weiche“ Faktor ist nicht unerheblich, wie du selbst hier oft erwähnt hast. Siehe Butscher, Nikolov, Spycher, etc.

    • Manfred Milchmädchen

      Punkt 1. Amüsement

      *Bing* „Von einer Vertragsverländerung abstrahiere ich im Folgenden:“
      *Bing* „Für das Binnenklima ist er für die Hispanics (Seferovic spricht ebenso Spanisch) und die Balkan-Connection enorm wichtig.“

      Danke und weiter so!

    • Das mit dem Binnenklima mag ich gerne mal bezweifeln, wenn ich mir die Körpersprache und Gestik des Herrn Haris S. in der Vergangenheit vergegenwärtige. Jedenfalls hinkt in diesem Bezug der Vergleich zu Butscher, Oka und Spycher. Das waren dann doch ganz andere Typen, welche, die sich zurücknehmen konnten und zurückgenommen haben – und trotzdem / deswegen irgendwann/zumeist Stammspieler waren 😉

      In Konkunktiven argumentiert: Wenn sich einer längerfristig verletzt, was nie beeinflußbar ist, ändern sich die Vorzeichen sowieso und immer. Aber die Frage ist doch auch, zu welchem Preis will man denn einen faktischen Reservisten mit einem neuen Vertrag ausstatten? Dass Seferovic nicht für 2,90 Euro mehr spielen wird, dürfte doch klar sein. Wenn man also 2 Mio. für einen Reservisten, dessen Perspektive nicht die rosigste ist, bekommen kann …
      Übrigens halte ich 19 Spiele für keine sonderliche Belastung, schon gar nicht angesichts der erfolgreichen Kovac´en Rotation/Aus/Einwechslungen.

      Ist ja auch egal, ich habe nur mal meine Gedanken runtergeschrieben. Ich würde ihn verkaufen und für einen geringeren Betrag einen Neuen verpflichten. Weil wie gesagt in meiner Denke es ähnliche Qualitäten da draußen gibt.

    • Manfred Milchmann

      JJJ, peinlich ist Dein Umgang mit Worten, deren Bedeutung Du offensichtlich nicht kennst.
      Du tätest gut daran, „abstrahieren“ und „Hispanics“ noch mal nachzuschlagen, mein kleiner unwissender Freund.

      Im Interview beschreibt Seferovic seine Wahrnehmung. Kein Wort über eine besondere Stellung oder Funktion seiner Person innerhalb des Teams. Es wird lediglich erwähnt, dass er aufgrund seiner Sprachkenntnisse einer sei, der im „Multi-Kulti-Kader der Eintracht“ „mit allen Nationalitäten kommunizieren“ könne. Seferovic’ Aussagen lassen keinen Rückschluss auf seine Rolle und Akzeptanz innerhalb der Mannschaft zu. Was diese anbelangt teile ich Björns Einschätzung.
      Leider, denn ich mochte seine Spielweise im ersten Jahr. Er war sich für keinen Weg zu schade, hat auch mal linker Verteidiger gespielt und ackerte, rannte und kämpfte. Sollte er es sich nicht mit seinen Mitspielern verscherzt haben, bin ich für eine Vertragsverlängerung mit ihm. Wenn er es schafft, seine Unzufriedenheit abzustellen, wird er auch wieder treffen und wir werden froh sein, ihn zu haben.

      • Jermaine Jones Junior

        @ Milchmann. Äh, geht das jetzt in dem Ton weiter so ??? Unverschämt.

        Tatsächlich habe ich mir die Mühe gegeben im Duden nachzuschlagen, weil dir (oder vllt. anderen Lesern) offensichtlich nicht ganz klar geworden ist, was ich in meiner ursprünglichen Ausführung meine.
        Laut http://www.duden.de/rechtschreibung/abstrahieren bedeutet abstrahieren, etwas außer Betracht lassen. Ich lasse die Vertragsverlängerung von Seferovic außer Betracht, weil für mich erst einmal die beiden Szenarien „Verbleib bis Saisonende“ oder „Verkauf nach Winter“ interessant sind. Ein „Verbleib bis Saisonende“ hätte die Konsequenz, dass Eintracht Frankfurt zum Ablauf seines Vertrages keinen Cent mehr sehen würde. Um das aber abzuwenden, bietet sich logischerweise eine Vertragsverlängerung an. Jedoch, eine vorzeitige Vertragsverlängerung steht auf einem ganz anderem Blatt und verlangt ganz andere Voraussetzungen. Dazu aber später mehr.

      • Manfred Milchmann

        Möchtest Du uns auch noch den Bergriff „Hispanics“ erklären?
        Und ja, bitte mehr zu den Voraussetzungen einer Vertragsverlängerung Seferovic‘.
        Kläre uns auf. Bitte „Hispanics“ nicht vergessen.

      • Jermaine Jones Junior

        Auf Hispanics habe ich mit dem FAZ-link verwiesen. Einfach hochscrollen.

      • Manfred Milchmann

        Ohne den Artikel gelesen zu haben, gehe ich jede Wette ein, daß in der FAZ in diesem Zusammenhang nicht „Hispanic“ steht.
        Aber auch das wirst Du uns wohl ähnlich grandios erklären, wie bei „abstrahieren“.
        Du bist ein ganz großer Denker, JJJ. Bitte weiter so!

  5. Ed Kul

    Meine volle Zustimmung. Sollte sich tatsächlich noch mal eine Möglichkeit ergeben, Seferovic für eine halbwegs akzeptable Summe zu verkaufen … weg mit ihm! Auch mit einem kleinen Budget sollte es möglich sein, ggf. einen adäquaten Ersatz zu finden.

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