Ein Team als Festung

Überdreht gesagt hat sich der deutsche Fussbsll am Freitagabend der Lächerlichkeit preisgegeben. Mit der Nominierung dieser gelben Schiedsrichter-Witzfigur namens Christian Dingert. Ein semirothaariger Mensch, der jede, aber auch jede Körperlichkeit von Eintracht Frankfurt abpfiff, auf einmal mit Karten um sich warf und einen der groteskesten direkten (!) Platzverweise aussprach, die ich jemals sah.

Er selbst war schuld an dem Gebotenen, er provozierte es regelrecht. Die Stimmung heizte sich minütlich weiter auf, die späte Rudelbildung – ausgehend von einem Schwalbenhoppenheimer – war harmlos, das Geschubse sogar weniger intensiv als üblich. Und dieser Vogel von Dingert zeigt Timothy Chandler, der schon Gelb hatte, tatsächlich glatt Rot. Ich kriege mich bei so viel Unfähigkeit gar nicht ein. Zumal: Wenn der Kerl kartengeil war, dann hätte er früher anfangen müssen. Die Schlüsselszene war Mitte der ersten Halbzeit das Foul an Mascarell von Sandro Wagner, das allerdings gegen den Frankfurter gepfiffen wurde. Danach folgte die Abraham-(Rache)Aktion via Ellenbogen – wofür es keine Rote sondern Freistoß Frankfurt gab.

Nicht, dass die Eintracht mit elf Mann  dieses Unentschieden-Spiel noch gewonnen hätte. Aber für die nächsten Wochen ist diese Fehlentscheidung gegebenenfalls folgenschwer. Gleichsam ist diese Partie ein Indiz dafür, dass die clevere bis harte, keinesfalls aber ruppige Spielweise der Eintracht (Letzter in der FairPlay-Tabelle) bekannter und sanktioniert wird. Man schaue sich das ab sofort genau an, Nachtigall ik hör dir trapsen…

Zum Spiel noch was? Ja, klar: Die SGE dominierte die zweite Halbzeit und die ersten 20 Minuten. Dazwischen war SAP Hoppenheim näher an einem Tor dran. Bemerkenswert wie abgeklärt, ruhig und doch schnell die Eintracht selbst ein Spitzenspiel gestaltet.

Beste Spieler? Viele spielten gut, allen voran überragte Hasebe, sehr gut auch wieder Fabian, Huszti und Mascarell sowie Abraham waren ebenso auffällig stark. Einzig die Aussenverteidiger sowie der bemühte aber schlicht ineffektive Seferovic. Sondetlob: Rebic, der knallte sich brutal ins Spiel rein, der war positiv aufgekratzt und hätte den Unterschied in Richtung Sieg machen können.

Und die globale Perspektive? Einfach wunderbar. Frankfurt ist als Mannschaft derzeit, seit Wochen eine Festung. Egal wer da als Gegner kommt, die SGE spielt unbeeindruckt weiter. Da wackelt nichts und niemand. Das ist ein Novum, das habe ich in all den Fan-Jahren nie erleben dürfen.

Es ist ein Luxus nun warnen zu können, dass man nur zusehen muss in machbaren Spielen nun auf der Hinrundenzielgeraden  nicht zum Remis-König zu werden. Eines noch gewinnen – dann ist der Nichtabstieg schon jetzt kein Thema mehr und der Weg weitaus ebener. Die Rückrunde, so viel prophezeihe ich, wird für Frankfurt weit weniger Zähler bereithalten als die Hinrunde. Umso wichtiger ist das Polster … auf alles unterhalb von Rang 6/7 😉

Advertisements

11 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

11 Antworten zu “Ein Team als Festung

  1. Jermaine Jones Junior

    Chandler gesperrt, Regäsel fällt für den Rest der Saison aus, Varela befindet sich im individuellen Aufbautraining. Da fällt mir aber ein, dass Aymen Barkok in der Jugend rechter Außenverteidigung gespielt hat. Offensivkünstler Barkok auf die RV-Position. Das hätte irgendwie Charme. Dazu Rebic vor ihm als Partner auf der selben Seite… Wolfsburg kann sich warm anziehen!

    • Barkok als RV? Bitte nicht. Schon gar nicht mit einem Vordermann der nach hinten seine Schwächen hat. Und das wäre Rebic noch etwas mehr als der ungestüme Seferovic.
      Ich tippe auf Hasebe als Notlösung, oder er bringt, mutig wie er ist diesen andren jungen Typ, Farouk ..?, der ist doch Verteidiger soweit ich weiß.

      • F.N.

