Die Schlagbaren

Es stimmt schon, der FC Augsburg war am Sonntagabend ein schlagbarer Gegner. Das war bis auf eine gewisse Form von Kratzbürstigkeit, die kurz nach dem Rückstand einsetzte, nichts Außergewöhnliches. Streng genommen war die Spielweise des FCA sogar recht simpel, da steckte viel Darmstadt-Schuster in Augsburg-Schuster – dass diese Herangehensweise ausreichte lag maßgeblich daran, dass auch Eintracht Frankfurt am Sonntagabend ein schlagbarer Gegner war. So, wie das seit Wochen nicht mehr war.

Das Auswärtsspiel hatte, wenn auch in mancher Hinsicht unter anderen Vorzeichen eine ähnliche „Anmut“ wie die verloren gegangene Partie in Freiburg. Die Eintracht war (wieder) nicht annährend bei den von Trainer Niko Kovac geforderten 100 Prozent, der Gegner wurde dadurch minütlich mutiger, stärker und war, so ehrlich muss man sein, dem Siegtreffer bis tief in die zweite Halbzeit hinein näher als Frankfurt. Nicht, dass Augsburg massiv auf das 2:1 gedrückt hätte, aber sie wirkten bei weniger aktiver Spielteilnahme planvoller in dem was sie nach vorne taten, der Druck auf der Abwehrreihe war sichtbar und zeigte Wirkung – selbst Jesus Vallejo war wackelig wie nie. Der SGE fehlte erstmals seit Wochen eben das, was Augsburg (zumindest nach dem 0:1) verfolgte und stärker machte: einen Plan. Phasenweise wirkte die SGE-Spielanlage sogar ähnlich willkürlich und zufallsdominant wie in Armin Vehs zweiter Amtszeit.
Das änderte sich erst für kurze Zeit – – bis es dann den Nichtangriffspakt der letzten acht Minuten gab – mit der Hereinnahme von Aymane Barkok, der den bestenfalls blassen Mijat Gacinovic ersetzte und  nach einem üblen am gegnerischen Strafraum die eine oder andere gute, weil schwungvolle Aktion auf den Rasen brachte.

Sonst etwas zu sagen zu individuellen Leistungen? Bastian Oczipka driftete in alte Muster ab, defensiv nicht sattelfest und nach vorne mit wenig Drive und wenn, dann mit haarsträubenden Flanken. Timothy Chandler kam kaum vor, die Mittelfeldspieler Huszti und Mascarell blieben nach vorne unsichtbar, Branimir Hrgota und Alexander Meier machten aus den wenigen Bällen die sie bekamen beide das Beste, sie kann man sicher als „in Ordnung“ einstufen. David Abraham erarbeitete sich diesmal das Prädikat „bester Verteidiger“ (weil Vallejo … siehe oben). Insgesamt war das aber alles ziemlich nüchtern, eine 4+ würden strenge Lehrer geben, eine 3 mit mehr oder minder dickem Minus würden die milder gestimmten Pädagogen dem Kollektiv eintragen.

Nun muss man angesichts eines Auswärtspunkt im alles andere als guten Pflaster Augsburg nicht granteln. Aufschlussreich ist das Spiel aber im Hinblick auf die Enttarnung des echten Schlüsselspielers des Teams: Marco Fabian. Mit ihm steht und fällt ganz offenkundig die Druckentwicklung. Das ahnte ich. Die Hoffnung, dass der Eintracht trotzdem wenigstens ein bisschen mehr einfällt als das, was ihr in der Realität einfiel, ja, die hegte ich in der Theorie.

Ein weiterer Punkt zur Übererfüllung der Ziele ist so oder so geholt worden. Und das ist sicher das Minimum, was man erwarten durfte – als Bösumfeld-Mensch, aber sicher auch klubintern. In anderen, weniger punkteangehäuften Saisons wären sowohl Resultat als auch Spielweise an diesem Abend ärgerlicher gewesen.

Jetzt gilt es für Kovac und die Spieler daran zu arbeiten, dass Augsburg nicht so etwas gewesen ist wie der Anfang vom Ende einer famosen Hinrunde/Saison. Gegen die Softwaretruppe aus Hoppenheim (dank der hochqualifizierten Spielansetzer bei der DFL schon am Freitag) wird sich weisen, welches Überraschungsteam überraschender ist.
Um abschließend im Bild der Sürprise zu bleiben: Ist es nicht putzig, wie so ein Wunder ganz schnell weltlich wird bzw. sich weltlichen Mechanismen unterorndet? Das ach-so-sympathische-weil-urige Darmstadt macht eben nix anderes als 99,8 Prozent der anderen Branchenvertreter und kickt den Trainer raus. Nicht, dass man Norbert Maier – genau wie Ralf Rangnick – in irgendeinerweise den Dreck unter den Fingernägeln gönnen müsste.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Die Schlagbaren

  1. Steven

    3- aber nur wg des Ergebnisses, ansonsten eher 4. Bis auf die ersten 20Min. Gacinovic stand völlig neben sich. Ist eben noch jung, er hatte sich wohl als Fabian-Ersatz zu viel vorgenommen. Gut,dass letzterer morgen wieder dabei ist. Denke das Team lernt aus dem Auftritt im kalten Schwaben und holt Freitag im Niederlagen-freien Wohnzimmer drei Punkte.

    Gacinovic dürfte sich dabei auf der Bank finden, ebenso wie der kritisierte Rebic (die Schelte war sicher Kalkül von Kovac, mal sehen was sie bewirkt). Vielleicht spielt auch Barkok von Anfang an? Man darf wie immer aug Kovacs Plan gespannt sein.

  2. F.N.

    noch 5 Punkte bis Weihnachten wären ein Traum ….Freitagabend wird es wieder schwer, aber die Sinsheimer sollten der SGE besser liegen. In diesem Spiel ist alles möglich , hoffentlich fallen viele Tore

  3. Hagnum

    Mein lieber deskman,

    wieso denn diese unflätigen Worte an die Adresse Norbert Meiers?
    Gibt es einen bestimmten Grund für deine Abneigung?

    lg

  4. Jermaine Jones Junior

    Ich glaube schon, dass hinter der 5. gelben Karte Fabiáns Kalkül steckte.
    Gegen dieses unangenehme Augsburg wäre sogar mit ihm nicht mehr als dieser eine Punkt zu holen gewesen.
    Schade finde ich trotzdem, dass die meisten gelben Karten Fabiáns aus meiner Sicht unberechtigt oder übertrieben waren (z.B. die eine gegen den HSV wegen „Zeitspiels“ bei 3:0-Führung zum Ende der 2. Halbzeit).
    Im Hinblick auf die wirklich Schlagbaren sehe ich die 5. gelbe Karte eher schon als Zeichen der SGE Fabián zu schonen. An dem besonnenen Verhalten Niko Kovacs am Sonntag Abend nach dem Auswärtsunentschieden meine ich, dass der Fokus der SGE eigentlich auf die Spiele gegen Hoppenheim und Co. liegt. Dieses 6-Punkte-Spiel wird wieder etwas ganz besonderes.

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