Es trudelt fad

Die Niederlage von Eintracht Frankfurt in Wolfsburg kam mit Ansage – und mit Anlauf.

Mit Ansage insofern, als dass die Vorzeichen für diese Partie aus SGE-Sicht – so unlogisch das klingt – schlicht zu gut erschienen. Das Formtief, die Verunsicherung, die Personalprobleme auf und abseits des Feldes beim Gegner sowie die eigene Festbeiß- und Kletterchance: Während die Niko-Kovac-Elf bislang ihr Image als Aufbauhelfer eindrucksvoll abzulegen schien, war gegen den Volkswagenkonzernklub dann doch wieder vieles von der spielerischen und mentalen Art und Weise wiederzuerkennen, das man aus all den Vorjahren gegen Krisenteams kannte.

Mit Anlauf insofern, als dass die einträchtliche Leistungskurve gerade im Offensivspiel seit drei Wochen nach unten zeigt. Ein Tor in drei Spielen, sichtbar weniger effektiver Drang nach vorne, vor allem aber drei verschlafene erste Halbzeiten in Folge sind kein Zufall – schon gegen Augsburg und Hoppenheim hätte es vom Spielverlauf her jenes Gegentor (mehr) geben müssen, das Wolfsburg nun erzielte, um ganz ohne Zähler zu bleiben. Zweimal ging es gut, jetzt eben nicht mehr. Die Startformation gegen Wolfsburg, ohne Überraschung versehen, brachte von Beginn an zu wenig Leidenschaft ins Spiel. Nach 27 Sekunden hätte es das erste Mal, nach 50 Sekunden das zweite Mal zum Blitz-Rückstand im Gehäuse von Lukas Hradecky klingen können – es war ein Fingerzeig, in welche Richtung diese Partie gehen würde. Zwar balancierte sich die Eintracht in den Folgeminuten ins Spiel, gefühlt liefen die Spieler aber immer dem nicht sonderlich starken, jedoch den Ton angebenden Wolfsburgern hinterher. Dass Alexander Meier dann nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit, die wie zuletzt immer besser war als die erste, einen unberechtigten Elfmeter verschoss, passte zum Spirit dieses Spiels.

Auch individuell lassen sich über die vergangenen drei Spiele kleinere Leistungsknicks erkennen. Jesus Vallejo beispielsweise begann gegen Augsburg mit ersten Wacklern, gegen Hoppenheim ging das mit ein paar Unsicherheiten weiter und gegen Wolfsburg unterliefen ihm im ersten Abschnitt 2,3 technische Bolzen bei Ballannahmen, die man bislang eben nicht gesehen hatte. Kleinigkeiten, ja, verzeihbar, ja, aber eben sichtbar und symptomatisch. Für Szcabolts Huszti lässt sich ähnliches feststellen, er wirkt nicht mehr so abgeklärt wie bis vor einigen Wochen und das offensive Flügelspiel als solches ist immer mehr zum Erliegen gekommen.
Nein, es ist mit dem Ende der Erfolgsserie nichts Schlimmes passiert, schon gar nicht, wenn man sich die Ergebnisse des Spieltags anschaut. Die Kür wäre durch diese Resultate zwar möglich gewesen, aber Eintracht und Kür? Nein, Kür, quasi Synonym für Festbeißen passt einfach nicht zu diesem Klub, aller Kovac-Erneuerung zum Trotz.

Die Winterpause kommt für Frankfurt wenn man so will eine Woche zu spät – zu dumm, dass noch ein Spiel ansteht, gegen das stets unliebsame Mainz (gut indes, dass man sich Mateschitzbull in dieser Ausgangslage bis ins neue Jahre erspart). Immerhin ist das Semi-Derby ein Heimspiel, vielleicht kann die SGE dann nochmal die Kraft und Konzentration entwickeln, die zuletzt zu schwinden schien. Mit einem Doppel-Negativerlebnis diese famose Hinrunde abzuschließen, würde weder dem Verlauf noch der Stimmung nicht gerecht. Aber irgendwie würde ja auch das passen: Riesen Halbserie, die dann doch bestenfalls fad austrudelt.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Es trudelt fad

  1. Walter Kolb

    Wie kläglich dieser Elfmeter vergeben worden ist, überstrahlt bei mir sämtliche Analysen der gesamten 94 Minuten.

    So aufreizend lässig aus dem Stand, so unkonzentriert wie gegen Schalke anfangs der Saison.

    Ein Spieler der an dem Selbigen bis dato überhaupt noch nicht teilgenommen hatte, schmeißt diese einmalige Chance weg wie altes Brot.

    Ärgerlich!

    • F.N.

      Mit Chandler wird die Sicherheit im Abwehrverhalten wieder besser, weil Hasebe in die Mitte rückt. Diese Umstellung war wohl doch mit spielentscheidend. Dazu kommt, dass der Akku ziemlich leer zu sein scheint und es kaum Wechseloptionen für die 6 Defensivpositionen gibt. Insofern macht die Neuverpflichtung für die IV Sinn.

      • Die Spielweise der Mannschaft ist zugegeben ganz schön kräftezehrend – aber hat Kovac nicht genau deshalb auch die ganze Hinrunde hindurch schon rotiert? Da hätte ich schon gedacht, dass die eine oder andere Reserve nach 15 Spieltagen noch vorhanden ist.

        Speziell auf den Außenbahnen im Mittelfeld ist ja auch häufig was verändert worden, aber so richtig überzeugen konnte und kann da niemand. Am ehesten noch Rebic, aber mir scheint, dass er bei Spielen von Beginn an längst nicht der Faktor ist, der er von der Bank sein kann. So oder so: Kräftetechnisch sollten vor allem die Außenspieler noch einiges an Reserven haben. Zu sehen war davon wenig.

    • Jermaine Jones Junior

      Stimmt, und hat bei mir immer noch einen faden Nachgeschmack.
      Warum? Antwort: Wir kommen seit drei Spielen nicht mehr so oft in die Situation ein Tor zu schießen und wir gehörten in dieser laufenden Saison nicht wirklich zu den Mannschaften, die am häufigsten Großchancen kreiert. Deswegen hätte dieser Elfmeter eiskalt verwertet werden müssen (egal von wem).

      Ich glaube, der nächste große Schritt hin zum Reifesprung muss sein, jetzt häufiger am großen Rad zu drehen und offeniver zu sein. Deswegen irritierte mich die Aussage von Bobic vor ein paar Wochen, dass wir keinen neuen mehr holen wollen.
      Für unsere Verhältnisse machen wir schon das Beste daraus. Aber ich meine, dass das größte Entwicklungs- und Optimierungspotenzial unsere Offensive bleibt.
      Defensiv stehen wir schon bestens, aber vorne darf es gerne noch etwas mehr sein. Laufstark sind wir ja. Diese Stärke könnten wir mal vorne häufiger nutzen, wenn wir mit der gesamten Mannschaft höher stehen würden (ähnlich wie Dortmund). Ich vermisse da vorne Spielertypen wie Inui und Aigner, ehrlich gesagt.

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