        Ich denke, dass Hector spielen wird und Hasebe in einem 4er Mittelfeld rechts aufläuft

      • Jermaine Jones Junior

        @ F.N.
        Du meinst wahrscheinlich so?

        ———Abraham———-Hector————-Vallejo———–
        Hasebe—————————————————–Oczipka

        Hasebe als RV. Ich weiß nicht. Unser rechtes Flügelspiel liege damit völlig brach, weil es Hasebe an Schnelligkeit fehlt.

        Hat jemand weitere Ideen?

      • … es ist ja nicht so, dass man angesichts der von dir schon genannten Peronalaussichten auf der speziellen Position allzu viele Varianten hätte. Irgendeinen Tod wird man sterben müssen – und da nehme ich einen defensiven soliden, brutal formstarken Hasebe als RV samt der Defizite nach vorne zig mal lieber in Kauf als die anderen Varianten. Und ja, vermutlich wird es eine Dreierkette mit Hasebe und Oczipka auf defensiven Halbpositionen. Irgendsowas könnte es werden:

        ——— Hradecky ————
        —-Abraham—Hector—-Vallejo
        Hasebe—————–Oczipka
        —– —-Mascarell——–
        Rebic——Fabian——-Huszti
        ——– Meier/Hrgtoa —–

      • F.N.

        Angesichts der vielen Verletzten sehe ich keine wirkliche Alternative. Barkok könnte ich mir offensiv in der Startelf vorstellen,
        Könnte Mascarell RV spielen?

  2. Ich frage mich seit Jahren, wie Dingert zum FIFA-Schiri wurde. Null Authorität, null Ausstrahlung, und pro Spiel ein paar echte Klöpse drin. Den kann doch niemand ernst nehmen. Zusammen mit Dankert das Schlechteste, was der DFB einem so vorbeischicken kann.

    Knut Kircher hätte gestern alle mal nach 10 Minuten böse angeguckt, und alle hätten sich benommen – aber das ist bei Dingert ja unvorstellbar.

  3. Walter Kolb

    Das war mir alles gestern eine Spur zu überdreht gewesen. Allgemein.. Zuschauer, Spieler,Funktionäre an den Aussenlininien.
    Das dieser rothaarige Milchbubi damit überfordert gewesen ist, konnte man früh erahnen.
    Zum Spiel selber…die zweite Halbzeit gehörte ausschließlich der Eintracht, welche den Sieg verdient gehabt hätte.
    Leider hat sich die Mannschaft nicht mit drei Punkten belohnt, sondern wurde in der Schlussphase Opfer der eigenen ,völlig unnötig aufgebauschten Hektik.

  4. Jermaine Jones Junior

    Ich glaube nicht, dass die Rückrunde weniger ertragreich wird als die Hinrunde. Im Gegenteil zur Rückrunde unter Armin Veh 1.0 fußt der Erfolg nicht auf eine überfallartige Offensive, sondern auf eine coole und technisch anspruchsvolle Spielweise der gesamten Mannschaft. Eintracht Frankfurt ist DIE Mannschaft mit den am wenigsten zugelassenen Groß-Torchancen. Das ist der Verdienst von Niko Kovac.
    Für die Gegner damals war es einfacher sich auf die Offensive taktisch so einzustellen, um die Angriffe in Keim ersticken zu lassen.
    Heutzutage führen die wenigen Chancen zum Tor.
    Das wird sich in der Rückrunde sehr wahrscheinlich nicht ändern. Die Mannschaft trägt die Handschrift des Trainers. Sie spielt in einer Weise, die den Trainer in früheren Tagen als Spieler auszeichnete; mit Herz und Biss sowie einen Sinn für Ästhetik.

    Wer die Kölner mit 4:0 wegputzt kann so schlecht nicht sein. Dass wir heute trotzdem „nur“ torlos Unentschieden gespielt haben, lag auch an der sehr schlechten Schiedsrichterleistung. Die war beinahe so beschämend wie die Kommentare des arbeitssuchenden Manfred Milchmann. Deshalb wird der Herr Dingert so schnell kein Bundesligaspiel mehr pfeifen. Einen schönen Abend.

  5. F.N.

    Ich widerspreche ungern, aber so konstant, wie die Gegner bekämpft werden, sind auch in der Rückrunde ähnlich viele Punkte möglich, da man in Darmstadt, Freiburg und Augsburg Punkte “ verschenkt“ hat.
    Der Sky Reporter hätte am liebsten 4-5 Eintracht Spieler mit Rot bedacht, ziemlich einseitiger Kommentator. Wagner, Polanski, Süle und Co. waren auch nicht zimperlich. Und ein Elfer für die SGE wäre denkbar gewesen…

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s